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Pitchdeck in fünf Minuten mit KI machen: Welche Fehler ihr dabei vermeiden solltet


Björn Waide ist Geschäftsführer des Technologieunternehmens LYNQTECH, das Software für Energieversorger entwickelt, sowie Gründer von MillionBrains, die KI-Lösungen für den Mittelstand gestalten.

Björn Waide ist Geschäftsführer des Technologieunternehmens LYNQTECH, das Software für Energieversorger entwickelt, sowie Gründer von MillionBrains, die KI-Lösungen für den Mittelstand gestalten.
Smartsteuer

Die Versuchung ist groß: Business-Plan hochladen, „Mach mir ein Investoren-Pitchdeck“ tippen, nach ein paar Sekunden auf zehn ordentliche Folien schauen. Headlines sitzen, Farben stimmen, sogar die Bilder wirken durchdacht. Fünf Minuten, fertig. Genau hier fängt das Problem an.

Was vor zwei Jahren noch ein Wochenende Powerpoint-Bastelei war, ist heute ein Knopfdruck. Tools wie Gamma sind den ersten Schritt gegangen, Claude Design geht jetzt deutlich weiter, weil es zum ersten Mal richtig konsequent Designsysteme anwendet, statt einfach nur generisch hübsche Folien zu produzieren. Eigene Farben, eigene Schriften, eigenes Logo, ein konsistenter visueller Rhythmus über dutzende Folien hinweg. Das ging vor sechs Monaten so noch nicht.

Die gute Nachricht: Foliendesign ist als Engpass weg. Die unbequeme Folge: Wenn die Verpackung trivial wird, wird die Auswahl woanders entschieden.

Was Investoren wirklich filtern

Pitchdecks haben ein paar Generationen Inflation hinter sich. Sie wurden schicker, dann animiert, dann kamen Storytelling-Workshops und Pitchdeck-Coaches. Investoren haben das alles mitgemacht und sind dabei nicht naiver geworden. Sie wissen, dass eine perfekt gebaute Folie nichts darüber aussagt, ob ein Geschäftsmodell trägt.

Was sie filtern, ist die Substanz dahinter: Wie scharf ist die Problemanalyse? Wie glaubwürdig ist der Founder-Market-Fit? Funktioniert das „Why now“ wirklich hier und heute oder klingt es nur wie alle anderen Decks gerade? Ist die Marktgröße ehrlich hergeleitet oder sind es Wikipedia-Zahlen plus Optimismus-Aufschlag? Diese Arbeit hat Powerpoint nie geleistet, aber Claude Design wird sie auch nicht leisten.

Anders gesagt: Wenn vorher 20 Prozent der Pitchdecks visuell überzeugend waren, sind es jetzt 80 Prozent. Damit verschiebt sich die Auswahl noch stärker auf andere Kriterien. Deshalb sollten Gründer auf keinen Fall weniger Zeit in ihr Pitchdeck investieren, nur weil das Design schneller geht. Sie sollten die investierte Zeit einfach besser nutzen.

Die Vorarbeit macht den Unterschied

Vor ein paar Wochen habe ich für meinen eigenen Pre-Seed-Prozess genau das gemacht, was am Anfang dieses Texts steht: Business-Plan rein, Pitchdeck-Auftrag formuliert, Ergebnis angeschaut. Optisch ordentlich. Inhaltlich falsch.

Das Deck verkaufte exakt das, was im Business-Plan stand. Das Problem: Der Plan war über ein Jahr alt. Inzwischen hatte sich das Geschäftsmodell verändert, ein Co-Founder war dazugekommen, und der eigentliche Investoren-Pitch war längst nicht mehr für die ursprüngliche Holding gedacht, sondern für eine Ausgründung. All das wusste die KI nicht und hat es entsprechend auch nicht im Deck berücksichtigt. Sie konnte es auch nicht wissen, weil ich es ihr nicht gesagt hatte.

Die Analogie, die mich seitdem nicht loslässt, kommt aus der Küche. Profiköche nennen das, was vor dem Kochen passiert, Mise en Place: alles vorbereitet, geschnitten, abgewogen, griffbereit. Wer das gemacht hat, steht fünfzehn Minuten am Herd und hat ein gutes Essen. Wer es nicht gemacht hat, steht eine Stunde am Herd und hat am Ende trotzdem maximal Spaghetti mit Tomatensoße.

Bei Pitchdecks ist es genauso. Die fünf Minuten am Ende sind eine schöne Zeitersparnis. Aber über das Ergebnis entscheidet, was vorher passiert.

Inhalt und Design gehören in zwei Werkzeuge

Das ist der eigentliche Punkt, den Claude Design sichtbar macht: Inhaltsentwicklung und Foliendesign sind zwei verschiedene Arbeitsschritte, und sie sollten in zwei verschiedenen Werkzeugen passieren.

Powerpoint hat beides in einem Tool gemacht, allerdings schlecht. Wir haben Folien gebaut, während wir noch nachgedacht haben, was draufstehen soll. Das war so produktiv wie eine Strategie zu schreiben und gleichzeitig die Schriftart auszuwählen.

