Künstliche Intelligenz
openDesk: Für wen ist die Community-Version überhaupt gedacht?
Wer Microsoft 365 aus seinem Unternehmen oder seiner Behörde entfernen will, stößt seit den letzten Jahren immer wieder auf openDesk: der Versuch des Bundes, sich aus der Abhängigkeit von Microsoft zu lösen. Hinter dem Projekt steht das ZenDiS (Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung), eine Gesellschaft in staatlichem Eigentum. openDesk macht dabei das – große – Versprechen, eine fast vollwertige Alternative zu M365 zu sein, nur halt souverän, sprich mit deutscher, am besten noch einsehbarer Software, die sich im Fall des Falles nicht per „Kill Switch“ aus den USA abschalten ließe.
Weiterlesen nach der Anzeige
Zur Einordnung: Es handelt sich hier um keine Neuentwicklung, sondern ein Bündel bestehender Open-Source-Programme unter einer gemeinsamen Oberfläche und Nutzerverwaltung. Dazu gehören Nextcloud für Dateien, Open-Xchange für Mail und Kalender, Collabora Online für die Dokumentbearbeitung, Element für Chat und Videokonferenzen, OpenProject, XWiki, CryptPad, Jitsi sowie Univention Nubus als Identitätsverwaltung. Und es erscheint in zwei Varianten: der Community Edition (CE) und der Enterprise Edition. Der Unterschied klingt erstmal nach Budget, denn die Community-Version könnte man laut openDesk selbst aufsetzen, selbst betreiben und dabei die volle Kontrolle über die Daten behalten. Kein Vendor-Lock-in, kein Abo, alles machbar.

heise sammelt Erfahrungsberichte und Stimmungsbilder zum Einsatz von openDesk, um zu beleuchten, wie sich openDesk im echten Betrieb schlägt. Verfügen Sie über Praxiserfahrung? Dann schreiben Sie doch einfach der Redaktion – gerne auch anonymisiert – unter fo@ix oder kki@ix. Wir behandeln selbstverständlich alle Zusendungen vertraulich.
Betreiben Sie openDesk selbst – Community oder Enterprise, On-Premises oder als SaaS? Wie läuft der Alltag mit dem Kubernetes-Unterbau, mit Patches, mit der Nutzerverwaltung über Nubus? Verantworten Sie openDesk in einer öffentlichen Behörde? Haben über openDesk in Betracht gezogen – und sich dagegen entschieden?
Was bringt die Enterprise Edition?
Und auf dem Papier deckt die Community Edition auch die Kernfunktionen ab, die eine Behörde oder ein Unternehmen von einer Office-Umgebung erwartet. Für einen Test, ein Pilotprojekt oder eine kleine Einheit mit eigenem IT-Know-how ist das ein tragfähiger Einstieg. Und was bringt nun die Enterprise Edition, wenn doch schon alles mit Admin-Muskelkraft, aber dafür ohne Vertragskosten läuft?
Die Enterprise Edition nutzt dieselbe Grundarchitektur, ergänzt sie aber an mehreren Stellen um Komponenten, die für den Produktivbetrieb gedacht sind – Hochverfügbarkeit, zentrale Administration, Support und Sicherheitspatches als eingebauter, vertraglich zugesicherter Bestandteil statt als Eigenleistung. ZenDiS empfiehlt sie ausdrücklich für den produktiven Einsatz – als Richtwert werden Organisationen ab rund 500 Mitarbeitern genannt – weil sie Support und Sicherheitspatches für die enthaltenen Produktabonnements mitbringt.
Patches
Und Sicherheitspatches, die hätte man ja wirklich ganz gerne. Genau hier liegt ein zentraler Unterschied: Die Enterprise-Security-Patches für Nextcloud stammen aus Nextcloud Enterprise. Die CE bekommt sie nicht als supporteten, priorisierten Kanal, sondern ist auf die öffentliche Community-Version angewiesen, in der Fixes teils gar nicht oder erst später ankommen. Dazu kommt die Guard-App, die öffentlich nicht verfügbar ist und Leistung sowie Stabilität der Nextcloud-Server überwacht
Weiterlesen nach der Anzeige
Eine Admin-Übersicht zeigt Informationen zur Cloud, etwa Synchronisationsprobleme, veraltete Clients, volle Speicherkontingente, Nutzer ohne Zwei-Faktor-Authentifizierung, unsichere Passwörter, den Status der LDAP-Serververbindung sowie eine Übersicht, wer von wo auf Nextcloud zugreift und welche Freigabelinks bestehen. Das lässt sich mit der CE zwar prinzipiell nachbilden, aber eben nicht als fertig integriertes Paket – das muss man dann schon selbst zusammenbauen. Nextcloud Enterprise stellt Patches und Sicherheitsinformationen außerdem vorab bereit.
