Künstliche Intelligenz

Mähroboter Worx Landroid WR308E im Test: mäht leise & ohne Begrenzungskabel


Der Mähroboter Worx WR308E mäht ohne Begrenzungskabel in Bahnen, nutzt Stereo-Kamera und RTK-Cloud und soll vor allem in mittelgroßen Gärten zu Hause sein.

Der Worx Landroid Vision Cloud WR308E ist ein Mähroboter für Rasenflächen bis 800 m². Er soll ohne Begrenzungskabel, ohne lokale RTK-Antenne und ohne manuelles Anlernen der Mähflächen starten. Damit erinnert er – auch optisch – stark an den Vorgänger Worx Landroid Vision WR208E.

Das neue Modell kombiniert RTK-Cloud, Vision AI, V-Slam, Stereo-Kamera, automatische Kartierung und Cut-to-Zero – also deutlich mehr als bei der Vorgängergeneration. Damit soll das neue Modell endlich wie die Konkurrenz Bahnen fahren, mehrere Zonen verwalten, Hindernisse erkennen und den Rand besser schneiden als einfache Kameramäher. Ob das dieses Mal funktioniert? Wir verraten es im Test.

Design und Verarbeitung

Der Worx Landroid Vision Cloud WR308E tritt optisch deutlich technischer auf als viele klassische Mähroboter und orientiert sich am besagten Worx Vision. Das Gehäuse ist kantig und zerklüftet und wirkt dadurch sehr eigenständig. Die vorstehende Kameraeinheit, die teils orangefarbenen, teils schwarzen Abdeckungen und die großen Haupträder machen den Roboter nicht besonders elegant, aber verleihen ihm ein kräftiges Aussehen, mit dem er sich deutlich von Wettbewerbern unterscheidet.

Die Qualitätsanmutung ist insgesamt grundsolide, auch wenn das Modell nahezu ausschließlich aus Kunststoff besteht. Der WR308E ist nach IPX6 gegen Wasser geschützt und darf inklusive Mähdeck mit dem Wasserschlauch, nicht aber einem Hochdruckstrahler gereinigt werden.

Oben gibt es ein Display mit einigen Bedientasten sowie Regensensor und die obligatorische Stopp-Taste. Die Entscheidung beim Display für blaue Darstellung auf schwarzem Grund wirkt hingegen – um beim Thema Blau zu bleiben – als ob diese Entscheidung während einer durchzechten Nacht gefallen wäre. Zwar kann man den spärlichen Inhalt dieser Segmentanzeige mit aktivierter Hintergrundbeleuchtung ganz passabel lesen, sobald die aber nach wenigen Sekunden zum Energiesparen deaktiviert wird, ist das fast unmöglich.

Die Abmessungen liegen bei rund 58 × 49 × 28 cm (L × B × H), das Gewicht beträgt mit Akku 12,8 kg. Damit ist der Roboter noch gut tragbar, aber kein Leichtgewicht und auch nicht besonders niedrig. Worx gibt für den WR308E eine Rasenfläche bis 800 m² an, es gibt aber Geschwistermodelle, die für Rasenflächen von 400 bis 3000 m² ausgelegt sind.

Das Schneidwerk arbeitet mit drei Messerklingen und einer Schnittbreite von 18 cm. Das ist für einen Mäher, der für 800 m² ausgelegt ist, nicht viel. Die Schnitthöhe ist von 30 bis 60 mm wählbar, man muss sie aber manuell einstellen. Per App klappt das erst beim WR312E, also dem Modell für Rasenflächen bis 1200 m².

Praktisch: Das Cut-to-Zero-Modul ist bei allen Modellen ab dem WR306E, also auch beim WR308E, im Lieferumfang enthalten. Es verschiebt den Schnitt näher an die Rasenkante, ohne seinem Namen voll gerecht werden zu können – bauartbedingt bleiben auch mit dem „Null-Rand-Modul“ einige cm über. Wirklich randlos wird es nur an befahrbaren Kanten, etwa bündigen Platten oder sauber gesetzten Mähkanten.

Eine Besonderheit ist der Akku. Er gehört zum Power-Share-System des Herstellers, das auch in vielen weiteren kabellosen Gartengeräten von Worx zum Einsatz kommt. Dadurch ist er zwangsläufig wechselbar und kann theoretisch auch Heckenschere oder Vertikutierer antreiben – ein großer Unterschied zu den meisten Mährobotern, die einen fest eingebauten Akku haben.

