Künstliche Intelligenz
KI-Update Deep-Dive: KI im Handwerk – Mehr als nur ein Werkzeug
Erst der Mensch, dann der Prozess, dann die KI
Weiterlesen nach der Anzeige
Die Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) wird oft als Lösung für Effizienzprobleme in Unternehmen gesehen. Doch im Handwerk, wo praktische Arbeit im Vordergrund steht, sieht die Realität häufig anders aus. Anstatt Produktivitätsgewinne zu erzielen, erleben viele Betriebe, dass die neue Technologie vor allem eines tut: Sie macht bereits vorhandenes Chaos sichtbar, erklärt Dominik Heckner im Podcast. Er ist Geschäftsführer der Heckner Coaching GmbH und hat sich auf die Beratung von Betrieben im Elektrohandwerk spezialisiert.
„Wenn ich erwarte, dass die KI gewisse Dinge für mich übernimmt, mit denen sich bereits der Inhaber schwertut, der seit 10 oder 20 Jahren sein Unternehmen führt, wie soll die KI ohne große Anleitung diesen Job besser machen?“, fragt Heckner im Gespräch. Für ihn ist die richtige Reihenfolge entscheidend: „In jedem Unternehmen, völlig unabhängig von der Branche, gibt es drei Ebenen. Du hast Prozess, Mensch und Technologie. Und die richtige Reihenfolge ist natürlich Mensch, Prozess, Technologie.“
Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im „KI-Update“ von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.
Die Basis muss stimmen: Ohne Struktur kein Erfolg
Bevor KI-Tools sinnvoll eingesetzt werden können, müssen die Grundlagen im Betrieb stimmen. Heckner betont, dass eine der wichtigsten Voraussetzungen ein klares Organigramm und definierte Stellenbeschreibungen sind. Daraus ergeben sich dann individuelle Bedürfnisse und Möglichkeiten der Unternehmen.
Ist ein Unternehmen gut aufgestellt und die Strukturen gefestigt, kann KI in vielen Bereichen unterstützen: in der Lagerverwaltung, bei der Baustellenplanung, bei Mitarbeitergesprächen, in der schnelleren Kommunikation mit Kunden oder mit automatisierten Angeboten. Dabei gilt es auch immer, die Bedürfnisse und Bedenken der Belegschaft im Blick zu haben, „denn ansonsten wird es ein Kreuzzug, den der Chef alleine führt.“
Weiterlesen nach der Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externer Podcast (Podigee GmbH) geladen.
Sinnvolle Anwendungsfälle und ihre Grenzen
Ein konkreter Anwendungsfall ist die Erstellung eines digitalen Betriebshandbuchs, auf das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über einen Bot zugreifen können. Darin werden Fragen zu Arbeits- und Pausenzeiten, zum Umgang mit Material oder Fahrzeugen sowie zu Verwaltungsabläufen beantwortet. „Der Mitarbeiter kann auf der Baustelle ganz einfach über das Smartphone sagen, ‚ich habe folgenden Anwendungsfall, wie soll ich das technisch lösen?‘ Und dann untersucht die KI das Skript und gibt eine konkrete Antwort“, erklärt Heckner. Da die KI hierbei auf einen kontrollierten Wissensfundus zugreift, sei die Gefahr von Falschinformationen gering.
Allerdings warnt der Experte auch vor den Risiken. Insbesondere beim Thema Datenschutz sei Vorsicht geboten. „Im Zweifel, wenn es um Kundendaten geht, muss ich immer die Annahme treffen, dass ich es nicht darf.“ Personenbezogene Daten sollten nur mit Bedacht und im Einklang mit der DSGVO verarbeitet werden. Eine weitere Gefahr sieht er in der unreflektierten Nutzung von KI-Ergebnissen. „Das Gefährliche an der KI ist, dass 80 bis 90 Prozent wohl richtig sein mögen, aber die letzten 10 Prozent sind teilweise absurd schlecht.“ Erfahrene Fachleute erkennen diese Fehler sofort, für Neulinge könne dies jedoch zu einem Problem werden.
(igr)