Künstliche Intelligenz
SAP-Anwender: Hybride Szenarien dominieren den HR-Alltag auch weiterhin
Die Modernisierung Richtung Cloud ist bei SAP im vollen Gange. Für das Personalmanagement (Human Resources, HR) heißt das: SuccessFactors ersetzt die traditionelle Personalmanagement-Software SAP ECC HCM. Eine aktuelle Umfrage unter Mitgliedern der DSAG (Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe) zeigt, dass die Cloud-Software allem Anschein nach Einzug in die HR-IT-Roadmaps vieler Unternehmen gefunden hat.
Weiterlesen nach der Anzeige
Die Befragung anlässlich der für Juni geplanten DSAG-Personaltage-Veranstaltung offenbart zugleich, dass der betriebliche Alltag in den Unternehmen auch knapp zwei Jahre vor Ende der Mainstream-Wartung noch von den traditionellen On-Premises-Software bestimmt wird. Die Antworten legen außerdem nahe, dass viele Anwender zunächst auf H4S4 – also SAP HCM for S/4HANA – migrieren.
Die erst auf Druck der DSAG konzipierte Lösung hat den Vorteil, die bestehende HR-Prozesslandschaft abzusichern. Es handelt sich um eine reine, technisch in der Regel beherrschbare Migration. Eine Modernisierung von Prozessen und Funktionen – etwa über SuccessFactors – lässt sich folglich zeitlich nachgelagert vornehmen.
Cloud kommt nur langsam voran
Konkret gaben 71 Prozent der Befragten an, noch mit ECC HCM (On-Premises) zu arbeiten. 39 Prozent nutzen SuccessFactors, 23 Prozent S/4HANA HCM (H4S4) On-Premises und neun Prozent SAP S/4HANA HCM in der Private Cloud. Bei der Frage waren Mehrfachnennungen möglich.
Mit Blick auf die Rolle SuccessFactors in der HR-IT-Roadmap eines Unternehmens gaben gerade einmal knapp vier Prozent an, den Cloud-Dienst vollständig implementiert zu haben. An die 40 Prozent haben sie zumindest teilweise eingeführt. Weitere elf Prozent beabsichtigen, dies zu tun. 28 Prozent der Befragten planen indes keine Einführung der Walldorfer Cloud-HCM-Software. 17 Prozent sind noch in der Evaluierung.
Die eher heterogen ausgerichtete Transformationsstrategie in den Unternehmen lässt sich auch an der Modulnutzung von SuccessFactors ablesen. Besonders gefragt sind beispielsweise die Services, die im operativen HR-Alltag schnell spürbaren Mehrwert bieten – etwa für Recruiting (41 Prozent), Employee Central (39 Prozent), Learning (37 Prozent) oder Performance & Goals (34 Prozent). Zentrale Dienste wie die payroll-nahen Module Employee Central Payroll (8 Prozent) oder Time Tracking (9 Prozent) werden trotz ihrer strategischen Bedeutung dagegen vergleichsweise zurückhaltend genutzt – auch weil manche Funktionen oder Branchenspezifika noch vermisst werden.
Weiterlesen nach der Anzeige
Direkt gefragt nach der Relevanz ausgewählter Themen im HR-IT-Kontext ordneten die Anwender insbesondere Aufgaben wie digitale Personalprozesse & Self Services (74 Prozent) und Migration auf H4S4 (64 Prozent) neben Datenschutz und Compliance (55 Prozent) sowie HR-Analytics und -Reporting (52 Prozent) als sehr relevant/relevant ein. Für die Migration von SAP HCM zu SuccessFactors galt dies nur für 36 Prozent der befragten Anwender. Über die Hälfte (52 Prozent) bezeichnete ein solches Vorhaben dagegen als wenig relevant respektive aktuell irrelevant.
(axk)
Künstliche Intelligenz
KI-Update kompakt: AI Impact Summit, Security Dashboard, Ring-Kameras, KI-Bremse
KI-Abkommen und Rufe nach Regulierung beim KI-Gipfel in Indien
Weiterlesen nach der Anzeige
Deutschland und Indien haben beim AI Impact Summit in Neu-Delhi ein KI-Abkommen unterzeichnet. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger und sein indischer Amtskollege wollen indische IT-Expertise mit dem deutschen Mittelstand und der Industrie zusammenbringen. Im Fokus stehen Mobilität, Energieversorgung, Gesundheitswesen und smarte Produktion. Beide Seiten betonten zudem, KI im Einklang mit demokratischen Werten entwickeln zu wollen.
Sam Altman, Chef von OpenAI, nutzte den Gipfel, um vor einer Superintelligenz zu warnen, die schon in zwei Jahren Realität werden könne. Er forderte eine weltweite Aufsichtsbehörde nach dem Vorbild der Atomenergiebehörde. Allerdings passt das nur bedingt zu OpenAIs bisheriger Praxis, neue Modelle schnell auf den Markt zu bringen und Sicherheit nachzulagern. Die geforderte Regulierung dürfte eher darauf abzielen, wer KI entwickeln und betreiben darf. Zudem dienen solche Warnungen auch dem Marketing: Wer vor der eigenen Technologie warnt, lässt sie mächtiger erscheinen. Ob große Sprachmodelle überhaupt zu Superintelligenz führen können, bezweifeln zahlreiche Experten.

Microsoft investiert Milliarden für den KI-Ausbau im globalen Süden
Microsoft hat auf dem Gipfel in Neu-Delhi angekündigt, bis Ende des Jahrzehnts 50 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur für Länder des globalen Südens zu stecken. Präsident Brad Smith und die verantwortliche KI-Chefin Natasha Crampton begründeten den Schritt mit der wachsenden Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern bei der KI-Nutzung.
