Künstliche Intelligenz
Meta investierte 100 Milliarden Dollar ins Metaverse – Wo bleibt es?
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„Unsere Vision ist, dass VR und AR in zehn Jahren die nächste große Computerplattform nach dem Smartphone sein werden“, schreibt Mark Zuckerberg in einem internen Memo, in dem er seine Strategie für den Weg dorthin darlegt und erläutert, warum dieser Wandel wichtig für das Unternehmen ist.
„Wir sind im Smartphone-Bereich verwundbar, weil Google und Apple die mobilen Plattformen kontrollieren“, so Zuckerberg. In der nächsten Computer-Ära wolle das Unternehmen daher eine stärkere strategische Position einnehmen. „Das können wir nur erreichen, indem wir eine bedeutende Plattform und zentrale Apps entwickeln.“
Das Memo beschreibt den heutigen Status quo, ist jedoch deutlich älter: Zuckerberg verfasste es 2015.
Ein Projekt astronomischen Ausmaßes
Zuckerberg hat sein Unternehmen seither in Meta umbenannt und exorbitante Summen in Reality Labs investiert, jene Abteilung, die VR- und AR-Produkte entwickelt. In der Hoffnung, dass sich die Technologien auf breiter Basis durchsetzen, aber auch aus Angst, die nächste große Computerwelle zu verpassen. Facebook hatte die Bedeutung des Smartphones erst spät erkannt, war an der mobilen Revolution fast gescheitert und geriet in Abhängigkeit von Apple und Google, die mit iOS und Android die Plattformen bestimmen, auf denen Facebook, Instagram und WhatsApp ihr Geschäftsmodell aufbauen.
Meta weist die Ausgaben für Reality Labs seit Ende 2020 in seinen Quartalsbilanzen aus. Im vergangenen Quartal summierten sie sich auf 83 Milliarden US-Dollar. Wie viel das Unternehmen in den Jahren zuvor investierte, ist nicht bekannt, aber nach Schätzungen des Metaverse-Analysten Matthew Ball (X-Link) hat die Summe im dritten Quartal 2025 die Schwelle von 100 Milliarden US-Dollar überschritten. Den Auftakt zu Metas milliardenschweren Investitionen bildete die Übernahme des Start-ups Oculus VR im Jahr 2014, für die Facebook drei Milliarden US-Dollar zahlte.
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Zwischen Aufwand und Ertrag liegt ein tiefer Graben.
(Bild: Tomislav Bezmalinović / heise medien)
Den hohen Ausgaben stehen vergleichsweise geringe Einnahmen gegenüber: Bei rund 83 Milliarden US-Dollar an Aufwendungen seit Ende 2020 liegen die Erlöse aus VR und AR im gleichen Zeitraum bei etwa zehn Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Allein im vergangenen Quartal erwirtschaftete Meta rund 50 Milliarden US-Dollar durch sein Werbegeschäft.
Virtual Reality: Noch immer in der Selbstfindungsphase
Zuckerbergs Memo liegt zehn Jahre zurück. Was hat Meta seither erreicht?
Meta Quest, das zentrale VR-Produkt des Unternehmens, dominiert den Markt für VR-Headsets, stellt die größte VR-Plattform und erwirtschaftet den Großteil der Umsätze von Reality Labs. Metas Quasi-Monopol ist dabei auch das Ergebnis einer aggressiven Quersubventionierung von VR-Hardware, die unrealistische Preiserwartungen geschaffen und Mitbewerber vom Markt verdrängt hat.
Spiele sind nach wie vor der umsatzstärkste Anwendungsfall der Virtual Reality, bleiben aber eine Nische: In der Spielebranche machen sie weniger als ein Prozent des Umsatzes aus. Zudem hat die Krise der Spielebranche auch den VR-Markt erfasst, der in den vergangenen Jahren an Dynamik verloren hat. Das zeigte sich zuletzt an den MR-Headsets Quest 3 und Quest 3S, die nicht an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen konnten.

Jugendliche bilden aktuell die aktivste VR-Nutzergruppe.
