Digital Business & Startups
OpenAI Manager verrät seine größten Startup-Insights
Amaury de Longvilliers arbeitet bei OpenAI und ist für Startups in Europa verantwortlich – Gründerszene hat er verraten, worauf er dabei achtet.
Amaury de Longvilliers sitzt in Marseille und ist per Video zugeschaltet. Gespannt hören ihm die Fellows von „Gründerszene sucht die Supergründer“ zu. Denn: De Longvilliers ist kein beliebiger Gesprächspartner. Er arbeitet im Go-to-Market-Team (GTM) von OpenAI und ist verantwortlich für Startups in Europa. Auch die Fellows von „Gründerszene sucht die Supergründer“ arbeiten mit Codex von OpenAI.
„Gründerszene sucht die Supergründer“ ist ein zehnwöchiges Startup-Fellowship von Gründerszene. Acht ausgewählte Fellows entwickeln in Berlin mit Künstlicher Intelligenz Consumer-Startups – von der Idee bis zum ersten Produkt. Während des Programms arbeiten die Fellows gemeinsam im Axel-Springer-Hochhaus und werden von erfahrenen Unternehmern, Investoren und Experten begleitet. Partner wie OpenAI, Vercel, Dash0 und DHL unterstützen sie mit Technologie, Know-how und Mentoring. Gründerszene dokumentiert die gesamte Reise mit Artikeln, Videos und Social-Media-Inhalten – und zeigt hautnah, wie heute die nächste Generation von Startups entsteht. Alle daraus entstehenden Produkte gehören zu Axel Springer.
Seit Dezember letzten Jahres ist er bei dem KI-Konzern, davor war er erster Mitarbeiter beim Fintech Payflows und baute beim deutschen Startup Choco die Büros in Boston und London auf. Seine jetzige Aufgabe bei OpenAI: die vielversprechendsten europäischen Startups finden, die schnell wachsen. Bei diesen soll er dann die Sprachmodelle von OpenAI tief im Produkt verankern.
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De Longvilliers beschreibt seine Tätigkeit so: „Meine Rolle ist die eines Venture Capitalists. Ich identifiziere Startups, die schnell wachsen und viele große Sprachmodelle nutzen.“ Dann verhandle er Verträge und gewähre je nach Vertragsvolumen technische Vorteile – etwa die Anbindung an ein Team von KI-Entwicklungsingenieuren von OpenAI. Dabei unterstütze er nur die Startups, die sowohl strategisch passen als auch ein hohes Nutzungsvolumen mitbringen würden.
Was OpenAI bei Gründern sucht
Worauf OpenAI bei Startups achte, in die es investiere? Für de Longvilliers sei vor allem die Art der Execution – also der Ausführung – und weniger die Idee entscheidend. Er meint im Gespräch mit Gründerszene: „Wir schauen darauf, wie gut ihr euren Markt kennt, wie gut ihr das Problem kennt, und wie schnell ihr erkennt, dass ihr einen Impact haben könnt.“
Wichtig sei dabei laut ihm, dass Gründer besessen von dem Problem seien, das sie lösen wollen. Auch das Produkt früh zu Nutzern zu bringen, statt es monatelang im Stillen zu entwickeln, sei wichtig. Außerdem ergänzt er: „Resilienz ist das A und O. Was die stärksten Gründer unterscheidet, ist die Zeit, die sie brauchen, um sich von schlechten Nachrichten zu erholen.“
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Der Grund: „Bei dem Tempo, in dem die Branche sich bewegt, kann etwas, von dem du heute sicher bist, in einem Monat falsch sein.“ Gründer müssten deswegen anpassungsfähig bleiben – auch bei der Wahl ihrer KI-Modelle. Als er bei OpenAI angefangen habe, seien die eigenen Modelle vielen Aufgaben nicht gewachsen – und Modelle von Anthropic teilweise überlegen gewesen. Heute seien die OpenAI-Modelle laut ihm aber deutlich leistungsfähiger und günstiger zu betreiben. Diese Flexibilität bei Modellen würde er auch Gründern raten.
Europa hat Chancen bei Applied AI
Die Frage, ob man nach San Francisco müsse, um erfolgreich zu sein, beantwortet de Longvilliers klar: „Man muss nicht ins Silicon Valley gehen, um erfolgreich zu sein. Es gibt viele sehr erfolgreiche Geschichten hier in Europa.“
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Der US-Markt sei zwar ein Vorteil – aber Europa habe auch einen eigenen unfairen Vorteil: „Wir haben hier einige der besten Ingenieure, auch im Bereich KI, und sie sind viel günstiger als in den USA.“ Was er damit meint? In San Francisco würden Startups um dieselben Talente wie die großen Tech-Konzerne Google, Meta und Co. konkurrieren. Dies würde zu einem Wettbieten bei Gehältern führen. In Europa gebe es hingegen weniger Konkurrenz um die besten Leute – und oft mehr Loyalität.
Außerdem erklärt de Longvilliers: „Ich glaube fest daran, dass Europa gerade die Chance hat, bei angewandten KI-Layern nicht abgehängt zu werden“. Bei den grundlegenden Modellen liege Europa zwar zurück, die meisten Unternehmen nutzten amerikanische oder chinesische Modelle. „Aber das ist kein Grund, nicht die besten Applied AI Unternehmen aus Europa heraus zu bauen.“
Es kommt auf die Distribution an
Bei dem Stichwort Applied AI kam dann eine Frage auf, die momentan viele Gründer beschäftigt: Wie es um „Wrapper“-Produkte – also eine Funktionserweiterung von großen KI-Modellen – stehe. Seien diese gefährdet, weil sie schnell zu kopieren und austauschbar seien? Nicht unbedingt, meint de Longvilliers. Als Beispiel nennt er die beiden Legal-Tech Startups Harvey und Legora. Diese würden zwar im Kern dieselben generativen Modelle nutzen, seien aber erfolgreich, weil sie sich konsequent auf juristische Daten spezialisiert und ihr Produkt tief in Kanzleien verankert hätten.
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„Wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr einen Wrapper baut, dann ist eines entscheidend: die Distribution“, sagt er. Diese lasse sich von anderen nicht einfach kopieren. Wer eine starke Vertriebsorganisation habe und tief in einer Branche verankert sei, sei schwer zu verdrängen. Deswegen rät er: „Versucht nicht, die Großen frontal zu überholen, sondern eine präzise Nische zu besetzen.“
„Gründerszene sucht die Supergründer“ powered by Dash0, DHL, OpenAI & Vercel.