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Marken brauchen heute mehr Mut als Applaus


Brand Management in Zeiten von Krisen, KI und Nachhaltigkeit erfordert Mut – und genau den braucht es, um Dinge wirklich anders zu machen, sagt GBA-Jurymitglied Sophia Rödiger von 1KOMMA5°.

Marken brauchen heute mehr Mut als ApplausBild: 1KOMMA5°Sophia, was macht für dich eine starke Marke aus?

Sophia: Marken haben nach wie vor eine zentrale Aufgabe: Sie stiften Identität, schaffen emotionale Verbindung und Orientierung. Zahlen, Daten und Fakten allein reichen dafür nicht aus. Neu ist jedoch: Marken müssen heute deutlich stärker Authentizität und Haltung zeigen sowie Verantwortung übernehmen. Ein klarer Wertekompass ist kein Nice-to-have mehr, sondern die Grundvoraussetzung, die uns in eine bessere Welt navigiert. Marken stehen heute mehr denn je für gesellschaftliche Themen, Hoffnung und eine Zukunft, an die wir glauben wollen. Gleichzeitig sind Marken dynamischer geworden. Marken sind nicht mehr ‚in Stein gemeißelt‘, sondern beweglich und lernfähig und damit resilient.

Macht dieser starke Wertefokus die Markenführung aus deiner Sicht als CMO heute einfacher oder schwieriger?

Schwieriger! Werte und Haltung machen Marken angreifbarer – vor allem im digitalen Resonanzraum, der stark von Zuspitzung und Polarisierung geprägt ist. Wer Position bezieht, muss mit Gegenwind rechnen. Das verlangt viel Mut, ein starkes Kommunikationsteam und Rückhalt aus der Führungsetage. Haltung zu zeigen ist heute kein Selbstläufer mehr, sondern echte Führungsarbeit.

Du bist CMO eines Unternehmens, das Werte seit der Gründung in der DNA trägt – es geht um CO₂-neutrale Energie, Wärme und Mobilität. Was ist aktuell die größte kommunikative Herausforderung beim Thema Nachhaltigkeit?

Das Problem ist, dass wir gegen jahrzehntealte Narrative kämpfen – vor allem bei uns im Klima- und Energiebereich: Nachhaltigkeit wurde lange mit Verzicht, Verbot und höheren Kosten verknüpft. Das schreckt viele Menschen ab; es fühlt sich an, als würde uns der Wandel »top-down« vorgeschrieben. Hinzu kommen politische Unsicherheiten, viele Regulierungen und eine stark polarisierte Debattenkultur. Für Unternehmen mit klarem Purpose ist das ein Spagat: Man will wirken, riskiert aber auch Ablehnung. Trotzdem braucht es den Mut, neue, positive Narrative zu setzen und dafür auch mal auf Applaus zu verzichten. Der bleibt nämlich häufig mal aus, wenn du beginnst, etwas anders zu machen und damit Altes störst.

Heißt das: Mutig sein und auch mal auf Applaus oder den schnellen Mainstream-Erfolg verzichten ist der richtige Weg, wenn man wirklich was verändern will?

Ja. Und so banal es klingt – es braucht dafür ein Führungsteam, das diesen Mut von oben vorlebt. Es muss den echten Freiraum geben, Menschen zu aktivieren und herauszufordern, anders zu denken. Wir suchen uns gezielt Inspiration außerhalb unseres eigenen Marktes. Genau daraus entsteht dieser kreative Nährboden, auf dem Menschen sich trauen, mutig zu sein, Dinge auszuprobieren und notfalls später auch zu korrigieren. Während viele Energieanbieter ausschließlich digital auf Vergleichsplattformen agieren, setzen wir bewusst auch auf Bildung, Showrooms und Events, die unsere Community aufbauen. Menschen sollen riechen, schmecken, hören, also mit allen Sinnen erleben, wofür wir stehen. Wer so arbeitet, braucht vielleicht ein dickeres Fell. Aber genau das ist die Voraussetzung für eine glaubwürdige, wirksame Markenführung in Zeiten großer Transformation.

