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Neue AI Features in Photoshop › PAGE online


Zeit für ein Update! Wir zeigen euch, was es mit Harmonize, Bildreferenz für Generatives Füllen und den neuen KI-Modellen in Photoshop 2026 auf sich hat

Mittlerweile haben wir wohl alle bereits mit Firefly in Photoshop experimentiert, neue Funktionen für uns entdeckt und fast vergessen, wie umständlich das Freistellen von Haaren früher einmal war. Aber mit Photoshop 2026 bringt Adobe einige neue Features, die ihr vielleicht noch nicht kennt. Wir zeigen euch unsere Top Picks – und wie sie sich in die Creative Cloud einfügen – an einem kleinen Workflow.

What’s new in Photoshop

Insgesamt stellte Adobe zur MAX 2025 über 12 neue Features (mit und ohne KI) vor. Einige davon nutzen ausschließlich Firefly, andere bieten mittlerweile auch die Auswahl zwischen den Adobe-eigenen und den integrierten Partnermodellen, wie Flux Kontext Pro und Nano Banana 3.

Wie immer gilt: Die Adobe-Modelle bieten wegen des Trainings auf Basis von Stockdaten einen gewissen Rechtsschutz. Bei anderen Modellen solltet ihr euch immer noch der rechtlichen Grauzone bewusst sein.

Mit der Integration der neuen Modelle eröffnet sich nun aber endlich die Option für iterative Prompt-Strukturen, die genauere Anweisungen ermöglichen, bei denen Teile des Bildes unverändert bleiben, während andere präzise angepasst werden können (mehr dazu später).

Unsere Favoriten in Photoshop 2026 und der Public Beta 27.2 sind aber eher subtilerer Natur. Sie erleichtern im Alltag die Bearbeitung und Collage von bestehendem Bildmaterial und erlauben es, schnellere und vor allem deutlich genauere Ergebnisse zu erzielen als noch vor wenigen Monaten.

Die Basis: Bildgenerierung mit Firefly

Einer der wohl größten Vorteile des cloudbasierten Generierens liegt in der schnellen Verknüpfung der Adobe Tools. So können wir seit PS 2026 jetzt direkt beim Öffnen der Desktop Apps auf unseren Generierungsverlauf aus Firefly zugreifen und ein zuvor generiertes Bild als Ausgangspunkt für unsere Exploration wählen.

In Firefly könnt ihr aktuell alle Modelle, inklusive einer Vorschau auf Firefly Image 5, kostenlos innerhalb eures CC-Abos testen. Innerhalb von Photoshop sind die Partnermodelle nur mit Creative Cloud Pro verfügbar und die Generierung kostet unterschiedlich viele Credits. Eine Übersicht findet ihr im Adobe Blog.

Wir haben für unser Projekt wieder auf die erprobte Kombination aus Project Neo und Firefly Web gesetzt. Mit Firefly generieren wir zunächst unsere Szene als Basis: ein Product-Shot für eine Keksmarke, inszeniert mit warmen Farben und Trockenblumen.

Das Packaging im Bild ist aber nur ein Platzhalter – für die Verpackung selbst modellieren wir die Form mit Project Neo (eine genaue Anleitung findet ihr hier) und nutzen eine mit Firefly generierte Materialreferenz, um so nah wie möglich an unser gewünschtes Ergebnis zu kommen. Die Kombination aus Basisbild und Packaging geht anschließend ganz einfach in Photoshop.

Beta: Generatives Füllen mit Referenzbild

Für den ersten Schritt begeben wir uns in die aktuelle Photoshop Beta 27.2, die ihr euch direkt in der Creative Cloud App herunterladen könnt. Darin sind nämlich schon einige neue Features sowie das verbesserte Firefly Modell für Generatives Füllen und Erweitern enthalten.

