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Memes für die Ewigkeit mit Hall of Fame für Videokultur


Die Sammlung umfasst virale YouTube-Klassiker, frühe Livestreams, Flash-Animationen und Internet-Memes. Bei aller Lustigkeit vieler Clips steckt dahinter eine wichtige Frage: Welche digitalen Inhalte erzählen in Zukunft, wie Menschen heute leben, kommunizieren und Kultur erleben?


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Vom Viralhit zum Kulturerbe

Für das BFI sind Online-Videos längst mehr als Unterhaltung. Das Institut spricht vom „dritten Zeitalter des Bewegtbilds“ – nach Kino und Fernsehen. Denn sie prägen inzwischen, wie Menschen kommunizieren, lernen, lachen und Kultur erleben. Jedoch drohen viele dieser digitalen Zeitdokumente verloren zu gehen. Plattformen wie etwa Vine existieren nicht mehr und auch viele Flash-Inhalte lassen sich heute nicht mehr aufrufen. Will Swinburne, Kurator des Instituts, erklärte gegenüber der New York Times:

The videos have this almost scary ability to document so much of modern life. If you imagine losing that, you would lose access to what life was like at this time and how people were expressing themselves.

Mit dem Archiv will das Institut genau das verhindern und ein Stück Internetgeschichte für kommende Generationen bewahren. Die Sammlung umfasst ausschließlich britische Online-Kultur. Das Archiv erzählt die Geschichte eines Mediums, das in 30 Jahren vom Nischenphänomen zum wichtigsten Schauplatz für Unterhaltung, Information und Popkultur geworden ist. Welche Videos das BFI dabei für besonders prägend hält, zeigt ein Blick in die Sammlung.

Diese Videos erzählen 30 Jahre Internetgeschichte

Insgesamt hat das British Film Institute hunderte Online-Videos aus 30 Jahren Internetgeschichte in das Archiv aufgenommen. Über die Plattform BFI Replay sind derzeit jedoch nur 60 kuratierte Highlights der Sammlung öffentlich zugänglich. Alle öffentlich zugänglichen Videos der Sammlung stellt das British Film Institute kostenlos über BFI Replay bereit.

Das Video „Charlie Bit My Finger“ aus dem Jahr 2007 zählt zu den ersten globalen Viralhits des Internets und durfte deshalb auch im Archiv des BFI nicht fehlen. Der Clip zeigt einen Säugling, der seinem älteren Bruder in den Finger beißt. Was ursprünglich als privates Familienvideo gedacht war, entwickelte sich zu einem der bekanntesten viralen Videos der Internetgeschichte und erreichte fast 900 Millionen Aufrufe auf YouTube. 2021 verkaufte die Familie das Video zudem als NFT für 760.999 US-Dollar.

Noch weiter zurück reicht die Geschichte der sogenannten Trojan Room Coffee Pot Camera. Das Projekt entstand 1991 an der Universität Cambridge. Forschende installierten eine Kamera vor einer Kaffeemaschine, um aus der Ferne prüfen zu können, ob noch Kaffee verfügbar war. Das System gilt als eine der ersten Webcams der Welt und wird häufig als Vorläufer moderner Livestreams bezeichnet.

Ebenfalls Teil der Sammlung ist die Flash-Animation „Badgers“. Die Endlosschleife mit tanzenden Dachsen wurde Anfang der 2000er-Jahre millionenfach verbreitet – lange bevor Plattformen wie YouTube oder TikTok existierten.

Zu den archivierten Werken gehören auch das interaktive Web-Projekt „Online Caroline“ aus dem Jahr 2000, frühe Creator-Formate, Musikprojekte, Web-Serien und politische Satire.

Besonders kurios ist der Livestream „Will Liz Truss Outlast This Lettuce?“. Die britische Boulevardzeitung Daily Star stellte 2022 einen Salatkopf ins Netz und verfolgte live, ob dieser länger haltbar sein würde als die Amtszeit der damaligen Premierministerin Liz Truss. Der Salat gewann.

Welche deutschen Internetklassiker würden in ein Archiv gehören?

Welche deutschen Internetklassiker hätten einen Platz in einem solchen Archiv verdient? Neben dem weltbekannten Meme Technoviking und dem Viralhit Angry German Kid dürfte vor allem Coldmirrors Coldmirrors „Harry Potter und ein Stein“ nicht fehlen – ein Stück YouTube-Geschichte, das eine ganze Generation deutschsprachiger Internetnutzer:innen unterhalten hat.

Das Internet vergisst nie. Oder?

Viele prägende Momente der Internetgeschichte sind heute bereits verschwunden oder nur noch über Umwege auffindbar. Mit dem Ende von Flash wurden zahlreiche frühe Web-Inhalte unzugänglich, Plattformen wie Vine verschwanden komplett und mit ihnen zahllose Videos, Memes und digitale Kulturzeugnisse. Für Will Swinburne ist das ein grundlegendes Problem der Plattformökonomie:

None of these websites and platforms serve an archival purpose. They make no promise to preserve and save the work.

Anders als Bibliotheken, Museen oder Filmarchive verfolgen Plattformen primär wirtschaftliche Interessen. Inhalte bleiben verfügbar, solange Unternehmen darin einen Nutzen sehen. Eine langfristige Bewahrung digitaler Kultur gehört dagegen meist nicht zum Geschäftsmodell.

Doch wenn niemand diese Inhalte bewahrt, könnte ein Teil unserer digitalen Gegenwart verloren gehen. Während frühere Generationen ihre Zeit über Bücher, Filme und Fernsehsendungen dokumentierten, erzählen heute oft digitale Inhalte davon, wie Menschen leben, kommunizieren und Kultur erleben. Das macht die Archivierung digitaler Kultur umso wichtiger. Denn anders als im Fernsehzeitalter, als Millionen Menschen dieselben Sendungen sahen, erlebt heute jedoch kaum noch jemand exakt dieselbe Interneterfahrung. Inhalte, die fast jede:r kennt, gibt es zwar weiterhin. Die schiere Vielfalt des Internets sorgt jedoch dafür, dass kaum zwei Menschen dieselben digitalen Erinnerungen teilen, so das BFI.

Das Projekt gewinnt im Zeitalter generativer KI zusätzlich an Relevanz. Während immer mehr KI-generierte Videos das Netz fluten, dienen große Archive menschlich produzierter Online-Inhalte als wichtige Trainings- und Referenzgrundlage für moderne KI-Systeme. Die Frage, welche Inhalte bewahrt werden, entscheidet damit nicht nur darüber, wie wir uns an das Internet erinnern – sondern auch darüber, womit künftige KI-Modelle lernen.

Das BFI ist nicht die einzige Institution, die digitale Inhalte für die Nachwelt bewahren möchte. Zu den bekanntesten Projekten gehört das 1996 gegründete Internet Archive, das Milliarden Webseiten, Bücher, Software-Programme, Audioaufnahmen und Videos archiviert. Über die Wayback Machine lassen sich dort sogar frühere Versionen vieler Websites aufrufen.


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