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»Magie entsteht, wenn Marken etwas Neues schaffen« › PAGE online


Als Jurymitglied des GBA erklärt Carsta Maria Müller, Baby got Business, wie Social Media Marken prägt, warum Wirkung wichtiger ist als Reichweite – und weshalb es bei der Markenführung auch auf die Magie ankommt.

Zwei Porträtfotos nebeneinander: Eine kurzhaarige Person mit heller, blondierter Frisur und schwarzer Brille. Links sitzt sie entspannt auf einem Sofa, lächelt und blickt auf ein Smartphone in ihren Händen. Rechts lächelt sie direkt in die Kamera, sitzt auf einem blauen Sofa, trägt ein weißes T-Shirt und wirkt offen und freundlich.Bild: Ronja KrohzCarsta, auf der Website von Baby got Business findet sich gleich ganz oben ein eingängiger Claim: »No Risk, No Magic«. Was heißt das für dich – und sagt dieser Satz über zeitgemäßes Brand Management aus?

Carsta Maria: Wir können die Zukunft nicht vorhersagen. Natürlich können wir uns auf Analysen, Zahlen und Prognosen stützen und diese bis ins Detail auswerten, aber am Ende bleibt jede Entscheidung eine Entscheidung unter Unsicherheit. Und deswegen braucht es Mut, im Kleinen wie im Großen, denn wenn wir uns nichts trauen, kann auch nichts Magisches passieren. Das gilt auch für Marken: Magie entsteht nicht dadurch, dass sie etwas reproduzieren, das andere bereits erfolgreich gemacht haben, sondern dadurch, dass sie bereit sind, Neues auszuprobieren. Dieser Mut ist aus meiner Sicht die Voraussetzung dafür, dass Marken überhaupt Emotionen auslösen können. Diese Magie muss dabei nicht weltbewegend sein, aber sie kann ein Gefühl erzeugen. Und genau dieses Gefühl ist es, das Marken langfristig prägt.

Du beschäftigst dich seit 15 Jahren beruflich intensiv mit Social Media. Was zeichnet dort starke Marken aus? Sind es virale Hits oder Followerzahlen, auf die es ankommt?

Eine starke Marke braucht auf Social Media vor allem eine klare Persönlichkeit. Sie braucht ein erkennbares Image, ein Markenversprechen und eine Inszenierung, die Nutzerinnen und Nutzern das gibt, was sie auf Social Media suchen: den Kontakt mit Freunden und Familie. Deshalb funktionieren auch Creator so gut, weil sie Nahbarkeit erzeugen und Beziehungen simulieren. Im Kern geht es also um Nähe. Marken müssen es schaffen, in dem Mindset stattzufinden, das die Menschen in dem Moment auf Social Media suchen. Sie müssen sich so positionieren, dass eine emotionale Bindung entsteht. Sobald eine Emotion hervorgerufen wird, macht es was mit der Zielgruppe – dann wird es relevant und eine Verbindung kann entstehen.

Wenn du dir die Entwicklung von Social Media-Marketing in den letzten 15 Jahren anschaust – hättest du dir damals vorstellen können, dass das Thema heute eine so große Rolle spielt?

Vor zehn Jahren habe ich mir langsam Gedanken über einen neuen Berufszweig gemacht (lacht) und jetzt sitze ich immer noch hier. Man kann Social Media nicht vorhersehen, es verändert sich so schnell! Plattformen verändern ihre Regeln, politische Entscheidungen wirken sich plötzlich massiv auf den digitalen Raum aus, und ganze Netzwerke werden neu positioniert. Aber das ist ja das Spannende und das, was ich an den Jobs so sehr liebe! Ich habe mich auch schon öfter gefragt, ob irgendwann ein Zeitpunkt kommt, an dem es mir zu schnell oder zu viel wird. Der ist jedenfalls bislang noch lange nicht erreicht.

»Ob es Laufclubs sind, Events, Markenaktivierungen im echten Leben – das sind alles Beispiele dafür, wie Marken heute Nähe schaffen.«

Welche Social Media-Trends werden 2026 für Marken besonders relevant sein?

