Künstliche Intelligenz
Neue Gaskraftwerke für KI: Enormer CO2-Anstieg befürchtet
Der KI-Hype droht, zur Umweltkatastrophe zu werden. Nicht nur fallen große Mengen Elektronikschrott an, es gibt auch viel Lärm und hohen Wasserverbrauch – nicht nur in Hyperscale-Datenzentren selbst, sondern auch bei den dafür notwendigen Kraftwerken. Und diese heizen den Ausstoß von Treibhausgasen an, handelt es sich doch meist um neue, weniger effiziente Gaskraftwerke.
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Darauf weist Bloomberg New Energy Finance (BloombergNEF) hin. Die Marktbeobachter wissen von 99 Gaskraftwerken, die in 22 US-Staaten geplant oder in Bau befindlich sind. Sie sollen aber nicht ans Stromnetz angeschlossen werden sollen, da sie ausschließlich Strom für Hyperscale-Datenzentren für KI erzeugen sollen. Sofern alle 99 Inselanlagen verwirklicht werden, würde das den CO2-Ausstoß der US-Stromerzeugung um mehr als ein Fünftel, vielleicht sogar ein Drittel erhöhen. Letzteres entspräche größenordnungsmäßig dem doppelten CO2 aus der gesamten Verbrennung von Jet Fuel in den USA.
BloombergNEF schätzt den CO2-Ausstoß der 99 neuen Gaskraftwerke auf 318 Millionen Tonnen pro Jahr, sofern sie mit einer bei netzdienlichen Gaskraftwerken typischen Auslastung zwischen 60 und 100 Prozent laufen. Diese 318 Millionen Tonnen wären mehr als 21 Prozent des gesamten CO2 aus Stromerzeugung in den USA 2025. Sollten die KI-Kraftwerke hingegen durchgängig mit voller Leistung fahren, würde der CO2-Ausstoß sogar um ein Drittel zulegen. Damit könnte die US-Stromerzeugung beim Kohlendioxid den Verkehrssektor wieder überholen, die Fortschritte aus der Reduktion der Kohleverstromung würden zunichte gemacht.
Ungewöhnlich ineffizient
Die geplanten KI-Kraftwerke setzen meist auf Gasturbinen im offenen Prozess. Dabei werden die heißen Abgase direkt in die Umwelt geblasen. Das ist weniger effizient als Gas-und-Dampfturbinen-Kombikraftwerke, welche die Hitze ihrer Abgase für Dampfturbinen nutzen. So kann aus der selben Menge Erdgases mehr Strom herausgeholt werden.
Die Betreiber der Hyperscale-Datenzentren hätten natürlich lieber die effizienteren Kombikraftwerke, doch müssten sie auf die dafür notwendigen Bauteile jahrelang warten. Das wollen sie dann auch wieder nicht.
Heiß gekocht
Dass die 99 Gaskraftwerke tatsächlich alle gebaut werden, glaubt Bloomberg nicht. Mehr als ein Drittel sei in Texas geplant, und dort habe der Republikanische Gouverneur jüngst eine Pause für die Genehmigung neuer Datenzentren verlautbart. Dabei übersieht Bloomberg, dass diese Pause nur für Projekte gilt, die mehr als 75 Megawatt aus dem öffentlichen Netz beziehen möchten – also gerade nicht jene Hyperscaler, die ihre eigenen Kraftwerke bauen.
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Stand Anfang August lagen in Texas Anträge auf dicke Stromanschlüsse für insgesamt 474 Gigawatt auf. Das ist eine absurde Menge: Der Rekord der in Texas gezogenen Stromleistung datiert vom 22. Juli und beläuft sich auf 91 Gigawatt. Zirka 90 Prozent der neuen Anträge stammen von Datenzentrumsprojekten. US-weit sind Anträge auf neue Stromanschlüsse für insgesamt mehr als 1.000 Gigawatt bekannt, von denen ein Achtel bereits genehmigt worden ist.
