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Datenschutz & Sicherheit

PayPal sammelt die sexuellen Vorlieben von Kunden


Mit Paypal kann man jetzt auch in Geschäften zahlen – und sogar auf dem Flohmarkt, wie Schauspieler Will Ferrell in einer Werbekampagne zeigt. In der deutschen Version sagt er zu einem kleinen Jungen, der ihn beim Kauf einer Actionfigur über den Tisch zieht: „Wenigstens meine Daten sind sicher vor euch Abzockern.“ Doch die Aussage ist nicht wahr.

Die Finanztransaktionsplattform PayPal positioniert sich in einer Werbekampagne als Alternative zum Bargeld. Dabei gibt es einen drastischen Unterschied zwischen beiden Zahlungsmitteln. Bargeld wird zwar auch getrackt, aber die Daten, die Paypal erhebt – und an Werbetreibende verkauft – sind viel umfassender als nur die Info, welche Summe von wo nach wo wandert.

Das Netzwerk Datenschutzexpertise hat die Datenschutzpraxis von Paypal im Rahmen eines juristischen Gutachtens untersucht und kommt zu einem vernichtenden Ergebnis. Das Unternehmen erfasst, was du zu welchem Preis kaufst, von welchem Unternehmen du es erwirbst, und wohin du es liefern lässt. Es speichert Standortdaten, die Liste der Apps auf deinem Telefon, welches Gerät und welchen Browser du benutzt und welche Websites du besuchst.

PayPal speichert teils sogar die sexuelle Orientierung

Das Unternehmen erlaubt sich laut Datenschutzerklärung auch, deinen Fingerabdruck zu erfassen, dein Einkommen, deine Telefon- und Steuernummer, deinen Beruf, dein Alter, dein Geschlecht, deine Kreditwürdigkeit und deine finanzielle Situation. In dem Datensatz, den der Konzern über dich anlegt, sind – so die Datenschutzerklärung – womöglich auch religiöse Überzeugungen, politische oder philosophische Ansichten, Behinderungen und die sexuelle Orientierung vermerkt, sowie „Daten aus den von Ihnen verknüpften Drittkonten“.

PayPal kann laut dem Gutachten extrem sensible Informationen sammeln, weil auch Zahlungen an Gesundheitseinrichtungen oder Anwält*innen, sowie Spenden an politische Parteien und religiöse Institutionen über die Plattform abgewickelt werden. PayPal speichert die Daten, so lange das Konto existiert und zehn Jahre darüber hinaus.

Seit dem Frühjahr ist PayPal auch im Werbe-Business

Paypal ist im Internet das populärste Zahlungsmittel. Im Frühjahr 2025 – kurz vor dem Start der Webekampagne mit Will Ferrell – ist der Konzern auch ins Werbegeschäft eingestiegen. Er nutzt dabei Zahlungsdaten, um Werbung zu personalisieren.

Das Netzwerk Datenschutzexpertise schreibt in seinem Gutachten: „Die hohe Aussagekraft der Finanztransaktionsdaten begründet ein hohes Nutzungs- und auch ein hohes Missbrauchspotenzial“. So sei damit beispielsweise manipulative Werbung möglich und auch eine diskriminierende Preisgestaltung.

Dabei muss Zahlungsverkehr in Deutschland und Europa eigentlich anonym ablaufen. Ausnahmen von der Regel sind nur erlaubt, wenn sie eindeutig nötig und gut begründet sind.

PayPal speichert sensible Daten ohne explizite Einwilligung

Laut des Gutachtens informiert PayPal seine Kund*innen nicht hinreichend darüber, wofür, an wen und auf welcher Rechtsgrundlage Daten weitergegeben werden und speichert die Daten unerlaubt lange. Zudem geht das Unternehmen davon aus, dass Menschen mit der Nutzung des Dienstes in die Datenverarbeitung einwilligen. Dabei muss diese Einwilligung – spätestens, wenn es um sensitive Daten, Marketing- und Werbezwecke oder die Weitergabe von Daten geht – tatsächlich bewusst, informiert, genau definiert und unabhängig von der Verfügbarkeit des Dienstes gegeben werden, um rechtmäßig zu sein. Die Kund*innen müssen wissen, wozu sie da eigentlich zustimmen.

Der Konzern bietet Unternehmen die personenbezogenen Informationen laut dem Gutachten in aggregierter Form an. Die Firmen können dann über PayPal auf Webseiten, Apps und Smart-TVs Werbung platzieren, die angeblich die Zielgruppe sehr genau erreicht. Auch der direkte Verkauf der Daten an Werbefirmen war zumindest mal geplant. Über die aktuelle Umsetzung dieses Projekts in Europa ist dem Netzwerk Datenschutzexpertise nichts bekannt.

