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Nie wieder einkaufen gehen: Mit diesem KI-Prompt automatisiert ihr euren Alltag
Antong Yin hat ein KI-Startup gegründet – und delegiert als Poweruser auch seinen Wocheneinkauf an einen automatischen Workflow.
Einkaufen per Prompt: Der Gründer Antong Yin delegiert seinen Alltag an Künstliche Intelligenz (KI). Lebensmittel, Abende im Restaurant, Marketing für sein Startup – all das plant und erledigt ein KI-Agent für den Berliner. “In den vergangenen zwei Jahren haben sich viele neue Wege entwickelt, KI sinnvoll einzusetzen“, sagt er im Interview mit Gründerszene. „Automatisierungen und Coding sind mit Abstand die größte Zeitersparnis.“
Yin ist Co-Gründer und CEO von Acemate AI. Das Startup baut eine Lern- und Lehrplattform für Hochschulen und andere Bildungsträger. Anhand von Notizen und Vorlesungen generieren Userinnen und User mit Acemate Karteikarten, Lernaufgaben und Podcasts.
Für Yin selbst ist KI ein Sparringspartner für neue Ideen: „Manchmal rede ich einfach fünf bis zehn Minuten“ in einen Chatbot. Außerdem hat er Workflows gebaut, die für Acemate neue Kunden und Märkte recherchieren. Sie planen automatisch Werbebudgets und erstellen Kampagnen für Social Media.
Claude Cowork als „digitaler Mitarbeiter“
Diese Workflows baut Yin mit Claude Cowork. Hierfür beschreibt Yin im Chatfeld ein Ziel, und der KI-Assistent leitet daraus konkrete Aktionen ab. Das System erledigt Aufgaben selbstständig, wie ein “digitaler Mitarbeiter”. Es greift zu auf den Computer und kommuniziert mit zahlreichen Apps, etwa Slack, Powerpoint oder Google Chrome.
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Claude Cowork zerlegt also Textprompts in Teil-Schritte, die das Programm dann abarbeitet. Es sortiert Ordner auf dem Computer, erstellt Projekte oder erledigt Aufgaben im Internet-Browser. “Claude ist sozusagen mein Entwickler, wenn es um Automatisierungen oder weitere Coding-Tasks geht – ohne, dass ich heute noch eine einzige Zeile Code schreibe”, sagt Yin.
Die Technologie übernehme für ihn sogar den Wocheneinkauf und reserviere Tische in Restaurants. Wie das funktioniert, erklärt Yin im Interview. Er sagt: „Ich glaube, das kann wirklich jeder schreiben, der noch nie eine Zeile Code in seinem Leben gesehen hat.“
Das KI-Unternehmen Anthropic hat im Januar die kostenpflichtige Desktop-App veröffentlicht. Nur Abo-Userinnen und -User können Claude Cowork herunterladen. Während der Sitzungen brauchen Computer immer eine Internetverbindung.
Wer Routine-Aufgaben mit Claude Cowork löst, kann einen „Skill“-Prompt erstellen. Das ist eine Anleitung, ähnlich wie ein Handbuch oder eine Checkliste für Fachaufgaben. Diesen “Skill” speichert Claude Cowork als Vorlage, und ihr könnt ihn beliebig oft aktivieren. Dafür legt ihr einen Trigger fest, beispielsweise einen bestimmten Prompt. Wie immer gilt: Je präziser der Input, desto zielführender der Output.
Anthropic selbst warnt vor Sicherheitslücken in Claude Cowork. Denn die agentengestützte Arbeitsweise, der Internetzugriff und die Möglichkeit, eigenständig auf Websites und Computer zuzugreifen, bergen Risiken. Der Hersteller empfiehlt, keinen Zugriff auf lokale Dateien mit sensiblen Informationen zu gewähren – also etwa Finanzdokumente, vertrauliche Unterlagen oder persönliche Daten. Wer die Chrome-Erweiterung nutzt, sollte den Zugriff auf vertrauenswürdige Websites beschränken und sensible Konten außen vor lassen. Anthropic rät außerdem, Claude aktiv auf verdächtige Aktionen zu überwachen: unerwartete Klicks, ungewöhnliche Eingaben oder Hinweise auf sogenannte Prompt-Injection-Angriffe, bei denen externe Inhalte versuchen, die KI zu manipulieren. Besondere Vorsicht gilt beim direkten Computerzugriff – anders als bei anderen Cowork-Tools gibt es dort keine zusätzlichen Berechtigungsprüfungen.