Das fünfteilige Programm umfasst den Aufbau von KI-Infrastruktur, die Ausweitung von Qualifizierung, die Stärkung mehrsprachiger Fähigkeiten, die Förderung lokaler Innovationen und die Messung der KI-Verbreitung als Grundlage für künftige Strategien.
Microsoft startet Vorschau auf Security Dashboard for AI
Weiterlesen nach der Anzeige
Microsoft hat den öffentlichen Test seines „Security Dashboard for AI“ gestartet. Das Werkzeug soll Unternehmen helfen, Sicherheitsrisiken beim Einsatz von KI zentral zu überwachen. Es bündelt Informationen aus verschiedenen Microsoft-Diensten wie Defender, Entra und Purview und liefert eine Echtzeitübersicht über alle genutzten KI-Ressourcen, von Microsoft 365 Copilot über eigene Entwicklungen bis zu Drittanbietern wie OpenAI oder Google Gemini.
Ein Übersichts-Tab macht auf einen Blick sichtbar, wo Risiken liegen, und gibt Empfehlungen zur Verbesserung der KI-Sicherheit. Für Kunden, die bereits Microsofts Sicherheitslösungen nutzen, fallen keine zusätzlichen Lizenzgebühren an. Das Dashboard ist direkt über das Microsoft-Security-Portal erreichbar.
Gemini 3.1 Pro soll deutlich besser schlussfolgern
Google hat Gemini 3.1 Pro vorgestellt, ein Upgrade seiner Modellfamilie. Das Modell soll primär beim logischen Schlussfolgern und beim Programmieren zulegen. In einigen von Google herausgestellten Benchmarks liegt es vor OpenAIs GPT-5.2 und Anthropics Claude Opus 4.6. In der Praxis bleibt allerdings ein bekanntes Problem: Googles Modelle setzen Werkzeuge oft weniger effizient ein als die Konkurrenz.
Das Modell ist ab sofort als Vorschau verfügbar, unter anderem über die Gemini-App, Google AI Studio und die Gemini-API. Die API-Preise entsprechen denen von Gemini 3 Pro und liegen deutlich unter denen von Anthropics Opus-Modellen. Google will auf Basis von Nutzerfeedback weitere Verbesserungen vornehmen, bevor eine allgemeine Verfügbarkeit folgt.
Google Gemini kann jetzt KI-Musik generieren
Googles Chatbot Gemini kann ab sofort Musik per generativer KI erstellen. Die 30 Sekunden langen Tracks werden mit einem unhörbaren Wasserzeichen versehen, um sie als KI-generiert zu kennzeichnen. Grundlage ist die dritte Version von Google DeepMinds Musikmodell „Lyria“. Nutzer geben lediglich eine Musikrichtung vor, Angaben zu Gesang, Stimmlage oder Tempo sind optional. Auch Bilder oder Videos können als Inspiration hochgeladen werden. Passend zum Musikstück erstellt Gemini automatisch eine Grafik als Cover, produziert vom integrierten Bildgenerator Nano Banana.
Google betont, dass die Generierung keine Urheberrechte verletze und keine Künstler nachahme. Bestehende Musikstücke dienten lediglich als Inspiration.

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im „KI-Update“ von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.
Claude Sonnet 4.6 rückt an Opus heran
Anthropic hat die neueste Version von Claude Sonnet veröffentlicht und stuft sie als bisher leistungsfähigste Sonnet-Variante ein. Das Modell soll beim Programmieren, beim Schlussfolgern, bei agentischen Aufgaben und im Design zulegen. Neu ist ein Kontextfenster von einer Million Token. In Anthropics eigenen Benchmarks liegt Sonnet 4.6 nun zwischen Opus 4.5 und Opus 4.6, obwohl Sonnet eigentlich das mittlere Modell der Claude-Familie ist.
Besonders hervor hebt Anthropic die Fähigkeit „Computer Use“, bei der das Modell reguläre Software fast wie ein Mensch bedient. Diese Funktion ist allerdings anfällig für Angriffe wie Prompt Injections, etwa versteckte Anweisungen auf Webseiten. Die neue Version soll solche Angriffe besser erkennen und umgehen, gelöst ist das Problem damit aber nicht. Claude Sonnet 4.6 wurde zunächst als Beta veröffentlicht und wird zum Standardmodell für Nutzer des kostenlosen Chatbots.
Ring-Kameras: Hundesuche war nur der Anfang
Amazons Tochter Ring warb beim Super Bowl für „Search Party“, eine Funktion, mit der Besitzer verlorener Hunde ein Foto hochladen und alle Ring-Türkameras in der Nachbarschaft per KI nach dem Tier suchen lassen können. Schon damals warnten Kritiker, es werde nicht bei Hunden bleiben. Eine nun aufgetauchte interne E-Mail vom Oktober bestätigt diese Befürchtung: Ring-Chef schrieb darin, die Hundesuche sei nur der Anfang, das Ziel sei, die Kriminalität in der Nachbarschaft auf null zu senken.
Ring hat die Echtheit der E-Mail bestätigt, verwies aber auf praktische Anwendungsfälle wie die Suche nach Haustieren oder Warnungen bei Bränden. Kritiker sehen in der Funktion die Vorbereitung einer Massenüberwachung, die mit Technik gewöhnlicher Konsumenten betrieben wird.
Perplexity verzichtet auf Werbung
Perplexity hat sich vorerst gegen Werbung entschieden, während Konkurrenten wie OpenAI mit ChatGPT Anzeigen testen. Perplexity gehörte 2024 selbst zu den ersten KI-Unternehmen, die gesponserte Antworten einblendeten. Eine Führungskraft erklärte der Financial Times, das Problem sei, dass Nutzer bei Werbung anfangen, die Antworten der KI anzuzweifeln.
Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen darauf, die Richtigkeit seiner Antworten zu verbessern. Den Großteil seiner Einnahmen erzielt Perplexity aus kostenpflichtigen Abonnements zwischen 20 und 200 US-Dollar pro Monat.
Größte Seed-Finanzierung eines europäischen KI-Start-ups
David Silver, langjähriger KI-Forscher bei Google DeepMind, hat laut der Financial Times rund eine Milliarde Dollar für sein neues Start-up „Ineffable Intelligence“ eingesammelt. Die von Sequoia Capital angeführte Runde bewertet das Londoner Unternehmen mit etwa vier Milliarden Dollar. Silver, der maßgeblich an AlphaGo und Googles Gemini-Modellfamilie mitarbeitete, verließ DeepMind Ende vergangenen Jahres.
Ineffable Intelligence setzt auf Reinforcement Learning, bei dem KI-Systeme durch zahlreiche Versuche selbst lernen statt primär aus großen Textmengen. Im Zentrum stehen sogenannte Weltmodelle, mit denen KI-Agenten die Folgen ihrer Handlungen vorhersagen können. Silver reiht sich damit in eine wachsende Zahl führender KI-Forscher ein, die nicht glauben, dass die aktuelle Transformer-Architektur allein zu Superintelligenz führt.
Accenture macht KI-Nutzung zur Beförderungsvoraussetzung
Accenture, ein Beratungskonzern mit fast 800 000 Beschäftigten weltweit, erfasst seit diesem Monat wöchentlich die KI-Tool-Logins einzelner Senior-Mitarbeiter. Die Nutzung wird zum Beförderungskriterium, wie aus einer internen E-Mail hervorgeht, die die Financial Times einsehen konnte. In zwölf europäischen Ländern sind Beschäftigte von der Regelung ausgenommen.
Intern regt sich Widerstand: Zwei mit der Änderung vertraute Personen bezeichneten einige der Tools als „kaputte Slop-Generatoren“. Führungskräfte anderer großer Beratungsfirmen bestätigen, dass es schwieriger ist, erfahrene Manager zur KI-Nutzung zu bewegen als Nachwuchskräfte. Accenture-Chefin Julie Sweet kündigte an, Mitarbeitende, die sich nicht anpassen, müssten das Unternehmen verlassen. Der Aktienkurs von Accenture ist in zwölf Monaten um 42 Prozent gefallen.
KI-Notbremse für autonome Autos aus Magdeburg
Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben ein KI-gestütztes Verfahren vorgestellt, das erkennt, wenn die Sensordaten autonomer Fahrzeuge unzuverlässig werden, und im Zweifel eine Notbremsung auslöst. Die Methode kombiniert maschinelles Sehen mit maschineller Selbsteinschätzung: Die KI analysiert nicht nur, was sie wahrnimmt, sondern auch, wie verlässlich die Daten sind. Sinkt die Qualität unter einen Schwellenwert, reagiert das System automatisch.
Getestet wurde das Verfahren an einem autonomen Shuttle auf einem Uni-Testgelände. Bei leichtem Nebel, Regen oder Schneefall korrigierte das System die gestörten Sensordaten sogar eigenständig. Bei starkem Niederschlag stoppte das Fahrzeug kontrolliert. Dem Projektleiter zufolge war das System eher zu vorsichtig als zu riskant. Ob und wann die Technologie in Serienfahrzeuge kommt, ist offen, der Transfer in konkrete Anwendungen ist aber erklärtes Ziel.
Handbuch mit KI-Drohnen-Bauanleitungen der Frankfurt UAS
Die Frankfurt University of Applied Sciences hat ein Open-Source-Handbuch zum Bau von KI-Drohnen auf GitHub veröffentlicht. Es vermittelt praxisnah die technischen Grundlagen für Objekterkennung, autonome Navigation und automatisches Folgen von Zielen. Das Handbuch erklärt, wie Sensorik, Recheneinheiten und Software kombiniert werden, um Drohnen intelligent agieren zu lassen, und berücksichtigt dabei auch Kosten und Wirtschaftlichkeit.
Die Anleitungen basieren auf Erfahrungen aus dem Projekt „KI-gestützte Drohnenplattformen“ und zielen auf robuste Systeme für Tier- und Objekterkennung, Umweltmonitoring oder Inspektions- und Logistikaufgaben. Das Handbuch steht in Deutsch und Englisch bereit und soll von Studierenden und Forschenden der Fachhochschule laufend aktualisiert werden.
Love-Scams dank KI immer erfolgreicher
Liebesbetrug im Internet nimmt laut dem Landeskriminalamt seit Jahren deutlich zu, begünstigt durch den Einsatz von KI. Betrüger erstellen massenhaft Fakeprofile in sozialen Netzwerken und generieren mit KI-Tools täuschend echte Profilbilder. Sprachmodelle liefern auf Knopfdruck überzeugende Liebesnachrichten, moderne Übersetzungsprogramme sorgen für nahezu fehlerfreie Kommunikation in verschiedenen Sprachen.
Diese technischen Möglichkeiten senken den Aufwand und erhöhen die Schlagzahl der Angriffe erheblich. International operierende Netzwerke nutzen KI, um ihre Betrugsmaschen effizienter und schwerer erkennbar zu machen.

(igr)
Künstliche Intelligenz
Rugone Xever 7 Pro: Outdoor-Handy mit Nachtsicht-, Wärmebildkamera & Wechselakku
Die meisten Outdoor-Handys sind dick und schwer. Das Rugone Xever 7 Pro will das ändern – mit hellem OLED-Display, Wechselakku und Flir-Kamera.
