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Kein Gehalt, viel Druck – trotzdem sagte sie Nein zu 100.000 Euro
Nadina Ruedl lebte ein Jahr lang von ihren Ersparnissen. Unabhängigkeit war der vegan lebenden Gründerin wichtiger als der Kontostand.
„Das Thema ist ehrlich gesagt nicht leicht“, sagt Nadina Ruedl. Und meint damit das Einkommen in der Frühphase ihrer Gründung. Damals zahlte sich die Österreicherin kein Gehalt aus. Sie lebte von nur 1000 bis 1500 Euro im Monat. Und die kamen von ihrem Sparkonto.
Warum ihr das Reden über Geld schwerfiel? „Weil man dabei schon ziemlich gezwungen wird, ehrlich auf sich selbst zu schauen und auch auf die Seiten, über die man normalerweise nicht so offen redet“, erzählt sie Gründerszene.
Unternehmenswert und Selbstwert
Gerade für eine Geschäfstführerin fühle sich vermeintliches „Versagen“ extrem persönlich an. „Vor allem, wenn man, so wie ich, bootstrappt, komplett all in geht, den veganen Lebensstil selbst lebt und wirklich davon überzeugt ist, damit einen Unterschied machen zu können.“ Je näher das eigene Pitchdeck an persönlichen Überzeugungen ist, desto stärker können Rückschläge den Selbstwert angreifen.
Ruedl verkauft mit „Die Pflanzerei“ vegane Würstel und Ripperl. Über den eigenen Shop, aber auch das Onlineportal der österreichischen Supermarktkette Billa. Auf den Tisch kommen die Kreationen zum Beispiel im 1664 gegründeten Zillertaler Hotel „Neue Post“.
Das liest sich gut. Aber Ruedl warnt vor dem einseitigen Erfolgs-Narrativ. Von außen sehe das Startupleben oft nach Wachstum, Fundingrunden und „läuft eh super“ aus. „Was man weniger sieht, sind die schlaflosen Nächte und dieses ständige Gefühl, funktionieren zu müssen, egal wie es einem gerade wirklich geht.“
100.000-Euro-Karotte vor der Nase
Ohne die Sicherheit eines festen Jobs muss man schon an die Mission glauben. Und mal Nein sagen können, auch wenn es wehtut. „Ich hatte zu Beginn auch ein Investorenangebot über 100.000 Euro am Tisch, da war das Startup gerade einmal 20 Tage alt“, sagt Ruedl. Sie entschied sich dagegen. Und für die Unabhängigkeit. Zwar hätte das Geld ihr Konto entlastet. Aber „Die Pflanzerei“ wäre nicht mehr allein ihr Unternehmen gewesen.
„Rundherum halten dich viele einfach für komplett verrückt, teilweise sogar Familie oder Freundinnen von früher am Land“, erinnert sich die Gründerin. Das mache das Thema Gehalt extrem sichtbar. „Weil man dann nicht nur mit finanzieller Unsicherheit kämpft, sondern oft auch mit diesem dauernden Gefühl, sich erklären zu müssen. Warum man so lebt, warum man so arbeitet und warum man an etwas glaubt, das keinen finanziellen Output bringt.“