Inbetriebnahme und App

Eine der größten Stärken des Worx Landroid Vision Cloud WR308E, zumindest auf dem Papier, liegt in der einfachen Inbetriebnahme. Er benötigt weder Begrenzungskabel noch eine lokale RTK-Antenne im Garten. Stattdessen kommen die benötigten Korrekturdaten aus der sogenannten RTK-Cloud, bei der es sich im Prinzip um Net-RTK ähnlich wie bei der Konkurrenz handelt.

Die Einrichtung beginnt klassisch mit der Platzierung der Ladestation, dem Einsetzen des Akkus und der Kopplung mit der App. Der dabei mit der Smartphone-Kamera einzuscannende Code liegt wie beim Vorgänger unpraktikabel unter einer nicht einmal ganz 90 Grad aufklappbaren Akku-Klappe, sodass man hochkant mit dem Smartphone den Code kaum eingelesen bekommt.

Die Verbindung läuft über Bluetooth und WLAN. Für die Einrichtung, Updates und die Kommunikation an der Ladestation ist eine stabile Netzwerkverbindung wichtig. Laut Worx muss aber nicht die gesamte Rasenfläche WLAN-Abdeckung haben, und das ist ernst zu nehmen: Probleme mit dem WLAN machten sich im späteren Verlauf noch bemerkbar.

Anschließend geht es mit der automatischen Kartierung los. Der WR308E fährt die Rasenkanten selbstständig ab und erzeugt daraus ganz von allein eine Karte. Das ist deutlich komfortabler als das manuelle Abfahren per App, wie es bei vielen drahtlosen Mährobotern üblich ist – aber auch ungenauer. Denn wenn man keinen perfekt einfachen und gepflegten Rasen mit breiten Randsteinen oder sonstigen klaren Abgrenzungen von Rasen und Beeten hat, landet der Worx-Mäher auch schon mal in letzteren. Hinzu kommt, dass in die Mähfläche hängende Zweige und Blätter wie feste Hindernisse umfahren werden.

Entsprechend sieht die Karte der Rasenflächen hinterher wie ein Pelzmantel im Mottenzuchtgebiet aus – an den Rändern angefressen. Wer das verhindern will, steuert direkt nach dem Losfahren im Automatikmodus manuell. Dabei nervt allerdings die seltsame Steuerung mit viel zu zaghaftem Einlenken und niedriger Geschwindigkeit.

Erst auf dem letzten Bruchteil des Bewegungsradius der virtuellen Steuerelemente kann man dann etwas engere Kurven fahren, ohne zwischendurch stehenzubleiben – nervig! No-Go-Zonen müssen übrigens ohnehin manuell im Uhrzeigersinn umfahren und Wege zwischen Rasenzonen ebenfalls manuell angelegt werden. Ganz automatisch geht es also keinesfalls.

In der App lassen sich alle typischen Funktionen wie mehrere Zonen, Zeitpläne und No-Go-Zonen, Mähmuster und Over-the-Air-Updates verwalten. Zeitpläne werden auf Wunsch dem Wetter angepasst und automatisch organisiert. Mähmuster sind für Nutzer interessant, die etwa keine sichtbaren Bahnen mögen und einen natürlicheren Look bevorzugen. Zur Wahl stehen parallele Streifen, Schachbrett, Diamant und ein „natürlicher Stil“, bei dem der WR308E ein unauffälligeres Schnittbild ohne klar sichtbares Streifenmuster erzeugen soll.

Insgesamt zeigt die App einen guten Fortschritt im Vergleich zum Vorgängermodell. Im Detail wirkt sie aber noch nicht ganz optimal und zudem deutlich weniger umfangreich als bei Mammotion und Co. Vor allem eine visuelle Fortschrittsanzeige während des Mähens vermissen wir hier – anfangs war die vorhanden, bei späteren Mähaufträgen hingegen nicht mehr.

Eine offizielle Home-Assistant-Integration existiert nur für ältere Landroid-Modelle von Worx als lokale Polling-Integration. Für neuere cloudbasierte Landroid-Modelle gibt es in erster Linie die Community-Integration Landroid Cloud über HACS. Diese unterstützt Worx Landroid, Kress und LandXcape.

