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noblechairs Aura TX Gaming-Stuhl im Test


Ende Mai stellte noblechairs seinen neuesten Stuhl Aura in zwei Varianten vor: „Atmoshell Schwarz“ mit Kunstleder und „TX Anthrazit“ mit Stoffbezug. Die TX-Version muss sich im nachfolgenden Test dem harten Arbeitsalltag stellen und beweisen, dass sie weit mehr kann als nur Gaming. Doch was bedeutet das überhaupt?

Kann noblechairs das Versprechen einer soliden Konstruktion mit edlen Details beim Aura TX einlösen? Die kurze Antwort lautet: Ja, wenn auch nicht bis ins letzte Detail! Dieser Umstand ändert allerdings nichts daran, dass der noblechairs Aura TX für seinen Preis von 469 Euro ein faires Angebot darstellt. Gleichzeitig wirkt er deutlich durchdachter als viele andere Gaming- und Bürostühle, die relativ leichtfertig ein maximales Gewicht von 150 Kilogramm angeben, sich am Ende aber nur für sehr schmale Menschen eignen. Es sind am Ende vor allem Kleinigkeiten, die den ansonsten guten Gesamteindruck etwas trüben.

  • 4D-Armlehnen …
  • Einstellung der Druckfeder für die Rückenlehne …
  • Gute Verarbeitung …
  • passende Dimension für Gewichtsfreigabe
  • leichtgängige Rollen
  • angenehmer Textilbezug
  • leichter Aufbau
  • Schrauben passend vorbereitet
  • … aber Schrauben, die gelöst werden müssen
  • … dennoch zu leicht oder schwer
  • … mit Detailschwächen (Befestigung der Armlehnen)
  • Viel Kunststoffverpackung
  • „unnötiges“ Werkzeug

Der noblechairs Aura TX im Überblick

Varianten und Preise

den noblechairs Aura gibt es in zwei Varianten: Als Aura TX mit anthrazitem Stoffbezug (Testversion) und als Aura AtomShell mit einem Bezug aus schwarzem „Hybrid-Vinyl-Leder“. Beide Modelle trennen 50 Euro beim Preis:

Design, Materialien und Verarbeitung

Die meisten Gaming-Stühle teilen ein altbekanntes Problem: Sie wirken wie ein Autositz, extreme Fälle neigen sogar zum reinrassigen Rennsitz. Diese Art von Stühlen schränkt die Bewegungsfreiheit im Alltag aktiv ein. Sie sehen zwar sportlich bis martialisch aus, allerdings wird der massive Seitenhalt beim Arbeiten am PC schlicht nicht benötigt – er ist oft sogar eher hinderlich. Der Aura TX hinterlässt hier direkt einen positiven ersten Eindruck: Die Sitzfläche deutet die Autositz-Wangen nur sehr dezent an. Die Rückenlehne tut das zwar etwas mehr, beide wirken auf den ersten Blick jedoch so angenehm breit und bequem, dass hier auch wirklich kräftigere Menschen problemlos Platz nehmen können.

Die Sitzfläche und die anwinkelbaren Armlehnen
Ein Blick auf die Rückseite mit leider nicht nutzbarem Reißverschluss
Ein blick auf die Rückenlehne der Stoffvariante Aura TX
Die Kopfstütze lässt sich in der Höhe variabel anpassen

Beim Aura TX* sind die Flächen mit einem Textil bezogen. Dieses fühlt sich beim Anfassen leicht rau, aber keineswegs unangenehm an.

Auch beim ersten Geruchstest kann noblechairs überzeugen: Direkt nach dem Auspacken ist lediglich ein neutraler, leichter Stoffgeruch wahrzunehmen. Während bei günstigen Modellen oft ein stechender chemischer Produktionsgeruch die Nase beleidigt, bleibt es hier angenehm neutral.

Einen kleinen optischen „Nachteil“ hat der Textilbezug des Aura TX jedoch: Je nachdem, wie man über den Stoff streicht oder darauf sitzt, verändern sich die Schattierungen – ganz ähnlich wie bei Samtstoffen. Was wiederum hervorragend gelöst wurde, ist die Verarbeitung der Nähte. Diese sind absolut sauber gearbeitet und fügen sich stimmig in die Farbgebung des Stuhls ein.

Hier kann noblechairs voll überzeugen, leistet sich auf der Rückseite aber einen kleinen Design-Bluff: An der Rückenlehne ist ein Reißverschluss zu erkennen. Kurz keimt die Hoffnung auf einen abziehbaren und waschbaren Bezug auf – am Ende entpuppt sich der Reißverschluss jedoch als Fake, da der Stoff final festgeklammert wurde.