Ich glaube, das zentrale Thema ist Community. In den letzten Jahren haben wir sehr deutlich gesehen, wie wichtig Gemeinschaften geworden sind. Ob es Laufclubs sind, Events, Markenaktivierungen im echten Leben – das sind alles Beispiele dafür, wie Marken heute Nähe schaffen. Der Proof of Concept ist also da, jetzt sind wir an dem Punkt, an dem diese Ansätze skaliert werden müssen. Ich wünsche mir, dass wir in den kommenden Jahren viele Konzepte sehen werden, bei denen digitale Communities und reale Erlebnisse sinnvoll miteinander verknüpft werden. Es geht darum, dass wir die Menschen wieder zusammenzubringen, ihnen Erlebnisse bieten, die Spaß machen, und daraus eine Brand Experience schaffen, die trotzdem immer persönlich bleibt.

Wie verändert sich in diesem Zusammenhang die Rolle von Influencern oder Creators?

Im besten Fall sind sie ein fester Bestandteil des Marketing-Mix. Und zwar nicht in Form einzelner Kampagnen, bei denen kurzfristig Codes in Stories platziert werden, sondern als langfristige Partner. Creator sollten bei Events dabei sein, bei Produktlaunches mitdenken und im Idealfall sogar an der Entwicklung von Produkten beteiligt werden. Ich würde jedem Unternehmen empfehlen, sich einen kleinen Pool an langfristigen Markenbotschafterinnen und -botschaftern aufzubauen, mit denen man über mehrere Jahre zusammenarbeitet. Es gibt Marken, die ich heute untrennbar mit bestimmten Creators verbinde – und diese Art von Markentreue ist in unserer schnellen, digitalen Welt so wertvoll und langfristig deutlich wirksamer als kurzfristige Sales-Erfolge.

Du bist in diesem Jahr Teil der Jury des German Brand Award. Was bedeutet dir diese Rolle persönlich?

Ich liebe es, dass ich hier dabei sein darf! Für mich ist das eine große Wertschätzung, gerade weil mein beruflicher Hintergrund zu 100 Prozent im Bereich Social Media liegt. Wenn man meinen Lebenslauf betrachtet, habe ich nie etwas anderes gemacht. Dass diese Perspektive nun Teil der Juryarbeit ist, empfinde ich als tolle Wertschätzung für die Branche, weil es zeigt, welchen Stellenwert Social Media heute in der Markenführung einnimmt. Deswegen freue ich mich riesig darauf, die Branche auf dieser Ebene vertreten zu dürfen.

Welche Rolle spielt Social Media im Kontext des German Brand Award?

Social Media gehört mittlerweile zu 100 Prozent zur Markenführung. Und es ist ein so wichtiger Bestandteil, dass wir nicht mehr darüber sprechen, ob eine TV-Kampagne verlängert wird und Social auch irgendwie stattfindet, sondern dass Social Media genauso mitgeplant wird wie die anderen Kommunikationskanäle. Wenn eine Marke heute nicht auf Social Media stattfindet, muss es dafür schon sehr schwerwiegende Gründe geben!

»Eine Kampagne ist für mich nicht erfolgreich, nur weil sie viel Aufmerksamkeit erzeugt, sondern weil sie strategisch durchdacht ist, Wirkung zeigt und relevant ist.«

Worauf wirst du als Jurymitglied bei den Einreichungen besonders achten?

Mir ist eine klare Zielsetzung wichtig, eine definierte Erwartungshaltung und eine saubere Auswertung. Social Media liefert sehr harte Zahlen, aber genau deshalb kommt es darauf an, diese auch richtig zu interpretieren. Mich interessieren nicht die größten Reichweiten, sondern sinnvolle Kennzahlen, die zur Zielgruppe passen und auf die Marke einzahlen. Eine Kampagne ist für mich nicht erfolgreich, nur weil sie viel Aufmerksamkeit erzeugt, sondern weil sie strategisch durchdacht ist, Wirkung zeigt und relevant ist. Natürlich spielt dabei auch Kreativität eine Rolle, aber sie muss immer im Zusammenhang mit Wirkung und Zielerreichung stehen. Kampagnen müssen sinnvoll und sinnstiftend für die Marke sein. Und ich will selbstverständlich auch Magie sehen.

Der German Brand Award würdigt Unternehmen, die mit ihrem Brandmanagement neue Maßstäbe setzen. Ist das denn aus deiner Sicht heute einfacher oder schwieriger geworden?