Wie viel Macht haben Marken bei der Transformation und der Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen?

In meinen Augen ist die Marke das A und O. Die Superkraft liegt darin, dass Menschen einer Sache glauben, dass sie eine positive Emotion damit verbinden. Dass sie das Gefühl entwickeln: Ich bin Teil davon, ich gestalte hier aktiv mit. Nachhaltige Bindung entsteht nur dann, wenn Produkt und Marke zusammen funktionieren. Du brauchst ein starkes Produkt. Aber erst die Marke baut die emotionale Brücke zum Menschen. Nur so können wir Aha-Momente erzielen und ein neues Normal gestalten. Wir erleben das ganz konkret in der Praxis bei unseren Pioneer-Events: Menschen laden Nachbarn in ihre Gärten ein, zeigen die Wärmepumpe, ihre PV-Anlage und ihren Heartbeat im Keller, grillen gemeinsam und sprechen über neue Formen der Energie. Zu Weihnachten haben wir kleine Plaketten mit unserem Logo verschenkt. Sie hängen jetzt an vielen Gartenzäunen in ganz Deutschland. Und das funktioniert nur deswegen, weil sich Menschen mit der Marke identifizieren. Sie gibt ihnen das Gefühl, selbstwirksam zu sein und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Genau das ist die gleiche Mechanik, die auch Unternehmen wie Apple stark gemacht hat: Marke als Teil der eigenen Identität.

Für 1KOMMA5° wurdet ihr in diesem Jahr beim German Brand Award mit dem Ehrenpreis »Startup of the Year« ausgezeichnet. Was hat das verändert?

Zunächst einmal hat uns diese Auszeichnung unglaublich stolz gemacht, es war ein echter Ritterschlag. Wir sind ja erst seit zweieinhalb Jahren aktiv in der Markenarbeit, umso schöner war es zu sehen, wie schnell wir Sichtbarkeit und Strahlkraft aufgebaut haben, und dass das auch in einem hochkarätigen Jury-Umfeld gesehen wird. Es ist eine Anerkennung für eine konsequente und sehr mutige Markenarbeit, bei der wir alles selbst machen, ohne Agenturen. Markenwirkung lässt sich ja nicht immer direkt messen und vieles von dem, was wir anstoßen, ist Erleben, Stimmung und Gefühl. Dafür war der Award für uns auch wichtig: als greifbares Zeichen von Credibility – auch für Menschen, die sonst wenig Berührung mit Markenstrategien haben. Er hat uns darin bestärkt, unseren Weg weiterzugehen und vielleicht sogar noch ein bisschen mutiger zu sein.

»Wenn wir für neue Werte, für Wandel und Verantwortung stehen, dann muss sich das durch das gesamte Konzept ziehen.«

2026 bist du nun selbst Jurymitglied des GBA. Worauf wirst du in der Bewertung ganz besonders achten – und warum ist das für die Markenarbeit der Zukunft so wichtig?

Auf Mut, Andersartigkeit und echte Authentizität. Mich interessiert: Wo haben sich Menschen etwas wirklich Neuartiges ausgedacht? Wo ist jemand vielleicht einen Umweg gegangen, eine Extrameile? Wo wurde bewusst etwas anders gemacht? Mich interessiert, wo Marken selbst Verantwortung übernehmen, statt nur Konzepte einzukaufen. Außerdem achte ich sehr stark auf den Wertekompass und den Umgang mit Ressourcen. Wenn wir für neue Werte, für Wandel und Verantwortung stehen, dann muss sich das durch das gesamte Konzept ziehen. Nicht nur in der Inszenierung, sondern auch in der Umsetzung.

Mit »Circular Brand of the Year« und »AI Project of the Year« gibt es auch zwei neue Kategorien beim GBA. Warum gehören diese aus deiner Sicht beim Brand Management inzwischen unbedingt dazu?