Über die Funktion Generativ Hochskalieren (Bild-Menü) vergrößern wir unser Bild aus Firefly, sodass wir mit mehr Details und höherer Auflösung arbeiten können. Anschließend wollen wir die Platzhalter-Packung mit unserem modellierten Packaging austauschen.

Dazu wählen wir grob das Packaging im Bild aus und klicken in der KI-Kontextleiste auf Generatives Füllen und das Bildsymbol, das nun rechts von der Texteingabe erscheint. Im Pop-up wählen wir nun unser modelliertes Packaging als Referenzbild. Hier gibt es die Option, entweder nur das gezeigte Objekt einzusetzen oder das gesamte Bild in die Komposition einzufügen.

Wir nutzen nur unser Objekt, das Photoshop automatisch freistellt, und klicken auf »Ausgewählten Bereich austauschen«. Nach wenigen Sekunden erhalten wir das Ergebnis: Photoshop hat unser Modell im Bild platziert, die Perspektive entsprechend angepasst und die Lichtverhältnisse automatisch harmonisiert. Praktisch für alle, die mit bestehenden Product-Shots arbeiten und nur Hintergründe und Setting ändern möchten.

Achtung: Photoshop setzt bei dieser Funktion eher auf den Realismus des Gesamtbildes als auf die perfekte Übernahme der Referenz. Wer also exakte Bildvorgaben hat, an denen nichts verändert werden darf, sollte lieber mit dem Harmonize-Feature arbeiten. Wir haben beides getestet.

Harmonize: realistische Collage auf Knopfdruck

Harmonize ist seit wenigen Wochen in Photoshop 2026 verfügbar und immer in die Kontextleiste integriert. Kurzgesagt erlaubt Firefly uns damit, selbst freigestellte Elemente an genau der Stelle und mit gewünschter Größe im Bild zu platzieren und sie dann mit einem Klick an Lichtverhältnisse, Tonwerte und Schatten anzupassen.

Wir testen das mit den Macarons, für die unser Visual am Ende werben soll. Dafür hatten wir zuerst getestet, die beiden Cookies im Vordergrund mittels eines Referenzbildes auszutauschen, aber das Ergebnis verzerrt zu sehr die tatsächlichen Produktbilder.

Stattdessen entfernen wir die Cookies mit dem Button in der Kontextleiste und platzieren und maskieren anschließend ein Produktfoto der Macarons an der gewünschten Stelle. Die angewählte Ebene können wir dann entweder über einen Rechtsklick oder über den Harmonize-Button in unsere Szene integrieren lassen, ohne dabei unser Produkt grundlegend zu verändern.

Detail-Editing mit Flux Kontext

Einen zweiten kleinen Turm aus Macarons wollen wir jetzt auf der Verpackung selbst platzieren. Mit dem neutralen Hintergrund können wir hier einfach Generatives Füllen mit Bildreferenz nutzen und die Funktion »Objekt platzieren« auswählen. Dadurch verändert sich leicht die Szene (erkennbar an der Oberkante des Packagings), um für die drei neuen Macarons Platz zu schaffen.

Das hier verwendete Referenzbild passt allerdings wegen des roten Macarons in der Mitte farblich nicht ganz in unsere Szene. Das lässt sich jetzt in Photoshop mit dem neu integrierten Flux Kontext Pro Model schnell ändern: mit einer groben Auswahl und einem Prompt, der sich spezifisch auf die gewünschte Farbe des Macarons bezieht.

Flux eignet sich für solch kleine, detaillierte Änderungen besser als Firefly, da das Modell feiner in der Anpassung einzelner Elemente und Harmonie der Szenen ist. Ihr findet die Auswahlmöglichkeit für die verschiedenen Modelle rechts von der Textleiste.

Freistellen und Hintergründe generieren mit Firefly

Die so generierte Szene könnten wir bereits verwenden, um erste Moods für eine Produktkampagne zu visualisieren. Wir gehen aber noch einen Schritt weiter und verfeinern das Bild, indem wir etwa mit Generatives Entfernen zunächst die Elemente entfernen, die uns stören und dann über die Kontextleiste das »Motiv auswählen« lassen.

