Künstliche Intelligenz

Lamtto RC30 im Test: Display rüstet Carplay und Android Auto nach


Das Lamtto RC30 rüstet Carplay und Android Auto in älteren Autos nach – samt Streaming-Apps. Wie das 9-Zoll-Display funktioniert, zeigt der Test.

Wer ein älteres Auto fährt, muss meist auf Android Auto und Apple Carplay verzichten. Ein nachträglicher Einbau moderner Infotainment-Systeme ist oft unverhältnismäßig teuer oder gleich ganz unmöglich. Eine günstige Alternative sind Aufsatz-Displays, die wie ein Navi im Cockpit sitzen.

Das Lamtto RC30 kostet rund 120 Euro und bringt nicht nur Carplay und Android Auto ins Fahrzeug, sondern auch Streaming-Apps wie Netflix und Youtube – bedienbar über eine eigene Oberfläche. Wir zeigen, wie sich der Bildschirm zum Nachrüsten im Alltag schlägt.

Hinweis: Videos am Steuer lenken ab und sind laut § 23 Abs. 1a StVO verboten – es drohen 100 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Erlaubt ist die Nutzung nur bei manuell ausgeschaltetem Motor, etwa in der Pause auf dem Parkplatz. Ein Motor im Leerlauf oder eine aktive Start-Stopp-Automatik zählen rechtlich nicht als ausgeschaltet. Die Zündung darf aber eingeschaltet sein, damit das Display läuft.

Display & Lieferumfang

Wie bei dieser Geräteklasse üblich, besteht das Gehäuse aus einfachem Kunststoff – hochwertig wirkt das nicht. Auf der Rückseite sitzen die Aussparungen für die Halterung, rechts daneben die Anschlüsse für Strom (USB-C) und ein AUX-Ausgang. Im Lieferumfang liegen ein 12-Volt-Adapter für den Zigarettenanzünder sowie ein AUX-Kabel (Klinke auf Klinke) für die optionale Tonausgabe über das Autoradio. Daneben gibt es noch einen Videoeingang für die Rückfahrkamera sowie einen microSD-Kartenslot, um Medien direkt vom Speicher abzuspielen.

Die Auflösung beträgt 1024 × 600 Pixel und sorgt für ein ausreichend scharfes Bild, auch wenn das unterhalb von Full-HD liegt. Anders als die meisten Displays in unseren Tests setzt der RC30 nicht auf ein extrabreites Format, sondern auf klassische 16:9-Proportionen. Im Vollbildmodus zahlt sich das bei der Navigation aus – die Strecke bleibt gut sichtbar.

Wer den Splitscreen nutzt, um etwa Spotify neben Google Maps anzuzeigen, stößt in der Breite schnell an die Platzgrenzen des Displays. Hinzu kommt: Das 9-Zoll-Display ist vergleichsweise hoch. Vor dem Kauf sollte man die Einbauposition prüfen.

Zur Befestigung liegen zwei Halterungen bei: eine zum festen Aufkleben aufs Armaturenbrett und eine Saugnapfhalterung. Letztere ist schnell montiert, abnehmbar und justierbar – in der Theorie ideal. In der Praxis hielt der Saugnapf auf dem Armaturenbrett aber nicht zuverlässig, besonders bei Hitze löste er sich häufiger – im Zweifel auch während der Fahrt. Das ist schade, denn nur mit der Saugnapfhalterung konnten wir das Display so ausrichten, dass es unser Sichtfeld nicht störte. Auch an der Windschutzscheibe saß er nicht immer fest. Zudem lässt sich der hohe Screen von dort kaum ausrichten, ohne die Sicht zu beeinträchtigen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, greift zur Klebehalterung. In unserem Opel Adam war das allerdings auch keine gute Lösung: In unserem Testwagen ragte der Monitor spürbar ins Sichtfeld – im Kleinwagen ein Sicherheitsrisiko. Eine wirklich überzeugende Befestigung haben wir für dieses Modell nicht gefunden. Eine Halterung für Tablets an der Lüftung könnte eine Lösung für Bastler sein.

Unserem Testmuster lag zudem eine Rückfahrkamera bei. Sie ist allerdings kabelgebunden, was einiges an Fummelei im Fahrzeug bedeutet: Die Kamera selbst wird an Heckstoßstange oder Heckklappe montiert – unter Umständen müssen dafür Löcher gebohrt werden. Anschließend muss das Kabel seinen Weg quer durch den Innenraum finden. Wegen dieses Aufwands haben wir auf einen Test dieses Features verzichtet.

Montage & Einrichtung

Zunächst entscheidet man sich für eine Befestigungsmethode – Saugnapf oder Klebehalterung – und montiert den Monitor aufs Armaturenbrett. Vor der finalen Fixierung sollte man die Kabel einstöpseln: Strom und bei Bedarf AUX. Dann Zündung an: Der Monitor fährt in rund 30 Sekunden hoch. Jetzt koppelt man das Smartphone per Bluetooth mit dem Gerät. Künftig startet das Display automatisch, sobald die Zündung an ist.