Datenschutz ist beim Worx-Modell – wie bei allen kamerabasierten Mährobotern – ein spezielles Thema. Dass der Mäher während seiner Arbeit seine Umgebung visuell erfassen muss, dürfte niemanden überraschen. Das bedeutet aber auch, dass er in Bereichen fährt, in denen Nachbargrundstücke, öffentlicher Gehweg und dort befindliche Personen ins Sichtfeld geraten können – was streng genommen verboten ist. Darüber sollten sich Interessenten solcher Modelle bewusst sein.

Navigation und Hindernisvermeidung

Der Worx Landroid Vision Cloud WR308E kombiniert mehrere Navigationsansätze. Die RTK-Cloud soll Positionskorrekturen liefern und die Genauigkeit erhöhen. Vision AI und Stereo-Kamera sollen Rasen, Kanten, Objekte und Gartenstrukturen erfassen. V-Slam soll zusätzlich Orientierungspunkte erkennen und die Navigation weiter stabilisieren. Wenn Satellitensignale durch Bäume oder Gebäude gestört werden, nennt Worx außerdem eine Kombination aus V-Slam, Trägheitsdaten und Odometrie für die Navigation. Das ist deutlich fortschrittlicher als einfache Kameraerkennung ohne Positionierungssystem.

Dadurch kann der WR308E im Gegensatz zum Vorgänger endlich auch Bahnen fahren und Zonen ohne externe Hilfsmittel wechseln. Die Navigation ohne lokale Antenne ist praktisch, weil keine zusätzliche Antenne mehr im Garten herumsteht. Worx verlagert deren Korrektur in die Cloud. Ohne ordentliche Satellitenverbindung kommt der WR308E trotzdem nicht aus. Dichte Baumkronen, hohe Gebäude, enge Innenhöfe und starke Abschattung schränken die Genauigkeit weiterhin ein. Trotzdem klappte das im Test überwiegend sehr gut. In schwierigen Teilen des Testgartens wurde die zunehmende GPS-Ungenauigkeit erfolgreich von V-Slam und den weiteren Ausgleichstechniken abgefangen, sodass der Mäher nicht wie frühere RTK-Modelle irgendwann stehenblieb.

Bei der Hinderniserkennung wirbt Worx sehr offensiv mit sogenannter Vision AI. Grundsätzlich ist die Objekterkennung dabei überdurchschnittlich, und Tennisbälle sowie Gartenwerkzeuge wurden erfolgreich erkannt und umfahren. Unfehlbar ist sie aber nicht, gerade kleinere oder teils vom Rasen verdeckte Gegenstände können schnell übersehen werden. Nachts sollte der Mäher daher – wie alle Mäher – keinesfalls fahren, um Tiere nicht unnötig zu gefährden.

Die Steigfähigkeit liegt laut Hersteller bei 30 %, also 17°. Für zweirad-angetriebene Mähroboter ist das ordentlich, in ausgeprägten Hanglagen reicht das aber nicht mehr aus. Auch geringere Höhenunterschiede auf kurze Distanz können beim Worx-Modell dazu führen, dass das tiefliegende Chassis mit dem ausladenden Randschnittmodul aufsetzt, sodass der Mäher der Meinung ist, angehoben worden zu sein. Sanfte Höhenunterschiede machten ihm in unserem norddeutschen Testgarten aber keine Probleme. Eine Dachlatte mit 3,6 cm wollte der Mäher nicht überfahren.

Die Mindestdurchfahrtsbreite benennt Worx in der Installationshilfe mit 1 m. Für sehr enge Gärten mit schmalen Rasenstreifen zwischen Haus und Zaun, engen Durchgängen neben Gartenhäusern oder verwinkelten Innenhöfen sollte der Worx-Mäher daher eigentlich nicht geeignet sein. Dennoch mähte er im Test einen schmalen, deutlich unter 1 Meter breiten Bereich anstandslos und erreichte ihn durch eine Durchfahrt mit nur 70 cm Breite.