Mit der verbesserten Genauigkeit bei der Auswahl erfasst Firefly jetzt auch kleinere Details, wie etwa die Feinheiten in den Trockenblumen, so genau, dass wir direkt aus der Kontextleiste eine Maske erstellen und weiterarbeiten können.

Um den Hintergrund weiter zu verändern, invertieren wir die Maske und generieren im ausgewählten Bereich eine neue Szene. Diese bleibt wegen der Kontext-Awareness der neueren Firefly-Modelle direkt passend zur Lichtsituation unseres Motivs.

Zuletzt wollen wir noch die Trockenblumen aus dem originalen Bild auf die andere Seite des Packagings spiegeln. Dazu duplizieren wir den Bildausschnitt und fügen ihn auf einer Ebene unter unserem maskierten Packaging ein. Mit dem Harmonisieren-Button können wir dann die Lichtstimmung so anpassen, dass zwar die Symmetrie bestehen bleibt, aber sich die Blumen dennoch realistisch in die Szene einfügen. 

Feinschliff und verschiedene Formate

Zuletzt wollen wir für unsere fiktive Macaron-Brand noch ein Logo auf dem Packaging einfügen. Firefly ist zwar mittlerweile deutlich besser in der Textgenerierung, aber mal ehrlich: Wer für eine Brand gestaltet, hat Vorgaben in der Schriftauswahl oder muss ein Signet exakt abbilden können – und nur weil wir KI nutzen können, ist sie nicht immer die beste Option.

Wir setzen daher einfach ein Textfeld mit unserem gewünschten Font und nutzen die Fülloptionen der Ebene, um eine erhabene Blindprägung anzudeuten. Allerdings nutzen wir anschließend noch einmal die Harmonize-Funktion, die den Schriftzug an die Lichtverhältnisse unserer Szene anpasst und sofort realistischer wirken lässt.

Dann sind wir bereit, mit Generativem Erweitern verschiedene weitere Formate für Social Media Stories oder Posts zu erstellen. Dazu könnt ihr einfach blind generieren oder – wie wir – spezifischer steuern, was in den neu generierten Bereichen abgebildet werden soll.

Was wir von den neuen Features halten – und worauf wir uns noch freuen!

Alles in allem sind wir erst einmal beeindruckt. Nach der Adobe MAX gibt es immer einige neue Features zu entdecken, aber uns scheint, als hätte Adobe einen besonderen Fokus bei Photoshop gesetzt. So gibt es neben den AI-Features auch einige Verbesserungen an den Einstellungsebenen und anderen bekannten Tools.

Unser Favorit aus dem Workflow ist das neue Harmonize-Feature, dicht gefolgt von der Referenz-Funktion für das Generative Füllen, auf die wir uns schon in der offiziellen Photoshop-Variante freuen. Bis dahin beschäftigen wir uns weiter mit der Beta, in der ihr immer wieder eine Vorschau darauf erhaltet, was in den nächsten Monaten passiert.

Verbesserungswürdig finden wir einige Details: etwa die Ungenauigkeiten, die beim Generativen Füllen manchmal zugunsten der Szenen-Harmonie einbaut. Das kann, besonders bei feinen Arbeiten, mehr Vorarbeit beim Freistellen nötig machen. Aber wer das Designhandwerk beherrscht, sollte auch damit keine Probleme haben.

Aber was kommt als Nächstes? Darauf hat Adobe bei der MAX bereits einen Ausblick gegeben und wir sind vor allem auf ein Feature sehr gespannt: den Creative Agent in Photoshop, der nicht nur in einem Chat Feedback zu Komposition und Kontrasten eines Designs liefern können soll (denkt nur an die Möglichkeiten für barrierefreies Design!), sondern auch auf Knopfdruck Ebenen passend benennt. Damit könnte Adobe den nächsten wichtigen Schritt machen, um Designer:innen zur Hand zu gehen.