Einen Teil der Informationen sammelt PayPal angeblich, um betrügerische Kontozugriffe zu verhindern. Im August 2025 waren die Anmeldedaten zu 15 Millionen PayPal-Konten im Darknet aufgetaucht, woraufhin die Zahl der Betrugsversuche massiv in die Höhe ging.

Die Liste der Datenempfänger umfasst 600 Unternehmen

PayPal behält sich vor, die erfassten Daten weiterzugeben, beispielsweise an Behörden, andere Finanzinstitute, Inkassobüros, Auftragsverarbeiter und Partnerunternehmen. Eine Liste mit möglichen Datenempfängern umfasst 600 Firmen aus vielen Staaten der Welt.



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Die Datenschutzerklärung, die 7.000 Wörter umfasst, lässt „nicht erkennen, mit welchen Daten auf welcher Rechtsgrundlage welche Zwecke verfolgt werden“, so das Netzwerk Datenschutzanalyse. Problematisch sei, dass sowohl die Kategorien der Daten als auch die Arten der Verarbeitung nur beispielhaft und nicht abschließend aufgeführt werden.

Auch die AGB seien ausgesprochen nutzerunfreundlich. Sie umfassen 17 Dokumente, wobei für Kund*innen nicht ersichtlich sei, welche für sie relevant sind. Hinzu kommen 20.000 Wörter Nutzungsbedingungen ohne Inhaltsverzeichnis. Mit der Eröffnung eines Kontos erklären sich Nutzer*innen mit all diesen Bedingungen einverstanden.

So widerspricht man der Datennutzung zu Werbezwecken

Die Nutzung der Daten zu Werbezwecken ist in PayPal-Konten voreingestellt. Wer das abschalten möchte, muss auf der Website erst auf „Daten und Datenschutz“ und dann auf „personalisierte Angebote und Werbung“ klicken. Dort lässt sich ein Regler zwischen einem grauen und einem schwarzen Feld hin- und herbewegen. Dass die rechte, schwarz hinterlegte Option die datenschutzfreundliche ist, wird nicht erklärt. Der mögliche Opt-Out steht im Widerspruch zur Datenschutzgrundverordnung, wonach die Voreinstellung eine möglichst geringe Datenverarbeitung („Privacy by Default“) vorsehen muss.

Als besonders problematisch sieht das Netzwerk Datenschutzexpertise, dass die personenbezogenen Daten auch nach außerhalb der EU übermittelt werden. Der Hauptsitz von PayPal ist in den USA, dort sind die Daten deutlich schlechter geschützt als in Europa. Zudem ist das Unternehmen gezwungen, Daten an US-Behörden herauszugeben, wenn diese sie anfordern.

Die Datenschutzexpert*innen sehen ihre Analyse der Datenschutzpraxis von PayPal nur als exemplarischen Fall. „Es ist zu vermuten, dass die bei PayPal festgestellten Mängel in ähnlicher Form bei anderen Unternehmen in diesem Bereich bestehen“, schreiben sie. BigTech-Unternehmen würden zunehmend versuchen, auf Finanztransaktionsdaten zuzugreifen, um diese mit Daten aus anderen Anwendungen zu kombinieren und kommerziell zu nutzen. Deshalb fordern die Datenschutz-Expert*innen, die Nutzung von Finanzdaten für Werbezwecke generell zu verbieten.

Laut Heise Online prüft Paypal das Gutachten derzeit. Es lässt sich wie folgt zitieren: „Die Einhaltung der EU-Datenschutzanforderungen ist für uns sowohl für die Entwicklung als auch den Betrieb unserer Produkte von zentraler Bedeutung, um ein qualitativ hochwertiges Erlebnis und Sicherheit im Zahlungsverkehr für unsere Kund:innen sicherzustellen.“



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Datenschutz & Sicherheit

Nike prüft möglichen Cyberangriff | heise online


Nike untersucht einen möglichen Datenabfluss, nachdem die Erpressergruppe WorldLeaks behauptet hat, eine gewaltige Menge interner Daten des US-amerikanischen Sportartikelherstellers gestohlen und teilweise veröffentlicht zu haben. Bei dem Cyberangriff sollen persönliche und geschäftliche Daten entwendet worden sein.