Ich glaube, es ist heute einfach, neue Maßstäbe zu setzen, denn Marken müssen nicht mehr die ganze Welt erreichen, um relevant zu sein. Es reicht, in einer klar definierten Zielgruppe Maßstäbe zu setzen. Wir alle bewegen uns in Nischen, und genau dort entstehen oft die stärksten Markenmomente. Entscheidend ist, ob eine Marke es schafft, in ihrer Community echte Emotionen auszulösen. Mir ist deswegen wirklich wichtig, dass es in der Juryarbeit nicht auf die große Masse ankommt, sondern darauf, ob in einer bestimmten Zielgruppe wirklich etwas Magisches entstanden ist. Um innovative und zukunftsweisende Kampagnen zu schaffen, müssen Marken auch ihre Hausaufgaben machen und nicht nur aus einem Gefühl heraus irgendeine Botschaft in die Welt setzen. Es braucht eine echte Strategie, Budget, Zeit und Muße.

Jetzt einreichen: Registration Deadline bis zum 27. Februar 2026

Welche Rolle spielt dabei Künstliche Intelligenz?

Für Analyse, Recherche und Vorbereitung ist KI inzwischen unverzichtbar. Ich würde heute keine Backend-Arbeit mehr ohne KI machen. Wenn es aber um Kreativität geht, stößt KI an klare Grenzen. Sie kann sich nur an dem orientieren, was es bereits gibt. Echte Innovation entsteht nur im menschlichen Kopf. Deshalb wünsche ich mir, dass Marken sich Zeit, Raum und Mut lassen, Neues auszuprobieren, auch wenn natürlich immer das Risiko besteht, zu scheitern.

Was ist dein Rat an Marken, die ihre Arbeit beim German Brand Award einreichen möchten – und warum lohnt sich das?

Ich kann Marken nur ermutigen, diesen Schritt zu gehen. Allein die Aufbereitung der Einreichung ist ein wertvoller Prozess, weil man gezwungen ist, die eigene Arbeit zu reflektieren. Man lernt sehr viel über sich selbst, das Team und die eigene Strategie. Und es ist so ein tolles Gefühl, das letztendlich einzureichen und ein Teil davon zu sein und die Arbeit nochmal auszeichnen zu lassen. Wir sind ja alle nicht mehr in der Schule, wo wir am Ende des Schuljahres ein Zeugnis bekommen. Und mit so einer Einreichung kann man sich dieses Lob abholen! Außerdem ist es doch eine besondere Form der Anerkennung, von einer Fachjury Feedback zu bekommen. Dieses Feedback geht weit über Zahlen hinaus. Ein Award ist nicht nur Auszeichnung, sondern auch Teil einer Community und ein starkes Zeichen für gute Markenarbeit. Ich würde mir wünschen, dass alle eine Eins plus mit Sternchen bekommen!

Über Carsta:

Carsta Maria Müller ist Managing Director bei Baby got Business und als Branchen-Expertin und Medienwissenschaftlerin seit mehr als 15 Jahren beruflich in der Social Media-Welt zu Hause. Zuletzt war sie bei Meta als Strategic Partner Managerin für Creator, Media & Sport Companies und davor als Director Social Media bei ProSiebenSat.1. Seit zehn Jahren begleitet sie Unternehmen bei ihrem digitalen Wandel, begeistert Menschen für Content, kreatives Storytelling, KPIs & Social Media Strategien.

Logos PAGE und German Brand Award 2026, grafische Darstellung

 



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»Wer Menschen führt, muss sich mit sich selbst auseinandersetzen« › PAGE online


Was macht Marken heute wirklich relevant? Cultural Trendscout Isabelle Rogat spricht über Marken in der Gen Z, Trendforschung, moderne Führung und Kreativität – und erklärt, warum das Timing so wichtig ist.

»Wer Menschen führt, muss sich mit sich selbst auseinandersetzen« › PAGE onlineBild: Frieda Maelle

Isabelle, du giltst als Trend- und Markenexpertin, besonders mit Blick auf die Gen Z. Was macht für dich eine starke Marke in dieser Generation aus?

Isabelle Rogat: Eine starke Marke ist heute keine reine Sendermarke mehr. Gerade für die Gen Z geht es viel stärker um Austausch und Beziehung. Marken müssen bereit sein, in Interaktion zu treten – und auch Feedback anzunehmen, das vielleicht nicht immer bequem ist. Das heißt auch, klassische Vorstellungen von Corporate Identity oder Markenführung ein Stück weit zu öffnen und organischer zu denken.