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»Nachhaltigkeit ist eine Form der Selbstverteidigung« › PAGE online


Julius Palm, stellvertretender Geschäftsführer und Head of Strategy and Brand von Followfood, Vorstand des Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft und Jurymitglied des German Brand Award, spricht über Nachhaltigkeit als strategische Disziplin, Resonanz als Währung moderner Markenführung und darüber, warum Transparenz Marken relevanter macht.

Porträt einer lächelnden Person mit Bart und zurückgebundenen Haaren, die einen hellen Hoodie trägt und in einem modernen, lichtdurchfluteten Glasgang steht.Bild: followfood Nachhaltigkeit, Haltung und Markenführung stehen heute stärker denn je unter Beobachtung. In Zeiten multipler Krisen suchen Menschen nach Orientierung – und Marken nach Wegen, glaubwürdig und relevant zu bleiben. Der German Brand Award würdigt genau jene Unternehmen, denen das gelingt, und die Markenführung neu denken. Einer, der diese Perspektive aus der Praxis kennt, ist Followfood-Stratege Julius Palm, der in diesem Jahr auch Teil der Jury des German Brand Awards ist. Sein Credo: Marken entfalten ihre Wirkung dann, wo Impact von Anfang an mitgedacht wird. Und darauf wird er auch bei den Einreichungen ganz besonders achten. 

Page: Julius, du beschäftigst dich seit vielen Jahren intensiv mit Nachhaltigkeit, beruflich wie privat. Welche Motivation hast du und was treibt dich an?

Julius Palm: Motivation braucht es für mich eigentlich gar nicht. Denn Nachhaltigkeit ist für mich vor allem eine Form von Selbstverteidigung, Existenzsicherung und das Kämpfen für das Schöne. Wenn man einmal verstanden hat, wie alles zusammenhängt und dass es kein von der Welt losgelöstes individuelles Leben gibt, dann ist es doch nur logisch, sich dafür einzusetzen. Dabei geht es nicht um irgendein abstraktes Leben in ferner Zukunft, sondern sehr konkret um mein eigenes Leben, das sich jetzt schon spürbar verändert.

Followfood kommuniziert klar: »Was wir essen, verändert die Welt.« Welche Rolle spielen Marken dabei, die Welt zu verändern?

Jede Marke und jedes Unternehmen verändert die Welt – ganz unabhängig davon, ob das bewusst geschieht oder nicht. Gerade die stark industrialisierte Lebensmittelindustrie hat in den vergangenen Jahrzehnten massiv dazu beigetragen, planetare Grenzen zu überschreiten und ökologische Krisen zu verschärfen. Wir kommen also aus einer Realität, in der wirtschaftlicher Erfolg häufig mit negativem Impact verbunden war. Und unser Anspruch bei Followfood ist es jetzt zu zeigen, dass es auch anders geht: dass man wirtschaftlich erfolgreich sein kann und gleichzeitig einen positiven Fußabdruck hinterlässt.

»Gerade in den aktuell turbulenten Zeiten entsteht ein starkes Bedürfnis nach Orientierung.«

Krisen wie die Klimakrise verändern auch das Markenbewusstsein. Wo siehst du darin Chancen für Unternehmen?

Alle Themen, die uns als Menschen und Gesellschaft prägen, haben auch Auswirkungen auf Marken- und Unternehmensführung. Gerade in den aktuell turbulenten Zeiten entsteht ein starkes Bedürfnis nach Orientierung. In solchen Situationen sehnen wir uns ganz besonders nach Resonanzmomenten, die uns Halt geben. Und die können ganz unterschiedlich aussehen: ein Schmunzeln durch einen Werbespot, ein Lachen im Gespräch mit anderen Menschen, eine gute Kampagne oder auch ein Moment der Rührung durch gut gemachten Content. Solche Momente verbinden uns mit dem, was uns wichtig ist, und schaffen Orientierung in einer Zeit, die unübersichtlich ist.