Dieses Outdoor-Handy ist ungewohnt alltagstauglich: Dank eines vergleichsweise schlanken Gehäuses hat man hier nicht das Gefühl, einen Backstein spazieren zu führen. Robust ist es allemal. Das spannendste Feature ist aber neben der Wärmebild- und Nachtsichtkamera der wechselbare Akku. Der Hersteller liefert das Gerät mit einer Ladestation und gleich zwei Akkupacks. Die Kamera überrascht positiv – zumindest bei Tag.
Rugone dürfte nicht vielen ein Begriff sein – dabei handelt es sich um eine neue Marke des Herstellers Ulefone, die eine jüngere Zielgruppe ansprechen möchte. Auf der IFA 2025 feiert das robuste Smartphone seine Premiere. Was es in der Praxis bietet, zeigt unser Test.
Design
Das Rugone Xever 7 Pro bietet den typisch martialischen Look eines Rugged-Phones. Das Metallgehäuse ist rundum mit Gummi überzogen – auf der Rückseite befindet sich eine abnehmbare Metallplatte für den austauschbaren Akku, der mit einem Schieberegler arretiert wird.
Minimal ragt das mittig platzierte Kameramodul heraus. Rechts gibt es neben dem Powerbutton mit Fingerabdrucksensor eine zusätzliche Taste. Standardmäßig startet diese die Kamera, lässt sich in den Einstellungen aber frei belegen. Auf der gegenüberliegenden Seite sitzt ein weiterer programmierbarer Button – beide Tasten sind von einem leuchtenden Ring umrandet und so leicht zu finden.
Mit Abmessungen von 173,6 × 84,4 × 14,1 mm und einem Gewicht von 325 g ist das Rugone zwar deutlich größer, fast doppelt so dick und auch fast doppelt so schwer wie ein herkömmliches Smartphone. Für ein Outdoor-Handy ist es aber erstaunlich flach und filigran. Trotz der stattlichen Ausmaße passt es sogar in die Hosentasche – zumindest bei einer Herrenhose.
Gewohnt robust ist das Gerät allemal: Es bringt das übliche Zertifikat für die US-Militärnorm MIL-STD-810H mit und zeigt sich widerstandsfähig gegen Stürze, Erschütterungen und Temperaturunterschiede. Es ist ferner nach IP68 und IP69K staub- und wasserdicht gegen zeitweiliges Untertauchen (1,5 Meter Tiefe für 30 Minuten) und übersteht sogar einen Hochdruckreiniger. Dieser Schutz kann allerdings mit der Zeit nachlassen – eine Garantie gegen Wasserschäden bietet Ulefone hier nicht. Wir haben das Gerät im Büro mehrfach auf den Boden geworfen – es hat die Prozedur ohne Blessuren überstanden.
Display
Zu den größten Stärken des Geräts gehört das Display mit 6,67 Zoll. Hier kommt ein AMOLED-Panel zum Einsatz – noch immer nicht selbstverständlich bei einem Outdoor-Handy. Dieses löst messerscharf mit 2400 × 1080 Pixeln auf und bietet eine Bildwiederholrate von bis zu 120 Hz, die wahlweise automatisch zwischen 60 und 120 Hz umschaltet. Das sorgt für geschmeidige Animationen.
Die Bildqualität ist ebenfalls exzellent: lebhafte Farben, klare Darstellung und stabile Blickwinkel. Die Kontraste sind sehr ausgeprägt und gut abgestimmt. Ferner gibt es ein Always-on-Display (AOD) zur Anzeige der Uhrzeit oder Benachrichtigungen. HDR10 ist ebenfalls an Bord, und dank Widevine-Level-1-Zertifikat lassen sich Inhalte bei Streamingdiensten wie Netflix in Full HD wiedergeben.
Die größte positive Überraschung ist aber die Helligkeit – erstaunlicherweise eine der typischen Schwachstellen dieser Geräteklasse. Das Rugone Xever 7 Pro ist auch bei Tageslicht und Sonnenschein im Test gut ablesbar. Im manuellen Modus erreicht die Anzeige rund 500 Nits, bei aktiver Automatik schnellt der Wert laut unseren Messungen auf knapp 1000 Nits hoch. Bei Bedarf sind laut Hersteller kurzzeitig sogar bis zu 2000 Nits möglich – so etwas hatten wir noch bei keinem Rugged-Phone.
Kamera
Das Rugone Xever 7 Pro setzt als Hauptkamera auf einen 50-Megapixel-Sensor (f/1.88) mit optischer Bildstabilisierung (OIS). Dazu gesellen sich eine Nachtsichtkamera mit Infrarotsensor und 64 Megapixel sowie eine Wärmebildkamera von Flir – ein Trio, das eher nach Spezialeinheit klingt als nach Smartphone. Weitwinkel- oder Makrolinsen fehlen, was angesichts des gebotenen Kamera-Arsenals zu verschmerzen ist. Die Frontkamera löst mit 32 Megapixeln auf.
Die Hauptkamera stammt von Samsung (Sensor: GN9) und ist eine positive Überraschung. Sie schießt erstaunlich gute Fotos bei Tag – zumindest für das, was wir von Outdoor-Handys bisher gewohnt waren. Aufnahmen sind dank OIS ziemlich scharf, bieten ausgeprägte Bilddetails, und die Farben kommen sehr natürlich herüber. Auch der Dynamikumfang stimmt – selbst bei den trüben Lichtverhältnissen des bayerischen Winters liefert das Xever 7 Pro gute Ergebnisse.
