Künstliche Intelligenz
KI-Ärger und Gletscher-Abschied – die Fotonews der Woche 22/2026
Die vergangene Fotowoche lieferte einige Aufreger und KI ist dabei wieder mit im Spiel: Eine renommierte Galerie in Manhattan stellt eine KI-kolorierte Version eines der berühmtesten Fotos der Geschichte aus und bietet sie zum Verkauf an – ohne zu fragen. Software-Abos werden wieder teurer. Und ein bewegender Dokumentarfilm erinnert daran, dass nicht nur Bilder, sondern auch die Landschaften, die wir fotografieren, für immer verschwinden können.
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(Bild: heise )
Ansel Adams, KI und die Frage nach Respekt
Die Danziger Gallery in New York hat auf der Photography Show im April eine KI-generierte Farbversion von Ansel Adams‘ ikonischem Foto „Moonrise, Hernandez, New Mexico“ ausgestellt – in drei Größen, in Editionen zu je zehn Stück, und zum Verkauf angeboten. Der Prompt? „Make a realistic color version of Ansel Adams‘ iconic ‚Moonrise Over Hernandez’“. Danach wurde das Bild monatelang bearbeitet, geprooft und von einem Meisterdrucker auf Papier gebracht.
Das Problem: Niemand hat den Ansel Adams Publishing Rights Trust gefragt. Juristisch mag Galeriebesitzer James Danziger im Recht sein, denn das Foto von 1941 ist gemeinfrei. Moralisch sieht die Sache anders aus. Der Trust wies darauf hin, dass Adams sein Leben lang dafür gekämpft hat, Fotografie als Kunstform zu etablieren – und dass niemand ohne Erlaubnis mit dem Namen, dem Ruf und der Arbeit eines anderen Geld verdienen sollte.
Danziger verteidigte sich (): Er habe das Bild aus Liebe zum Original geschaffen und wollte zeigen, was Adams in jenem Moment in Farbe gesehen haben könnte. Ein Urheberrechtsanwalt habe bestätigt, dass das Foto gemeinfrei ist. Doch Liebe allein reicht manchmal nicht – ein Anruf hätte gereicht.
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VSCO will Fotos für KI nutzen
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Auch bei der Software gibt es Neuigkeiten, die weniger erfreulich sind. VSCO, die bei vielen Kreativen beliebte Foto-App, hat seine Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien geändert. Ab dem 22. Juni darf das Unternehmen hochgeladene Fotos nutzen, um KI-Modelle zu trainieren – natürlich anonymisiert, wie es heißt. Konkret: „Wir können Ihre Daten für Forschung und Entwicklung verwenden, um unsere oder die Dienste unserer Partner zu verstehen und zu verbessern, einschließlich künstlicher Intelligenz und maschineller Lernmodelle.“
Die Daten werden „nur so lange aufbewahrt, wie wir sie vernünftigerweise für die genannten Zwecke benötigen“ – also potenziell für immer. Viele Nutzer sind enttäuscht. VSCO war immer eine App für Kreative, und nun sollen deren Bilder dazu dienen, eine seelenlose Maschine zu füttern. Wer das nicht will, muss die App wohl verlassen. Zumindest bleibt die Möglichkeit, die neuen Bedingungen nicht zu akzeptieren – dann ist allerdings auch die Nutzung der App vorbei.
Capture One erhöht Preise um sechs Prozent
Apropos Software: Capture One erhöht ab dem 2. Juni die Preise für alle Produkte – Pro, All-in-One, Studio – um sechs Prozent. Das betrifft Monats- und Jahresabos sowie Perpetual-Lizenzen. Wer monatlich zahlt, wird sieben und drei Tage vor der Verlängerung informiert, Jahresabonnenten 30, sieben und drei Tage vorher.
Für das Pro-Abo bedeutet das: Statt 17 Dollar im Monat bei jährlicher Zahlung sind es künftig etwa rund 12 Dollar mehr pro Jahr. Monatlich ohne Bindung steigt der Preis auf über 27 Dollar. Die All-in-One-Variante mit iPad-App und Cloud-Funktionen klettert auf fast 25 Dollar monatlich, das Studio-Abo auf knapp 49 Dollar.
Capture One begründet die Erhöhung mit gestiegenen Kosten für Entwicklung und Support. Immerhin: Wer vor dem 2. Juni von einem Monatsabo auf ein Jahresabo wechselt, sichert sich noch den alten Preis. Und im Vergleich zu anderen Anbietern ist die Erhöhung moderat – aber sie ist ein weiteres Zeichen dafür, dass auch in der Fotosoftware die Zeiten günstiger Abos vorbei sind.
Wiener Auktionen: Rekordpreise und Tradition
Erfreulicher sind die Nachrichten aus Wien. Die OstLicht Camera Auction Spring 2026 am 28. Mai brachte beeindruckende Ergebnisse: Eine Leica MP Vorserie von 1956 erzielte 1,14 Millionen Euro – eine der teuersten Nachkriegs-Leicas, die je versteigert wurden. Auch bei der Photo Auction am selben Tag gab es Highlights: Ein großformatiger Print von René Burri ging für 43.200 Euro weg, eine Collage von Peter Beard für 54.000 Euro.
OstLicht führt die Tradition der WestLicht-Auktionen fort, die seit 2002 Wien als europäische Adresse für Fotoauktionen etabliert haben. Und das Beste: Auch Sammler mit kleinerem Budget kommen auf ihre Kosten. Ein Teil des Erlöses fließt in die Arbeit des gemeinnützigen Vereins WestLicht. Die nächste Fotoauktion findet am 13. September im Rahmen der Parallel-Kunstmesse statt.
Zeit und Wasser: Ein Film über das Verschwinden
Zum Abschluss noch eine Empfehlung, die zum Nachdenken anregt. Der Dokumentarfilm „Time and Water“ von Sara Dosa (bekannt durch „Fire of Love“) nimmt am Sundance Film Festival teil und läuft ab dem 29. Mai in den Kinos (Trailer). Er erzählt die Geschichte des isländischen Schriftstellers Andri Snær Magnason, der mit dem Tod der Gletscher seines Landes und dem Verlust seiner Großeltern konfrontiert ist.
Magnason, der 2019 die Trauerrede für Okjökull hielt, den ersten isländischen Gletscher, der seinen Status verlor, versucht in Archivaufnahmen, Fotos und Familienfilmen festzuhalten, was verschwindet: Erinnerungen, Zeit, Wasser. Der Film ist „polytemporal“, wie Dosa sagt – er verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und er zeigt, dass nicht nur Bilder, sondern auch die Welt, die wir fotografieren, für immer verloren gehen kann, wenn wir nichts tun.
Gletscher sind Zeitkapseln der Erde, sie speichern, was in der Luft und im Wasser war – auch unsere Verschmutzung. Islands Gletscher sind etwa 2.500 Jahre alt, älter als die Menschen, die dort leben. Bis 2100 könnte die Hälfte des verbliebenen Eisvolumens verschwunden sein, bis 2200 vielleicht alles. „Time and Water“ ist kein Film, der mit Weltuntergangsstimmung erschlägt, aber er zeigt eindringlich: Die Zukunft ist noch offen, aber es liegt an uns, sie zu gestalten.
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(tho)