Künstliche Intelligenz

Krach aus Kleingeld: Auf der Superbooth lärmen Weltpremieren gegen Langeweile


In Berlin kommen von Donnerstag noch bis Sonntag Musiker, Nerds und Technikbegeisterte auf der Superbooth zusammen. Über 300 Aussteller zeigen ihre neuesten Synthesizer und elektronischen Module und laden Besucher zum Hands-on ein. Hier laufen keine Anzugträger und PR-Hostessen herum, sondern Entwickler, die ihre Platinen zum Teil noch selbst von Hand gelötet haben. Statt Hochglanz-Marketing gibt es Gespräche über Schaltungsdesign, Filterresonanzen und darüber, warum ein Delay gerade wie ein Unterwasser-Echo klingt.

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Die Superbooth hat sich zum wichtigsten und größten Treffen der Branche gemausert. Nirgendwo sonst gibt es so viele Weltpremieren von Prototypen zu sehen und zu hören. Initiator Andreas Schneider betreibt in Berlin den berühmten Schneidersladen, der Elektronikpioniere auf der ganzen Welt beliefert. Gerade deshalb funktioniert die Messe so gut: Sie wirkt trotz ihres Wachstums immer noch eher wie ein chaotisches Treffen von Klangbastlern als wie eine klassische Technikmesse.

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Superbooth 2026:

Unser Rundgang über das FEZ zeigt die interessantesten neuen Synthesizer zum Sound-Design aus Berlin.


(Quelle: Robin Ahrens, Hartmut Gieselmann/heise Medien)

Um Neulingen den Einstieg zu erleichtern, setzen viele Hersteller inzwischen auf kleine Desktop-Boxen, die zum Spielen mit der Hand einladen und sich oft einfach mit einem Laptop und einer DAW-Software kombinieren lassen. Wir sind am ersten Messetag über das Gelände gezogen und haben Dutzende Synthesizer und Module ausprobiert. Manche klangen wie verstimmte Raumsonden aus einem Science-Fiction-Film der 60er Jahre, andere verwandelten einfache Impulse in wabernde Rhythmuslandschaften.

Wir stellen sechs besonders interessante Neuerungen von Buchla, Soma, Verbos und Make Noise vor, die zeigen, wie unkonventionell Entwickler heute neue Instrumente bauen und dass die Branche den Einbruch durch die Corona-Krise inzwischen überwunden hat.

Auslöser des Booms war ein in den 90er Jahren vom deutschen Elektroingenieur Dieter Doepfer entwickeltes Standardisierungsformat namens Eurorack, das Maße und Spannungen der einzelnen Module festlegt, damit sie ihre Signale passend übertragen und in normierte Koffer passen. Durch das offene Format konnten viele kleine Firmen mit nur ein oder zwei Entwicklern neue Module in kleinen Stückzahlen entwerfen, sodass ein buntes Ökosystem entstand.

Doch Corona versetzte die Branche in eine schwere Krise: Musiker, die nicht auftreten konnten, hatten auch keine Knete für neue Instrumente. Viele kleinere Hersteller mussten aufgeben, meldeten Insolvenz an oder wurden von größeren Konsortien übernommen. Das traf zuletzt selbst Branchengrößen wie Moog, Elektron oder Native Instruments.

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Der „Vater“ des Eurorack Dieter Doepfer (links) erzählte im Interview von seinen Plänen für Quadrophonie-Module.

(Bild: c’t / heise Medien)

Doch langsam lichten sich die Reihen, und die überlebenden Firmen haben wieder volle Auftragsbücher. Das bestätigte uns Dieter Doepfer, den wir auf seinem Stand auf der Superbooth trafen: „Aus Gründen, die wir selbst nicht nachvollziehen können, haben wir wieder den Stand von vor Corona erreicht. Es hat sich erstaunlicherweise alles wieder erholt.“ Doepfer hat sich inzwischen aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und berät seine Nachfolger bei neuen Modul-Ideen.

So zeigt Doepfer auf der Messe eine Reihe kleiner Hilfsmodule im platzsparenden 1U-Format, das nur ein Drittel der Höhe typischer Eurorack-Module benötigt. Neben solchen Brot-und-Butter-Helferlein tüftelt er aber schon an der nächsten Generation. Nachdem viele Eurorack-Hersteller erst vor ein paar Jahren von Mono-Signalen auf Stereo aufgerüstet haben, will Doepfer die Quadrophonie wieder aufleben lassen, bei der Künstler das Publikum aus vier Richtungen beschallen. Das funktioniert zwar schon bisher, benötigt aber einen immensen Verkabelungs- und Steuerungsaufwand, der vereinfacht werden soll.



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