Künstliche Intelligenz
In-Ear-Kopfhörer Soundcore Liberty 5 im Test: Endlich richtig gutes ANC für 75 €
Mit Hi-Res-Klang, Dolby 3D-Audio, längerer Akkulaufzeit und ANC in dritter Generation sollen die Soundcore Liberty 5 den gelungenen Vorgänger ablösen.
Zur Erinnerung: Das Vorgängermodell Soundcore Liberty 4 (Testbericht) überzeugte uns mit einem starken Gesamtpaket zum fairen Preis und sticht nach wie vor in der Mittelklasse durch Features wie Spatial Audio und Herzfrequenzmessung aus der Masse heraus. Zu bemängeln waren lediglich die schwache Akkulaufzeit und das mittelmäßige ANC. Ob die Soundcore Liberty 5 hier nachbessern und welche Besonderheiten an Bord sind, schauen wir uns im Test an.
Design und Tragekomfort
Optisch hat sich bei den Liberty 5 wenig getan. Sie zeigen sich erneut im klassischen In-Ear-Look mit spitz zulaufendem Stift, über den die Click-Steuerung läuft. Die Designsprache wirkt leicht futuristisch mit vielen Rundungen, glänzendem Kunststoff und wenigen Details. Der Soundcore-Schriftzug an der Stift-Außenseite ist gewichen, das Marken-Logo bleibt. Das kompakte Ladecase hält wieder Farbtreue zu den In-Ears, allerdings mit mattem Finish. Zur Auswahl stehen Schwarz, Weiß, Blau und Pink.
Beim Tragekomfort zeigt sich die erste deutliche Verbesserung: Zwar war dieser bereits beim Vorgänger gut. Nun legt Soundcore aber sechs statt vier Aufsätze in unterschiedlichen Größen bei und reduziert das Gewicht der Earbuds von 6 auf 5 Gramm. Damit liegen die In-Ears noch leichter und fester in den Ohren – selbst intensiver Sport ist möglich. Dazu kommt ein Staub- und Wasserschutz nach IP55. Outdoor-Sport bei starkem Regen ist also kein Problem.
Bedienung und App
Dank Google Fast Pair lassen sich die Soundcore Liberty 5 einfach mit Android-Smartphones verbinden. Alternativ klappt auch die manuelle Kopplung. Die Click-Steuerung an den Earbuds ist angenehm simpel und geht nach kurzer Eingewöhnung intuitiv von der Hand. Wer mag, passt die Bedienung über die Begleit-App an. Diese ist gut strukturiert und bietet Zugriff auf alle Features. Einziges Manko: Beim Vorgänger war der Soundcore-Account noch optional, um Features wie die Herzfrequenzmessung freizuschalten – nun ist er Pflicht.
Die Soundcore Liberty 5 setzen auf Bluetooth 5.4 inklusive Multipoint für die Verbindung mit zwei Geräten gleichzeitig. An Codecs stehen SBC, AAC und mit LDAC auch eine Hi-Res-Variante für kompatible Android-Geräte zur Verfügung. Praktisch: Beim Vorgänger muss man sich noch zwischen Multipoint und LDAC entscheiden, jetzt funktioniert beides parallel.
Hinzu kommen Trageerkennung, HearID-Klangtest, Gaming-Modus für geringere Latenz und ein Passform-Test. An die Stelle von Spatial Audio tritt nun Dolby 3D-Audio. Über den 8-Band-Equalizer lässt sich das Soundbild gut individualisieren. Die 22 Klang-Presets empfinden wir hingegen als zu viel des Guten, zumal sich kaum Unterschiede ausmachen lassen. Weniger wäre hier mehr gewesen.
Akku
Im Idealfall halten die Soundcore Liberty 5 laut Hersteller bis zu 12 Stunden ohne ANC durch – drei Stunden mehr als beim Vorgänger. Mit Ladecase sind bei mittlerer Lautstärke bis zu 48 Stunden drin. Mit ANC reduzieren sich die Laufzeiten auf 8 beziehungsweise 32 Stunden. Diese Werte decken sich mit unserer Testerfahrung. Wer laut hört und Dolby 3D-Audio sowie den Hi-Res-Codec aktiviert, muss mit deutlich kürzerer Laufzeit rechnen: Im ANC-Modus ist bei uns nach rund fünfeinhalb Stunden Schluss. Trotzdem hat sich die zuvor bemängelte Laufzeit klar verbessert.
Ist der Akku leer, lädt er per beigelegtem USB-C-Kabel in rund zwei Stunden vollständig. Dank Fast Charging reichen 10 Minuten für etwa 5 Stunden Spielzeit ohne ANC. Kabelloses Laden wird ebenfalls unterstützt, dauert allerdings deutlich länger.
Klang
In der Königsdisziplin Sound schneiden die Liberty 5 ähnlich ab wie der Vorgänger: In den Standard-Einstellungen treffen die 9,2-mm-Treiber mit Wollpapier-Membran nicht ganz unseren Geschmack. Die Höhen sind etwas zu präsent, der Bass zu zurückhaltend. Über die 22 Klang-Presets oder – besser noch – den 8-Band-Equalizer lässt sich das gut anpassen. So machen auch LDAC-Codec und Dolby 3D-Audio Freude.
Bei der Sprachqualität hat sich wenig verändert. Soundcore setzt weiterhin auf sechs Mikrofone und bietet bei Telefonaten KI-Geräuschunterdrückung. Ein Modus zur Reduzierung von Windgeräuschen ist ebenfalls an Bord. Insgesamt telefoniert es sich gut und verständlich. Für längere Gespräche greifen wir dann aber doch lieber direkt zum Smartphone.
ANC
Erfreulich: Bei der ANC-Performance hat sich etwas getan. Soundcore bietet seine adaptive Geräuschunterdrückung nun in dritter Generation an. Das Ergebnis: Hat der Vorgänger noch deutlich mit hohen Tönen wie klirrendem Geschirr oder Stimmen zu kämpfen, rücken diese jetzt spürbar in die Ferne. Andere High-End-Modelle arbeiten zwar effektiver, kosten aber gerne mal das Doppelte oder mehr. Bei einem Preis unter 100 Euro gibt es also nichts zu meckern.
Ähnlich gut gefällt uns die Weiterentwicklung des Transparenzmodus: Das starke Grundrauschen und die unangenehm brummende eigene Stimme sind weitgehend passé. Umgebungsgeräusche werden natürlich wirkend durchgeschleift, die eigene Stimme liegt beim Sprechen nur noch leicht dumpf in den Ohren.
Preis
Mit einer UVP von 99,99 Euro siedeln sich die Soundcore Liberty 5 im Mittelklasse-Segment der ANC-Kopfhörer an. Zum Testzeitpunkt sind alle vier Farbvarianten (Schwarz, Weiß, Blau, Pink) ab 74 Euro (Amazon) erhältlich.
Fazit
Soundcore macht mit den Liberty 5 einen guten Job und bietet genügend Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger. Zwar fallen Spatial Audio und Herzfrequenzmessung weg. Dafür gibt es Dolby 3D-Audio und klare Fortschritte bei Akkulaufzeit und ANC-Performance – ein ordentliches Upgrade, das einen Wechsel vertretbar macht.
Aber auch sonst sind die Liberty 5 eine klare Empfehlung. Ein so starkes Gesamtpaket für rund 75 Euro ist etwas Besonderes. Für einen absolut runden Wurf fehlt nur noch das Klang-Feintuning. Damit überrascht uns Soundcore dann hoffentlich beim Nachfolger.