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Lankeleisi Golf-X im Test: Klapprad-E-Bike mit tiefem Einstieg & 200 kg Zuladung


Das Lankeleisi Golf-X mit 200 kg Zuladung und kräftigem Heckmotor mischt Tiefeinsteiger, Fatbike und Klapprad zu einem ungewöhnlichen Gesamtpaket.

Klapprad, Lastenrad und Fatbike in einem? Das Lankeleisi Golf-X versucht den Spagat zwischen drei Fahrradgattungen. Obendrauf gibt es einen Tiefeinsteiger-Rahmen, einen Frontkorb sowie Sozius-Fußrasten. Damit schlägt es in eine ähnliche Kerbe wie das Fafrees F20 X Max (Testbericht).

Knapp 37,5 kg bringt das Golf-X auf die Waage. Trotzdem lässt es sich falten. Die maximale Zuladung von 200 kg gehört zu den höchsten, die uns je in einem Klapprad begegnet sind. Der 250-W-Heckmotor mit Drehmomentsensor liefert laut Hersteller bis zu 85 Nm – ordentlich für ein Pedelec. Der 960-Wh-Akku von Samsung verspricht Reichweiten, die manchen ausgewachsenen Tourer alt aussehen lassen. Allerdings gibt es rechtliche Bedenken. Die maximale Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h zeigt im Test Inkonsistenz und lässt sich zudem einfach entsperren.

Wir haben das ungewöhnliche E-Bike auf die Straße geschickt. Aktuell kostet das Golf-X ab etwa 1899 Euro direkt beim Hersteller.

Aufbau, Optik & Verarbeitung

Geliefert wird das Golf-X weitgehend vormontiert. Wir setzen Lenker, Vorderrad, vorderes Schutzblech, Bedieneinheit, Pedale, Fußstützen für den Gepäckträger und Frontkorb an – nach rund 45 Minuten ist das Bike fahrbereit. Werkzeug, Luftpumpe und ein Schloss liegen bei. Die englische Anleitung ist logisch bebildert. Auch ungeübte Nutzer kommen klar, das hohe Gewicht macht den Aufbau allerdings unhandlich.

Ebenfalls dabei: ein Gasgriff. Diesen sollte man weglassen, in Deutschland sind solche Hebel nur bis 6 km/h erlaubt.

Optisch ist das Golf-X ein Hingucker. Die metallic-glänzende Lackierung gibt es in Grau, Grün und Violett. Der massige Rahmen, der tiefe Einstieg und die 20-Zoll-Laufräder mit 4 Zoll breiten Fatbike-Reifen lassen das Rad im Alltag auffallen. Langgezogen und wuchtig steht es auf der Straße.

Der Rahmen wirkt verwindungssteif. Bei 200 kg erlaubter Gesamtlast muss er das auch. Der Frontkorb trägt bis zu 20 kg. Die Kabel verlaufen sichtbar vom Lenker in den Rahmen – kaum anders machbar bei einem höhenverstellbaren Lenker. Die Kunststoff-Schutzbleche wirken funktional, aber nicht hochwertig. Frontkorb, Gepäckträger und Fußstützen aus Metall und Holz machen dagegen einen edlen Eindruck.

Falten lässt sich das Golf-X über ein Rahmengelenk, einen klappbaren Vorbau und einen einziehbaren Lenker. Die Pedale bleiben starr. Für das regelmäßige Pendeln mit der Bahn ist das Rad zu schwer. Das Hineinhieven in einen Kofferraum erinnert dank der knapp 37,5 kg an Kraftsport.

Lenker & Display

Der höhenverstellbare Aluminiumlenker sitzt auf einem klappbaren Vorbau. Daraus ergibt sich eine aufrechte, entspannte Sitzposition. Die breite Form sorgt für Kontrolle bei niedrigem Tempo. Wegen der hohen Fahrzeugmasse lenkt das Golf-X dennoch träge. Die ergonomisch geformten Handgriffe liegen gut in der Hand und bleiben auch auf längeren Touren komfortabel.

Mittig thront ein gut ablesbares Farb-LC-Display. Es zeigt Geschwindigkeit, Akkustand, Unterstützungsstufe, Kilometerstand und Durchschnittswerte. Die Bedieneinheit sitzt direkt am Lenker. Eine App gibt es nicht, die Unterstützungsstufen sind aber schnell erreichbar.

Heikel: Über einen langen Druck auf die Menütaste lässt sich die Geschwindigkeitsbegrenzung über die in Deutschland erlaubten 25 km/h hinaussetzen. Das ist hierzulande nicht zulässig. Noch kurioser wird es in der Praxis, selbst wenn das Limit korrekt auf 25 km/h steht. Hebt man das Hinterrad an und dreht die Pedale mit den Händen, zeigt das Display Geschwindigkeiten von 60, 70 oder sogar 80 km/h. Offenbar treibt der Motor auch oberhalb des eingestellten Limits minimal weiter an. Beim Fahren bemerkt man das nicht – die Kraft reicht nicht aus, das schwere Bike dann spürbar zu beschleunigen. Bei einer Polizeikontrolle könnte das zu Problemen führen. Die Beamten heben gerne das Hinterrad an und drehen die Pedale per Hand, um zu prüfen, wann abgeregelt wird.