Bei allen anderen Einzelteilen des Stuhles wird auf matten, rauen Kunststoff sowie massives Metall zurückgegriffen, an den Kontaktflächen ergänzt durch eine Gummierung. Für einen modernen Bürostuhl ist das eine absolut solide Materialwahl. Alle Komponenten sind sauber entgratet und wirken wertig. Das Fußkreuz ist aus Metall gefertigt und matt-schwarz lackiert, während die tragenden Mechanikteile matt beschichtet sind.

Eine optische Ausnahme bilden die Armlehnen-Halterungen, die aus dunkel verchromtem Hochglanz-Metall bestehen. Die Oberflächen der Armauflagen selbst sind leicht gepolstert und der matte Kunststoff gibt angenehm nach. Die Griffe und Knöpfe fassen sich gut an, auch wenn die Tasten zur 4D-Einstellung spürbar viel Kraft benötigen – was Fluch und Segen zugleich ist. Der Hebel zur Höhenverstellung wiederum ist leichtgängig. Die Armauflage selbst hat konstruktionsbedingt etwas Spiel, was der rasterbasierten 4D-Mechanik geschuldet ist. So halten die Armlehnen ihre Position im Alltag zwar absolut zuverlässig, im Gegenzug muss man jedoch auf eine feine, stufenlose Schnellverstellung verzichten.

Die Armablagen lassen sich in vier Dimensionen einstellen

Etwas mehr Kritik muss sich die Stuhlmechanik gefallen lassen, da hier ein spürbarer Bruch in der Haptik erkennbar ist: Während die Armlehnen massiv und hochwertig wirken, sind die Hebel für die Sitztiefe und Sitzhöhe unter der Sitzfläche aus einfachem Kunststoff gefertigt. Sie kommen haptisch schlicht nicht an das restliche Niveau des Stuhls heran. Der leicht gummierte Drehknopf zur Justierung des Gegendrucks der Rückenlehne kann dagegen wieder voll überzeugen.

Die Mechanik zur Einstellung von Sitzhöhe und Synchronmechanik fällt haptisch deutlich ab

Die Kopfstütze schreit optisch auf klassische Weise nach Sportwagensitz, erfüllt ihren Zweck im Nacken aber tadellos. Sie lässt sich schnell an die eigene Größe anpassen, verlangt jedoch nach etwas Feingefühl: Wer zu schwungvoll oder unbedacht nach oben zieht, trennt das Polster komplett von der Rückenlehne und muss es mühsam wieder einfädeln.

Die Kopfstütze lässt sich in der Höhe variabel anpassen

Fußkreuz und Rollen überzeugen im Test auf ganzer Linie: Die Rollen reagieren extrem leichtgängig, egal ob auf Teppich oder Linoleum, und wechseln flüssig die Richtung. Nur am Verbindungsmetall der Rückenlehne zeigte sich im unaufgebauten Zustand ein kleiner optischer Produktionspatzer – der nach der Montage im Inneren verschwindet und nicht mehr sichtbar ist.

noblechairs Aura TX – Gasdruck-Feder

Technische Daten

Was macht einen Stuhl aus und wie wird er richtig getestet?

Gaming-Möbel sprießen seit einigen Jahren gefühlt aus dem Boden wie das Gras im Frühling. Neben noblechairs gibt es unzählige weitere Marken, und selbst klassische Hardware-Hersteller wie Asus oder MSI steigen vehement mit in diesen Markt ein. Dazu kommen die etablierten Büromarken und Möbelhäuser – der IKEA Markus kann an dieser Stelle fast schon als legendär bezeichnet werden. Also, was macht einen guten Stuhl aus?

Die provokante Antwort lautet hier: alles und nichts. Denn es kommt am Ende vollkommen auf den Nutzer an. Körpergewicht und -maße sind hier genauso wichtig wie der eigene Bewegungsdrang oder die nackte Zeit, die täglich auf dem Stuhl verbracht wird. Selbst die Transpiration kann eine Rolle spielen: Wer leicht ins Schwitzen gerät, ist mit einem Mesh-Gewebe oder einem Stoffbezug oft besser beraten als mit Leder oder Kunstleder.

Wer am Tag nur wenige Stunden auf einem Stuhl verbringt, stellt vollkommen andere Anforderungen als jemand, der über Stunden hochkonzentriert in der gleichen Haltung verharrt – oder sich, im Gegenteil, permanent auf dem Stuhl bewegt. Ein Test kann hier als wertvolle Orientierung dienen, das persönliche Probesitzen am Ende jedoch niemals ersetzen.