Ein Punkt, den ich immer wieder sehe, ist das Thema Timing. Erfolgreiche Marken schaffen es, sehr nah an kulturellen Themen zu sein und in Echtzeit darauf zu reagieren. Manchmal können da schon ein paar Tage zu spät sein. Gleichzeitig dürfen Marken aber nicht jedem Trend blind hinterherlaufen. Entscheidend bleibt eine klare Markenidentität, die Orientierung gibt – nach innen wie nach außen.

Und dann spielt natürlich auch Identity Signaling eine große Rolle. Das betrifft nicht nur die Gen Z. Marken müssen beantworten können, wofür sie stehen und warum Menschen sie freiwillig nach außen tragen möchten. Diese Perspektive geht im starken Fokus auf Performance und Business-Ziele leider oft verloren, ist aber zentral für echte Identifikation.

Wie entstehen Trends überhaupt – und was bedeutet das für Marken?

Trends folgen keinem festen Plan, aber sie bewegen sich häufig in Zyklen. Viele Dinge kommen in Wellen zurück – oft mit einem starken Hoch und einem ebenso starken Abflachen danach. Wer Trends verstehen will, muss diese Wiederholungen und Gegenbewegungen mitdenken. Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen: Nur ein sehr kleiner Teil der Menschen greift Trends extrem früh auf und prägt damit ein aspiratives Bild. Der Großteil wartet ab, bis sich etwas etabliert. Deshalb ist nicht jeder Trend automatisch relevant für jede Marke.

Social Media spielt vor allem bei der Verbreitung eine große Rolle. In Nischen können sich Bewegungen sehr schnell verstärken, bleiben außerhalb dieser Räume aber oft unsichtbar. Trendarbeit ist deshalb für mich weniger Bauchgefühl als vielmehr eine Kombination aus Daten, Research und Beobachtung. Ich arbeite mit Search- und Trend-Tools, Social-Media-Signalen von Plattformen wie TikTok oder Instagram, aber auch im Austausch mit Journalist:innen, Creators und KI-Tools.

»Ich sammle Beobachtungen sehr systematisch – visuell, in Listen oder Datenbanken. Denn am Ende ist Trendforschung vor allem eines: Mustererkennung.«

Je nach Thema hilft es außerdem enorm, Trends vor Ort zu beobachten – etwa auf Events – oder tief in digitale Communities wie Reddit einzutauchen. Manche Entwicklungen sind stark physisch geprägt, andere entstehen fast ausschließlich online.

Was mir besonders wichtig ist, ist der Aufbau einer eigenen Datenbasis. Ich sammle Beobachtungen sehr systematisch – visuell, in Listen oder Datenbanken. Denn am Ende ist Trendforschung vor allem eines: Mustererkennung.

Welche Muster beobachtest du aktuell, die 2026 prägend werden könnten?

Es gibt viele spannende Entwicklungen, aber nur wenige, die wirklich universell sind. Sehr deutlich sehe ich aktuell das wachsende Bedürfnis nach Offline-Erlebnissen und echtem Austausch. Als Gegentrend zu KI, Social Media und permanenter Digitalität entsteht eine neue Sehnsucht nach Real-Life-Momenten – zum Beispiel in Form von Offline-Events, Hosting-Kultur, kleinen Community-Treffen oder auch ganz bewusst handyfreien Abenden mit Freunden.

Parallel dazu beobachte ich eine spannende Gegenbewegung im Umgang mit Wissen. Einerseits nimmt Anti-Intellectualism zu, andererseits gibt es einen starken Hype um Hyper-Intellectualism – etwa rund um Substack oder sogenannte Intellectual Influencer, die Lesen, Lernen und Denken wieder aufwerten.

Und dann gibt es diese nostalgische Erzählung, dass »2026 das neue 2016« werden könnte – modisch, kulturell und emotional. Ob sich das wirklich bewahrheitet oder eher ein kollektives Wunschbild bleibt, verfolge ich gerade sehr aufmerksam.

Was bedeuten diese Entwicklungen konkret für Marken – jenseits kurzfristiger Hypes?

Wichtig ist weniger der einzelne Trend als die Fähigkeit, ihn sinnvoll auf die eigene Marke zu übertragen. Marken müssen ihren »Transfer-Muskel« trainieren: schnell zu erkennen, ob ein Thema wirklich zum eigenen Kern passt – oder sich bewusst dagegen zu entscheiden. Nicht jeder Trend braucht eine Markenreaktion.

