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Netflix zeigt bald Videos von BuzzFeed und Co.
Neben Serien und Filmen zeigt Netflix künftig Web-Videoformate großer englischsprachiger Publisher wie BuzzFeed und Condé Nast. Mit der neuen Content-Kategorie reagiert der Streaming-Dienst auf den wachsenden Wettbewerb mit YouTube und TikTok.
Netflix will künftig auch die Zeit zwischen zwei Serienabenden füllen. Dafür führt der Streaming-Dienst ab dem 3. August erstmals eine neue Content-Kategorie ein: In den USA, Kanada, Großbritannien, Irland, Australien und Neuseeland ergänzen Kurz- und Mittelformate großer Publisher das Angebot. Mit dabei sind unter anderem BuzzFeed, Condé Nast, Hearst, People, Tastemade und Medienmarken wie Variety, Billboard, THR und Rolling Stone.
Zum Auftakt setzt Netflix auf lizenzierte Formate etablierter Medienmarken. Statt Eigenproduktionen oder eingekaufte Filme integriert der Streaming-Dienst erstmals in größerem Umfang Web-Videoformate aus dem Digital Publishing. Viele davon entstanden ursprünglich für YouTube oder die eigenen Plattformen der Medienmarken und erreichten dort bereits ein Millionenpublikum.
Netflix testet TikTok-ähnliche Discovery Experience für Streaming-Inhalte

Netflix bringt erstmals Web-Formate großer Publisher auf die Streaming-Plattform
Nach NFL und WWE Livestreams, einer TikTok-ähnlichen Discovery Experience mit vertikalem Video-Feed, einer Clipping-Funktion zum Teilen von Szenen und Video-Podcasts folgt nun der nächste Ausbau. Erstmals holt Netflix etablierte Web-Videoformate großer Publisher auf die Streaming-Plattform.
Die neuen Inhalte reichen von zwei- bis dreiminütigen Clips bis hin zu Episoden mit einer Länge von über 20 Minuten. Zum Start gehören unter anderem BuzzFeeds Worth It, I Draw, You Cook und Tasty, Architectural Digests Open Door, Vanity Fairs Lie Detector Test, Peoples My Life in Pictures sowie Tastemades Struggle Meals. Netflix kombiniert dafür lizenzierte Archivinhalte mit laufenden Reihen. Weitere Publisher sollen in den kommenden Monaten folgen.
Anders als die bereits eingeführte Clips-Funktion stehen die neuen Formate für sich. Während Clips kurze Ausschnitte aus Filmen und Serien zeigt, lassen sich die neuen Inhalte unabhängig davon konsumieren. Netflix bringt damit erstmals in größerem Umfang etablierte Web-Videoreihen auf die Plattform, die unabhängig von Filmen oder Serien funktionieren. Das Ziel beschreibt John Derderian, VP of Animation Series + Kids & Family TV und verantwortlich für das Projekt, so:
Members don’t just want to watch a show or film and move on – they want to keep exploring the stories and personalities they love long after the final credits roll. These partnerships help us deepen fandom and create more ways for members to carry those stories with them throughout their day.
Für die beteiligten Publisher eröffnet sich damit ein zusätzlicher Distributionskanal neben den eigenen Websites, YouTube und Social Media. Zu den finanziellen Details der Lizenzdeals äußerten sich die Partner:innen bislang nicht.
Netflix hat ein Binge-Problem
Selbst mit mehr als 325 Millionen zahlenden Abonnent:innen weltweit kann sich Netflix nicht mehr allein auf neue Serien und Filme verlassen. Bloomberg berichtete unter Berufung auf interne Netflix-Daten, dass zahlreiche Erfolgsserien zwischen der ersten und zweiten Staffel massiv an Publikum verlieren. One Piece büßte in den ersten vier Wochen von Staffel zwei mehr als 30 Prozent der Zuschauer:innen ein, The Night Agent rund 50 Prozent und Beef sogar mehr als 70 Prozent. Auch Avatar: The Last Airbender verlor zum Start der zweiten Staffel gegenüber Staffel eins mehr als 60 Prozent der Zuschauer:innen. Immer längere Produktionspausen von teils zwei bis drei Jahren, häufige Serienabbrüche und eine uneinheitliche Qualität neuer Staffeln erschweren es Netflix, Zuschauer:innen langfristig an einzelne Formate zu binden.
Zudem konkurriert Netflix längst nicht mehr nur mit Streaming-Diensten wie Disney+ oder Prime Video. Plattformen wie TikTok und YouTube bauen ihre Videoangebote ebenfalls konsequent aus und kämpfen damit um dieselbe Bildschirmzeit. TikTok setzt seit diesem Jahr auf serielle Mini Dramas und erschließt Marken damit neue Werbe- und Storytelling-Formate. YouTube positioniert sich derweil mit Premium-Live-Inhalten stärker als Entertainment-Plattform. Für die WM 2026 schloss das Unternehmen mit der FIFA zudem eine Preferred Platform-Kooperation ab. Teil dieser sind unter anderem Live-Elemente und exklusive Creator-Inhalte.
YouTube liegt inzwischen bei zentralen Nutzungswerten sogar vor Netflix. Nach Daten der Marktforschungsfirma Digital i verbrachten Nutzer:innen 2025 weltweit durchschnittlich 99,1 Minuten täglich auf YouTube, Netflix kam auf 93,4 Minuten. Auch auf dem Fernseher hat YouTube Netflix überholt. Nielsen weist der Videoplattform für April 2026 einen Anteil von 13,4 Prozent an der gesamten TV-Nutzung in den USA zu; Netflix erreichte 7,8 Prozent.
Das Binge-Modell machte Netflix einst zum Streaming-Primus. Heute spielt sich ein großer Teil des Wettbewerbs jedoch zwischen kurzen, jederzeit verfügbaren Videos ab. Die Kooperationen mit BuzzFeed, Variety und Co. ergänzen das Angebot um Inhalte, die Nutzer:innen auch zwischen großen Serienpremieren einen Grund liefern, den Dienst zu öffnen.
Noch startet das Angebot ausschließlich in ausgewählten englischsprachigen Märkten und mit US Publishern. Bewährt sich das Konzept, dürfte Netflix die Kooperationen schrittweise auf weitere Regionen und Medienpartner:innen ausdehnen. Für europäische Publisher könnte daraus ein zusätzlicher Distributions- und Lizenzkanal für etablierte Videoformate entstehen.
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