Und auch beim Mailsystem trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Die Community Edition nutzt das quelloffene Dovecot in der Version 2. Die Enterprise Edition setzt Dovecot Pro in Version 3 ein, erweitert um Module für Clustering, einen Cluster-Controller und S3-Anbindung. Ein einzelner Dovecot-Server aus der Community Edition trägt zwar auch viele tausend Postfächer – wäre nur schade, wenn der gewartet werden muss oder ausfällt.
Redundanz ist also praktisch unverzichtbar, und die liefert Dovecot Pro mit seiner Palomar-Architektur, die skalierbare und ausfallsichere Cluster bietet. Dank des zustandslosen Designs soll jede einzelne Komponente ausfallen können, für Wartung offline genommen oder aktualisiert werden, ohne die Gesamtverfügbarkeit zu beeinträchtigen. Wartung und Updates sind so ohne Downtime möglich.
Community-Dovecot lässt sich theoretisch auf mehrere Knoten ummodeln, unterstützt dann aber keine Cluster-Funktionen. Admins müssten sich dem mit Funktions- und Lasttests Marke Eigenbau annähern. Hochverfügbarkeit und Standortredundanz kommen also nur in der Enterprise Edition als integrierten, supporteten Bestandteil – wer sie ohne haben möchte, muss sie selbst konzipieren, aufbauen und im Betrieb verantworten, inklusive der Frage, wie ein einzelner Server überhaupt ohne Ausfallzeit gepatcht werden soll.
Kommunikation
Für die Kommunikationsplattform Element gibt es in der Enterprise Edition Verwaltungswerkzeuge, darunter AdminBot, GroupSync und die Admin Console. Denn so löblich es ist, dass mit Matrix ein offenes Protokoll hinter Element steht: Die Administration ist anspruchsvoll. Matrix erzeugt zunächst dezentrale Räume, und deren Föderations- und Berechtigungslogik will beherrscht werden.
In Matrix erhält außerdem zunächst der Raum-Ersteller die höchste Berechtigungsstufe (Power Level). Homeserver-Admins können unter bestimmten Voraussetzungen administrative Kontrolle über lokale Räume wiederherstellen – bei Ende-zu-Ende-Verschlüsselung können sie deren Inhalte aber nicht einfach entschlüsseln. Der Server kann die in einem solchen Raum gesendeten Nachrichten nicht lesen, und auch die dort geteilten Dateien bleiben für den Homeserver unlesbar. Der Serverbetrieb allein verschafft also weder automatisch Moderationsrechte noch Leseeinblick in verschlüsselte Räume.
Rechteverwaltung
GroupSync bildet den Verzeichnisdienst der Organisation – höchstwahrscheinlich Active Directory oder LDAP – auf die Rechtestruktur in Element ab und regelt Ein- und Austritte sowie Wechsel automatisch. Ohne GroupSync lassen sich Nutzer, Räume und Rechte durchaus manuell anlegen und verwalten – man muss dann aber jeden Personalvorgang händisch nachziehen. Neue Beschäftigte muss man einzeln den richtigen Räumen zuordnen, Abteilungswechsel manuell umhängen und ausscheidende Personen manuell entfernen. Das ist bei zweistelligen Mitarbeiterzahlen vielleicht noch machbar, aber kaum mehr im Hunderter- oder Tausenderbereich. Erst GroupSync macht daraus ein automatisches Provisioning und Deprovisioning entlang des Personalverzeichnisses. Das verhindert dann auch, dass ein längst ausgeschiedener Mitarbeiter noch in sensiblen Räumen sitzt.
Ohne den AdminBot käme zu den Adminaufgaben außerdem die Kontrolle der Räume hinzu, die andernfalls nach dem Verlassen verwaisen und mit ihren Inhalten einfach auf dem System liegen bleiben. Die grafische Oberfläche dafür – die Admin Console – ist hier auch mehr als Komfort: Fällt sie weg, verlagert sich jede Berechtigungsänderung, jede Raum-Recherche und jeder Nachweis in selbstgeschriebene Skripte und direkte API-Aufrufe. Wer prüfen will, welche Räume existieren, wer worin welche Rechte hat oder wann welche Änderung erfolgte, muss sich also wieder auf Marke Eigenbau verlassen. Das ist im besten Fall umständlich, im schlechtesten Fall lassen sich Auflagen zur Revisionssicherheit so schlicht nicht sauber einhalten.
