Künstliche Intelligenz
Klimawandel: Abschied vom absoluten Worst-Case-Szenario keine Entwarnung
Die nächste Generation von weltweit anerkannten Klimamodellen wird das bislang schlimmstmögliche Szenario für die Klimaerwärmung nicht mehr berücksichtigen. Gleichzeitig geht auch die bestmögliche Prognose nicht mehr davon aus, dass das Ziel des Pariser Klimaabkommens gehalten wird. Das hat eine internationale Forschungsgruppe ermittelt, die den nächsten Sachstandsbericht für den Weltklimarat vorbereitet. Anders als teilweise behauptet, bedeute der Schritt aber keine Entwarnung, warnt Niklas Höhne vom New Climate Institute in Köln gegenüber dem Science Media Center (SMC). Weil die Gefahr inzwischen als größer angesehen wird, dass bestimmte Kipppunkte überschritten werden, könnten die Folgen des neuesten Worst-Case-Szenarios nicht weniger gravierend ausfallen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Nicht plausibel, aber nicht unmöglich
Konkret geht es dabei um die RCP-Szenarien (englisch: Representative Concentration Pathway), die verschiedene Prognosen für die Entwicklung der absoluten Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre bezeichnen. Verzichtet werden kann dabei auf das schlimmste davon, das als RCP8.5 bezeichnet würde. Das seidavon ausgegangen, dass die Nutzung fossiler Energiequellen unendlich weiter wachse, vor allem, weil es lange keine Alternativen gegeben habe, erklärt Höhne. Dadurch wäre die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts im Mittel um fast fünf Grad wärmer geworden, mit regelrecht apokalyptischen Folgen. Während das nun nicht mehr modelliert werde, sei es aber weiterhin möglich, dass eine Erwärmung von über 4 Grad erreicht werde, erklärt das Forschungsteam.
Dafür, dass das bisherige Worst-Case-Szenario abgelöst werden kann, macht die Forschungsgruppe gleich mehrere Faktoren verantwortlich. So hätten die globalen Treibhausgasemissionen in den vergangenen Jahren immer in etwa auf der Mitte der prognostizierten Bandbreite gelegen, allein dadurch habe die Prognose entsprechend angepasst werden können. Gleichzeitig wachse der Anteil erneuerbarer Energiequellen an der Stromerzeugung dank der gefallenen Kosten viel schneller als angenommen. Schließlich sehen die Forscher und Forscherinnen auch einen geringen Anteil erfolgreicher Klimapolitik an der Entwicklung.
Insgesamt handle es sich um eine großartige Nachricht, sagt Diana Rechid vom Helmholtz-Zentrum Hereon in Hamburg dem SMC: „Die technologischen, ökonomischen und politischen Errungenschaften der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass das Worst-Case-Szenario, das vor mehr als 15 Jahren aufgestellt wurde, nicht mehr plausibel ist!“ Unmöglich sei es aber nicht. Der Schritt beweise, „dass wir gemeinsam etwas bewirken“. Die Konsequenz müsse aber heißen, „nun schnell, wirksam, weltweit Emissionen zu vermeiden“. Wer den Schritt nutze, um Klimawissenschaft zu diskreditieren und den Klimawandel herunterzuspielen, handle unverantwortlich, ergänzt Höhne. Aktuell seien Warnungen vor einem besonders starken El Niño äußerst besorgniserregend.
Das Forschungsteam selbst weist derweil darauf hin, dass es angesichts der immer noch steigenden Treibhausgasemissionen und der bereits in der Atmosphäre befindlichen Mengen keinen plausiblen Weg mehr gebe, um die Erwärmung auf unter 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Selbst die optimistischsten Szenarien gehen demnach inzwischen davon aus, dass dieser Wert im Mittel übertroffen wird. Damit das Ziel des Pariser Klimaabkommens doch noch eingehalten wird, müsste also in großem Umfang CO₂ aus der Atmosphäre entfernt werden. Bislang ist aber unklar, wie das erreicht werden könnte. Der ganze Forschungsartikel ist bei Geoscientific Model Development einsehbar.
Weiterlesen nach der Anzeige
(mho)