Lediglich die Zoom-Fähigkeiten sind etwas eingeschränkt. Bei zweifachem Zoom gelingen Bilder nahezu ohne Verluste, mehr als vierfach ist gar nicht möglich – und dann wird es sichtbar pixelig. Bei Nacht nehmen Bilddetails und insbesondere Schärfe trotz OIS stark ab: Aufnahmen wirken verschwommen und sind von deutlichem Bildrauschen geprägt.
Nachts schlägt dann ohnehin die Stunde der Infrarotkamera, die als Nachtsichtgerät dient. Sie liefert Aufnahmen in Schwarzweiß. Der Autofokus der Nachtsichtkamera arbeitet recht träge, doch wer Geduld mitbringt und die Hand ruhig hält, wird mit erstaunlich detaillierten und scharfen Aufnahmen belohnt – selbst in absoluter Dunkelheit.
Selfies sehen ordentlich aus und wirken in der Farbgebung natürlich. Bei der Schärfe ist allerdings noch etwas Luft nach oben. Auffällig: Einen Porträtmodus sucht man vergeblich. Es lassen sich lediglich einige Verschönerungseffekte aktivieren, etwa zum Glätten der Haut – eine Option zum Erzeugen eines Bokehs konnten wir jedoch nicht finden.
Die Wärmebildkamera stammt von Flir und macht Temperaturunterschiede durch farbliche Darstellung sichtbar. Bedient wird sie nicht über die Kamera-App, sondern über die My-Flir-App. Dort stehen verschiedene Farbpaletten zur Auswahl. Praktisches Plus: Flir blendet zusätzlich Konturen ein, was das Deuten der Wärmebilder deutlich erleichtert. Per Fadenkreuz lässt sich zudem die Temperatur einzelner Stellen im Bild anzeigen. Die Auflösung beträgt 160 × 120 Pixel, der Messbereich deckt −10 °C bis 450 °C ab – bei einer Empfindlichkeit von unter 50 mK, was ein mehr als ordentlicher Wert ist.
Videos lassen sich maximal in 2K-Auflösung bei 30 FPS aufnehmen, mit der Selfiekamera ist bei Full HD Schluss. Die Qualität ist eher mäßig: Farben wirken etwas ausgewaschen, und auch die Stabilisierung überzeugt nicht vollends. Immerhin lassen sich Videos auch mit der Nachtsicht- sowie der Wärmebildkamera aufnehmen.
Rugone Xever 7 Pro – Originalaufnahmen
Ausstattung
Etwas schwachbrüstig ist die Ausstattung beim SoC: Der MediaTek Dimensity 7025 liefert solide Leistung für alle gängigen Aufgaben des Alltags, ohne aber mit besonders hoher Performance zu glänzen. Beim Benchmark PCMark Work erreicht das Xever 7 Pro etwa 11.500 Punkte – ein solider Wert der unteren Mittelklasse.
Im Alltag läuft das Gerät damit recht geschmeidig und erledigt Aufgaben zügig. Die Grafikperformance ist schwach ausgeprägt: Den üblichen Benchmark Wild Life von 3DMark konnten wir gar nicht starten. Lediglich Sling Shot Extreme schaffte rund 2600 Punkte. Für Casual Games ist das ausreichend, für grafisch aufwendige Titel aber zu wenig.
Sehr umfassend ist dafür die Speicherausstattung: Ein interner Speicher nach UFS 3.1 mit 512 GB steckt im Handy, dazu kommen üppige 12 GB RAM. Eine Erweiterung per microSD-Karte ist ebenfalls möglich, falls das noch immer nicht reichen sollte.
Veraltet sind hingegen die Schnittstellen: Das Gerät unterstützt lediglich Wi-Fi 5 sowie Bluetooth 5.2. NFC und ein Infrarot-Port sind aber an Bord. Der Anschluss liefert mit USB-C 2.0 nur eine langsame Datenübertragung – aber selbst in der gehobenen Mittelklasse machen das andere Smartphones kaum besser. 5G ist immerhin vorhanden. Bei der Ortung zeigt sich das Rugone sehr präzise und nutzt dafür GPS, Glonass, Beidou, Galileo und QZSS. Laut GPS-Test erreichen wir Werte um einen Meter – das ist top.
Am oberen Rand des Geräts gibt es sogar einen 3,5-mm-Klinkeneingang für Kopfhörer mit Kabel. Ein UKW-Radio ist ebenfalls integriert, benötigt allerdings ein Kopfhörerkabel als Antenne. Dazu kommt eine leuchtstarke Taschenlampe. Beide zusätzlichen Tasten sind programmierbar und können jeweils bis zu drei Funktionen erfüllen – für kurzes, doppeltes und langes Drücken.
Software
Das Rugone Xever 7 Pro läuft mit Android 15. Die Bedienoberfläche nennt der Hersteller Rugone OS – diese erinnert stark an Stock-Android. Von Haus aus gibt es keinen App-Drawer, diesen kann man aber über die Einstellungen hinzufügen, die man durch längeres Drücken des Screens aufruft – dort findet sich die Option unter dem Punkt „Desktop-Modus“.
Mit Bloatware hält sich der Hersteller erfreulich zurück, abgesehen von einigen Tools. Dafür gibt es erweiterte Einstellungsoptionen, etwa für einen Kindermodus, zur Optimierung der Laufzeit oder zur Programmierung der zusätzlichen Knöpfe.
Software-Updates soll es laut Aussagen des Herstellers auf der IFA für rund drei Jahre geben – offiziell bestätigt ist das bisher aber nicht. Der Sicherheitspatch stammt zum Testzeitpunkt Ende Februar noch aus Dezember 2024 und könnte langsam ein Update vertragen. Wir gehen hier nicht von allzu regelmäßigen Updates aus – leider.
