Künstliche Intelligenz
Meta kopiert Instagram-Stile, Sony belebt die Bridgekamera – Fotonews 28/2026
Wer geglaubt hat, KI-Bildgeneratoren hätten die Grenzen des guten Geschmacks längst abgesteckt, den belehrt Meta jetzt eines Besseren. Der Konzern hat mit „Muse Image“ einen neuen KI-Bildgenerator vorgestellt. Der erzeugt nicht bloß Bilder aus Prompts, sondern greift dafür auf öffentliche Instagram-Profile beliebiger Nutzer zu.
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(Bild: heise )
Dein Stil, Metas KI
Das Prinzip ist simpel – und genauso fragwürdig. Muse Image wertet die frei zugänglichen Fotos eines Instagram-Accounts aus und filtert daraus den individuellen visuellen Stil heraus. Danach kann jeder, der Zugriff auf das Tool hat, neue Bilder in exakt diesem Stil generieren lassen. Ein Prompt wie „Erstelle ein Bild einer Katze im Central Park im Stil von @deinlieblingsinfluencer“ genügt – und die KI spuckt ein Ergebnis aus, das wirkt, als hätte die Person es selbst fotografiert.
Meta betont, es würden nur öffentliche Profile ausgewertet und die Technologie komme „verantwortungsvoll“ zum Einsatz. Was das genau heißt, bleibt allerdings vage. Immerhin sollen generierte Bilder als solche gekennzeichnet werden. Ob diese Kennzeichnung bestehen bleibt, sobald die Bilder erst einmal durchs Netz wandern, ist durchaus fraglich.
Für professionelle Fotografen und Content Creator ist Muse Image ein zweischneidiges Schwert. Heikel wird es vor allem an einem Punkt: Anders als bei klassischen Urheberrechtsverletzungen kopiert die KI ein einzelnes Werk nicht direkt. Sie verarbeitet lediglich den visuellen Stil und macht daraus etwas Neues. Juristisch ist das eine Grauzone, in der selbst Fachanwälte bislang kaum belastbare Antworten geben können.
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Sony holt die Bridgekamera zurück
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Während Meta die KI-Bildgenerierung vorantreibt, besinnt sich Sony auf eine schon fast totgesagte Gattung: die Bridgekamera. Mit der RX10 V präsentiert der japanische Konzern die fünfte Generation seiner Superzoom-Kompakten – und das überrascht durchaus. Denn Bridgekameras galten den meisten als Auslaufmodell, zerrieben zwischen Smartphone-Fotografie auf der einen und spiegellosen Systemkameras auf der anderen Seite.
Sony geht jedoch davon aus, dass es für diese Kombination weiterhin Abnehmer gibt: ein Typ-1-Zoll-Sensor, ein fest verbautes Zoomobjektiv mit umgerechnet 24 bis 600 mm Brennweite (Kleinbildäquivalent), verpackt in ein vergleichsweise kompaktes Gehäuse. Für Reise- und Naturfotografen, die sich den Objektivwechsel sparen wollen, kann das gewiss reizvoll sein.
Als wichtigste Neuerung nennt Sony einen KI-gestützten Autofokus, der auch bei bewegten Motiven verlässlich funktionieren soll. Der Hersteller verspricht eine verbesserte Tier- und Vogelerkennung – für die Wildlife-Fotografie im Nahbereich ein echter Gewinn. Videofilmer bekommen 4K-Aufnahmen mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde und damit Zeitlupen in hoher Auflösung.
Der Preis von 2500 Euro ist ambitioniert. Dafür gibt es schon eine spiegellose Systemkamera samt Kit-Objektiv – nur eben nicht mit einem Brennweitenbereich bis 600 mm. Sony wettet darauf, dass Anwender die Vielseitigkeit des Konzepts zu schätzen wissen. Ob die Rechnung aufgeht, muss sich zeigen; die RX10-Serie hatte bislang eine treue Fangemeinde.
Dual-Display-Konzept oder Marketing-Gag?
Sony setzt bei der RX10 V auf Bewährtes, andere Hersteller probieren dagegen Neues aus – etwa Kameras mit zwei Displays, eines hinten, eines vorn. Der Gedanke dahinter: Selfies und Vlogs werden leichter, weil man sich beim Filmen oder Fotografieren selbst auf dem Bildschirm sehen kann.
Was bei Smartphones seit Jahren Standard ist, kommt bei Kameras nur schleppend an. Dabei leuchtet die Logik ein. Wer Inhalte für Social Media produziert, benötigt genau diese Funktion. Die Kamerahersteller haben das begriffen und wollen jene Nutzer zurückholen, die längst nur zum Smartphone greifen.
Ob das klappt, ist offen. Ambitionierte Vlogger arbeiten ohnehin meist mit einem externen Monitor, und für das gelegentliche Selfie reicht das Smartphone allemal. Die Zielgruppe für Dual-Display-Kameras bleibt also eine Nische: Leute, die eine bessere Bildqualität als mit dem Handy wollen, aber vor dem Aufwand einer Profi-Ausrüstung zurückschrecken.
Zwischen Tradition und Innovation
Diese Woche macht eines deutlich: Die Fotobranche ringt weiter um ihre Rolle. Smartphones holen technisch auf, und KI übernimmt immer mehr gestalterische Aufgaben. Sony setzt mit der RX10 V auf klassische Bildqualität und optische Reichweite, Dual-Display-Kameras zielen auf die Social-Media-Generation, und Meta lässt KI-Systeme Instagram-Profile stilistisch klonen.
Vielleicht sieht so die neue Realität aus: dedizierte Kameras für alle, denen Bildqualität und Kontrolle wichtig sind; Smartphones für den Alltag; KI für jene, die nicht mehr fotografieren, sondern nur noch prompten wollen. Bleibt zu hoffen, dass dabei nicht verloren geht, worum es bei der Fotografie im Kern geht: dieser Moment, in dem man selbst auf den Auslöser drückt und ein einzigartiges Bild festhält. Aber vielleicht ist das auch nur Nostalgie.
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(tho)