Ehrlich gemacht: Ohne Enterprise Edition geht‘s nicht
Eine Behörde haftet für ihre Systeme und schuldet der Aufsicht Rechenschaft. Verspätete Patches sind für sie ein Verstoß gegen ihre Sorgfaltspflicht. Unternehmen müssen hier ihre Risikobereitschaft ausloten, Mitleid gibt es aber keins, und eventuelle Versicherungen werden im Schadensfall genau nachschauen. Und wer nicht zufällig einen Überschuss an unausgelasteten Admins im Haus hat, kommt um – essentielle – Funktionen wie zentrale Rechte- und Lastverwaltung kaum herum.
Es ist natürlich keine Überraschung, dass man für den Enterprise-Betrieb die Enterprise Edition braucht. Der Name sagt es bereits, und das ZenDiS schreibt selbst, dass man sie für den Produktivbetrieb empfiehlt. Für den ernsthaften Verwaltungsbetrieb ist die Community Edition ohne eigenes Plattformteam oder Dienstleister deshalb ein riskanter Weg. Für wen ist sie dann gedacht? Die ehrliche Antwort lautet wohl: für Erprobung, Machbarkeitsstudien und winzige Einheiten mit eigener IT-Kompetenz, die den Betrieb selbst schultern. Das ist insofern schade, weil es gerade die Community Edition ist, die mit völliger Einsehbarkeit des Codes wirbt, mit der Unabhängigkeit, sie selbst zu betreiben – und damit eigentlich mit dem, wofür digitale Souveränität steht.
Apropos Souveränität: Die Wahl der Edition ist nur die halbe Entscheidung. openDesk ist kein Programm, das man auf einen Server spielt, sondern eine Sammlung von Container-Images. Es ist als On-Premises- oder als SaaS-Angebot erhältlich und läuft ausschließlich auf Kubernetes. Das verlangt eine Mannschaft, die einen Kubernetes-Cluster im Produktivbetrieb beherrscht, rund um die Uhr, mit Bereitschaft und Vertretung. Solche Fachkräfte sind knapp und teuer. Hinzu kommt, dass die Auslieferung nicht produktionsreif ist. Datenbanken und Objektspeicher liegen nur zu Evaluationszwecken bei und müssen von der Behörde selbst produktionstauglich bereitgestellt werden.
Wer keine Kubernetes-Administratoren einstellen will, wählt also SaaS. Dann betreibt ein Anbieter die Plattform samt Cluster, und die Behörde nutzt nur den Browser. Für einen Zeitraum von zunächst zwei Jahren wird die B1 Systems GmbH die Weiterentwicklung koordinieren sowie Service und Wartung übernehmen. Dabei arbeitet der Dienstleister eng mit StackIT zusammen, dem Cloud-Provider der Schwarz Gruppe, aus dessen souveränen Rechenzentren openDesk als Software-as-a-Service angeboten wird. Man hängt also schon noch an einem Anbieter, weil man es selbst schlicht nicht stemmen kann – so völlig souverän klingt das ja nun auch nicht. Immerhin: Der sitzt dann in Europa.
(kki)
Künstliche Intelligenz
Ruf nach KI-Drossel: Börsen reagieren negativ, Trump winkt ab, Lob von Forschern
Nachdem sich führende KI-Unternehmen aus den USA am Wochenende dafür ausgesprochen haben, das Entwicklungstempo bei besonders leistungsfähigen KI-Modellen zu drosseln, haben die ersten Börsen in Asien mit Kursverlusten reagiert. Gleichzeitig gibt es aus der Wissenschaft Zustimmung für das Ansinnen – und Kritik von US-Präsident Donald Trump. Derweil ist weiterhin vollkommen unklar, ob dem Plädoyer konkrete Maßnahmen folgen. Anthropic-Chef Dario Amodei hatte zuvor eine koordinierte Pause vorgeschlagen, die der Branche ein bis zwei Jahre Zeit verschaffen soll, um Sicherheitsrisiken besser zu verstehen und einzudämmen. Binnen Stunden bekam er dafür Zuspruch von Rivalen wie OpenAI-Chef Sam Altman und Tech-Milliardär Elon Musk.
