Künstliche Intelligenz

Hohe Preise bremsen Smartphone-Wettbewerb | heise online


Elf Prozent weniger fabrikneue Smartphones sind im zweiten Quartal 2026 weltweit ausgeliefert worden, im Vergleich zum zweiten Quartal 2025. Das schätzen Marktforscher von Counterpoint. Demnach ergibt das die niedrigste Smartphone-Stückzahl seit 2013. Grund sind die hohen Preise für Speicherchips, sowohl bei DRAM als auch NAND. Im Gesamtjahr soll der Markt laut Prognose sogar um 14 Prozent schrumpfen.

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In der Hoffnung auf den großen Reibach mit Künstlicher Intelligenz investieren Konzerne unzählige Milliarden und kaufen Speicherchips in rauen Mengen. Das Angebot kann nicht mithalten, womit die Preise steigen – auch für Smartphone-Hersteller. Manche Mobiltelefon-Anbieter reagieren mit höheren Preisen, zum Teil nehmen sie auch geringere Margen in Kauf. Andere halten ältere Modelle länger im Markt, um ihre Kosten zu reduzieren, und einige Hersteller bringen weniger neue Modelle auf den Markt und/oder kürzen die Produktion.

Für Kunden ergeben sich weniger Auswahl und höhere Preise, was die Kauflust bremst. „Die globale Speicherkrise hat inzwischen jeden anderen Faktor, der die Smartphone-Branche herunterzieht, überholt”, kommentiert Counterpoint-Marktbeobachter Shilpi Jain. Zusätzlich trieben „geopolitische Spannungen im Nahen Osten Ölpreise und Lieferkosten, was Smartphone-Preise weiter erhöht. Das fällt zusammen mit breiteren makroökonomischen Engpässen, langsamerem globalen Wachstum, höherer Inflation und einer Stimmung unter Verbrauchern, die so schlecht ist wie noch nie.”

Diese Gemengelage trifft vor allem das Marktsegment günstigerer Smartphone-Modelle. Einerseits sind die Margen dort geringer, andererseits können sich die typischen Käufer einfach nicht mehr leisten. Im Premium-Segment schrecken ein paar hundert Euro mehr für ein Handy Abnehmer offensichtlich nicht ab. In diesem Segment gibt es aber nicht viele Anbieter, womit die Marktkonzentration zu- und der Wettbewerb abnimmt.

Samsung hat seinen Marktanteil um vier Prozentpunkte auf 24 Prozent steigern können. Die Galaxy-S26-Familie treibt laut Counterpoint dieses Wachstum. In Indien und dem Nahen Osten seien Samsung-Handys besonders erfolgreich.

Apple hat demnach ebenfalls zugelegt, um drei Prozentpunkte auf nunmehr 20 Prozent Marktanteil. So stark waren iPhones noch nie. Geholfen hat hier, dass Apple grundsätzlich hohe Margen hat und im zweiten Quartal Preiserhöhungen vermeiden konnte.

Die dritt-, viert- und fünftgrößten Anbieter sind nach wie vor Xiaomi, Oppo (samt Oneplus und Realme) und Vivo. Sie sprechen eher preisbewusste Verbraucher an und mussten Marktanteile abgeben. Xiaomi hat laut der Analyse zwei Prozentpunkte auf nunmehr zwölf Prozent Anteil eingebüßt, Je einen Prozentpunkt mussten Oppo (nunmehr elf Prozent) und Vivo (acht Prozent) streichen.

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Außerhalb der Top 5 hebt Counterpoint die Erfolge Googles und Huaweis hervor. Nach Stückzahlen betrachtet hat Google im zweiten Quartal sogar 16 Prozent mehr Handys verkauft als ein Jahr zuvor. Pixel 10 und Pixel 10a ziehen. Bei Huawei, das sechs Prozent mehr Smartphones ausliefern konnte, seien die Zugpferde die Baureihen Mate 80, Nova 15 und Enjoy 90.

Keine Überraschung ist Counterpoints Vorhersage, dass der weltweite Mangel an Speicherchips und daraus folgend hohe Preise („Chipflation”) auch 2027 anhalten werden. Smartphone-Firmen würde sich daher eher auf Geräte mit höheren Margen konzentrieren als auf das Volumengeschäft. Es werde weniger Gerätetypen mit schmalen Margen geben, und ihre Ausstattung wird wohl noch schmäler.

Für preissensible Kundengruppen setzen die Anbieter lieber auf ältere Modelle sowie aufbereitete Gebrauchtware, auf gut Denglisch „refurbished” genannt. Allerdings machen nur wenige Marken passende Zusagen zur Bereitstellung von Sicherheitsupdates.


(ds)



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