UX/UI & Webdesign
Instagram erneuert Wortmarke und Markendesign – Design Tagebuch
Meta hat für Instagram eine überarbeitete Wortmarke vorgestellt – die erste Änderung des Typologos seit 2016. Die Weiterentwicklung des Designs knüpfe an die Markenherkunft an und stelle die Kreativität der Community in den Mittelpunkt, so das Unternehmen.
Instagram, 2010 von Kevin Systrom und Mike Krieger gegründet, gehört zu den größten sozialen Netzwerken weltweit: Im September 2025 meldete Meta rund drei Milliarden monatlich aktive Nutzer weltweit, bei zuletzt etwa 500 Millionen täglich aktiven Nutzern. Größte Einzelmärkte sind Indien und die USA.
Den letzten Marken-Refresh hatte Instagram vor vier Jahren vollzogen. Umfassender war der Eingriff 2016, als die Instagram-Bildmarke (Kamerasymbol, „Glyph“) modifiziert und auf eine flächige Formensprache vereinfacht wurde (dt berichtete). Die nun vorgestellte neue Wortmarke kombiniert scriptuale Elemente mit einer Groteskschrift zu einem hybriden Schriftstil.

Auch die neue Wortmarke ist in Gemischtschreibweise gesetzt. Laut Jasmine Probst, Director of Product Design bei Instagram, wurden im Gestaltungsprozess hunderte Richtungen exploriert – darunter Versalkonzepte und handschriftliche Varianten. Die Entscheidung fiel auf eine Mischform mit handschriftlichen Anleihen: „Handschrift spiegelt Individualität wider, daher fühlte sich dieser Bezug richtig an. Der neue Schriftzug ist kühner und einfacher, mit Anklängen von Unerwartetem“, so Probst im hauseigenen Designnews-Blog.

Neben einer überarbeiteten Wortmarke führt Instagram drei hauseigene Schriftfamilien ein: eine aktualisierte Instagram Sans, die handschriftliche Instagram Pen sowie die monospaced Instagram Mono. „Instagram Sans“ ist seit 2022 ein zentrales Element des Markendesigns. Der charakteristische Farbverlauf bleibt Bestandteil der Marke, wird künftig jedoch zurückhaltender eingesetzt. Motion, Layout und UI-Elemente werden ebenfalls überarbeitet.
May Hartono, Director of Brand Design bei Meta, ordnet das System strategisch ein: „Das überarbeitete Markensystem stellt die Kreativität und den Selbstausdruck unserer Community in den Mittelpunkt. Es soll zu mutigem Handeln inspirieren und den Menschen das Selbstvertrauen geben, kreativ zu sein und sich ganz und gar so zu zeigen, wie sie wirklich sind.“
Das Kamera-Icon auf dem Homescreen bleibt unverändert. Der Rollout erfolge global gestaffelt; das vollständige Markensystem soll schrittweise bis 2027 implementiert werden. Instagram-CEO Adam Mosseri ließ es sich nicht nehmen die neue Wortmarke in einem Social-Post vorzustellen.
Kommentar
In letzter Zeit wurde die Sichtbarkeit der Instagram-Wortmarke zugunsten der Bildmarke immer weiter verringert. Bis vor Kurzem war die Wortmarke noch Bestandteil des Onboarding-Prozesses (Screenshot). Seit dem letzten Brand-Refresh führt Meta die Wortmarke nicht einmal mehr als Markenelement (about.instagram.com/brand). Ob der einzig verbliebene nennenswerte Anwendungsfall, die Darstellung im Header der Apps, fortbestehen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht abzusehen.
Die neue Instagram-Wortmarke ist ein Hybrid, in der lateinische Schriftzeichen mit Elementen anderer Schriftsysteme gemischt werden. Typographisch interessant erscheint mir die formale Nähe zur indischen Devanagari, der verbreitetsten Schrift in Südasien. Devanagari-Zeichen (इनइतअगरअम) werden durch eine horizontale Kopflinie (Shirorekha) verbunden, die als durchgehender Strich über den Buchstaben verläuft. Die im konkreten Fall zur Mittellinie (x-Linie) hin erfolgte Abflachung insbesondere beim „s“ und „r“, die eine für lateinische Lettern untypische Form aufweisen, erinnert an das Konstruktionsprinzip mit Shirorekha. Im direkten Vergleich wird das veränderte Konstruktionsprinzip besonders deutlich: während die bisherige Wortmarke auf eine durchgängig fließend-schwungvolle Strichführung und Lettern mit ausgeprägtem Strichstärkenkontrast setzt, ordnen sich bei der neuen Wortmarke die nunmehr monolinearen Buchstaben streng entlang der horizontalen Mittellinie an. Im Ausdruck zwar nicht statisch, doch strenger, konformistischer als bisher. „Instagram“ glattgebügelt. #Diskussion
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Böttcher wird BOETTCHER – Fahrradhersteller mit neuem Markenauftritt – Design Tagebuch
Der norddeutsche Fahrradhersteller Böttcher vollzieht eine visuelle, zugleich strategische Neuausrichtung. Unter dem künftig in Versalien und ohne Umlaut geschriebenen Namen BOETTCHER bündelt das Traditionsunternehmen seine Fahrradmarke, den Teile-Großhandel, den E-Commerce-Service sowie den eigenen Flagship-Store unter einer gemeinsamen Dachmarke.
Böttcher Fahrräder ist ein deutscher Fahrradhersteller und -großhändler mit Sitz in Wesseln bei Heide, Schleswig-Holstein. Das Unternehmen geht auf ein 1851 gegründetes Manufakturgeschäft zurück; Fahrräder werden seit 1907 gefertigt. Böttcher produziert individuelle Fahrräder und vertreibt zusätzlich Marken wie Grecos und Superior. Der Vertrieb richtet sich vor allem an den deutschen Fachhandel und reicht in weitere europäische Märkte. Regional ist das Unternehmen besonders in Norddeutschland verankert.
Das vor wenigen Tagen vollzogene Rebranding bedeutet für das Traditionsunternehmen die größte Veränderung des visuellen Erscheinungsbildes seit langer Zeit. In der Vergangenheit wurden die Marke Böttcher und das Unternehmen Böttcher visuell weitestgehend eigenständig geführt. Die Zusammenführung unter einem gemeinsamen Markendach sorge für Einheitlichkeit und kommuniziere eine zukunftsorientierte Ausrichtung, so das Unternehmen. Die neue Außendarstellung sei „moderner, cleaner, minimalistischer“, wie es im frisch relaunchten Webauftritt (boettcher-fahrraeder.de) heißt.