Claude liest die Einkaufsliste – und bestellt im Onlineshop
Für seinen Wocheneinkauf hat Yin Claude Cowork befohlen, sich über den Chrome-Browser mit dem Online-Shop eines Supermarkts zu verbinden, in dem Yin sich einmalig im Browser angemeldet hat. Dafür nutzt der KI-Assistent automatisch sogenannte MCP-Schnittstellen. Außerdem soll er die “Reminders”-App auf Yins Apple-Notebook auslesen. Darin pflegt Yin nämlich unter dem Namen “Groceries” seine Einkaufsliste.
Folgenden Prompt hat Yin dafür in Claude Cowork geschrieben:
Erstelle einen Claude Cowork Skill, der meinen Wocheneinkauf auf REWE automatisiert. Lies meine Einkaufsliste aus Apple Reminders (Liste „Groceries“) via osascript. Übersetze jeden Artikel in einen kontextuell passenden deutschen Suchbegriff (z.B. Müllbeutel Bad -> Kosmetikeimer Müllbeutel 10L). Öffne REWE über Claude in Chrome MCP. Prüfe zuerst meine Kaufhistorie unter „rewe.de/shop/deine-produkte“. Wenn ein passendes Produkt dabei ist, direkt hinzufügen. Falls kein Match: REWE-Suche nutzen und die günstigste, kontextuell passende Option wählen. Lege alles in den Warenkorb, hake die Artikel in der Reminders-Liste ab und schick mir einen kurzen Bericht.
Sobald Yin den Skill aktiviert, liest Claude Cowork die Einkaufsliste aus. Anschließend öffnet es den Chrome-Browser. Hierfür hat Yin zuvor eine Claude-Extension zugelassen. Autonom ruft die KI den Online-Shop auf, sucht die gewünschten Produkte und legt sie in den Warenkorb.
Wenn Yin etwa regelmäßig denselben Gouda oder Feta kauft, kann Claude das aus der Historie erkennen und die Waren bevorzugen. „Bei Waren mit großer Preisspanne hilft es, im Prompt noch einmal genauer zu definieren, was man kaufen möchte“, sagt er. „Wenn ich zum Beispiel schreibe: ‚billiger trockener Rotwein zum Kochen‘, dann würde Claude nicht die teuerste Flasche herausholen.“
Der letzte Schritt bleibt bei Yin. „Am Ende schaue ich natürlich trotzdem noch einmal in den Warenkorb, bevor Claude Unsinn kauft.“ Erst dann bestellt er die Lieferung.
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Ein Assistent fürs Abendessen
Für Reservierungen im Restaurant nutzt Yin eine weitere Funktion von Claude Cowork: Scheduled Tasks. Manche Restaurants öffnen Reservierungen erst 14 oder 30 Tage im Voraus. Im Chat beschreibt Yin die Aufgabe, verlinkt das Buchungsportal, gibt Datum und Uhrzeit an und bestätigt. Ab diesem Moment läuft der Vorgang von selbst: Sobald das Buchungsportal die Tische freigibt, öffnet Claude Cowork den Browser, füllt das Formular mit Yins hinterlegten Kontaktdaten aus und bestätigt die Reservierung – ohne dass Yin selbst eingreifen muss. Eine Bedingung gilt jedoch: Sein Laptop muss zum vereinbarten Zeitpunkt online sein.
Sein Prompt:
Reserviere einen Tisch für 2 Personen am [Datum] um [Uhrzeit] über diesen Buchungslink: [Link]. Meine Kontaktdaten: [Name, Telefon, E-Mail]. Man kann erst 14 Tage im Voraus buchen — erstelle einen Scheduled Task, der die Reservierung automatisch am frühestmöglichen Tag aufgibt.
„Das finde ich das Schöne an KI: Der Zugang zu diesen tollen Technologien wird auf einmal demokratisiert“, sagt Yin. „Jeder kann seine eigenen Apps und seine eigenen Automatisierungen bauen. Ich bin sehr gespannt darauf, wie sich das in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren weiterentwickeln wird.“