Ich finde es großartig, dass solche Kategorien beim Award ergänzt wurden. Solche Auszeichnungen bieten Sichtbarkeit für Projekte, die mutig neue Wege gehen. Das sind Leuchttürme, die die Richtung weisen. Gerade für Projekte, die noch nicht im Mainstream angekommen sind, vielleicht noch nicht alle messbaren KPIs liefern, aber die inhaltlich und in ihrer Idee zukunftsweisend sind: Genau diese gehören doch auf die Bühne! Und Nachhaltigkeit und KI sind gerade die Themen, die wir in der Gesellschaft beleuchten müssen. Sie brauchen Geschichten, die sichtbar machen, was dahintersteckt. Nur Lösungen im Hintergrund reichen nicht – Markenarbeit, Sichtbarkeit und eben auch Awards wie der GBA helfen, diese Themen für die Gesellschaft greifbar zu machen.

Welchen Tipp gibst du Marken, die Projekte beim GBA ins Rennen schicken wollen und warum lohnt sich das?

Es lohnt sich immer, Bühnen und Netzwerke zu suchen. Oft ist die Arbeit nach der Veranstaltung spannender als das Event selbst – die Kontakte, das Networking, der Austausch mit Gleichgesinnten. Mein Tipp: Habt Mut, selbst mehr zu machen! Gebt Arbeit nicht einfach ab an Agenturen, Influencer oder andere an Dritte ab. Holt Inspiration aus anderen Branchen, schaut über den Tellerrand, lasst euch von externen Ideen inspirieren und adaptiert diese für eure eigene Marke. Gerade im Bereich Nachhaltigkeit oder erneuerbare Energie kann man viel von anderen Transformationsprozessen lernen und diese auf die eigene Branche übertragen.

Jetzt einreichen: Registration Deadline bis zum 27. Februar 2026

Du hast eine spannende Karriere hinter dir – von der Automobilbranche über ein Blockchain-Start-up bis hin zu 1KOMMA5°. Was treibt dich persönlich an?

Energie (lacht)! Für mich ist das immer ein zentrales Thema gewesen – erst die psychologische, neuronale, also wie unser Gehirn Energie nutzt. Und: wie wir Energie im echten Leben transformieren. Mich motiviert es, dort zu arbeiten, wo etwas technisch funktioniert, das aber noch nicht im Mainstream angekommen ist. Mein Ziel ist es, diese Innovationen zu skalieren und Menschen zu zeigen: What’s in it for you? Energie bedeutet für mich, Menschen zu begeistern, sie mitzunehmen und Prozesse zu gestalten, die Transformation möglich machen. Das treibt mich jeden Tag an und gibt mir kreative Kraft, neue Wege zu finden, Menschen zu erreichen und Projekte zum Erfolg zu führen. Voller Energie.

Über Sophia:

Sophia Rödiger ist Chief Marketing Officer bei 1KOMMA5°, CleanTech-Unicorn und Technologieplattform für CO2-neutrale Energie, Wärme und Mobilität. Sie ist Wirtschaftspsychologin, Autorin und gestaltet seit mehr als 15 Jahren Innovation im digitalen Energie- und Mobilitätsumfeld. Zuletzt gründete und leitete sie als CEO das Blockchain-Technologie Unternehmen bloXmove, das nach einem Management Buy Out mit Mercedes-Benz entstand. Hier, beim Automobilhersteller, begann Sophias Karriere in verschiedenen Management Positionen rund um Startup Investment und digitale Transformation. Sie legt einen besonderen Schwerpunkt auf (digitale) Bildung und hostet hierzu auch eigene Podcast-Formate wie aktuell die NEW ENERGY TALKS.