Das Logo wurde von Grund auf neu gestaltet. Aus einer Wortmarke mit handschriftlichem Charakter wurde ein aus schräg gestellten Großbuchstaben bestehendes Typologo. Die nach rechts geneigte Wortmarke kommuniziert Bewegung und Dynamik – ein im Kontext Radsport gängiges, weitverbreitetes Gestaltungsprinzip (siehe Wortmarken von Mitbewerbern wie Giant, Scott, Bergamont, Focus, Trek, Winora, Rose, Focus u.a.). Einkerbungen und die Zerlegung der Buchstaben in spitzkantige Segmente, wie beispielsweise beim E, dessen oberster Querstrich losgelöst vom vertikalen Stamm frei steht, betonen diesen Ausdruck. Die Umstellung der Schreibweise von „Ö“ auf „OE“ folgt der angestrebten stärkeren internationalen Positionierung.
Auch die traditionell am Fahrradrahmen montierte Plakette mit „B“-Bildmarke wurde redesignt. Dabei wurde die umgebende Schildform entfernt und die scriptuale Formensprache in eine stärker abstrahierte B-Form überführt. Das B fungiert im Sinne eines Sekundärlogos/Zweitzeichens.
Premiere feierte das neue Erscheinungsbild samt überarbeitetem Messestand auf der Fachmesse Bike&Co in Kassel. Wie Geschäftsführer Hauke Niemann betont, werde der neue Markenauftritt schrittweise über das kommende Jahr hinweg in allen analogen und digitalen Touchpoints ausgerollt. „Ein Rebranding passiert nicht von jetzt auf gleich, es ist ein stetiger Wandel, mit dem wir uns auch noch im kommenden Jahr intensiv beschäftigen müssen. Aber wir glauben daran, dass dies ein richtiger und wichtiger Schritt für unsere Marke ist“, so Niemann.
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- Boettcher Wortmarke am Rahmen, Quelle: Böttcher Fahrräder
- Boettcher Logo (Bildmarke), Quelle: Böttcher Fahrräder
- Böttcher Logo / Rahmenplakette – vorher und nachher,Bildquelle: Böttcher Fahrräder, Bildmontage: dt
- Böttcher Logo – vorher und nachher,Bildquelle: Böttcher Fahrräder, Bildmontage: dt
- Boettcher Logo, Quelle: Böttcher Fahrräder
- Boettcher Redesign Visual, Quelle: Böttcher Fahrräder
- Boettcher Messestand, Quelle: Böttcher Fahrräder / Linkedin
- Boettcher Messestand, Quelle: Böttcher Fahrräder / Linkedin
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