Kritiker halten selbst die vom texanischen Gouverneur angekündigte Pause für Theater, weil sie zu viele Schlupflöcher habe und bereits beantragte Projekte sowieso nicht betreffe. Wasser auf die Mühlen der Kritiker sind mehrere Presseaussendungen, laut denen Hyperscaler die texanische Hyperscale-Pause loben.
Gegenwind
Allerdings gibt es immer stärkeren Gegenwind gegen die Megaanlagen. Lärm, Boden- und Wasserverbrauch, sowie explodierende Strompreise erzürnen Wähler beider US-Parteien. Einige Republikanische Abgeordnete in Texas wollen neuerdings ländlichen Gebietskörperschaften mehr Macht geben, damit diese etwas gegen neue Datenzentren tun können.
Umweltschützer fordern, Datenzentren abgasrechtlich nicht länger getrennt von ihren Kraftwerken zu behandeln. Weil die Kraftwerke rechtlich gesehen andere Eigentümer haben, fallen die Datenzentren unter Ausnahmebestimmungen, die für kleine Betriebe wie etwa Waschsalons gedacht sind, schreibt der San Antonio Current. Nimmt man das Kraftwerk hinzu, drohe ein neues Hyperscale-Datenzentrum der Amazon Web Services (AWS) in Westtexas samt neuem Kraftwerk von bis zu 7,65 Gigawatt zum größten Luftverschmutzer der USA zu werden.
Etwa 50 Kilometer davon entfernt baut Chevron ein neues 2-GW-Gaskraftwerk für Microsoft. Nur diese beiden Anlagen werden zusammen mehr Strom für KI erzeugen, als ganz New York City an einem heißen Sommertag benötigt, merkt Bloomberg an.
Für den Bundesstaat New York hat dessen Demokratische Gouverneurin im Juli ein einjähriges Moratorium für neue Anträge auf Datenzentren ab 50 Megawatt verfügt. Es gilt, im Unterschied zu Texas, auch für nicht ans Stromnetz angeschlossene Projekte.
Künstliche Intelligenz
KI-Update Deep-Dive: KI in der Popkultur – zwischen Vision und Wunschdenken
Zwischen Helfer und Bedrohung
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Das sprechende Auto K.I.T.T. aus der Serie „Knight Rider“, die Roboter-Geschichten von Isaac Asimov oder die Omnidroids in Pixars „Die Unglaublichen“ – schon in unserer Kindheit und Jugend prägten fiktive KI-Systeme aus der Popkultur unsere Vorstellung von Künstlicher Intelligenz. Bei der ersten Live-Ausgabe des Podcasts auf der IFA sprach Moderatorin Isabel Grünewald mit der promovierten Quantenphysikerin und c’t-Redakteurin Dr. Sabrina Patsch darüber, wie realistisch diese Darstellungen tatsächlich waren und wie sich das Bild von KI in Filmen und Serien durch die allgemeine Verfügbarkeit von Chatbots gerade verändert.

Die Popkultur kennt im Wesentlichen zwei Extreme. Auf der einen Seite stehen die treuen Diener wie Iron Mans Assistent J.A.R.V.I.S. oder der Bordcomputer der Enterprise. Auf der anderen Seite finden sich Tyrannen wie HAL 9000 aus „2001: Odyssee im Weltraum“ oder Skynet aus „Terminator“, die sich gegen ihre Erbauer wenden.
Dabei reicht die Idee eines künstlichen Wesens mit einem gewissen Maß an Intelligenz weit zurück. Patsch verweist auf den Golem aus der jüdischen Mystik, E.T.A. Hoffmanns Puppe Olympia in „Der Sandmann“ oder Mary Shelleys Frankenstein – all diese Geschichten thematisierten bereits die Erschaffung künstlichen Lebens. Das Wort „Roboter“ selbst stammt aus dem Drama „Rossum’s Universal Robots“ des tschechischen Autors Karel Čapek von 1920.