Über 1KOMMA5°:

1KOMMA5° steht für CO₂-neutrale Energie, Wärme und Mobilität. 2021 in Hamburg gegründet, ist das Energieunternehmen heute mit weltweit rund 80 Standorten in sieben Märkten der One-Stop-Shop für intelligente Energielösungen wie Photovoltaik, Stromspeicher, Wärmepumpen, Klimaanlagen und Wallboxen. Kerntechnologie ist Heartbeat AI: Die KI automatisiert die gesamte Stromversorgung eines Haushalts und ist ein Paradigmenwechsel in der Energieversorgung, weil sie Kunden direkt an die Strombörse anbindet und Erzeugung, -verbrauch und -handel im Einklang mit Wind und Sonne steuert.

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»Nachhaltigkeit ist eine Form der Selbstverteidigung« › PAGE online


Julius Palm, stellvertretender Geschäftsführer und Head of Strategy and Brand von Followfood, Vorstand des Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft und Jurymitglied des German Brand Award, spricht über Nachhaltigkeit als strategische Disziplin, Resonanz als Währung moderner Markenführung und darüber, warum Transparenz Marken relevanter macht.

Porträt einer lächelnden Person mit Bart und zurückgebundenen Haaren, die einen hellen Hoodie trägt und in einem modernen, lichtdurchfluteten Glasgang steht.Bild: followfood Nachhaltigkeit, Haltung und Markenführung stehen heute stärker denn je unter Beobachtung. In Zeiten multipler Krisen suchen Menschen nach Orientierung – und Marken nach Wegen, glaubwürdig und relevant zu bleiben. Der German Brand Award würdigt genau jene Unternehmen, denen das gelingt, und die Markenführung neu denken. Einer, der diese Perspektive aus der Praxis kennt, ist Followfood-Stratege Julius Palm, der in diesem Jahr auch Teil der Jury des German Brand Awards ist. Sein Credo: Marken entfalten ihre Wirkung dann, wo Impact von Anfang an mitgedacht wird. Und darauf wird er auch bei den Einreichungen ganz besonders achten. 

Page: Julius, du beschäftigst dich seit vielen Jahren intensiv mit Nachhaltigkeit, beruflich wie privat. Welche Motivation hast du und was treibt dich an?

Julius Palm: Motivation braucht es für mich eigentlich gar nicht. Denn Nachhaltigkeit ist für mich vor allem eine Form von Selbstverteidigung, Existenzsicherung und das Kämpfen für das Schöne. Wenn man einmal verstanden hat, wie alles zusammenhängt und dass es kein von der Welt losgelöstes individuelles Leben gibt, dann ist es doch nur logisch, sich dafür einzusetzen. Dabei geht es nicht um irgendein abstraktes Leben in ferner Zukunft, sondern sehr konkret um mein eigenes Leben, das sich jetzt schon spürbar verändert.

Followfood kommuniziert klar: »Was wir essen, verändert die Welt.« Welche Rolle spielen Marken dabei, die Welt zu verändern?

Jede Marke und jedes Unternehmen verändert die Welt – ganz unabhängig davon, ob das bewusst geschieht oder nicht. Gerade die stark industrialisierte Lebensmittelindustrie hat in den vergangenen Jahrzehnten massiv dazu beigetragen, planetare Grenzen zu überschreiten und ökologische Krisen zu verschärfen. Wir kommen also aus einer Realität, in der wirtschaftlicher Erfolg häufig mit negativem Impact verbunden war. Und unser Anspruch bei Followfood ist es jetzt zu zeigen, dass es auch anders geht: dass man wirtschaftlich erfolgreich sein kann und gleichzeitig einen positiven Fußabdruck hinterlässt.

»Gerade in den aktuell turbulenten Zeiten entsteht ein starkes Bedürfnis nach Orientierung.«

Krisen wie die Klimakrise verändern auch das Markenbewusstsein. Wo siehst du darin Chancen für Unternehmen?