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„Wir nehmen den Schutz der Privatsphäre unserer Kunden und die Datensicherheit stets sehr ernst“, erklärte Nike am Montag in einer Stellungnahme. „Wir untersuchen einen möglichen Vorfall im Bereich der Cybersicherheit und bewerten die Situation aktiv.“

Die Cyberattacke war am 22. Januar bekannt geworden. Verantwortlich soll die Ransomware-Gruppe WorldLeaks sein. Diese betreibt gezielt Datendiebstahl mittels kompromittierter Webseiten, Phishing-Mails und ungesicherter VPN-Zugänge, um anschließend Unternehmen zu erpressen. Mehr als 100 Unternehmen sollen bereits Opfer der Gruppe geworden sein, darunter der Computerhersteller Dell. Die Gruppe soll eine Umbenennung von Hunters International sein, einer Ransomware-Bande, die seit 2023 aktiv ist.

World Leaks erklärte, 1,4 Terabyte (TB) an Daten im Zusammenhang mit den Geschäftsaktivitäten von Nike veröffentlicht zu haben. In einer Liste, die das Webportal The Register eingesehen hat, behauptet die Cybercrime-Gruppe, 188.347 Dateien aus den Systemen des Unternehmens gestohlen zu haben. Die veröffentlichten Dateinamen deuteten eher auf Design- und Fertigungsabläufe als auf Kundendatenbanken hin, so The Register weiter. Beispiele hierfür seien Verzeichnisse mit den Bezeichnungen „Women’s Sportswear“ (Sportbekleidung für Frauen), „Men’s Sportswear“ (Sportbekleidung für Männer), „Training Resource – Factory“ (Schulungsressourcen – Fabrik) und „Garment Making Process“ (Bekleidungsherstellungsprozess). Das deute auf Dateien aus den Bereichen Produktentwicklung und Produktionsprozesse hin. Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass Kunden- oder Mitarbeiterdaten betroffen sind.

Allerdings verliert kein Unternehmen gern interne Informationen wie Designs, Schulungsunterlagen und Prozessdokumentationen. Laut dem Onlineportal it-daily befinden sich unter den gestohlenen Informationen Details zur geplanten SP27-Kollektion der Nike-Marke Jordan Brand. WorldLeaks erklärte demnach, Zugriff auf technische Produktspezifikationen, Materiallisten sowie Designentwürfe und Prototypen aus verschiedenen Produktzyklen erlangt zu haben. Zudem sollen sensible Informationen zur Fertigung kompromittiert worden sein, darunter Unterlagen zu Qualitätsprüfungen in Produktionsstätten, Angaben zu Zulieferern sowie Dokumentationen zu Herstellungsverfahren.

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Laut The Register machen „die unübersichtlichen globalen Lieferketten und der stetige Strom neuer Designs, die zwischen den Partnern hin- und herwandern“, Mode- und Sportbekleidungsunternehmen zu einem beliebten Ziel für Cyberkriminelle. Diese müssten keine Kundendatenbanken erbeuten, um Schaden anzurichten.

Gerade erst ist ein anderes US-amerikanisches Sportbekleidungsunternehmen Opfer eines Cyberangriffs geworden. Eine Ransomware-Bande drang bei Under Armour ein und entwendete massenhaft Daten. In der vergangenen Woche tauchten 72,7 Millionen Datensätze bei Have I Been Pwned auf, darunter Namen, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten, Geschlecht, geografische Standorte und Kaufinformationen.


(akn)



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Datenschutz & Sicherheit

EU-Kommission leitet Untersuchung gegen Grok und X ein



Am Montagmittag hat die EU-Kommission ein weiteres Verfahren gegen den Kurznachrichtendienst X eingeleitet. Dabei will sie prüfen, ob das eng mit dem KI-Chatbot Grok verzahnte soziale Netzwerk gegen den Digital Services Act (DSA) verstoßen hat. Der Kommission zufolge ist unklar, ob der Online-Dienst vor dem Ausrollen des Produkts damit verbundene Risiken untersucht hat.

Musks Plattform X ist mit dem integrierten KI-Chatbot zuletzt stark in die Kritik geraten, nachdem dieser auf Nachfrage von Nutzer*innen ungefiltert sexualisierte Bilder von Frauen und Kindern auf X veröffentlicht hat.

Nachdem X lange untätig blieb, hatte das Unternehmen am 9. Januar angekündigt, die Funktion zahlenden Nutzer*innen vorzubehalten. Am 14. Januar kündigte X dann weitere technische Maßnahmen an und schränkte die pornografische Bildgenerierungsfunktion nach eigenen Angaben für alle Nutzer*innen ein. Für andere Zwecke soll das Bildfeature jetzt nur noch zahlenden X-Nutzer*innen offen stehen.