Akku
Verglichen mit anderen Outdoor-Handys bietet das Rugone Xever 7 Pro einen nahezu winzigen Akku mit 5500 mAh. Allerdings ist dieser herausnehmbar – der Hersteller legt gleich einen zweiten Akku bei. Ein praktisches und seltenes Feature, das wir bislang nur von Samsung kannten. Im Gerät ist ein kleiner Akku zum Überbrücken des Wechselvorgangs eingebaut, der etwa drei Minuten durchhält.
Mit einem Akku sollte das Rugone Xever 7 Pro gut über den Tag kommen – beim Battery Test von PCMark erreichten wir einen Wert von etwa 12,5 Stunden. Das entspricht dem Schnitt der meisten von uns getesteten Geräte, ist aber deutlich kürzer als bei den grobschlächtigen Outdoor-Smartphones.
Ein Ladegerät sowie eine Ladeschale liegen bei – darin befindet sich der zweite Akku. Die Schale liefert allerdings nur 18 W über die Pogo-Pins, kann aber auch den zweiten Akku laden – damit dauert der Ladevorgang fast vier Stunden. Direkt per Netzteil sind es immerhin 33 W, damit benötigt eine vollständige Ladung mehr als zwei Stunden. Kabelloses Laden gibt es nicht.
Preis
Ein Schnäppchen ist das Rugone Xever 7 Pro bei alledem nicht. Die UVP beträgt sehr stolze 700 Euro. Derzeit bekommt man das Gerät über Alza für knapp 620 Euro – immer noch viel Geld für das Gebotene. Andere Farbvarianten gibt es hierzulande nicht, auch wenn auf der Webseite des Herstellers Modelle mit anderen Rückseiten zu sehen sind – etwa im Wintercamouflage-Look.
Etwas günstiger ist das Rugone Xever 7. Dieses verzichtet auf die Wärmebildkamera von Flir und nutzt dafür eine Weitwinkellinse – mit 509 Euro ist es etwas günstiger und ansonsten weitgehend identisch.
Fazit
Das Rugone Xever 7 Pro ist eine positive Überraschung aus dem Hause Ulefone. Dank des schlanken Gehäuses ist das robuste Mobilgerät ungewohnt alltagstauglich. Das OLED-Display gehört zum Besten, was wir je bei einem Rugged-Phone gesehen haben. Die Kamera liefert bei Tag ebenfalls ab, und Nachtsicht- wie Wärmebildkamera sind spannende und gelungene Extras.
Etwas kurz fällt im Vergleich die Akkulaufzeit aus – dank des Schnellwechselsystems und des zweiten Akkus lässt sich die Laufzeit aber bequem verlängern, ohne dass das Gerät zu klobig wird. Bei Fotos unter schwachen Lichtverhältnissen und bei Videos schwächelt das Gerät etwas, die Performance ist zudem eher mittelmäßig. Auch mit einem langfristigen und regelmäßigen Software-Support ist wie üblich in dieser Geräteklasse nicht zu rechnen. Dennoch ist das Rugone Xever 7 Pro für uns aktuell eine der stärksten Empfehlungen unter den Outdoor-Handys.
Künstliche Intelligenz
Ich hasse meinen Fernseher | c’t 3003
Mit Geräten wie dem Google TV Streamer 4K, Amazons Fire-TV-Sticks und Apple TV lässt sich so gut wie jeden Fernseher oder Monitor mit Smart-TV-Funktionen ausstatten. c’t 3003 zeigt, worin sie sich unterscheiden und was die Open-Source-Lösung mit Rapsi taugt.
Weiterlesen nach der Anzeige
Transkript des Videos
(Hinweis: Dieses Transkript ist für Menschen gedacht, die das Video oben nicht schauen können oder wollen. Der Text gibt nicht alle Informationen der Bildspur wieder.)
Guckt mal hier, das ist mein Samsung-Smart-TV und der treibt mich komplett in den Wahnsinn. Der braucht eine halbe Ewigkeit zum Hochfahren, zwickt und zwackelt an allen Ecken und ständig funktioniert irgendwas nicht. Aber statt mir jetzt einen komplett neuen Fernseher zu kaufen, könnte ich mir ja auch einen von diesen Streaming-Devices hier an den Fernseher klemmen. Also sowas wie den Amazon Fire TV Stick, Google Streamer 4K oder Apple TV. Mit denen lässt sich theoretisch jeder Fernseher zum Smart TV machen. Aber welchen davon soll man denn nehmen? Die kosten von 50 bis fast 200 Euro und alleine von Amazon gibt’s fünf verschiedene. Aber kann man sich sowas nicht auch selbst bauen? Ja, natürlich geht das. Ich hab hier noch einen Raspi 4 rumliegen und da lässt sich sowas wie LibreELEC mit Kodi oder ein modifiziertes Android TV drauf installieren. Mit YouTube, Twitch und so weiter. Alles besser als dieses furchtbare Tizen OS von Samsung, oder? Ja, schauen wir mal. Worin sich diese ganzen Streaming-Dinger unterscheiden und ob da ein selbst gebasteltes Gerät wie mein Raspi hier mithalten kann, klären wir in diesem Video. Also, bleibt dran!
Also die meisten von euch kennen vermutlich diese Streaming-Devices hier. Das sind Geräte, die man per HDMI eigentlich an jeden Fernseher klemmen kann. Das kann ein Smart TV sein, mit dessen Funktion man unzufrieden ist, oder halt irgendein Gerät mit HDMI. Also zum Beispiel ein Beamer oder ein alter Monitor oder so. Davon gibt es aber viele verschiedene in sehr unterschiedlichen Preisklassen. Ich habe mir jetzt mal hier die Geräte der größten Big Player im Game in unterschiedlicher Ausführung besorgt, um zu sehen, worin die sich unterscheiden. Also vor allem, warum sind manche davon so günstig? Könnte das mit Werbung zu tun haben? Ja, hat es.