Der LED-Frontscheinwerfer leuchtet hell und lässt sich im Winkel verstellen. Das Rücklicht arbeitet auch als Bremslicht. Schwächer fallen die Blinker aus. Sie sitzen seitlich links und rechts neben dem Hinterrad, sind aber zu tief montiert und leuchten zu schwach. Im Tagesverkehr sieht man sie kaum, in der Nacht funktionieren sie besser. Einen Dämmerungssensor gibt es nicht. Die Lichtanlage wird komplett über die Bedieneinheit gesteuert.

Fahren

Auf dem Golf-X sitzt man beinahe so bequem wie auf einem Sessel. Der tiefe Einstieg erleichtert das Auf- und Absteigen. Lenker und Sattel lassen sich in der Höhe an unterschiedliche Körpergrößen anpassen – auch größere Personen finden eine ergonomische Position. Die Federgabel mit 10 cm Federweg und die gefederte Sattelstütze nehmen zusammen mit den breiten Fatbike-Reifen viel Härte aus dem Untergrund. Auf Kopfsteinpflaster und schlechten Radwegen bleibt das Fahrverhalten ruhig.

Der 250-W-Heckmotor reagiert dank Drehmomentsensor direkt und natürlich. Kein künstliches „Luftpedalieren“ wie bei Modellen mit Trittfrequenzsensor. Die Hersteller-Angabe von 85 Nm Drehmoment macht sich beim Anfahren bemerkbar. An der Ampel zieht das Bike kräftig los, moderate Steigungen meistert es souverän. Wer mehr will, kann optional eine 1000-W-Version bestellen. Diese ist im deutschen Straßenverkehr allerdings nicht zulässig.

Geschaltet wird über eine Shimano-8-Gang-Schaltung. Der M315-Schalthebel und das M310-Schaltwerk arbeiten zuverlässig zusammen, eine KMC-Kette läuft über ein 52-Zahn-Kettenblatt. Das reicht für Stadt und moderate Steigungen. Eine hochwertige Trekking- oder MTB-Gruppe ist das nicht.

Die hydraulischen Vierkolben-Scheibenbremsen von Zoom mit 180-mm-Scheiben bringen das Bike sicher zum Stehen. Sie packen kraftvoll zu und lassen sich gut dosieren. Beim hohen Eigengewicht plus möglicher Zuladung von 200 kg ist das beruhigend.

Die Fatbike-Reifen mit 20 x 4,0 Zoll sorgen für Stabilität und guten Grip. Auf schlechten Wegen fühlt man sich pudelwohl. Auf glattem Asphalt zahlt man dafür mit einem höheren Rollwiderstand. In engen Kurven reagiert das Bike bei langsamem Tempo träge.

Spannend ist das Lastenrad-Konzept. Der Frontkorb trägt bis zu 20 kg, der gepolsterte Heck-Gepäckträger erlaubt 100 kg Zuladung und kommt mit Fußstützen für einen Sozius. Die Idee klingt charmant, in der Praxis ist die Personenmitnahme aber wenig vergnüglich. Der Holz-Rücksitz ist glatt und hart, eine Federung gibt es hinten nicht. Außerdem sitzen die Fußrasten für Erwachsene sehr hoch. Für kurze Strecken geht das, ein gemütlicher Ausflug zu zweit wird daraus nicht.

Akku

Im Rahmen steckt ein Samsung-Lithium-Ionen-Akku mit 48 V und 20 Ah. Das ergibt satte 960 Wh. Damit spielt das Golf-X in einer Liga mit dem Himiway Cobra (Testbericht) und schlägt viele Konkurrenten im selben Preissegment. Lankeleisi verspricht Reichweiten zwischen 120 und 150 km. Diese Werte entstehen unter idealen Bedingungen mit leichtem Fahrer und geringer Geschwindigkeit. Realistisch sind eher 40 bis 70 km – abhängig von Fahrergewicht, Temperatur, Streckenprofil und Fahrstil.

Das hohe Eigengewicht und die breiten Reifen kosten Energie, dafür belohnen sie mit Komfort. Zum Laden lässt sich der Akku entnehmen. Mit dem mitgelieferten 3-A-Ladegerät dauert eine volle Ladung grob sechs bis acht Stunden.

Preis

Das Lankeleisi Golf-X kostet aktuell 1899 Euro direkt beim Hersteller.

Fazit

Das Lankeleisi Golf-X ist ein E-Bike mit Charakter. Es vereint Tiefeinsteiger, Fatbike, Lastenrad und Klapprad zu einem ungewöhnlichen Mix. Der Spagat gelingt. Der kräftige Heckmotor mit Drehmomentsensor, die hydraulischen Vierkolben-Bremsen, die üppige Federung und der riesige 960-Wh-Akku machen Lust auf längere Touren. Der Rahmen wirkt stabil, die Verarbeitung ist solide, die Zuladung von 200 kg ist Klassenbestwert.

Seine Stärken spielt das Golf-X als komfortabler City-Cruiser mit Einkaufsfunktion aus. Auf schlechten Radwegen, mit Last im Frontkorb oder auf entspannten Ausflugstouren fühlt sich das Konzept richtig an. Als klassisches Klapprad zum Pendeln taugt es nicht. Dafür ist es schlicht zu schwer und zu sperrig. Auch der harte Holz-Sozius und die zu schwachen Blinker trüben das Bild leicht.

Heikel sind die Tuning-Option im Menü und das eigenartige Geschwindigkeits-Phänomen bei angehobenem Hinterrad. Alleine deswegen können wir einen Kauf für die Nutzung im deutschen Straßenverkehr nicht empfehlen. Wer diesem Risiko aus dem Weg gehen will, greift lieber zu unserem Testsieger Engwe L20 3.0 Pro (Testbericht).



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