Weiterlesen nach der Anzeige
Ganz unterschiedliche Reaktionen
Am Montag reagierten Aktien von Unternehmen mit Bezug zur KI-Industrie mit teils deutlichen Verlusten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. So ging es für den OpenAI-Investor SoftBank um zwischenzeitlich mehr als 13 Prozent nach unten, der Kurs des Speicherherstellers Kioxia sackte vorübergehend um fast 10 Prozent ab. SK Hynix, Samsung und andere Konzerne verloren jeweils mehrere Prozent. Vor dem Verkaufsdruck war als Reaktion auf die Kommentare vom Wochenende von mindestens einem einflussreichen Analysten gewarnt worden, schreibt die Nachrichtenagentur noch. Sie verweist aber auch darauf, dass auch Entwicklungen im Nahen Osten die Kurse drücken dürften. Dort gibt es Sorgen um die nächste wichtige Handelsroute im Roten Meer.
Vorher hatte US-Präsident Donald Trump die Sorgen aus der Branche heruntergespielt. Die USA seien China bei KI weit voraus und führend in der Welt, weil der Erfolg bei KI essenziell für die Zukunft sei, sagte Trump laut der Nachrichtenagentur dpa am Rande seines Besuchs in Irland. Man könne die Technologie mit Leitplanken versehen. Zugleich sprach Trump von „negativen Kräften“, die sich zu dem Thema äußerten. Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett nannte KI-Sicherheit demnach ein „lösbares Problem“ – bewertete die Vorschläge von Amodei aber positiv. Sie seien „ein guter Schritt vorwärts“, sagte er beim Sender Fox News. Die oppositionellen Demokraten rief Ex-Präsident Barack Obama auf, politische Strategien zu entwickeln, um diesem Thema Priorität einzuräumen.
KI-Forscher aus Deutschland haben den Vorstoß von Amodei gegenüber dem Science Media Center begrüßt. „Besonders die Konstruktion von unabhängigen Kontrollinstanzen und externen Prüfstellen finde ich sinnvoll“, meint Jonas Geiping vom Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme. „Die Richtung stimmt“, aber an der Umsetzung habe er Zweifel, ergänzt Thilo Hagendorff von der Universität Stuttgart.
Immerhin knüpfe Amodei sein Konzept an die Bedingung, dass die USA ihren Vorsprung vor China ausbauen: „Ein nationales KI-Wettrüsten und eine koordinierte Verlangsamung passen aber schlecht zusammen.“ Zudem gebe es viel zu wenig KI-Sicherheitsforschung. Kritik übt Philipp Hennig von der Eberhard Karls Universität Tübingen an der Geheimniskrämerei: „Wenn Amodei […] wirklich Sorgen um die Sicherheit des Internets, der globalen Wirtschaft oder gar des Menschheitsüberlebens hat, dann stehen ihm konkretere Optionen offen als die nebulöse Bitte um ‚demokratische und globale Koordination‘“, meint er.
Die Behauptung, dass es eine zehnprozentige Wahrscheinlichkeit gebe, dass KI die Menschheit auslöschen könnte, sehen die Forscher skeptisch. Geiping rät aber dazu, überzeugte Aussagen dazu aus beiden Richtungen mit Vorsicht zu genießen. Damit meint er Einschätzungen, dass es sich um pure Marketingtaktik der Firmen handelt und die Gefahr bei null Prozent liege, aber auch solche, die besagen, dass leistungsfähige KI zwangsläufig zur Apokalypse führt. Hagendorff ergänzt, dass die Prozentzahl scheinpräzise sei. Es gebe kein Verfahren, diese Wahrscheinlichkeit zu ermitteln, „die Zahl klingt nach Messung, ist aber ein spekulatives Bauchgefühl“. Sie war von dem Anthropic-Forscher Evan Hubinger in die Welt gesetzt worden.
Weiterlesen nach der Anzeige
(mho)
Künstliche Intelligenz
iCloud-Verschlüsselung: US-Politiker fordern Ende der britischen Geheimhaltung
Der Konflikt zwischen der britischen Regierung und dem Tech-Riesen Apple wegen des Zugriffs auf verschlüsselte Nutzerdaten belastet die diplomatischen Beziehungen zwischen London und Washington. In einem ungewöhnlich scharfen Brief fordern der demokratische US-Senator Ron Wyden und der republikanische Kongressabgeordnete Warren Davidson das britische Sondergericht für Sicherheitsbehörden zu mehr Transparenz auf. Die Politiker werfen dem britischen Innenministerium vor, mit extremen Geheimhaltungsvorschriften die verfassungsmäßige Kontrollfunktion des US-Kongresses zu untergraben und so das Verhältnis der beiden verbündeten Nationen unnötig zu verschlechtern.