Also ich habe hier einmal die Amazon Fire TV Sticks, die bei ca. 50 Euro losgehen, den Google Streamer 4K für grob 90 Euro und den Apple TV 4K der dritten Generation für lockere 170 Euro. Das sind alles Big-Tech-US-Unternehmen, ich weiß, aber ich meinte ja ganz am Anfang, dass es auch noch eine Open-Source-Möglichkeit gibt, um sich sowas beispielsweise auf einem Raspi selber zu bauen. Da gibt es dann auf jeden Fall keine Werbung, aber andere dicke Einschränkungen. Da komme ich aber später noch zu.
Verwirrung bei Amazons Fire-TV-Sticks
Erstmal jetzt ein kurzer Überblick über die Mainstream-Dinger. Angefangen mit den Fire TV Sticks von Amazon. Von den Dingern gibt es fünf verschiedene Ausführungen. Schon mal verwirrend. Der günstigste ist der Fire TV Stick HD für 45 Euro. Den lasse ich hier jetzt aber mal weg, weil der kann kein 4K und das ist meiner Meinung nach einfach nicht mehr zeitgemäß. Viel interessanter ist der nächst günstigere, der Fire TV Stick 4K Select für 55 Euro. Der kann 4K, hat einen Quad-Core mit 1,7 GHz, 1 GB RAM und 8 GB internen Speicher. Dazu gibt es diese simple Fernbedienung mit so Standardknöpfen und Alexa-Sprachsteuerung, wenn man das benutzen will. Was ich im Jahr 2026 wirklich super crazy finde, ist, dass das Teil per Micro-USB mit Strom versorgt wird. Und das ist nicht nur bei diesem günstigen Select-Stick so, sondern auch der 25 Euro teurere Fire TV Stick 4K Max hat Micro-USB. Was ist denn da los, Amazon? Was soll das? Ich habe meine Micro-USB-Kabel auf jeden Fall schon vor Jahren entsorgt.
Weiterlesen nach der Anzeige
Und dieser Select-Stick hat im Vergleich zu den teureren Modellen auch noch ein paar andere Einschränkungen. Beispielsweise kann der Select kein Dolby Vision, sondern nur HDR10+. Also falls euer Fernseher oder Beamer das hat, muss man das im Hinterkopf behalten. Und im Gegensatz zu den anderen Modellen hat der Select auch nur Wi-Fi 5 statt Wi-Fi 6. Ist das wirklich ein Problem? Joa, könnte es sein, denn Wi-Fi 6 läuft besser, besonders dann, wenn viele andere Geräte durch die Gegend funken. Also kann man im Hinterkopf behalten. Ich hatte jetzt aber keine Probleme mit der Verbindung oder so.
Die Einrichtung ist auf jeden Fall super easy. Einfach per QR-Code mit Amazon einloggen, kurz updaten und dann ist das Ding ready. Und ja, man kann es sich schon denken, ohne Amazon-Account wird das nichts. Also den braucht man schon zwingend. Und die Oberfläche fühlt sich, ich sag mal, gerade so okay an. Also einmal finde ich die nicht besonders hübsch, kennt man ja von Prime Video, und so richtig smooth läuft das auch nicht. Man hat so spürbaren Input-Lag und die Oberfläche bleibt manchmal kurz stecken, besonders dann, wenn man zwischen Apps hin und her wechselt. Also das läuft auf jeden Fall besser als bei meinem Samsung, aber auch nicht so richtig geschmeidig, wie ich das gerne hätte.
Was mich aber richtig doll nervt, ist die Werbung, denn die Oberfläche ist vollgestopft mit Empfehlungen, die teilweise auch fett mit „Gesponsert“ markiert sind. Also auf der Startseite kann man hier eine halbe Ewigkeit nach unten scrollen und ja, alles voll mit Werbung. Also das muss man zwar nicht machen, aber auch hier oben sind so fette Werbebanner für Serien, Filme und manchmal auch sowas wie Cola. Das kann man auch nicht abstellen oder einschränken, was ich echt schon crazy finde. Werbung bei Amazon-Geräten kennt man ja schon so vom Kindle, der zeigt ja im Standby quasi permanent Werbung an, wie so eine Werbetafel, die man sich ins Haus holt. Davon kann man sich aber zumindest frei kaufen, wenn man 10 Euro mehr bezahlt. Schon ein bisschen absurd, wenn man darüber nachdenkt. Das wird vermutlich auch ein Grund sein, warum die Amazon-Geräte im Vergleich zu den anderen teilweise so günstig sind. Die sind auch ständig im Angebot und zu dieser Sekunde, in der ich diese Zeilen schreibe bzw. aufnehme, kostet beispielsweise der Select nur 31 Euro.
Was auch noch komisch ist: Der Fire TV Select ist der einzige aus der Reihe, der ein anderes Betriebssystem hat als die anderen Modelle. Die laufen eigentlich schon seit immer mit Fire OS. Das ist ein Android-Derivat von Amazon, und das hat ein paar Einschränkungen. Manche Apps gibt es einfach noch nicht, zum Beispiel Jellyfin. Bei den anderen Sticks, also bei Fire OS, gibt es das. Plex gibt es zwar, sieht aber irgendwie anders aus als unter Fire OS, und ich konnte trotz unbegrenzten Einstellungen 4K-Inhalte nur in richtig schlechter Qualität wiedergeben. Konnte ich jetzt auch nicht so schnell rausfinden, woran das liegt. Beim anderen Fire OS sieht die App ganz normal aus und es funktioniert alles wie gehabt, irgendwie komisch. Und außerdem gibt es bei Vega OS kein Sideloading mehr. Also das Installieren von Apps außerhalb des offiziellen Amazon App Stores. Zumindest nicht so, wie man es kennt. Denn bei Fire OS lässt sich hier in den Entwickleroptionen die Installation von unbekannten Apps einfach erlauben. Dann kann man eine APK runterladen und einfach installieren. Bei Vega OS geht das nicht mehr. Amazon will damit vor allem gegen Piraterie-Apps vorgehen. Bei den anderen Fire TV Sticks läuft weiterhin Fire OS und das soll sich laut Amazon auch erstmal nicht ändern.