Ich glaube, es geht gerade jetzt nicht darum, dass jedes Unternehmen zu jedem Thema – etwa zum Klima – sofort eine laute Positionierung abgibt, auch wenn jedes für sich eine Antwort darauf haben sollte.

Macht das für dich heute eine gute Markenführung aus?

Bei der Markenführung kommt es für mich genau auf diese Momente an, und wie Marken zu ihnen kommen. Das hat nicht nur mit Kreativität zu tun, sondern auch mit Konsistenz und Integrität. Besonders bei »Haltungsmarken« sind Menschen sehr sensibel für Opportunismus. Ob man einer Kampagne oder einer Haltung glaubt, entscheidet nicht nur die einzelne Maßnahme, sondern die ganze Geschichte der Marke und ob das, was kommuniziert wird, über längere Zeit hinweg auch gelebt wird: Integrität zeigt sich letztlich in gelebter Konsistenz.

Dabei ist Transparenz ein wichtiger Hebel. Sie galt in Unternehmen lange eher als Risiko, aber heute erleben wir einen klaren Paradigmenwechsel: Transparenz wird zum Authentizitätsbooster und kann Marken helfen, Glaubwürdigkeit aufzubauen und echte Resonanz zu erzeugen.

Du bist dieses Jahr auch Teil der Jury beim German Brand Award. Worauf wirst du bei den Einreichungen besonders achten?

Ich schaue auch darauf, ob es einer Marke gelingt, ein authentisches Image zu vermitteln und eine gewisse Integrität zu verkörpern. Dabei ist erst mal das Produkt gar nicht so wichtig, denn es kommt darauf an, dass das Unternehmen es schafft, einen Wert und dieses authentische Resonanzmoment zu erzeugen. Entscheidend ist auch die Frage, ob Impact von Anfang an mitgedacht wurde – sowohl im Geschäftsmodell selbst als auch in der Kampagne. Welche Wirkung soll erzielt werden, und wurde diese Wirkung von Beginn an bewusst eingeplant? Ebenso wichtig ist, ob dieser Impact messbar gemacht, plausibel dargelegt wird und welchen Beitrag ein Unternehmen für die Gesellschaft leistet.

Oft heißt es, Nachhaltigkeit müsse Teil der DNA eines Unternehmens sein. Bei euch ist das seit der Gründung ja gegeben, aber wie kann das auch anderen Marken gelingen?

Jedes Unternehmen kann für sich eine ehrliche Antwort darauf finden, was Nachhaltigkeit im eigenen Kontext bedeutet. Und auch dabei hilft Transparenz enorm. Niemand erwartet Perfektion, aber man erwartet Ehrlichkeit darüber, wo ein Unternehmen steht, wohin es will und dass es bereit ist, sich zu verändern. Wenn ich mich als Marke also authentisch hinstelle und offen sage, dass wir aus einer Welt kommen, in der Nachhaltigkeit lange nicht die oberste Priorität hatte, dass wir aber verstanden haben, welche Verantwortung wir tragen und lernfähig sind, entsteht Glaubwürdigkeit. Entscheidend ist, transparent zu machen, wo man heute steht, wohin man sich entwickeln will und andere auf diesem Weg mitzunehmen. Das ist für die meisten Menschen intuitiv nachvollziehbar und wirkt sympathisch, weil es ehrlich ist und Menschen daran anknüpfen könne. Wir kennen es doch alle aus unserem eigenen Leben.

Wie verändert Transparenz denn die Markenarbeit ganz konkret?