Wenn KI ihre Programmierung zu gut erfüllt
Schon in diesen frühen Erzählungen werden die Kreaturen oder Roboter den Menschen direkt oder indirekt zum Verhängnis. Beim Gedanken an KI außer Kontrolle haben viele von uns sofort das rote „Auge“ von HAL 9000 aus Stanley Kubricks Film von 1968 im Kopf. Doch wie realistisch war diese Vision? „Kubrick holte sich tatsächlich sehr viel Unterstützung“, sagt Patsch. Er sprach vor den Dreharbeiten mit etwa 50 Forschenden, darunter Marvin Minsky, Mitgründer des MIT Artificial Intelligence Laboratory. „Und deswegen ist das aus heutiger Sicht gar nicht so absurd, was wir da sehen.“
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Auf HAL folgten diverse andere KI-Bösewichte in Blockbustern, die sich den Menschen widersetzen oder sie umbringen wollen, um ihre Mission zu erfüllen. „Dabei interpretiert die Maschine den Arbeitsauftrag oft ganz anders als von den Programmierenden erwartet“, sagt Patsch. Inzwischen ist diese Problematik in der Realität angekommen. Erst kürzlich gelang es einer KI von OpenAI während eines Sicherheitstests, aus ihrer abgeschotteten Testumgebung auszubrechen und die Plattform Hugging Face zu hacken. „Auch diese KI wollte nur ihre Aufgabe besonders gut erledigen“, erklärt Patsch.

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im „KI-Update“ von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder dreimal die Woche Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.
Von J.A.R.V.I.S. sind wir noch weit entfernt
Dieser gefährlichen Variante von KI steht das Bild der treu dienenden KI gegenüber. J.A.R.V.I.S. aus „Iron Man“ ist für Patsch das Idealbild des perfekten KI-Assistenten: „Er steuert den Anzug, überwacht die Umgebung, macht Recherchen und unterstützt bei allem.“ Heutige Systeme wie Gemini oder ChatGPT sind jedoch noch weit davon entfernt. „Der größte Unterschied ist, dass J.A.R.V.I.S. nicht nur ein Sprachbot ist“, erklärt Patsch. „Wir müssten viele kleine Bausteine zusammenführen, bevor ein Assistent gleichzeitig Sensoren auslesen, Geräte steuern, Daten auswerten und darauf aufbauend ein Feedback generieren kann.“
Auch humanoide Roboter wie die Replikanten aus „Blade Runner“ oder gar Lieutenant Commander Data aus Star Trek bleiben vorerst Science-Fiction. „Es gibt mehrere Baustellen“, sagt Patsch. „Ein ganz banales Ding ist Batterielaufzeit.“ Hinzu komme, dass Roboter meist auf spezielle Aufgaben trainiert werden. „Zur Zeit trainiert man die Maschinen auf eine spezielle Aufgabe oder vielleicht ein kleines Set an Aufgaben. Aber sie sind nicht so gut darin, alles gleichzeitig zu können.“
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Die neue Generation alltäglicher Begleiter
Seit dem Start von ChatGPT beobachtet Patsch eine Verschiebung in der Darstellung von KI in Filmen. „Früher gab es diese mächtigen, fast mystischen, zerstörenden Maschinen“, sagt sie. Heute wird KI sehr viel alltäglicher dargestellt. „Sie ist der ständige Begleiter im Ohr und übernimmt ganz langsam die Kontrolle über unser Leben. Und die Menschen lassen das im Film irgendwie zu und stellen das nicht grundlegend in Frage.“
Patsch glaubt daher auch, dass „die KI“ in der Zukunft nicht mehr das zentrale Thema oder der übermächtige Widersacher in Filmen sein wird, sondern eher selbstverständlich im Hintergrund läuft: „So ähnlich wie Computer oder Raumfahrt mittlerweile nicht mehr das Zentrum der Handlung sind, sondern selbstverständlich.“ Sie könnte sich aber auch vorstellen, dass Frankenstein wieder zur Vorlage wird und wir Filme über künstlich erzeugte Intelligenz im menschlichen Körper sehen. „Das ginge dann aber eher in Richtung Horrorfilm“, räumt Patsch mit einem Augenzwinkern ein.