Dafür braucht es eine klare strategische Grundlage. Gute Marken wissen, wofür sie stehen, welche Tonalitäten zu ihnen passen und wie ihre Brand-Strategie auf Social übersetzt wird. Das konnte man zum Beispiel gut bei der Coldplay-Debatte letztes Jahr beobachten: Viele Marken sind aufgesprungen, aber gerade bei Marken, die eigentlich für Positivität stehen, stellte sich die Frage, ob das strategisch wirklich sinnvoll war – unabhängig davon, ob es Aufmerksamkeit gebracht hat.

Du bist Teil der Jury des German Brand Award. Worauf achtest du besonders?

Mir sind vor allem drei Dinge wichtig. Erstens: kulturelle Relevanz. Ich frage mich immer, ob eine Arbeit wirklich im Jetzt stattfindet – oder ob sie genauso gut vor zehn Jahren hätte entstehen können. Zweitens: Distinktivität und Mut. Viele Kampagnen fühlen sich heute leider sehr austauschbar an. Der dritte Punkt ist der psychologische Aspekt. Haben die Macher:innen die Menschen wirklich verstanden, mit denen sie sprechen? Gibt es einen echten Human Insight – oder bleibt es bei einer cleveren Oberfläche?

Followerzahlen oder reine Viralität spielen für mich eine untergeordnete Rolle. Relevanz kann auch in kleinen Zielgruppen entstehen. Und »viral gehen« lässt sich ohnehin nicht planen – echte Relevanz entsteht dann, wenn etwas den Zeitgeist trifft.

Last Call: Registration Deadline bis zum 27. Februar 2026

Du hast viele Auszeichnungen erhalten. Was bedeuten sie dir persönlich?

Für mich sind Auszeichnungen vor allem eine Form von Sichtbarkeit. Und Sichtbarkeit heißt, an Debatten teilnehmen zu können, Gedanken zu teilen und zu merken, dass bestimmte Perspektiven Resonanz finden. Im Grunde funktioniert das ähnlich wie bei Marken: Man bringt etwas in den öffentlichen Raum und hofft, dass es etwas auslöst.

Gleichzeitig finde ich solche Rankings spannend, weil sie wie ein Seismograph zeigen, wohin sich die Branche entwickelt. Welche Haltungen, Denkweisen und Profile gerade als relevant gelten – und wer langfristig prägt, wie Kommunikation und Werbung aussehen.

Du hast selbst Teams geführt und bist heute selbstständig. Was bedeutet gute Führung für dich?

Ich glaube nicht an den einen »richtigen« Führungsstil. Was ich bei gut funktionierenden Teams beobachte, ist eine Mischung aus Vulnerabilität und Klarheit. Führung heißt heute nicht mehr reine Autorität, sondern auch Menschlichkeit zuzulassen: Fragen zu stellen, Unsicherheiten zu zeigen und Hilfe anzunehmen.

Gleichzeitig bleibt Klarheit essenziell. Führung bedeutet, Orientierung zu geben, Verantwortung zu übernehmen und eine gemeinsame Richtung zu definieren. Gerade in kreativen Arbeitsumfeldern ist es wichtig, die eigene Rolle zu reflektieren. Nähe und Offenheit sind wertvoll – trotzdem hat Führung immer Wirkung auf andere.

Das erfordert viel Selbstarbeit. Gute Führung funktioniert nur, wenn man sich selbst kennt, die eigenen Werte reflektiert und weiß, wo die eigenen Grenzen liegen. Deshalb bin ich überzeugt: Wer Menschen führt, sollte sich intensiv mit sich selbst auseinandersetzen.

Schafft diese Art von Führung mehr Raum für Kreativität?

Absolut. Eine gesunde Fehlerkultur ist essenziell für Kreativität. Wenn Fehler sanktioniert werden, vermeiden Menschen Risiken – und Innovation bleibt aus. Kreativität braucht Sicherheit: das Gefühl, ausprobieren zu dürfen. Nicht nur Ergebnisse sollten belohnt werden, sondern auch der Mut, Dinge anzustoßen, Verantwortung zu übernehmen und neue Ideen einzubringen. Genau dort entsteht Raum für echte kreative Arbeit.

