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Modularer Kleincomputer: Flipper One wird universelles Linux-Cyberdeck


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Der Flipper Zero ist Tamagotchi und Hackerwerkzeug in einem: Das Gadget beherrscht diverse (Nah-)Funkprotokolle, lässt sich per GPIO-Pins um Zusatzmodule erweitern und wurde so mittlerweile auch zur Spielkonsole. Das rief nicht nur Nachahmer auf den Plan, sondern sorgte auch für Rufe nach einem Nachfolger.

Der jetzt vorgestellte Flipper One trägt alle Merkmale einer Fortsetzung: Name plus erhöhte Versionsnummer, ähnliches Aussehen und Bedienkonzept. Doch er wird, so kündigte der Hersteller jetzt an, ein vollkommen anderes Gerät. Vor allem wird der „One“ eines: offen – für Erweiterungen, Mitarbeit, Weiterentwicklung. Flipper-Devices-Chef Pavel Zhovner bittet nun die weltweite Entwicklergemeinde um Mithilfe bei seinen Zielen: Der offenste und bestdokumentierte ARM-Computer der Welt solle Flipper One werden, alle Bestandteile ohne Binärtreiber auskommen und ein innovatives Bedienkonzept umsetzen. Das sind ambitionierte Ziele, gesteht Zhovner ein und konstatiert: „Wir sind wirklich verängstigt.“


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Knetfiguren: Erste Designstudien des Flipper One aus pastösem Prototypenmaterial und 3D-Drucker, daneben ein real existierender Flipper Zero. (Bild:

Flipper Devices

)

Die Erweiterbarkeit und deutlich stärkere Hardware im Vergleich zu Flipper Zero, aber auch vielen Raspberry-Kleincomputern, macht den Flipper One in den Augen seines Schöpfers zum Universalwerkzeug für Netzwerker, etwa als Reiserouter oder für die Fehlersuche im Firmennetz. Doch auch als Notfall-Desktoprechner oder Reise-Mediencenter soll der Flipper One gute Dienste leisten.

Und tatsächlich wirken die veröffentlichten Spezifikationen für Flipper One reizvoll für Netzwerkbastler, Linux-Fans und Hacker. Neben dem 8-Kern-SoC RK3576 nebst GPU und NPU werkelt noch ein Zweikern-RP2350-Mikrokontroller auf dem Gerät. Beide teilen sich 8GByte Hauptspeicher. Zwei Ethernet-Ports, USB-C, ein HDMI-Anschluss in voller Baugröße und natürlich WLAN sind geplant. Über einen M.2-Erweiterungsanschluss (Key-B) lässt sich der Flipper mit Steckkärtchen vom Typ 2242, 3042 und 3052 bis zur Bauhöhe D3 erweitern.

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Wer mehr Funkreichweite braucht, hat an der Gehäuserückseite Zugang zu vier SMA-Buchsen und kann zum Beispiel Antennenanschlüsse eines M.2-WLAN-Adapters mit ihnen verbinden. Auch Satellitenmodems könnte man so anschließen – das ebenfalls satellitenbasierte NTN-Protokoll unterstützt Flipper One ebenfalls.

Auch das Betriebssystem „Flipper OS“ soll eine Abkehr vom Status Quo bei ARM-basierten Kleincomputern einläuten. Der Zustand von Linux unter ARM sei nämlich „deprimierend“ und von proprietären Binärtreibern dominiert, beklagt Zhovner. Gemeinsam mit dem Collabora-Team haben die Flipper-Entwickler nun Unterstützung für den RK3576-SoC in den Linux-Kernel gebracht, um derlei Abhängigkeiten zu reduzieren. Ziel: eine vollständig offene Plattform, die jedes Linux unterstützt. Und auch andersherum hat sich Zhovner viel vorgenommen. Die Bedienkonzepte und grafische Oberfläche, die er sich für seinen Flipper One vorstellt, sollen auch auf anderen Kleincomputern funktionieren, idealerweise mit nur einem „apt install“-Aufruf.

Viel Arbeit und man sei „nicht 100 Prozent sicher, wie die Architektur aussehen wird“, so Zhovner. Deswegen bittet das Projekt um rege Mithilfe und hat dafür ein Entwickler-Portal online gestellt. Wer mithelfen will, findet dort Hinweise, wie er sich in einem der sechs Unterprojekte Hardware, Mechanik, Linux, UI, Firmware, Dokumentation und Testen engagieren kann.

Einige Informationen bleibt die Ankündigung jedoch schuldig: Wann das Gerät erscheint und was es kosten wird. Über das Veröffentlichungsdatum kann man nur spekulieren, seit Februar dieses Jahres gibt es wohl immerhin einen funktionierenden Prototyp. Der Preis hingegen dürfte sich eher an solvente Gadget-Liebhaber richten. Zhovner hatte bereits vor Monaten durchblicken lassen, dass die RAM-Krise und allgemeine Verteuerung von Hardwarekomponenten die Wirtschaftlichkeit des Projekts bedroht und den Preis nach oben treiben wird. Die 219 € des Flipper Zero dürfte der One deutlich überschreiten, womöglich wird der Straßenpreis sogar vierstellig.


(cku)



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