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Noctua „Thermosiphon“: Pumpenlose AIO kühlt Ryzen jetzt bei 230 W, Q3 2027 im Visier
Noctuas All-in-One-Wasserkühler haben als Noctua NL-LC1 die Serienreife erreicht. Parallel gehen die Arbeiten an der dank Phasenwechselkühlung ohne Pumpe funktionierenden AIO „Thermosiphon“ weiter. Auf dem Messestand in Taipeh zeigt Noctua eine optimierte Version, die einen 9950X3D bei 230 Watt so gut kühlt wie eine NL-LC1-36.
Die Kühlleistung wurde deutlich erhöht
Vor zwei Jahren hatte Noctua den „Thermosiphon“ erstmals als Studio ausgestellt, vor einem Jahr lief ein Prototyp auf dem Messestand, der einen Ryzen 7 9800X3D bei 100 Watt auf Temperatur hielt. Aber um marktreif zu sein, muss mehr gehen.
In diesem Jahr stellt Noctua eine optimierte Variante aus, die einen 9950X3D bei 230 Watt Verlustleitung kühlen kann – und dabei das Leistungsniveau der klassischen AIO Noctua NL-LC1-36 mit 360-mm-Radiator erreicht (ca. 80 °C).
Dieses Prinzip steckt dahinter
Noctuas „Thermosiphon“-Kühler wirkt auf den ersten Blick wie eine AIO: Es gibt einen Kühler auf der CPU, zwei Schläuche vom Kühler zum Radiator (Zu- und Ableitung) sowie zwei Lüfter auf dem Radiator.
Doch im Kühlsystem fließt keine klassische Flüssigkeit, sondern ein Kühlmittel, das den Aggregatzustand von flüssig auf gasförmig wechselt: Wird es am Kühler (Verdampfer) erhitzt, verdampft es und nimmt dabei viel Energie auf. Das gasförmige Medium – und nur das gasförmige – steigt daraufhin zum Radiator (Kondensator) auf, wo es abkühlt und kondensiert – dabei wird die aufgenommene Energie wieder freigesetzt. Anschließend fließt es zum Kühler zurück.
Und das passiert ganz ohne Pumpe, nur in Folge der sich ändernden Dichte (Thermosiphon-Effekt). Nur noch die Lüfter bleiben als mechanisch bewegliche Komponenten im System.
Diese Herausforderungen gibt es
Das Prinzip klingt schlüssig, warum nicht gleich so? Weil der in der Theorie so einfach zu beschreibende Prozess ohne Pumpe in der vielfältigen Praxis schwer zu beherrschen ist. Gründe sind unter anderem:
- Die sich ständig wechselnde Abwärme des Prozessors.
- Die damit ständig wechselnde Menge verdampfter Flüssigkeit.
- Damit einhergehende Probleme beim Sicherstellen einer kontrollierten Verdampfung.
- Auch bei niedriger Last auf verlustarmen CPUs muss genug Dampf entstehen, um den Kreislauf am Laufen zu halten.
- Aber zu viel Dampf im System oder das Entstehen einer so genannten Siedekrise (Leidenfrost-Effekt) gilt es zu verhindern.
- Flüssigkeit zwischen Verdampfer und Kondensator gilt es zu vermeiden.
Deutliche Verbesserungen am Verdampfer
Um diese Herausforderungen noch besser zu meisten, hat Noctua gegenüber der im Mai 2025 ausgestellten Version den Verdampfer noch einmal angepasst. Über 400 Prototypen soll es gegeben haben, aber auch der Kondensator wurde in 25 verschiedenen Versionen getestet.
Sowohl die neue Geometrie als auch die jetzt gesinterte Oberfläche mit Kapillaren sind das Ergebnis der weiteren Forschung im Verdampfer, die zur Computex in Theorie, anhand von Messwerten und dem laufenden System präsentiert werden.
Das Sichtfenster, so Noctua im Gespräch auf der Messe, werde es wohl vorerst aber nicht in die Serie schaffen. In der Entwicklung sei es sehr hilfreich, um mit Hilfe von High-Speed-Kameras die Dampfbildung zu evaluieren, und auch als Aussteller ein Highlight. Die zusätzliche Dichtung serienreif anzubieten, ist zumindest für den Start aber nicht geplant.
Entscheidung gefallen: Sie kommt!
Die Entwicklung sei im letzten Jahr so gut vorangekommen, dass Noctua inzwischen auch einen Termin für den Veröffentlichungszeitpunkt nennt: Im 3. Quartal 2027 soll es so weit sein, auf der Computex 2027 könnte also die Präsentation der fertigen Plattform erfolgen.
Nicht die erste Idee dieser Art
der8auer hatte bereits zu Ende 2018 eine AiO mit Phasenwechselkühlung zur Serienreife entwickeln wollen. Doch dazu kam es am Ende nie. Auch Noctua hatte bisher nur von einem absehbar mehrjährigen Vorhaben gesprochen, die Möglichkeit, dass die Entwicklungen nie zur Serienreife geführt werden kann, schien zu bestehen. Doch Noctua hat es allem Anschein nach geschafft: Der „Noctua Thermosiphon“, die dann vermutlich erste PC-AIO ohne Pumpe, kommt.
Ein pumpenloses Produkt hatte die dänische Firma Noiselimit in Form des Silentflux bereits 2007 gezeigt, welches ebenfalls ein Kühlmittel und die Verdampfung nutzte. Dieser ist aber aufgrund der kompakten Abmaße nicht als AiO anzusehen.