(Bild: Meta)
Positiv für Meta ist, dass Meta Quest heute vor allem Kinder und Teenager begeistert, jene Zielgruppe, die „Roblox“ zur größten Metaverse-Plattform mit rund 380 Millionen Nutzern gemacht hat. Eine Reichweite und Relevanz, die Meta mit seinem eigenen Proto-Metaverse „Horizon Worlds“ bislang vergeblich anstrebt. Die Hoffnung ruht nun auf den Vertretern der Generation Alpha, die mit Headsets aufwachsen, VR als selbstverständlichen Teil ihres Lebens begreifen und sich in virtuellen Welten sozialisieren. Für sie ist das Metaverse kein abstraktes Konzept mehr, sondern längst Realität.
Der Rest der Menschheit tut sich nach wie vor schwer. Zehn Jahre nach ihrem kommerziellen Neustart sucht Virtual Reality weiterhin nach einem Anwendungsfall, der sie für eine breite Masse unentbehrlich macht. Spiele sind es nicht, ebenso wenig Medienkonsum und Produktivität. Womöglich kann ein neuer Formfaktor das Interesse an VR wiederbeleben: Mit seinem nächsten Headset will Meta angeblich Größe und Gewicht der Geräte deutlich reduzieren.

Apple Vision wird als AR-Gerät vermarktet, ist jedoch ein herkömmliches VR-Headset ohne fundamentalen Unterschied zu Metas Produkten.
(Bild: Apple)
Eines ist klar: Ohne Metas beharrlichen Einsatz gäbe es heute keinen nennenswerten VR-Verbrauchermarkt, und VR wäre vorwiegend auf professionelle Anwendungen beschränkt. Ein Feld, in dem sie inzwischen fest etabliert ist und aus dem sie nicht mehr verschwinden wird. Apple Vision Pro und Samsung Galaxy XR wären ohne Metas jahrelange Vorarbeit ebenfalls kaum vorstellbar und haben der Produktkategorie zusätzliche Legitimität verliehen.
Augmented Reality: Milliardenwette mit offenem Ausgang
Auch wenn die Reality Labs vor allem durch VR-Headsets Sichtbarkeit erlangten, fließt mehr als die Hälfte der Investitionen in Augmented Reality und damit in ein Produkt, das noch gar nicht erschienen ist: Metas kommende AR-Brille. Auf einer Firmenversammlung begründete Zuckerberg die Kostenverteilung damit, dass Augmented Reality die anspruchsvollste Arbeit der Reality Labs sei, aber auch die mit dem größten langfristigen Potenzial.
Sieht man sich den ersten öffentlich gezeigten AR-Brillenprototyp genauer an, wird deutlich, warum die Entwicklung Milliarden verschlang: Meta Orion ist ein wahnwitziges Stück Technik, das zahlreiche Innovationen, maßgeschneiderte AR-Chips und den Aufbau komplett neuer Lieferketten erforderlich machte.

Meta Orion kombiniert ein Sichtfeld von rund 70 Grad mit einem Formfaktor, der annähernd dem einer herkömmlichen Brille entspricht.
(Bild: Meta)
Dieser Aufwand wäre gerechtfertigt, wenn die AR-Brille Zuckerbergs große Vision von 2015 erfüllt und eine neue Computer-Ära unter Metas Führung einleitet. Doch das ist ein großes Wenn. Auch wenn die erste AR-Brille laut Meta schon „in naher Zukunft“ erscheinen soll, dürfte bis zu einem massentauglichen Produkt noch ein weiteres Jahrzehnt vergehen.
Den Weg dorthin ebnet Meta mit Smart Glasses wie der Ray-Ban Meta-Brille. Die Nachfrage überraschte Meta und veranlasste Google und Apple, eigene Produkte dieser Art in die Entwicklung zu geben. Neu an der Produktkategorie ist der Formfaktor, der nicht nur echtes Massenmarktpotenzial eröffnet, sondern auch als ideale Hardware für das KI-Zeitalter gehandelt wird, mit Assistenzsystemen, die Nutzer sehend und hörend im Alltag begleiten und unterstützen und dabei zugleich nahezu unsichtbar bleiben. Der nächste Entwicklungsschritt sind Smart Glasses mit Heads-up-Display wie die Meta Ray-Ban Display, die eine Zwischenstufe auf dem Weg zur vollwertigen AR-Brille bilden.

Die Meta Ray-Ban Display blendet Informationen direkt ins Sichtfeld des Trägers ein. Das Display ist dabei für andere kaum zu erkennen.