Ergonomie und Sitzkomfort

Während Menschen mit einem natürlichen Bewegungsdrang dem Aura TX eine Menge abgewinnen können, werden jene enttäuscht sein, die ein hyperergonomisches Wunderwerk erwarten.

Die Sitzfläche ist in der niedrigsten Stufe 40 cm vom Boden entfernt und lässt sich per Gasdruckfeder auf bis zu 50 cm hochfahren. Ebenso lässt sich die Sitztiefe über eine Schienenführung in vier Stufen um jeweils 1,5 Zentimeter (insgesamt knapp 6 cm) nach vorn verlagern. Die üppige Breite von 53,5 cm ist perfekt für breitere Staturen geeignet. Die Tiefe von 45,5 cm bietet zudem so viel Fläche, dass man die eigene Sitzposition aktiv verändern kann, ohne sofort den Kontakt zur Rückenlehne zu verlieren. Der Hebel zum Lösen der Sitztiefe trübt den Eindruck unterdessen etwas: Hier merkt man deutlich, dass diese Einstellung für das Prinzip „einmal einstellen und so lassen“ gedacht ist. Die Gasdruckfeder hingegen patzt nicht: Sie vermittelt beim Hineinsetzen ein ungemein stabiles, felsenfestes Gefühl und sackt keinen Millimeter nach – ein kritischer Punkt, an dem billige Stühle reihenweise scheitern.

noblechairs Aura TX – jetzt heißt es Platznehmen

Die Rückenlehne überzeugt, führt aber direkt zum inhärenten Problem eines „generalisierten“ Stuhls: noblechairs nutzt hier ein fest definiertes Federsystem für die Synchronmechanik, das sich nicht auf das individuelle Körpergewicht einstellen lässt. Für sehr schwere Menschen bietet die Feder im Alltag unter Umständen zu wenig Gegendruck, während Fliegengewichte massiv gegen den Widerstand ankämpfen müssen. Immerhin lässt sich die Lehne in drei Positionen sicher arretieren und zeigt dort eine echte Stärke: Sie blockiert nicht bretthart, sondern gibt minimal und weich nach. Ein komfortables und sicheres Strecken im Stuhl ist somit jederzeit möglich.

Dabei wird die Sitzfläche über die Synchronmechanik sanft mit angehoben. Solche Mechaniken sind für Hersteller immer ein Drahtseilakt: Neigt sich die Sitzfläche beim Zurücklehnen zu stark, drückt die Vorderkante unangenehm in die Unterseite der Oberschenkel und blockiert den Blutfluss. noblechairs umschifft diese Klippe elegant und wählt beim Aura TX einen dezenten Winkel von maximal 3,5° Neigung, womit das Problem im Testbetrieb zu keiner Zeit negativ auffällt.

noblechairs Aura TX – Position 2
noblechairs Aura TX – Position 3

Die Armlehnen erweisen sich im Alltag dank der schnellen Höhenverstellung per Knopfdruck als praktische Begleiter. Dass die Tasten für Tiefe, Länge und Winkel etwas schwergängiger zu drücken sind, erweist sich als Segen, da sie die Lehnen – wenn auch mit etwas mechanischem Spiel – bombenfest in Position halten. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt die grundlegende Breitenverstellung von insgesamt 6 Zentimetern (3 cm pro Seite): Diese Varianz lässt sich ausschließlich über sechs Schrauben an der Unterseite justieren. Wer das beim Zusammenbau ignoriert, darf später mühsam den Schraubendreher ansetzen.

Als absolutes Ergonomie-Highlight des Stuhles muss die stufenlos verstellbare Lordosenstütze hervorgehoben werden. Über zwei seitliche Drehknöpfe an der Rückenlehne lässt sich die Stütze vollkommen stufenlos sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe (Wölbung) regulieren und perfekt an die eigene Wirbelsäule anpassen.

Der noblechairs Aura TX zeigt sich im Ergonomietest damit als ein sehr guter Allrounder, auf dem man ungemein gerne sitzt. Er bietet alle notwendigen Funktionen zur individuellen Anpassung – macht aber gleichzeitig unmissverständlich klar, dass noblechairs hier das Prinzip „ein Stuhl pro Person“ vorsieht. Für den dynamischen Bürobetrieb mit ständig wechselnden Kollegen ist er schlicht zu träge im Umstellen.

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