Für die Tonausgabe stehen vier Optionen bereit. Am einfachsten ist die AUX-Verbindung per Kabel zum Autoradio – sie setzt einen entsprechenden Eingang voraus. Unschön: Im Test kam es dabei zu massiven Tonstörungen. Die Ursache kann sowohl am Display als auch am betagten Opel Adam liegen. Abhilfe schafft ein Entstörfilter für wenige Euro – den sollte man gleich einplanen.

Komfortabler ist die Bluetooth-Kopplung mit dem Autoradio: Dank Dual-Bluetooth verbindet sich das Display gleichzeitig mit Smartphone und Radio. In unserem Opel Adam benötigte die Bluetooth-Kopplung zwischen Monitor und Radio allerdings mehrere Anläufe – vermutlich fahrzeugbedingt. Man muss das Auto per Bluetooth sichtbar machen, im Display unter „Bluetooth senden“ das Radio auswählen und die Verbindung am Infotainment-System bestätigen.

Fällt beides aus, kommt der FM-Transmitter ins Spiel: Eine freie UKW-Frequenz festlegen, fertig. Die Variante ist allerdings anfällig für Rauschen und Überlagerungen. Letzte Option sind die eingebauten Lautsprecher – die klingen dünn und blechern.

In der Praxis ist die AUX-Verbindung ausreichend laut, klingt aber leicht blechern. Stimmen bei Podcasts wirken etwa übersteuert. Per Bluetooth ist der Klang besser, aber etwas leise, dadurch muss man das Radio laut aufdrehen. Nur über Bluetooth lässt sich zudem die Lenkradfernbedienung nutzen. Die Telefonqualität ist allerdings nur mäßig – trotz eingebautem Mikrofon im Display.

Funktionen & Anwendung

Die Hauptfunktion des RC30 ist das Nachrüsten von Android Auto und Apple Carplay. Beide Systeme spiegeln Inhalte des Smartphones auf den Monitor – allerdings in einer für die Fahrt sicheren, reduzierten Form. Klassische Video-Apps wie Youtube sind hier nicht verfügbar. Für die Navigation greift man auf Apps wie Google Maps zurück, für Musik auf Dienste wie Spotify.

Wer dennoch streamen will, kann das in der Pause tun – sofern der Motor aus ist (siehe Hinweis oben). Dazu wechselt man in die native Bedienoberfläche des Displays. Vorinstalliert sind Youtube und Netflix, über den herstellereigenen App-Store lassen sich zusätzlich Spotify, Disney+ und Amazon Prime nachladen. Einen vollwertigen Play-Store-Ersatz bietet das System aber nicht.

Für die App-Nutzung in der nativen Oberfläche benötigt das Display Internet. Am einfachsten richtet man dafür einen Hotspot auf dem Smartphone ein und koppelt das Display per WLAN. Über dieselbe Verbindung laufen auch Firmware-Updates. Die Software erinnert stark an den von uns getesteten Ottocast Screenflow – vermutlich steckt der gleiche OEM-Hersteller dahinter.

Im Test funktionierten Display und Kopplung bislang zuverlässig. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass solche Geräte gerne mal zicken und beim nächsten Start nicht auf Anhieb koppeln. Wir beobachten das Verhalten weiter und aktualisieren den Test, falls sich Probleme zeigen.

Ein Ärgernis bleibt: Eine automatische Helligkeitsanpassung fehlt. Man muss die Helligkeit also manuell am Display regeln. Das ist während der Fahrt nicht nur unpraktisch, sondern auch gefährlich.

Preis

Direkt beim Hersteller kostet der Lamtto RC30 rund 120 Euro. Bei Amazon ist er aktuell mit 110 Euro sogar günstiger.

Fazit

Der Lamtto RC30 bietet viel für einen vergleichsweise niedrigen Preis: Dual-Bluetooth, ein integrierter FM-Transmitter für ältere Radios und sogar Streaming-Apps über eine eigene Software-Oberfläche – ein Feature, das über Android Auto und Carplay hinausgeht. Damit gelingt das Nachrüsten älterer Autos schnell und einfach, unabhängig davon, ob das Bordradio Bluetooth beherrscht oder nicht.

Das Gerät zeigt Schwächen beim Design. Durch das 16:9-Format baut der 9-Zoll-Bildschirm vergleichsweise hoch. Wer ihn fest aufs Armaturenbrett klebt – unsere Empfehlung, weil der Saugnapf langfristig nicht zuverlässig hält – muss in einem Kleinwagen mit einem deutlich eingeschränkten Sichtfeld leben. In solchen Fällen sind kleinere 7-Zoll-Displays oder Modelle im Ultrabreitbildformat die bessere Wahl. Ebenfalls ärgerlich ist das Fehlen einer automatischen Helligkeitsanpassung.

Insgesamt ist der RC30 eine günstige Lösung, um Carplay und Android Auto nachzurüsten – mit Streaming-Apps als nettem Extra. Nutzen sollte man die allerdings nur im Stand und bei ausgeschaltetem Motor.



Source link

Beliebt

Die mobile Version verlassen