Transparenz bedeutet, dass es eine belastbare Daten- und Informationsgrundlage über das eigene Unternehmen, die Produkte und insbesondere die Lieferketten braucht. Ohne dieses Wissen lässt sich keine authentische Transparenz leben. Für viele Unternehmen ist das eine Herausforderung, weil Lieferketten lange Zeit eine Blackbox waren.

Gleichzeitig führen aber neue Regularien dazu, dass Unternehmen ohnehin gezwungen sind, sich diese Informationen zu beschaffen. Und das ist eine Chance: Wer sich mit diesen Themen auseinandersetzt, kann daraus Inhalte für Kommunikation und Marke entwickeln. Die Datenerhebung ist aufwendig, verändert aber die Markenarbeit grundlegend, weil sie Marke viel näher an das Geschäftsmodell heranrückt. Geschichten lassen sich dann nicht mehr frei erfinden, sondern müssen aus dem Produkt und seiner Entstehung heraus erzählt werden. Transparenz bedeutet damit, dass Markenkommunikation deutlich enger mit der Realität von Lieferkette und Geschäftsmodell verbunden ist, als es lange Zeit der Fall war.

Das heißt, Markenführung wird ehrlicher und faktenbasierter – wird sie damit auch relevanter?

Wenn Unternehmen und Produkte Charakter bekommen, Ecken und Kanten zeigen und auf realen Grundlagen beruhen, entsteht für die Kommunikation wieder eine echte kreative Aufgabe. Das mag zunächst außerhalb der Komfortzone liegen, macht die Arbeit aber auch spannender, weil man näher am Produkt, am Unternehmen und damit auch an den Menschen arbeitet.

Damit wird auch Werbung relevanter. Menschen sind sensibel für falsche Versprechen. Wenn es schwieriger wird, solche Versprechen zu machen, weil Kommunikation stärker auf Fakten basiert und sich mit Produkt, Unternehmen und Lieferketten auseinandersetzen muss, gewinnt sie automatisch an Relevanz. Dann hat Kommunikation wirklich etwas mit dem Produkt, aber auch dem Alltagserleben der Menschen zu tun, und nicht nur mit einem konstruierten Lebensgefühl. Genau das schafft Glaubwürdigkeit und Bedeutung.

Jetzt einreichen: Registration Deadline bis zum 27. Februar 2026

Wie siehst du das Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit – schließt sich beides aus?

Nein! Denn Nachhaltigkeit ist nicht nur ein reiner Aufwandsposten, sondern eine strategische Ausrichtung. In vielen Unternehmen wird Nachhaltigkeit noch so wahrgenommen: als Personalkosten, als Berichtspflicht, als Funktion, die Geld kostet und wenig zum Geschäft beiträgt. Betrachtet man das Thema jedoch strukturell und strategisch, wird Nachhaltigkeit zu einer eigenständigen Business-Disziplin.

»Es braucht in jeder Abteilung Menschen, die sich auf Datenebene mit der Frage beschäftigen, ob Prozesse, Lieferketten und Entscheidungen langfristig tragfähig sind.«

Durch solides Reporting, belastbare Datenerhebung und gute Prognosen lässt sich frühzeitig erkennen, wo Risiken entstehen. Wenn Unternehmen ihre Lieferketten kennen, Daten analysieren und Entwicklungen antizipieren können, sind sie in der Lage, gegenzusteuern, unabhängiger vom Markt zu werden und resilientere Geschäftsmodelle aufzubauen. Und deswegen ist die Verortung von Nachhaltigkeit ausschließlich im Marketing oft ungünstig. Sie ist kein Kommunikationsthema, sondern es braucht in jeder Abteilung Menschen, die sich auf Datenebene mit der Frage beschäftigen, ob Prozesse, Lieferketten und Entscheidungen langfristig tragfähig sind.

Was bedeutet es dir, in diesem Jahr beim German Brand Award Teil der Jury zu sein?