(Bild: Meta)
Trotz anfänglicher Erfolge muss sich erst noch zeigen, wie groß das Interesse an Smart Glasses und AR-Brillen tatsächlich ist. Und wie sozialverträglich eine Technologie ist, die die Umgebung unablässig überwacht und Bildschirme direkt in die Augen der Nutzer projiziert.
Evolution statt Revolution
Mark Zuckerberg formulierte in seinem Memo von 2015 drei Geschäftsziele für VR und AR. Das strategische Ziel verfehlte Meta: Zehn Jahre später haben weder VR noch AR geholfen, sich aus der Abhängigkeit von Google und Apple zu lösen. Auch das finanzielle Ziel wurde nicht erreicht: VR und AR bleiben stark investitionsbedürftig, ohne Aussicht auf zeitnahe Profitabilität. Das dritte, markenbezogene Ziel hingegen scheint hingegen greifbar: Meta durch VR und AR als Innovationsträger zu positionieren.

Mit der Ray-Ban Meta-Brille hat Meta ein Apple-Kunststück vollbracht: Technologie und Mode miteinander zu verschmelzen.
(Bild: Meta)
Sowohl bei VR als auch bei Smart Glasses nimmt Meta eine marktbeherrschende Pionierrolle ein, der Google, Samsung und Apple mit Verspätung folgen. Mit den Ray-Ban Meta-Brillen hat das Unternehmen eine neue Lifestyle-Kategorie geschaffen. Und auch bei Augmented Reality dürfte Meta ein Trendsetter werden, mit einem technologischen Vorsprung, der sich deutlich schwerer einholen lässt als in den anderen Produktkategorien.
VR und AR befinden sich auch nach zehn Jahren Entwicklung noch immer in einer Frühphase. Angesichts des quälend langsamen Fortschritts gibt sich Metas Forschungsleiter Michael Abrash ironisch und zitiert Hofstadters Gesetz: „Entwicklungen dauern immer länger, als man erwartet, selbst wenn man Hofstadters Gesetz berücksichtigt.“ Ob Metas milliardenschwere Wette aufgeht, dürfte sich daher erst in fernerer Zukunft zeigen.
Mark Zuckerbergs Memo lässt sich bei Scribd einsehen.
(tobe)
Künstliche Intelligenz
BSI und Schwarz Digits gemeinsam für souveräne Cloud-Lösungen
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und Schwarz Digits, die IT- und Digitalsparte der Schwarz Gruppe, haben im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz eine strategische Kooperation vereinbart. Ziel ist die Entwicklung souveräner Cloud-Lösungen für die öffentliche Verwaltung, um Deutschlands technologische Unabhängigkeit zu stärken. Die Partner wollen sichere Cloud-Systeme und Kontrollschichten entwickeln, die auch kritische Daten schützen. Diese Infrastruktur soll die Handlungsfähigkeit gegen hybride Bedrohungen sichern und Vendor Lock-ins verhindern.
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Angesichts zunehmender hybrider Bedrohungen und geopolitischer Spannungen rückt die digitale Souveränität in den Fokus staatlicher Resilienz. BSI und Schwarz Digits setzen auf ein koordiniertes Vorgehen, um den Schutz kritischer Infrastrukturen und die Handlungsfähigkeit der Verwaltung zu gewährleisten. Sie planen, bestehende Lösungen weiterzuentwickeln und neue, souveräne Cloud-Infrastrukturen zu schaffen. Hierzu wird Schwarz Digits noch in diesem Jahr die „STACKIT Public Cloud Restricted“ einführen, die den Betrieb einer Public Cloud im Bereich VS-NfD (Verschlusssache nur für den Dienstgebrauch) ermöglicht. Darauf aufbauend soll die STACKIT Distributed Cloud eine skalierbare Infrastruktur bis zur Geheimhaltungsstufe geheim bieten.