Alle Themen, die uns als Menschen und Gesellschaft prägen, haben auch Auswirkungen auf Marken- und Unternehmensführung. Gerade in den aktuell turbulenten Zeiten entsteht ein starkes Bedürfnis nach Orientierung. In solchen Situationen sehnen wir uns ganz besonders nach Resonanzmomenten, die uns Halt geben. Und die können ganz unterschiedlich aussehen: ein Schmunzeln durch einen Werbespot, ein Lachen im Gespräch mit anderen Menschen, eine gute Kampagne oder auch ein Moment der Rührung durch gut gemachten Content. Solche Momente verbinden uns mit dem, was uns wichtig ist, und schaffen Orientierung in einer Zeit, die unübersichtlich ist.

Ich glaube, es geht gerade jetzt nicht darum, dass jedes Unternehmen zu jedem Thema – etwa zum Klima – sofort eine laute Positionierung abgibt, auch wenn jedes für sich eine Antwort darauf haben sollte.

Macht das für dich heute eine gute Markenführung aus?

Bei der Markenführung kommt es für mich genau auf diese Momente an, und wie Marken zu ihnen kommen. Das hat nicht nur mit Kreativität zu tun, sondern auch mit Konsistenz und Integrität. Besonders bei »Haltungsmarken« sind Menschen sehr sensibel für Opportunismus. Ob man einer Kampagne oder einer Haltung glaubt, entscheidet nicht nur die einzelne Maßnahme, sondern die ganze Geschichte der Marke und ob das, was kommuniziert wird, über längere Zeit hinweg auch gelebt wird: Integrität zeigt sich letztlich in gelebter Konsistenz.

Dabei ist Transparenz ein wichtiger Hebel. Sie galt in Unternehmen lange eher als Risiko, aber heute erleben wir einen klaren Paradigmenwechsel: Transparenz wird zum Authentizitätsbooster und kann Marken helfen, Glaubwürdigkeit aufzubauen und echte Resonanz zu erzeugen.

Du bist dieses Jahr auch Teil der Jury beim German Brand Award. Worauf wirst du bei den Einreichungen besonders achten?

Ich schaue auch darauf, ob es einer Marke gelingt, ein authentisches Image zu vermitteln und eine gewisse Integrität zu verkörpern. Dabei ist erst mal das Produkt gar nicht so wichtig, denn es kommt darauf an, dass das Unternehmen es schafft, einen Wert und dieses authentische Resonanzmoment zu erzeugen. Entscheidend ist auch die Frage, ob Impact von Anfang an mitgedacht wurde – sowohl im Geschäftsmodell selbst als auch in der Kampagne. Welche Wirkung soll erzielt werden, und wurde diese Wirkung von Beginn an bewusst eingeplant? Ebenso wichtig ist, ob dieser Impact messbar gemacht, plausibel dargelegt wird und welchen Beitrag ein Unternehmen für die Gesellschaft leistet.

Oft heißt es, Nachhaltigkeit müsse Teil der DNA eines Unternehmens sein. Bei euch ist das seit der Gründung ja gegeben, aber wie kann das auch anderen Marken gelingen?

Jedes Unternehmen kann für sich eine ehrliche Antwort darauf finden, was Nachhaltigkeit im eigenen Kontext bedeutet. Und auch dabei hilft Transparenz enorm. Niemand erwartet Perfektion, aber man erwartet Ehrlichkeit darüber, wo ein Unternehmen steht, wohin es will und dass es bereit ist, sich zu verändern. Wenn ich mich als Marke also authentisch hinstelle und offen sage, dass wir aus einer Welt kommen, in der Nachhaltigkeit lange nicht die oberste Priorität hatte, dass wir aber verstanden haben, welche Verantwortung wir tragen und lernfähig sind, entsteht Glaubwürdigkeit. Entscheidend ist, transparent zu machen, wo man heute steht, wohin man sich entwickeln will und andere auf diesem Weg mitzunehmen. Das ist für die meisten Menschen intuitiv nachvollziehbar und wirkt sympathisch, weil es ehrlich ist und Menschen daran anknüpfen könne. Wir kennen es doch alle aus unserem eigenen Leben.

Wie verändert Transparenz denn die Markenarbeit ganz konkret?