Zunächst mal freue ich mich sehr über die Möglichkeit. Gerade weil mit Followfood ein Unternehmen aus einem klar nachhaltig ausgerichteten Kontext in die Jury eingebunden wird. Das ist aus meiner Sicht eine Chance, Markenfragen mit einer zusätzlichen Perspektive zu betrachten und neu aufzuladen. Genau diese Sicht möchte ich in die Diskussionen einbringen.

Ich freue mich auf die Cases und den Austausch darüber, weil Marketing und Markenarbeit einen enormen Einfluss darauf haben, wie wir als Gesellschaft denken, fühlen und handeln. Wir sind permanent von Markenbotschaften, Produktmarketing und Kampagnen umgeben, die unsere Bedürfnisse, Wünsche und Ziele mitprägen. Diese Wirkung auf einer so reflektierten Ebene wie beim German Brand Award zu diskutieren, finde ich extrem spannend. Ich bin sehr neugierig, welche Diskussionen entstehen und welchen Beitrag wir als Unternehmen mit einer etwas anderen Herangehensweise leisten können.

Mit den Zusatzkategorien Sustainable Brand of the Year und Circular Brand of the Year würdigt der German Brand Award Unternehmen, die beim Thema Nachhaltigkeit neue Maßstäbe setzen. Warum sind auch Kategorien wie diese so wichtig?

Man könnte natürlich fragen, warum es dafür eine eigene Kategorie braucht – schließlich sollte Nachhaltigkeit grundsätzlich für alle relevant sein. Gleichzeitig gibt es aber nach wie vor Vorreiter und Unternehmen, die in diesem Bereich besonders konsequent arbeiten. Diese Ambition geht häufig damit einher, dass weniger Marketingbudgets und geringere Ressourcen zur Verfügung stehen, um mit großen, aufwendig produzierten Kampagnen zu konkurrieren.

Genau deshalb sind solche Kategorien sinnvoll. Sie ermöglichen es Unternehmen, die inhaltlich stark arbeiten, aber nicht über große Budgets verfügen, Anerkennung und Sichtbarkeit zu bekommen. Eben auch dort, wo sie im direkten Wettbewerb sonst oft benachteiligt wären. Sie schaffen einen fairen Rahmen, um auch ihre Leistungen wertzuschätzen und wirklich sichtbar zu machen.

Über Julius:

Julius Palm ist stellvertretender Geschäftsführer und Head of Strategy & Brand bei der nachhaltigen Foodmarke Followfood. Dort arbeitet er daran, durch ein Geschäftsmodell die sozial-ökologischen Probleme zu lösen. Das Ziel: ein regeneratives Unternehmertum. Zudem setzt er sich als Vorstand des Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft für politische Rahmenbedingungen einer zukunftsfähigen Wirtschaft ein.

Logos PAGE und German Brand Award 2026, grafische Darstellung



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OBI frischt Logo auf – Design Tagebuch


Die Baumarktkette OBI hat ihr Logo aufgefrischt und überarbeitet. Seit kurzem nutzt die Baumarktkette in digitalen wie analogen Kontexten als Absender ein einfarbig orangefarbenes Logo mit begradigten Buchstaben.

OBI ist eine 1970 gegründete deutsche Baumarkt-Franchise-Kette mit Hauptsitz in Wermelskirchen. Das Unternehmen ist europaweit tätig und betreibt derzeit 640 stationäre Märkte in 10 Ländern, wobei der Fokus auf dem Verkauf von Heimwerkerbedarf, Baumaterialien und Gartenartikeln liegt. Seit 1985 gehört das Unternehmen mehrheitlich zur Tengelmann-Gruppe. Der Name OBI geht auf die französische Aussprache des Wortes Hobby zurück.

Seit kurzem präsentiert sich OBI im Webauftritt unter obi.de mit einem nunmehr einfarbig orangefarbenen Logo. Die bisher verwendete schwarze Umrandung wurde entfernt und die bislang leicht geneigten Großbuchstaben OBI begradigt.