Weiterlesen nach der Anzeige
Der Ursprung der Auseinandersetzung reicht bis Anfang 2025 zurück, als das britische Innenministerium Apple auf Basis des umstrittenen Investigatory Powers Act eine „technische Befähigungsanordnung“ zustellte. Die Behörden verlangten von dem US-Konzern einen Mechanismus, mit dem verschlüsselte iCloud-Backups weltweit aufgedeckt werden könnten.
Apple reagierte rasch und zog im Folgemonat seine Funktion Advanced Data Protection (ADP) und die damit verbundene Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für britische Nutzer zurück. Zugleich reichte das Unternehmen Beschwerde beim Investigatory Powers Tribunal (IPT) ein. Diese erste Klage verpuffte rechtlich aber, nachdem das Innenministerium die ursprüngliche Anordnung zurückzog und durch eine engere Anweisung ersetzte, die sich nur auf die Daten britischer Nutzer bezog.
Neuer Anlauf vor dem Geheimgericht
Im August legte Apple nach und reichte eine neue Beschwerde bei dem Geheimgericht ein. Darin stellt der iPhone-Bauer die Befugnis der britischen Regierung infrage, überhaupt derartige globale oder weitreichende Überwachungsanordnungen auszusprechen und es auch auf iCloud-Backups in unverschlüsselter Form abzusehen. Für diesen Monat ist eine entscheidende Anhörung zur Verfahrensführung angesetzt, weiß der Guardian. Auf diese Sitzung zielt der Brief der US-Politiker.
Bereits 2025 hatten Wyden und Davidson zusammen mit weiteren Abgeordneten das Gericht aufgefordert, das Verfahren öffentlich zu führen. Die damalige Intervention zeigte Wirkung: Wenige Wochen später lehnte das Tribunal den Antrag der Regierung ab, den Fall komplett geheim zu halten. Es entschied, dass zumindest die Grundzüge der Klage und die Namen der Parteien im Sinne einer transparenten Justiz veröffentlicht werden dürfen.
Der neue Vorstoß aus den USA hinterfragt wiederum die Verfahrensführung. Apple hatte den US-Kongress darüber informiert, dass das britische Innenressort ihm zwar erlaubt habe, die Spitze des US-Justizministeriums und dessen Stab über technische Details zu informieren. Für das gewählte Parlament in Washington bestehe dagegen weiter eine weitgehende Auskunftssperre.
Weiterlesen nach der Anzeige
Maulkorberlass geht gar nicht
Wyden und Davidson sehen darin einen unhaltbaren Übergriff. Es sei völlig unangemessen, dass eine ausländische Exekutive versuche, die Gewaltenteilung innerhalb der US-Regierung zu missbrauchen oder Geheimhaltungsanordnungen zu nutzen, um die verfassungsmäßigen Rechte des Kongresses auszuhebeln.
In ihrem Schreiben argumentiert das Duo auch mit britischer Verfassungstradition. Schon im 18. Jahrhundert habe William Pitt der Ältere das Parlament als oberstes Untersuchungsorgan der Nation bezeichnet. Kein Kabinett dürfe seine Entscheidungen der parlamentarischen Kontrolle entziehen. Die britische Regierung könne nicht zu Hause die parlamentarische Aufsicht loben und gleichzeitig auf Maulkörbe setzen, um die verfassungsmäßige Autorität des US-Kongresses zu beschneiden.
Ferner warnen die Politiker vor den Gefahren einer Aufweichung von Verschlüsselung: Das Schwächen von Sicherheitsarchitekturen schaffe kritische Einfallstore, die von feindlichen Staaten ausgenutzt werden könnten. Der Kongress werde beim Erfüllen seiner Pflicht zur Abwehr nationaler Sicherheitsrisiken eingeschränkt, wenn ausländische Knebelerlasse verhinderten, dass Tech-Konzerne Rede und Antwort stehen.
Lesen Sie auch
(nie)
Künstliche Intelligenz
Waymo-Robotaxi ruft Polizei nach Erkennung einer Waffe bei jugendlichen Kunden
In San Francisco sind kürzlich zwei Robotaxi-Mitfahrer verhaftet worden, nachdem das autonome Fahrzeug eine Waffe bei diesen erkannt hat. Offenbar haben zwei Jugendliche im Auto mit einem Sturmgewehr hantiert, sodass das Robotaxi auf den Seitenstreifen gefahren und die Polizei verständigt hat. Diese hat eine laut Polizeibericht „Verkehrskontrolle mit hohem Gefährdungspotenzial“ durchgeführt und die beiden Passagiere verhaftet.