Transparenz bedeutet, dass es eine belastbare Daten- und Informationsgrundlage über das eigene Unternehmen, die Produkte und insbesondere die Lieferketten braucht. Ohne dieses Wissen lässt sich keine authentische Transparenz leben. Für viele Unternehmen ist das eine Herausforderung, weil Lieferketten lange Zeit eine Blackbox waren.

Gleichzeitig führen aber neue Regularien dazu, dass Unternehmen ohnehin gezwungen sind, sich diese Informationen zu beschaffen. Und das ist eine Chance: Wer sich mit diesen Themen auseinandersetzt, kann daraus Inhalte für Kommunikation und Marke entwickeln. Die Datenerhebung ist aufwendig, verändert aber die Markenarbeit grundlegend, weil sie Marke viel näher an das Geschäftsmodell heranrückt. Geschichten lassen sich dann nicht mehr frei erfinden, sondern müssen aus dem Produkt und seiner Entstehung heraus erzählt werden. Transparenz bedeutet damit, dass Markenkommunikation deutlich enger mit der Realität von Lieferkette und Geschäftsmodell verbunden ist, als es lange Zeit der Fall war.

Das heißt, Markenführung wird ehrlicher und faktenbasierter – wird sie damit auch relevanter?

Wenn Unternehmen und Produkte Charakter bekommen, Ecken und Kanten zeigen und auf realen Grundlagen beruhen, entsteht für die Kommunikation wieder eine echte kreative Aufgabe. Das mag zunächst außerhalb der Komfortzone liegen, macht die Arbeit aber auch spannender, weil man näher am Produkt, am Unternehmen und damit auch an den Menschen arbeitet.

Damit wird auch Werbung relevanter. Menschen sind sensibel für falsche Versprechen. Wenn es schwieriger wird, solche Versprechen zu machen, weil Kommunikation stärker auf Fakten basiert und sich mit Produkt, Unternehmen und Lieferketten auseinandersetzen muss, gewinnt sie automatisch an Relevanz. Dann hat Kommunikation wirklich etwas mit dem Produkt, aber auch dem Alltagserleben der Menschen zu tun, und nicht nur mit einem konstruierten Lebensgefühl. Genau das schafft Glaubwürdigkeit und Bedeutung.

Jetzt einreichen: Registration Deadline bis zum 27. Februar 2026

Wie siehst du das Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit – schließt sich beides aus?

Nein! Denn Nachhaltigkeit ist nicht nur ein reiner Aufwandsposten, sondern eine strategische Ausrichtung. In vielen Unternehmen wird Nachhaltigkeit noch so wahrgenommen: als Personalkosten, als Berichtspflicht, als Funktion, die Geld kostet und wenig zum Geschäft beiträgt. Betrachtet man das Thema jedoch strukturell und strategisch, wird Nachhaltigkeit zu einer eigenständigen Business-Disziplin.

»Es braucht in jeder Abteilung Menschen, die sich auf Datenebene mit der Frage beschäftigen, ob Prozesse, Lieferketten und Entscheidungen langfristig tragfähig sind.«

Durch solides Reporting, belastbare Datenerhebung und gute Prognosen lässt sich frühzeitig erkennen, wo Risiken entstehen. Wenn Unternehmen ihre Lieferketten kennen, Daten analysieren und Entwicklungen antizipieren können, sind sie in der Lage, gegenzusteuern, unabhängiger vom Markt zu werden und resilientere Geschäftsmodelle aufzubauen. Und deswegen ist die Verortung von Nachhaltigkeit ausschließlich im Marketing oft ungünstig. Sie ist kein Kommunikationsthema, sondern es braucht in jeder Abteilung Menschen, die sich auf Datenebene mit der Frage beschäftigen, ob Prozesse, Lieferketten und Entscheidungen langfristig tragfähig sind.

Was bedeutet es dir, in diesem Jahr beim German Brand Award Teil der Jury zu sein?