Gemeinsam für digitale Souveränität
BSI-Präsidentin Claudia Plattner betonte die Bedeutung der Digitalisierung für Deutschland und Europa: „Mit Schwarz Digits haben wir einen Partner, der uns hilft, die Digitalisierung gezielt und strategisch voranzutreiben und abzusichern. Dies ist ein großer Schritt auf dem Weg zu einer resilienten Cybernation Deutschland.“ Dr. Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, sieht in der Partnerschaft ein starkes Signal für deutsche Innovationskraft und europäische Handlungsfähigkeit: „Souveräne Cloud-Lösungen machen unsere Verwaltung moderner, schneller und sicherer. Digitale Souveränität ist der Schlüssel für Zukunftsfähigkeit, Sicherheit, Freiheit und Wohlstand.“
Die Kooperation umfasst regelmäßige Hospitationen und fachliche Austauschformate. Sie deckt kritische Bereiche wie Monitoring, Forensik in der Cloud und Zulassungsabläufe für die Verarbeitung von Verschlusssachen ab. Zudem sollen Souveränitätskriterien und Interoperabilitätsstandards weiterentwickelt werden, um Anbieterwechsel zu erleichtern und Abhängigkeiten zu vermeiden.
Rolf Schumann, Co-CEO von Schwarz Digits, betont: „Echte digitale Freiheit entsteht durch die Kontrolle über eigene Daten und Systeme. Diese Partnerschaft ist ein klares Signal für ein digital souveränes Europa.“ Sein Mitgeschäftsführer Christian Müller ergänzt: „Unsere technologische Antwort basiert auf der Entwicklung technischer Kontrollschichten und der Umsetzung des Zero-Trust-Prinzips. Wir schaffen Interoperabilität durch Open-Source-Technologien, um einen Vendor Lock-in dauerhaft auszuschließen.“
Die Partnerschaft adressiert auch strategische Fragen zur IT-Sicherheit von Produkten und Dienstleistungen. In Zeiten des demografischen Wandels und des Drucks auf die Verwaltung werden Technologien wie künstliche Intelligenz zum Effizienzmotor. Die Partnerschaft stellt sicher, dass solche Innovationen auf einem sicheren und souveränen Fundament zum Einsatz kommen.
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Die Schwarz Gruppe hat sich das Thema digitale Souveränität schon länger auf die Fahnen geschrieben. So hatte man erst im Januar die eigene Beteiligung am KI-Start-up Aleph Alpha auf 20 Prozent erhöht, um sich mehr Einfluss zu sichern. Man brauche starke deutsche KI-Player, sonst riskiere man die wirtschaftliche Kraft und damit den Wohlstand, nannte Co-CEO Schumann als Motivation für diese Investition.
(avr)
Künstliche Intelligenz
Sicherheit auf Schiene: Die Bahn rüstet auf – Datenschützer mahnen zur Vorsicht
Die Sicherheit in deutschen Zügen steht nach einer Reihe erschütternder Vorfälle weit oben auf der politischen Agenda. Insbesondere der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter Anfang Februar bei Landstuhl hat die Debatte über den Schutz des Personals beschleunigt. Als Reaktion auf die Gewalt hat die Deutsche Bahn (DB) bei einem Sicherheitsgipfel in Berlin am Freitag einen Aktionsplan verabschiedet. Ein Element ist die Ausstattung aller Mitarbeitenden mit Kundenkontakt im Nah- und Fernverkehr sowie an Bahnhöfen mit Bodycams. Politik und das DB-Management sehen darin ein effektives Mittel zur Deeskalation. Doch Datenschützer warnen vor einer schleichenden Totalüberwachung im öffentlichen Raum.
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Der hessische Datenschutzbeauftragte Alexander Roßnagel, der für die in Frankfurt ansässigen DB-Tochtergesellschaften zuständig ist, betont die Gratwanderung zwischen Sicherheit und Grundrechtsschutz. Der Schutz von Leib und Leben sei ein hohes Rechtsgut, erklärte der Kontrolleur dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Aber die Nutzung von Körperkameras stelle gleichzeitig einen intensiven Eingriff in die Privatsphäre der Reisenden dar.
Aus Sicht der Aufsichtsbehörden ist eine flächendeckende Dauerüberwachung daher nicht zulässig. Vielmehr müssten die Aufnahmen streng anlassbezogen bleiben und auf das absolut notwendige Maß reduziert werden. Die Datenverarbeitung habe höchsten rechtlichen Anforderungen zu genügen, damit die Kameras nicht zu einem Instrument der allgemeinen Verhaltenskontrolle mutieren.