Erst am vergangenen Dienstag hatte das EU-Parlament über KI-Deepfakes in sozialen Medien debattiert. Kurz danach haben mehr als fünfzig Abgeordnete in einem Brief die EU-Kommission zu konsequenterem Vorgehen im Falle Grok aufgefordert.

X muss Nachweise liefern

Nun muss die Plattform vor der EU-Kommission Rechenschaft ablegen, ob es der gesetzlich vorgeschriebenen Risikobewertung und -minderung nachgekommen ist. Solche Berichte sollen potenzielle „systemische Risiken“ aufdecken, die von Online-Diensten ausgehen können. Sollte X vor der Integration von Grok keine Folgenabschätzung vorgenommen haben, könnten auf X hohe Geldbußen zukommen.

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Dass der Schaden bereits eingetreten ist, führte EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen aus: „Sexualisierte Deepfakes von Frauen und Kindern sind eine gewalttätige, inakzeptable Form der Entwürdigung. Mit dieser Untersuchung werden wir feststellen, ob X seinen gesetzlichen Verpflichtungen gemäß dem DSA nachgekommen ist oder ob es die Rechte europäischer Bürger – einschließlich der Rechte von Frauen und Kindern – als Kollateralschaden seines Dienstes behandelt hat.“

Die Einleitung solch eines Verfahrens ist noch kein Nachweis für einen Verstoß gegen den DSA. Allerdings befähigt es die Kommission zu weiteren Maßnahmen. Sie kann beispielsweise Unterlagen betroffener Unternehmen anfordern, Durchsuchungen vornehmen oder Mitarbeiter*innen befragen.

Neben dem neuen Verfahren hat die EU-Kommission angekündigt, eine seit Dezember 2023 laufende Untersuchung zu verlängern, die sich unter anderem auf die Moderationsfunktion, Maßnahmen gegen illegale Inhalte und Risiken des Empfehlungssystems bezieht. Das Verfahren umfasst zusätzlich die mangelnde Werbetransparenz von X. Dafür verhängte die EU-Kommission Anfang Dezember eine 120-Millionen-Euro-Geldbuße, da die Plattform Vorschriften nicht eingehalten hatte.

Sexualisierte Deepfakes im Millionenfachen

Inzwischen haben mehrere Organisationen die Tragweite der Vorfälle untersucht. Die britische NGO Center for Countering Digital Hate (CCDH) schätzt etwa, dass im Zeitraum vom 29. Dezember bis 8. Januar über 4 Millionen Bilder generiert wurden. Davon sollen rund 3 Millionen sexualisierter Art gewesen sein, auf rund 23.000 Bildern sollen Kinder dargestellt worden sein.

Die NGO AI Forensics kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Bis zum 1. Januar waren mehr als die Hälfte der generierten Bilder sexualisierte Deepfakes. Nachdem X am 14. Januar technische Einschränkungen vorgenommen hatte, sei der Anteil sexualisierter Bilder auf unter 10 Prozent gefallen.



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Datenschutz & Sicherheit

Zutrittskontrollsysteme: dormakaba behebt teils kritische Sicherheitslücken


Der Schweizer Hersteller für Sicherheits- und Schließsysteme dormakaba hat mehrere, teils kritische Sicherheitslücken in seinen Produkten behoben. Den Fixes war ein jahrelanger Melde- und Verbesserungsprozess vorangegangen. Angreifer mit Netzwerkzugriff auf die dormakaba-Verwaltungsserver in Unternehmen konnten unter anderem hartkodierte Zugangsdaten und einfach zugängliche Lötstellen missbrauchen.

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Manches Mal ist eine „Responsible Disclosure“ an einen Hersteller schnell und unproblematisch: Problemmeldung und Behebung durch den Hersteller liegen im Idealfall nur Stunden oder Tage auseinander. Doch bisweilen dauert es länger, so bei dormakaba. Bereits im April 2024, also vor fast zwei Jahren, nahm der Sicherheitsdienstleister SEC Consult mit dem Unternehmen Kontakt auf und meldete zwanzig, teils kritische Sicherheitslücken. Nachdem der Schweizer Konzern zwei Wochen später die internen Zuständigkeiten geklärt hatte, begann ein anderthalbjähriger Meeting- und Konferenzmarathon, an dessen Ende nun die Veröffentlichung aller Lücken steht.