Zunächst mal freue ich mich sehr über die Möglichkeit. Gerade weil mit Followfood ein Unternehmen aus einem klar nachhaltig ausgerichteten Kontext in die Jury eingebunden wird. Das ist aus meiner Sicht eine Chance, Markenfragen mit einer zusätzlichen Perspektive zu betrachten und neu aufzuladen. Genau diese Sicht möchte ich in die Diskussionen einbringen.

Ich freue mich auf die Cases und den Austausch darüber, weil Marketing und Markenarbeit einen enormen Einfluss darauf haben, wie wir als Gesellschaft denken, fühlen und handeln. Wir sind permanent von Markenbotschaften, Produktmarketing und Kampagnen umgeben, die unsere Bedürfnisse, Wünsche und Ziele mitprägen. Diese Wirkung auf einer so reflektierten Ebene wie beim German Brand Award zu diskutieren, finde ich extrem spannend. Ich bin sehr neugierig, welche Diskussionen entstehen und welchen Beitrag wir als Unternehmen mit einer etwas anderen Herangehensweise leisten können.

Mit den Zusatzkategorien Sustainable Brand of the Year und Circular Brand of the Year würdigt der German Brand Award Unternehmen, die beim Thema Nachhaltigkeit neue Maßstäbe setzen. Warum sind auch Kategorien wie diese so wichtig?

Man könnte natürlich fragen, warum es dafür eine eigene Kategorie braucht – schließlich sollte Nachhaltigkeit grundsätzlich für alle relevant sein. Gleichzeitig gibt es aber nach wie vor Vorreiter und Unternehmen, die in diesem Bereich besonders konsequent arbeiten. Diese Ambition geht häufig damit einher, dass weniger Marketingbudgets und geringere Ressourcen zur Verfügung stehen, um mit großen, aufwendig produzierten Kampagnen zu konkurrieren.

Genau deshalb sind solche Kategorien sinnvoll. Sie ermöglichen es Unternehmen, die inhaltlich stark arbeiten, aber nicht über große Budgets verfügen, Anerkennung und Sichtbarkeit zu bekommen. Eben auch dort, wo sie im direkten Wettbewerb sonst oft benachteiligt wären. Sie schaffen einen fairen Rahmen, um auch ihre Leistungen wertzuschätzen und wirklich sichtbar zu machen.

Über Julius:

Julius Palm ist stellvertretender Geschäftsführer und Head of Strategy & Brand bei der nachhaltigen Foodmarke Followfood. Dort arbeitet er daran, durch ein Geschäftsmodell die sozial-ökologischen Probleme zu lösen. Das Ziel: ein regeneratives Unternehmertum. Zudem setzt er sich als Vorstand des Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft für politische Rahmenbedingungen einer zukunftsfähigen Wirtschaft ein.

Logos PAGE und German Brand Award 2026, grafische Darstellung



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OBI frischt Logo auf – Design Tagebuch


Die Baumarktkette OBI hat ihr Logo aufgefrischt und überarbeitet. Seit kurzem nutzt die Baumarktkette in digitalen wie analogen Kontexten als Absender ein einfarbig orangefarbenes Logo mit begradigten Buchstaben.

OBI ist eine 1970 gegründete deutsche Baumarkt-Franchise-Kette mit Hauptsitz in Wermelskirchen. Das Unternehmen ist europaweit tätig und betreibt derzeit 640 stationäre Märkte in 10 Ländern, wobei der Fokus auf dem Verkauf von Heimwerkerbedarf, Baumaterialien und Gartenartikeln liegt. Seit 1985 gehört das Unternehmen mehrheitlich zur Tengelmann-Gruppe. Der Name OBI geht auf die französische Aussprache des Wortes Hobby zurück.

Seit kurzem präsentiert sich OBI im Webauftritt unter obi.de mit einem nunmehr einfarbig orangefarbenen Logo. Die bisher verwendete schwarze Umrandung wurde entfernt und die bislang leicht geneigten Großbuchstaben OBI begradigt.