(igr)
Künstliche Intelligenz
InterDigital verklagt Disney auf 101,7 Millionen Euro Schadensersatz
Der Rechtsstreit zwischen InterDigital und Disney in Deutschland weitet sich aus. Der Patentverwerter fordert von Disney nun 101,7 Millionen Euro Schadensersatz wegen der Verletzung eines Patents zur HDR-Bildtechnik. Die Klage liegt beim Landgericht München I unter dem Aktenzeichen 7 O 8870/26, wie der US-Patentverwerter mitteilt.
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Grundlage ist das Patent EP 2 132 923. Das Landgericht München I hatte im November 2025 eine Verletzung durch Disney+ festgestellt und eine einstweilige Verfügung erlassen. Die Forderung deckt nach Angaben von InterDigital den Zeitraum vom Disney+-Start in Deutschland im März 2020 bis zu dieser Entscheidung ab. Die Forderung beschränkt sich nicht auf Deutschland. Disney habe Server in der Nähe von Frankfurt genutzt, um patentverletzende Videostreams an Disney+-Abonnenten in 19 weiteren europäischen Ländern auszuliefern, heißt es in der Mitteilung.
Nach der Münchner Entscheidung nahm Disney Dolby Vision aus dem Angebot. Mittlerweile fehlt HDR im deutschen Angebot komplett, auch 4K-Auflösung war zwischenzeitlich nicht verfügbar. Disney räumte seinen Premium-Kunden deshalb ein Sonderkündigungsrecht nach dem Wegfall von 4K und HDR ein. InterDigital wirft Disney vor, trotz dieser Einschränkungen kein Lizenzabkommen abschließen zu wollen.
Acht Verfügungen seit Februar 2025
Der Streit läuft seit Februar 2025. Inzwischen zählt InterDigital acht Unterlassungsverfügungen gegen Disney in Brasilien, Deutschland und vor dem Einheitlichen Patentgericht (Unified Patent Court, UPC). Zuletzt erwirkte InterDigital eine dritte Unterlassungsverfügung vom UPC, die die Cast-Funktion von Disney+ betrifft.
Die Schadensersatzklage berührt die übrigen Verfahren nach Angaben von InterDigital nicht. Dazu gehören auch die beiden Klagen, mit denen der Patentverwerter gegen Disneys Umstieg auf den Videocodec VP9 vorgeht. Lizenzgebühren hat Disney nach Darstellung des Unternehmens bislang nicht gezahlt. InterDigital strebt nach eigenen Angaben ein Lizenzabkommen mit Disney an. Das Medienunternehmen hat sich zu der Forderung bislang nicht öffentlich geäußert.
(dahe)
Künstliche Intelligenz
Tesla Model Y: Basis, Premium oder Performance – der Kostencheck
Kaum ein in Deutschland erhältliches Auto polarisiert so sehr wie das Tesla Model Y. Denn in vielen Bereichen gehen die Meinungen auseinander: Design, Technik, Verarbeitungsqualität, Bedienphilosophie – um nur einige Punkte zu nennen. Der Erfolg gibt dem Unternehmen aber in gewisser Hinsicht recht. Weltweit verkaufen sich nur wenige Modelle besser und auch in Deutschland reichte es bereits mehrfach für Spitzenplätze – zumindest unter den Elektromodellen. Doch die Wahl der passenden Variante ist spätestens seit dem Start des Basismodells im Herbst 2025 alles andere als einfach. Schließlich ist Tesla unflexibel, was kundenspezifische Konfigurationen angeht.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Tesla Model Y: Basis, Premium oder Performance – der Kostencheck“.
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