Zwischen Prävention und Überwachungsdruck
Ähnliche Bedenken äußert die Stiftung Datenschutz. Deren wissenschaftliche Leiterin Kirsten Bock reibt sich an „Beifang“ bei den Aufzeichnungen. Würden die Kameras permanent mitlaufen, gerieten unbescholtene Fahrgäste potenziell ohne Grund in den Fokus polizeilicher Ermittlungen. Dies könnte dazu führen, dass sich Unbeteiligte im Ernstfall gegen Indizien verteidigen müssten, nur weil sie sich zufällig im Blickfeld einer Kamera aufhielten.
Die Forderung der Experten ist daher unmissverständlich: Eine Aufzeichnung darf erst nach einer expliziten Ankündigung durch das Personal gestartet werden. Dieses Vorgehen hat sich in anderen Verkehrsbetrieben bewährt, da oft schon der Hinweis auf die startende Aufnahme eine deeskalierende Wirkung entfaltet.
Die Idee der Bodycam-Offensive ist nicht neu; bereits vor einem Jahrzehnt experimentierte die Bahn mit Pilotprojekten. Doch die technische Umsetzung bleibt komplex. Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Thomas Fuchs verweist gegenüber Spiegel Online auf das Modell des Ringspeichers, wie es bei der Hamburger Hochbahn zum Einsatz komme. Dort würden Aufnahmen nach 120 Sekunden automatisch überschrieben, sofern sie Mitarbeitende nicht manuell für eine dauerhafte Sicherung markierten. Solche kurzen Speicherfristen seien essenziell, um die Erstellung von Bewegungsprofilen der Fahrgäste zu verhindern.
Politische Debatte um Technik und Personal
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Innerhalb der Gewerkschaften und der Politik ist die Bewertung des Vorhabens geteilt. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft pocht zusätzlich auf die Aufzeichnung von Tonspuren, um auch verbale Aggressionen und Beleidigungen gerichtsfest dokumentieren zu können. Datenschützer wie der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte Dieter Kugelmann sehen darin eine Verschärfung des Eingriffs. Er schlägt stattdessen vor, den Einsatz der Kameras räumlich und zeitlich auf bekannte Problemstrecken zu begrenzen.
Auf der politischen Ebene erhält das Vorhaben Unterstützung, etwa von der CDU. Deren Innenexperte Alexander Throm drängt zudem auf eine Modernisierung des Bundespolizeigesetzes, um auch KI-gestützte Videotechnik zur Früherkennung von Gefahren nutzen zu können.
Kritik kommt von der Linken, die den Fokus stärker auf die personelle Ausstattung und die Finanzierung durch den Bund legen will. Sicherheit sei eine öffentliche Aufgabe, die nicht allein durch Technik gelöst werden könne, heißt es aus der Oppositionspartei. Auch Marit Hansen, die Datenschutzbeauftragte Schleswig-Holsteins, äußert Zweifel am rein technischen Ansatz. Keine Kamera könne einen gezielten Angriff auf Leib und Leben physisch verhindern. Sie bringt eine klassische Lösung ins Spiel: mehr Personal auf den Zügen. Ein Dienst in Doppelstreifen wäre aus ihrer Sicht oft effektiver als eine elektronische Aufrüstung.
Die Bahn steht nun vor einer Herausforderung. Sie muss die Initiative so gestalten, dass sie den Schutz der Mitarbeiter verbessert, ohne das Vertrauen der Fahrgäste in den Datenschutz zu verspielen.
(nie)
Künstliche Intelligenz
MCSC: Cyberdefense allein reicht nicht mehr
Defensive Taktiken im Cyberspace reichen nicht mehr aus, unterstrichen Vertreter des US-, des britischen und auch des deutschen Militärs bei der zweitägigen Münchner Cyber Sicherheitskonferenz. Man müsse Attacken auf allen Ebenen beantworten können, sagte General Michael Vetter, CIO der Bundeswehr. „Wir müssen auch eskalieren können, und vor allem darf es keine Rückzugsgebiete geben, in denen Angreifer sich tummeln können“, so Vetter. „Wir befinden uns im hybriden Krieg“, sekundierte Vetters britischer Kollege Rob Magowan, Commander Cyber Operations bei den britischen Streitkräften, „und man kann sagen, wir sind auf der Verliererseite.“
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Bundeswehr und BND: Bereit für Cyber-Gegenschläge
Zum ersten Mal sei man auch in Deutschland dabei, aktive Cyber-Abwehr ernsthaft zu diskutieren, versicherte Vetter. „Wenn wir uns sicher sind bei der Attribution, und wir haben die technischen Möglichkeiten zu einem Gegenschlag, warum sollten wir es nicht tun?“, so Vetter. Laut einer aktuellen Studie zu den „Cyberforces“[PDF] in den Natostaaten standen 2025 tatsächlich 16.000 Militär- und Zivilkräfte im Dienst der Teilstreitkraft „Cyber and Information Domain Service“.