Obi Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Obi, Bildmontage: dt
Obi Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Obi, Bildmontage: dt

Nach außen kommuniziert wurde die Umstellung seitens des Unternehmens bislang nicht. Der Umstand, dass vor kurzem neu eröffnete OBI-Märkte, wie jener in Mühlacker (Baden-Württemberg), bereits mit dem neuen Logo ausgestattet sind, deutet darauf hin, dass die Maßnahme von langer Hand geplant ist.

Obi Markt Fassade mit Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Obi, Bildmontage: dt
Obi Markt Fassade mit Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Obi, Bildmontage: dt

In einer Anfang Januar von OBI veröffentlichten Pressemeldung erklärt das Unternehmen, es wachse in Deutschland so stark wie noch nie. Allein im ersten Halbjahr 2026 sollen mit fünf Franchise-Partnern 15 OBI-Märkte eröffnet werden. Die Aktualisierung des Logos und des visuellen Erscheinungsbildes erfolgt demnach vor dem Hintergrund eines strategischen Wachstumskurses.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an dt-Leser David R., der die Umstellung als erstes bemerkt hat.



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innen zum 100. Lufthansa-Jubiläum › PAGE online


Serviceplan läutet das 100-jährige Jubiläum der Lufthansa mit einem Blick zurück – und vor allem nach vorne – ein. Und das mit einer Reise durch die Werbegeschichte der Fluglinie, in der Historisches von Illustrierenden neu interpretiert wird.

innen zum 100. Lufthansa-Jubiläum › PAGE online

Seit 2024 ist Serviceplan die Leadagentur der Lufthansa und tauchte bisher mit viel Gefühl in die Geschichten der Reisenden ein oder erzählte von Reisen als Neuanfang.

Jetzt hat die Agentur die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der Fluglinie gestartet. Und das mit einer Launch-Kampagne, die eine Reise durch die Markenhistorie der Lufthansa ist.

Dabei blickt Serviceplan nicht visuell zurück, sondern lässt stattdessen klassische, historische Lufthansa-Motive, Stile, Flugzeugmodelle und Mode auf zeitgemäße Motive und aktuelle Lufthansa Bildwelten treffen.

Besonderer Blick auf die Historie

Erklärtes Ziel der Kampagne ist es, den Zeitgeist jeder Epoche aufzugreifen, in der die Lufthansa aktiv war – und zugleich das Verbindende in der Markengeschichte zu betonen.

Dass das farbenfroh, mitreißend und ausdrucksstark ist, wurden zwei Illustrator:innen verpflichtet, die bekannt für ihre Chracater und farbenfrohen Lebenswelten sind.

Darya Semenowa aus dem georgischen Tibilisi und der Londoner Illustrator Mason London, der auch genau in dieser Metropole lebt und arbeitet.

Beide blicken farbenfroh und auf ihre ganz eigene Weise auf die verschiedenen Epochen, werfen einen zeitgemäßen Blick auf die Passagier:innen, an dem Aufenthalt an Bord und das Reisen selbst.

Groß präsentiert

Anstatt zurückzublicken ist die Kampagne ein Blick in die Zukunft der Marke, »A century since takeoff« beschwört und dabei die verschiedenen Jahrzehnte ineinanderfließen lässt.

Statt einer Headline, wie sie normalerweise in Lufthansa-Kampagnen zu lesen ist, findet sich das Jubiläums-Symbol, das aus einer modernen, serifenlosen 100 besteht, in die ein stilisierter, aufsteigender Kranich eingearbeitet ist. Darunter sind die Zahlen 1926Ι2026 zu lesen.

Zu sehen sein werden die Motive zum Start des Jubiläumsjahres in den Flughäfen München, Frankfurt und Berlin. In München wird es zudem Sonderpräsentationen, unter anderem am SAT Tower und auf der Großfläche P90, geben. Darüber hinaus sind großformatige Murals in München, Frankfurt und Hamburg geplant.

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