Über Isabelle:

Isabelle Rogat (bekannt als »Isi«) ist eine der führenden Stimmen in der deutschen Kreativ-Szene. Als Young Leader, die bereits mit 25 erste Teams führte besticht die Cultural Trendscoutin & angehende Autorin in der Branche mit pointierten Impulsen, Kolumnen & Keynotes in den Bereichen Zeitgeist, Next Gen Marketing & Feminismus.



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Badenova mit neuem Markenauftritt – Design Tagebuch


Der Energieversorger Badenova hat seinen Markenauftritt umfassend erneuert. Mit dem neuen Corporate Design mache das Unternehmen, wie es im Rahmen der Vorstellung heißt, die inhaltliche Transformation, weg vom klassischen Energieversorger, hin zur aktiven Gestalterin der Energie- und Wärmewende in der Region, sichtbar.

Badenova, 2001 durch die Fusion von sechs kommunalen Stadtwerken hervorgegangen, ist ein regionaler Energieversorger in Südbaden, Deutschland. Das Unternehmen versorgt Kunden zwischen Hochrhein und Nordschwarzwald mit Strom, Gas, Wärme und Wasser, mit Fokus auf erneuerbare Energien und Klimaschutz.

Neue Badenova Marke im Einsatz, Quelle: Badenova
Neue Badenova Marke im Einsatz, Quelle: Badenova

Der bisherige Markenauftritt, im Jahr 2008 eingeführt, habe den heutigen digitalen Anforderungen und dem mittlerweile veränderten Selbstverständnis des Unternehmens nicht mehr entsprochen. Auf Basis von Marktforschungsergebnissen, die, bestätigt hätten, das Badenova oftmals vor allem als konservativ und traditionell wahrgenommen werde, wurde die Außendarstellung dahingehend überarbeitet, die für die Marke zentralen Aspekte Innovation, Wandel und Zukunftsgestaltung sichtbar und erlebbar zu machen.

Auszug der Pressemeldung

„Badenova hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert – vom klassischen Versorger zur aktiven Gestalterin der Energie- und Wärmewende“, sagt Hans-Martin Hellebrand, Vorstandsvorsitzender der Badenova. „Mit dem neuen Markenauftritt machen wir diesen Anspruch sichtbar und geben Orientierung in einem sich rasant wandelnden Energiemarkt.“ Grundlage für den neuen Markenauftritt ist das Zielbild von Badenova: „Für eine lebenswerte Zukunft gestalten wir die Energie- und Wärmewende. Mit der Region, für die Region.“

Das Corporate Design umfasst sämtliche visuellen Elemente der Marke, darunter Farben, Typografie, Bildsprache, Logos, Icons, Layouts sowie digitale Anwendungen. Statt TheSans fungiert als Hausschrift nun Lab Grotesque. Ziel ist ein einheitlicher, moderner und wiedererkennbarer Markenauftritt, so das Unternehmen. Der Markenauftritt sei mit Fokus auf Einzigartigkeit, Barrierefreiheit und Digitalisierung entwickelt worden.

Badenova Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Badenova, Bildmontage: dt
Badenova Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Badenova, Bildmontage: dt

Zentrales Element innerhalb des Corporate Designs bildet der geschwungene Anfangsbuchstabe „B“. Die als „Dynamic B“ bezeichnete Bildmarke stehe für Dynamik, Bewegung und Innovationsfähigkeit und verdeutliche den eigenen Anspruch, flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren. Gleichzeitig lasse sich die Form als Anschnitt eines Rohres oder einer Leitung interpretieren und stelle damit einen klaren Bezug zu Energie- und Wärmenetzen her.

Die neue Farbwelt mit einem leuchtenden Blauton („Ocean Blue“) als Primärfarbe und einem Purpur-Rot („Berry“) als Sekundärfarbe verbinde Kontinuität mit einem klaren Aufbruch. Mit Blau, seit langem die Primärfarbe von Badenova, möchte die Marke Sicherheit, Zuverlässigkeit und Vertrauen vermitteln.

Entstanden ist der neue Markenauftritt wie auch die begleitende Launch-Kampagne in Zusammenarbeit mit der Agentur Teufels (Rottweil).