Auch Martin Jäger, Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) befürwortete bei der Münchner Sicherheitskonferenz die Hack-Backs: „Wir sollten der Gegenseite klarmachen, wenn ihr weitermacht, wird das nicht ohne Konsequenzen bleiben.“ In einer Runde zur NATO-Aufstellung im hybriden Krieg bezeichnete Jäger Angriffe auf Wahlen, Drohnensichtungen, sowie den Brand eines DHL-Paketes auf dem Rollfeld, als Attacken, die man nicht unbeantwortet lassen sollte.
Dabei dürfe man durchaus asymmetrisch agieren, sagte er. Attacken auf Bahnstrecken müsse man nicht damit beantworten, „dass wir selbst Bahnstrecken in einem Land weiter östlich angreifen.“ Vielmehr könne sich ein Diebstahl von Geldern von Kryptokonten als schmerzhafte Bezahlung anbieten.
Fehlende Kompetenzen, fehlende Geschwindigkeit
Was noch fehlt für die „aktive Cyber-Abwehr“ sind laut Vertretern von BND und Bundeswehr die entsprechenden rechtlichen Regeln. Das Innenministerium komme bei der Drohnenabwehr viel zu langsam voran, mahnte Christian Badia, General der Luftwaffe im Ruhestand am Rande der MCSC. Heiß umstritten ist dabei nicht zuletzt, wie die Cyber-Abwehr zwischen Bundeswehr und Diensten aufgeteilt wird. Eine mögliche Ermächtigung des BND zu Cyberschlägen, wie im Entwurf fürs BND-Gesetz aus dem Hause Dobrindt vorgelegt, sieht man im Verteidigungsministerium laut jüngsten Berichten kritisch.
Fehlende Geschwindigkeit durch zu viel Bürokratie bescheinigten BND Vertreter den „nationalen Attribuierungsprozessen“ wie der Erklärung zu den russischen Angriffen auf die Bundestagswahl durch Storm1516. Es fehle an Ermächtigungen zum Austausch von Informationen zwischen den verschiedenen deutschen Stellen und auch mit ausländischen Partnern, befand BND Vize-Chef Dag Baehr bei der MCSC. „Das ist so überreguliert. Ich darf nicht teilen, was ich teilen könnte“, kritisierte Baehr.
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Europas eigene Five Eyes?
Neue Arten flexiblerer Zusammenarbeit zwischen den EU-Geheimdiensten befürwortete der Chef des estnischen Geheimdienstes, Kaupo Rosin. Es gebe Ideen für einen europäischen Five-Eyes-Verbund – analog beziehungsweise als Alternative zur alten Geheimdienstzusammenarbeit zwischen den USA, Großbritannien, Australien, Kanada und Neuseeland, sagte Rosin.
Der Trend geht laut Rosin allerdings eher zu wechselnden Koalitionen zwischen den Geheimdiensten in Europa. Die seien sehr unterschiedlich aufgestellt und mandatiert. Einzelne hätten auch Befugnis zu offensiven Aktionen. Je nach Ziel könne man daher in unterschiedlichen Konstellationen zusammenkommen, sagte Rosin. Reine Zuhörer seien in der neuen Weltordnung unerwünscht und „eine stärkere operationelle Zusammenarbeit ist notwendig“, berichtete er.
Bitte um europäische Aufklärungstools
Rosins dringlichster Wunsch an die Unternehmen bei der MCSC war dabei ein anderer: „Ich hoffe, dass Sie hier nicht nur über Cyberdefense nachdenken, sondern auch über Cyberoffense und uns dazu die notwendigen Werkzeuge bereitstellen.“ Man müsse solche Werkzeuge aktuell bei nicht-europäischen Anbietern einkaufen. Die seien aber sehr teuer, daher sei seine Botschaft an die bei der MCSC versammelten Unternehmensvertreter: „Bitte bieten Sie uns europäische Lösungen an!“
(avr)
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