Mähleistung im Alltag

Auf normalen, gut vorbereiteten Rasenflächen liefert der Worx WR308E ein sauberes Ergebnis. Das systematische Mähen in Bahnen ist endlich so gut wie bei der Konkurrenz und reduziert unnötige Mehrfachfahrten, erzeugt ordentliche Muster und macht den Fortschritt besser nachvollziehbar. Wegen der eher gemächlichen Geschwindigkeit und der vergleichsweise schmalen Schnittbreite braucht der Mäher dafür aber auch etwas länger als manche Konkurrenten.

Die wählbare Schnitthöhe von 30 bis 60 mm passt zu typischen Zier- und Gebrauchsrasen. Die manuelle Verstellung ist allerdings weniger komfortabel als eine elektronische Höhenverstellung per App. Beim Randschnitt ist der WR308E in der Theorie wegen seines Randschnittwerks besonders interessant. Tatsächlich ist der Rand, der trotzdem neben Hindernissen übrigbleibt, mit wenigen Zentimetern vergleichsweise schmal. Etwas Nacharbeit bleibt nötig.

Das gilt erst recht, wenn Zweige in die Mähfläche ragen. Die umfährt der Worx-Mäher wie ein festes Hindernis – auch, wenn man beim Zonen-Anlernen die Grenze klar darunter angelegt hat. Wer viele Ränder mit solchen Begebenheiten hat, wird mit dem Worx nicht glücklich. An befahrbaren Mähkanten spielt der WR308E hingegen seine Randschnitt-Stärke am besten aus. Gemeint sind bündige Pflasterkanten, Rasenkantensteine oder Wege, auf die der Roboter mit einem Rad fahren darf.

Sehr angenehm ist die niedrige Lautstärke des Worx WR308E. Der Antrieb für die Mähscheibe ist kaum zu hören und auch die Fahrmotoren gehen selbst in leisem Umfeld zwischen Vogelzwitschern und Windrauschen unter. Störend war im Test hingegen der teils schwache WLAN-Empfang. Er führte sogar einmal dazu, dass der Mäher scheinbar grundlos in der Nähe der Ladestation stehenblieb und sich komplett abschaltete. Bei der Reaktivierung beschwerte er sich über den mangelnden WLAN-Empfang, den er aber kurz darauf selbst wiederfand.

Akku

Der Worx Landroid Vision Cloud WR308E nutzt einen Li-Ionen-Akku mit 20 V und 4 Ah. Die Ladezeit liegt bei rund 80 Minuten, der Ladestrom bei 3 A. Der Akku gehört zum PowerShare-System des Herstellers und ist damit grundsätzlich mit anderen Akku-Geräten von Worx nutzbar und kann bei Alterserscheinungen oder Defekt problemlos ausgetauscht werden.

Die reale Flächenleistung hängt von vielen Faktoren ab. In unserem Test schaffte der WR308E rund 250 m² am Stück, bevor er nach knapp zwei Stunden zum Zwischenladen zurückfahren musste. Die Zeitfenster, in denen der Roboter in der Zeitplanung täglich fahren darf, sollten daher nicht zu kurz gewählt werden.

Preis

Die UVP des Worx Landroid Vision Cloud WR308E liegt in Deutschland bei 999 Euro. Aktuell bekommt man ihn bei Amazon für etwa 905 Euro.

Fazit

Der Worx Landroid Vision Cloud WR308E ist ein sehr interessanter Mähroboter in seiner Klasse. Der Fortschritt zum Vorgänger ist groß: Er fährt endlich Bahnen, kann selbstständig Zonen wechseln und navigiert deutlich besser als zuvor. Hinzu kommt ein Randschnittmodul, das wie bei allen Mähern zwar nicht wirklich randlos mäht, aber den zurückbleibenden Rand deutlich minimiert. Zudem ist er schön leise und noch dazu für den Funktionsumfang halbwegs günstig.

Nachteile gibt es aber auch. Die Schnitthöhe muss manuell eingestellt werden, die Schnittbreite von 18 cm und der 4-Ah-Akku sind für 800 m² nicht gerade üppig, und enge Passagen unter 1 m soll der Mäher zwar eigentlich nicht mähen, tat es im Test aber trotzdem. Hinzu kommen Schwächen bei sehr komplexer Gartenform, schwachem WLAN, undeutlichen Beetkanten, in die Mähfläche hängenden Zweigen und flachen Hindernissen. Wer damit leben kann, bekommt mit dem neuen Vision-Cloud-Modell endlich den Mäher, der sein Vorgänger schon damals hätte sein sollen.



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