Kommentar

Das bisherige visuelle Erscheinungsbild war, so mein persönlicher Eindruck, neutral, unscheinbar, auch ein Stück weit nichtssagend und ideenlos. Der in der Schriftart TheSans ausschließlich in Minuskeln gesetzten bisherigen Wortmarke im Neunziger-Jahre-Outfit mangelt es, charakteristisch für viele in Brotschriften gesetzten Typologos, an Eigenständigkeit, Wiedererkennung und Originalität. Die Wortmarke mag gut lesbar sein, ihre identitätsstiftende Qualität ist allerdings sehr gering: die in Lettern visualisierte Nüchternheit, könnte man sagen. Verständlich, dass eine Energiemarke dieses Bild in der heutigen dynamischen, hoch-emotionalisierten (Marken)Welt allzu gerne abschütteln möchte.

Ein wenig erinnert mich das Badenova-B von der Gestalt her an jenes B-Signet, welches die Umweltbank seit 2018 verwendet. Gemein ist beiden Zeichen ihr fehlender Stamm und ihre zum durchgehenden Band geformte Struktur. Die Idee ist nicht unähnlich. Ideen, und das ist außerhalb der Kreativbranche mitunter schwer nachzuvollziehen, entstehen in der Welt des Designs zuweilen parallel, unabhängig voneinander (Canton versus Erco). Entscheidend ist, dass in der Umsetzung ein ausreichend eigenständiges Zeichen entsteht, sodass im Zusammenspiel mit allen anderen Brand Assets (Farben, Typo, Raster, Bildsprache, Icons, etc.) ein differenzierendes zudem interessantes Markenprofil entsteht. Das scheint mir Kontext Energieunternehmen geglückt zu sein, trotz des im heutigen Markenkosmos häufig verwendeten Ultramarinblau.

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Was Kreativität für Paul Smith bedeutet, zeigt die neue MINI Kampagne › PAGE online


Wie das Design der neuen MINI Paul Smith Edition entstand, zeigt eine Kampagne von Jung von Matt. Sie lebt von dem Modemacher selbst, der auf seine unverwechselbare Art durch seine Designentscheidungen führt.

Was Kreativität für Paul Smith bedeutet, zeigt die neue MINI Kampagne › PAGE online

Paul Smith ist ein Phänomen. Fast 80 Jahre ist er mittlerweile alt und Großbritanniens erfolgreichster Modedesigner, dessen farbenfroher und ausgelassener Stil sich nicht nur durch seine Mode, sondern auch durch Accessoires, Möbel und zahlreiche andere Produkte zieht.

Er kollaboriert gerne, ob mir adidas, Leica, Braun oder The Rollings Stones – und jetzt erneut mit MINI.

1997 hatte er bereits einen gestreiften MINI gestaltet, 2021 einen MINI Electric. Jetzt erscheint die MINI Paul Smith Edition mit gleich drei verschiedenfarbigen Modellen und einer Ausstattung voller Details.

Wie er seinen Stil »classic with a twist«, der ihn berühmt macht, zeigt jetzt eine Kampagne, die Jung von Matt Zürich und Jung von Matt London entwickelt und produziert haben.

Und die hinter die Designentscheidungen des umtriebigen Kreativen blickt, der mit seiner ausgelassenen und gleichzeitig britischen Art und selbst »classic with a twist« natürlich höchstpersönlich durch die Kampagne führt.

Kampagne für designaffine Fahrer:innen

Jedes Detail sei eine Tür, die darauf wartet, geöffnet zu werden, sagt er, zeigt, wie er von Kuriositäten inspiriert wird wie einem (Glücks)-Hasen, den man an der neuen MINI Edition sieht, die vor allem natürlich mit seinen ikonischen Streifen versehen ist. Eher dezent und an überraschenden Stellen, in den Bezügen, aber auch am Dach.

Und dazu ist auf dem Fahrzeug zudem »Every day is a new beginning« zu lesen.

In drei Farben erscheint die Serie, in warmem »Inspired White«, in einem »Statement Grey«, das ihn an den Himmel bevor es regnet, erinnert und einem »Midnight Black« wie ein Smoking. Und dazu gibt es wahlweise ein Dach in Nottingham Green, wo Paul Smith 1946 geboren wurde.

Ein Memory Palace, eine »geführte Reise durch Paul Smiths Geist, bei der jeder Raum für ein ästhetisches Prinzip steht«, nennt JvM das Konzept der Kampagne, die sich an die designaffine Zielgruppe von MINI richtet.

Ausgespielt wird die Kampagne in Märkten wie Japan, Deutschland, Großbritannien, der Schweiz und den USA.

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