Mein Vorgehen seit ein paar Monaten

Schritt 1: Inhaltsentwicklung im Dialog mit Claude

Ohne Folien, ohne Design, nur Sparring. Einfach: Welches Problem genau, für wen? Was ist die belastbare „Why now“-These? Wo ist die Marktgröße wirklich Bottom-up und wo nur Wikipedia mit Zinsen? Welche drei Stellen im Geschäftsmodell halten dem ersten kritischen Investor:innen-Blick nicht stand? Diese Phase dauert zwei bis vier Stunden, Minimum. Das Ergebnis ist dafür dann aber auch kein Powerpoint, sondern ein strukturierter Inhalts-Brief.

Schritt 2: Designumsetzung in Claude Design  

Brief hochladen, Farbpalette und Logo definieren, zehn Folien generieren lassen, in zwei oder drei Iterationen feinschleifen. Das sind die berühmten fünf Minuten. Obwohl: Oft eher zwanzig, wenn man ehrlich ist.

Was ich dabei gelernt habe: Der erste Schritt lässt sich kaum verkürzen, der zweite sehr wohl. Wer beide Schritte vermischt, fühlt sich produktiv – ist es aber nicht.

Skills: erfahrungsbasiertes Sparring konservieren

Ein Tipp, den viele übersehen: Bei Claude (und ähnlich bei ChatGPT mit Custom GPTs) lassen sich sogenannte Skills anlegen, kleine, sorgfältig kuratierte Vorlagen für wiederkehrende Denkaufgaben.

Ich habe einen Pitch-Deck-Prep-Skill gebaut, der die Best Practices der bekannten Frameworks von Sequoia, YC und Airbnb zusammenfasst, einen strukturierten Interview-Prozess mit dem Gründungsteam durchführt und am Ende einen Master Prompt für Claude Design ausspuckt. Beim ersten Pitch dauert so etwas. Beim zweiten und dritten zahlt es ein.

Der Skill stellt mir die Fragen, die ich mir vor einem Jahr selbst nicht gestellt hätte. Er fragt nach der Investor:innen-Persona, bevor ich Folien schreibe. Er fordert eine Bottom-up-SAM-Berechnung. Er akzeptiert kein „Why now“, das im Kern „weil KI gerade hot ist“ bedeutet.

In dem Sinne ist ein Skill kein Shortcut, sondern Qualitätskontrolle mit Gedächtnis. Was du einmal mühsam herausgearbeitet hast, ist beim nächsten Pitch wieder abrufbar.

Vier Stellen, an denen die KI gerne falsch abbiegt

Aus meinem letzten Pre-Seed-Prozess die vier Punkte, an denen ich mehrfach nachsteuern musste:

Veraltete Quellen: Die KI greift dankbar auf alles zu, was du hochlädst. Wenn der Business-Plan ein Jahr alt ist, baut sie ein Deck, das ein Jahr alt ist. Was sich seitdem an Team, Modell oder Markt verändert hat, weiß sie nur, wenn du es ihr sagst.

Top-down-Marktgrößen: Standardmäßig kommt sowas wie Statista-Zahlen zum globalen KI-Markt zum Einsatz. Investoren haben das hundertmal gelesen und überfliegen es. Bottom-up ist seltener und mühsamer, dafür überzeugend. Die KI muss explizit dorthin gezwungen werden.

Geglättete Sprache: Pitchdeck-Sprache neigt zu Floskeln: revolutionär, nahtlos, bahnbrechend. Die KI produziert das gerne, weil ihr Trainingsmaterial voll davon ist. Eine Negativliste verbotener Wörter im Prompt hilft, konkrete Zahlen helfen mehr.

Der zu glatte Team-Slide: Hier wird gerne aufgetragen. Die KI weiß nicht, dass dein Co-Founder die Größenordnung „150 FTE bei Volkswagen“ zurückhaltender formuliert hätte. Was öffentlich kommuniziert wird, gehört vor Versand abgestimmt, nicht erst beim Pitch.

Wo die gewonnene Zeit hingehört

Wer in einer Stunde ein Deck rauspusten kann, kann auch in fünf Stunden ein deutlich besseres produzieren. Das ist keine Aufforderung, mehr Zeit am Ergebnis zu verbringen, sondern mit der gewonnenen Zeit ehrlich zu sein und sie stattdessen in die Punkte zu investieren, bei denen Investoren wirklich nachfragen werden.

Bei mir waren das die zwei, drei Folien, an denen ich vorher schon ahnte, dass es klemmen würde. Founder-Market-Fit. Why now. Die Lücke zwischen Vision und nächstem realistischen Quartal. Diese Antworten sitzen entweder oder eben nicht. Das Deck darum herum ist jetzt der einfache Teil.

Claude Design baut die Folien. Das nimmt es einem super ab. Aber es nimmt einem nicht ab, was wirklich zählt. Wer das versteht, gewinnt mit den neuen Tools. Wer es nicht versteht, hat in Zukunft schicker designte Pitchdecks, die genauso wenig finanziert werden wie vorher. Deshalb: Nutzt die Zeit, die ihr euch für das Design spart – und steckt sie in das Geschäftsmodell.





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