Die Sicherheitsprobleme beziehen sich hauptsächlich auf die Produkte Kaba exos 3000 und den dormakaba Zutrittsmanager („Access Manager“), professionelle Lösungen zur Zutrittssicherung für Unternehmen. Diese bestehen nicht nur aus Soft-, sondern auch aus Hardware: So ist der Zutrittsmanager ein schwarzes Kästchen, das etwa im Schaltschrank installiert wird. Kaba exos 3000 kommt überall dort zum Einsatz, wo sich Schließberechtigungen häufig ändern, etwa durch regelmäßige Besucher.

Viele Sicherheitslücken, sagte ein Vertreter der Melder von SEC Consult heise security, seien bereits vor Veröffentlichung des Sammeleintrags im Unternehmensblog behoben gewesen. Ein dormakaba-Pressesprecher schränkt weiter ein: Um die Schwachstellen ausnutzen zu können, benötige ein Angreifer vorherigen Zugriff auf das Netzwerk des Kunden. „Insgesamt sind uns keine Fälle bekannt, bei denen die identifizierten Schwachstellen ausgenutzt wurden“, sagte der Hersteller.

Dennoch liest sich die Liste der Sicherheitslücken beunruhigend: Von hartkodierten, schwachen Passwörtern ist da die Rede, von ungesicherten APIs und RPC-Diensten (Application Programming Interface bzw. Remote Procedure Call) und einer lokalen Privilegienausweitung. Einige der Fehler ermöglichten „Schlösserknacken, ohne die Hände zu benutzen“ – diesen Titel wählten die Finder für ihren langen Blogartikel mit Details zu allen Lücken.

Folgende Lücken mit hohem und kritischem Schweregrad in Kaba exos 9300 sind behoben:

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  • CVE-2025-59090 (CVSS 9,3 „kritisch“): Ungesichertes SOAP API, behoben in Versionen >= 4.4.0,
  • CVE-2025-59091 (CVSS 9,3 „kritisch“): Hartkodierte Zugangsdaten zu vier Benutzerkonten, behoben in Versionen >= 4.4.1,
  • CVE-2025-59092 (CVSS 8,7 „hoch“): RPC-Dienst ohne Authentifizierung, behoben ab Version 4.4.0,
  • CVE-2025-59093 (CVSS 8,5 „hoch“): Unsichere Passworterstellung mit zu wenig Zufall, manuelle Aktualisierung der Passwörter notwendig,
  • CVE-2025-59094 (CVSS 8,4 „hoch“): Lokale Privilegienausweitung, nur manuell zu beheben.

Im „Access Manager 92xx k5/k7“ gab es ebenfalls einige Funde mit hohem oder kritischem Schweregrad. Teilweise sind sie nicht oder nur durch manuelle Intervention behebbar – Details verrät der Blogartikel von SEC Consult.

  • CVE-2025-59097 (CVSS 9,3 „kritisch“): Ungesichertes SOAP API,
  • CVE-2025-59103 (CVSS 9,2 „kritisch“): Hartkodierte und mangelhafte Passwörter beim SSH-Dienst,
  • CVE-2025-59108 (CVSS 9,2 „kritisch“): Das Standardpasswort des Webinterface lautet „admin“,
  • CVS-2025-59099 (CVSS 8,8 „hoch“): Pfadmanipulation erlaubt den Download beliebiger Dateien,
  • CVE-2025-59098 (CVSS 8,7 „hoch“): Eine Debugging-Funktion plaudert sensible Daten aus,
  • CVE-2025-59107 (CVSS 8,5 „hoch“): Statisches Passwort für verschlüsselte Firmware-ZIPs,
  • CVE-2025-59104 (CVSS 7,0 „hoch“): Angreifer mit Zugriff auf das Gerät können per Lötverbindung auf den unverschlüsselten Bootloader zugreifen,
  • CVE-2025-59105 (CVSS 7,0 „hoch“): Flashspeicher der Geräte ist nicht verschlüsselt und könnte nach dem Auslöten ausgelesen werden.

Nach Behebung aller Lücken bleibt für die Sicherheitsexperten von SEC Consult eine Schwachstellenmeldung der besonderen Art. „Derartiger Research ist selten, weil diese Systeme für unabhängige Tester fast nie realistisch zugänglich sind, und genau deshalb war es besonders spannend, sie ganzheitlich überprüfen zu können, von Web-Komponenten über Infrastruktur bis hin zu Reverse Engineering und das Zerlegen von Hardware“, beschrieb Sicherheitsforscher Werner Schober.

Und ein dormakaba-Sprecher erläuterte, warum man sich fast zwei Jahre Zeit für Bugfixes ließ: „Wir haben über die Zeit schrittweise via Standard-Releases die Schwachstellen geschlossen; dazu gehören auch Feldtests mit ausgewählten Kunden.“


(cku)



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