Obi Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Obi, Bildmontage: dt
Obi Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Obi, Bildmontage: dt

Nach außen kommuniziert wurde die Umstellung seitens des Unternehmens bislang nicht. Der Umstand, dass vor kurzem neu eröffnete OBI-Märkte, wie jener in Mühlacker (Baden-Württemberg), bereits mit dem neuen Logo ausgestattet sind, deutet darauf hin, dass die Maßnahme von langer Hand geplant ist.

Obi Markt Fassade mit Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Obi, Bildmontage: dt
Obi Markt Fassade mit Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Obi, Bildmontage: dt

In einer Anfang Januar von OBI veröffentlichten Pressemeldung erklärt das Unternehmen, es wachse in Deutschland so stark wie noch nie. Allein im ersten Halbjahr 2026 sollen mit fünf Franchise-Partnern 15 OBI-Märkte eröffnet werden. Die Aktualisierung des Logos und des visuellen Erscheinungsbildes erfolgt demnach vor dem Hintergrund eines strategischen Wachstumskurses.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an dt-Leser David R., der die Umstellung als erstes bemerkt hat.



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innen zum 100. Lufthansa-Jubiläum › PAGE online


Serviceplan läutet das 100-jährige Jubiläum der Lufthansa mit einem Blick zurück – und vor allem nach vorne – ein. Und das mit einer Reise durch die Werbegeschichte der Fluglinie, in der Historisches von Illustrierenden neu interpretiert wird.

innen zum 100. Lufthansa-Jubiläum › PAGE online

Seit 2024 ist Serviceplan die Leadagentur der Lufthansa und tauchte bisher mit viel Gefühl in die Geschichten der Reisenden ein oder erzählte von Reisen als Neuanfang.

Jetzt hat die Agentur die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der Fluglinie gestartet. Und das mit einer Launch-Kampagne, die eine Reise durch die Markenhistorie der Lufthansa ist.

Dabei blickt Serviceplan nicht visuell zurück, sondern lässt stattdessen klassische, historische Lufthansa-Motive, Stile, Flugzeugmodelle und Mode auf zeitgemäße Motive und aktuelle Lufthansa Bildwelten treffen.

Besonderer Blick auf die Historie

Erklärtes Ziel der Kampagne ist es, den Zeitgeist jeder Epoche aufzugreifen, in der die Lufthansa aktiv war – und zugleich das Verbindende in der Markengeschichte zu betonen.

Dass das farbenfroh, mitreißend und ausdrucksstark ist, wurden zwei Illustrator:innen verpflichtet, die bekannt für ihre Chracater und farbenfrohen Lebenswelten sind.

Darya Semenowa aus dem georgischen Tibilisi und der Londoner Illustrator Mason London, der auch genau in dieser Metropole lebt und arbeitet.

Beide blicken farbenfroh und auf ihre ganz eigene Weise auf die verschiedenen Epochen, werfen einen zeitgemäßen Blick auf die Passagier:innen, an dem Aufenthalt an Bord und das Reisen selbst.

Groß präsentiert

Anstatt zurückzublicken ist die Kampagne ein Blick in die Zukunft der Marke, »A century since takeoff« beschwört und dabei die verschiedenen Jahrzehnte ineinanderfließen lässt.

Statt einer Headline, wie sie normalerweise in Lufthansa-Kampagnen zu lesen ist, findet sich das Jubiläums-Symbol, das aus einer modernen, serifenlosen 100 besteht, in die ein stilisierter, aufsteigender Kranich eingearbeitet ist. Darunter sind die Zahlen 1926Ι2026 zu lesen.

Zu sehen sein werden die Motive zum Start des Jubiläumsjahres in den Flughäfen München, Frankfurt und Berlin. In München wird es zudem Sonderpräsentationen, unter anderem am SAT Tower und auf der Großfläche P90, geben. Darüber hinaus sind großformatige Murals in München, Frankfurt und Hamburg geplant.

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