Weiterlesen nach der Anzeige
Denn bei dem Sturmgewehr handelte es sich um eine illegale „Geisterwaffe“, selbst hergestellt und ohne Seriennummer. Seit 2022 geht die US-Regierung gegen Geisterwaffen vor, etwa Schusswaffen aus 3D-Druckern, da diese aufgrund fehlender Registrierung kaum nachzuverfolgen sind. Ende 2024 wurde ein US-Versicherungschef mit einer Tatwaffe ermordet, die laut Polizei teils aus dem 3D-Drucker kam.
Jugendliche mit illegaler Geisterwaffe im Robotaxi
Das hat sich bei den beiden Robotaxi-Passagieren allerdings erst im Nachhinein herausgestellt. Laut bei Facebook von der Polizeidienststelle in San Francisco veröffentlichtem Bericht wurden die Beamten am 3. September um kurz vor 4 Uhr nachts über zwei Mitfahrer eines autonomen Fahrzeugs informiert, die eine Waffe tragen würden. Bei dem Zugriff wurde ein geladenes Sturmgewehr sichergestellt, bei dem es sich um eine Geisterwaffe handelte. Zudem wurden bei der Durchsuchung der beiden Jugendlichen, einer männlichen und weiblichen Person, vermutetes Marihuana und Pfefferspray gefunden.
Die Polizei hat den Betreiber des Robotaxis nicht namentlich genannt, aber laut Los Angeles Times handelte es sich um Waymo. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte dies der Zeitung. Das Fahrzeug habe angehalten, weil ein „Verstoß gegen unsere Nutzungsbedingungen unter Verwendung einer Schusswaffe“ festgestellt wurde, erklärte der Waymo-Sprecher. Das Unternehmen verständigte die Behörden und arbeitet demnach vollumfänglich mit der Polizei zusammen.
Kameraüberwachung und KI-Training bei Waymo
Weiterlesen nach der Anzeige
Waymo-Robotaxis verfügen über Innenraumkameras, die vorwiegend dazu dienen, dass die Fahrgastregeln eingehalten werden, etwa die Anschnallpflicht. Auch können damit verlorene Gegenstände wiedergefunden und die Sauberkeit des Fahrzeugs kontrolliert werden. Laut Waymo werden die Kameras nicht durchgehend von Mitarbeitern beobachtet, die Aufnahmen laufen im Hintergrund. Sollte es jedoch zu Vorfällen kommen, werden die Aufzeichnungen zu Überprüfungen herangezogen.
Allerdings nutzt das Waymo-System auch künstliche Intelligenz bei der Innenraumüberwachung und so wurde wohl auch die Schusswaffe erkannt. Diese KI wird mit bisherigem Videomaterial trainiert. In Staaten mit strengen Datenschutzgesetzen wie etwa Kalifornien können Fahrgäste der Nutzung eigener Videoaufnahmen und Daten für das KI-Training aber auch widersprechen. Das dürfte auch in Deutschland möglich sein, wenn Waymo Ende 2027 den Betrieb in München aufnimmt.
Lesen Sie auch
(fds)
-
Entwicklung & Codevor 2 MonatenKommentar: KI-Verbote in Open-Source-Projekten können KI nicht stoppen
-
UX/UI & Webdesignvor 2 MonatenRegional & mit Gefühl: Identity für Klimafonds Baden-Württemberg › PAGE online
-
UX/UI & Webdesignvor 2 MonatenVom Scribble zur Sammelkarte: Kreativer KI-Workflow mit Adobe Photoshop, Illustrator und Firefly Boards › PAGE online
-
Datenschutz & Sicherheitvor 2 MonatenKommentar: OpenAI – KI-Sicherheit nur ein Marketing-Gag?
-
Online Marketing & SEOvor 2 MonatenGoogle Unternehmensprofil optimieren ► Anleitung & Tipps
-
Künstliche Intelligenzvor 3 Monaten
Top 10: Der beste ergonomische Bürostuhl im Test – Herman Miller vor Flexispot
-
Künstliche Intelligenzvor 3 Monaten
Top 10: Der beste Saugroboter mit Wischfunktion im Test – Testsieger Roborock
-
UX/UI & Webdesignvor 3 MonatenSchriftfamilie Mainboard: Technisch und windschnittig › PAGE online