Und wegen der kleineren technischen Einschränkungen und dieser ganzen Vega-OS-Nummer würde ich eher zu den anderen Fire TV Sticks greifen, also entweder den Plus für 70 oder zum Max für 80 Euro. Zum Ausprobieren hatte ich hier den 4K Max. Das Ding sieht erstmal genau gleich aus, hat aber Dolby Vision, 2 GB RAM und läuft mit Fire OS. Und ich muss sagen, der fühlt sich, vermutlich dank der 2 GB RAM, deutlich geschmeidiger an. Alles lädt schön schnell und zwischen Apps hin und her wechseln geht auch super knackig. Die Werbung ist zwar immer noch da, aber naja, wenigstens ohne Lags.
Google Streamer 4K: Der Chromecast-Nachfolger
Genug von den Amazon-Dingern. Deutlich besser gefallen hat mir der Google Streamer 4K für 80 Euro. Das ist quasi der Nachfolger vom Chromecast, also von diesen puckähnlichen Dongle-Dingern, die man sich an den Fernseher gehängt hat. Und im Gegensatz zu den Amazon-Teilen gibt es davon auch nur einen einzigen, also deutlich weniger verwirrend. Das Teil sieht so Ikea-artig minimalistisch aus und kommt auch mit einer eigenen Fernbedienung. Die unterscheidet sich eigentlich kaum zu der von den Amazon-Sticks. Im Google Streamer stecken eine Quad-Core-CPU mit 1,8 GHz, 4 GB RAM und 32 GB interner Speicher. Das Ding kann logischerweise 4K, hat Dolby Vision und einen Ethernet-Port, was nice ist, aber nur Wi-Fi 5. Die Einrichtung ist ähnlich wie bei den Amazon-Dingern. Einfach per HDMI anschließen, Strom dran, wahlweise ein Ethernet-Kabel und dann mit Smartphone und Google-Account einrichten. Das hat bei mir komischerweise irgendwie relativ lange gedauert alles, aber muss man ja nur einmal machen.
Darauf läuft Google TV, also quasi Android TV 14 mit allen gängigen Apps. Also neben Streaming-Kram wie Netflix findet man im Play Store auch so Sachen wie Kodi, Plex und Jellyfin. Allgemein muss ich sagen, dass sich die Oberfläche im Vergleich direkt deutlich nicer anfühlt als die von Amazon. Also einmal ist die deutlich schöner mit so einem cleanen Android-Look, was ich irgendwie cool finde, und alles läuft richtig schön schnell. Aber ja, auch bei Google TV gibt es Werbung. Per Default werden einem hier auf der Startseite verschiedene Serien, Filme und Shows vorgeschlagen, die man sich dann auch direkt kaufen könnte. Aber im Gegensatz zu Amazon kann man das immerhin teilweise abstellen. Einfach über Einstellungen, Accounts das Profil in den „Nur Apps“-Modus schalten. Dann ist fast alles weg, bis auf diese Banner hier oben. Da werden dann immer noch irgendwelche Serien und Filme vorgeschlagen von verschiedenen Anbietern, die ich gar nicht habe. Also schon mal besser als bei Amazon. Eine Option, wirklich alles abzuschalten, fände ich schon gut.
Was noch praktisch sein könnte: Das Teil unterstützt den Smart-Home-Funkstandard Thread und Matter. Damit kann man das Gerät als Smart-Home-Hub verwenden und weitere Sachen damit steuern. Also insgesamt hat das Google-Ding bei mir wirklich einen richtig guten Eindruck gemacht. Google TV OS sieht gut aus, läuft richtig smooth und es lässt sich zumindest die meiste Werbung abdrehen.
Apple TV: Teuer, aber gut
Ja, und es gibt ja auch noch Apple TV. Das aktuelle Modell, die dritte Generation, ist mit 170 Euro für die Version mit 64 GB und ohne Ethernet-Port auf jeden Fall einer der teuersten Streaming-Dinger, die man sich so holen kann. Für 20 Euro mehr gibt es 128 GB, da ist dann auch ein Ethernet-Anschluss dabei und dann unterstützt das Ding auch Thread, diesen Smart-Home-Funkstandard. Das Ding sieht aus wie ein kleinerer Mac Mini und kommt auch mit einer Fernbedienung. Im Gegensatz zu den anderen Fernbedienungen lässt sich die mit Touchgesten bedienen und die fühlt sich von allen Fernbedienungen auf jeden Fall am wertigsten an. Die anderen finde ich auch nicht schlecht, also diese simple Tastenbedienung, die hat auch schon was.
Also das Teil kann auf jeden Fall Dolby Vision, hat Wi-Fi 6 und da steckt ein A15 Bionic Chip drin, der auch im iPhone 14 und 14 Plus verbaut ist. Dadurch hat das Ding ordentlich Leistung und man kann damit auch so Spiele wie NBA 2K oder Dreamlight Valley spielen, die es im App Store gibt. Aber ja, die Auswahl von so richtigen Spielen in Apples App Store ist eher so mau. Aber hier geht’s ja eigentlich um Smart-TV-Funktion. Und die Bedienoberfläche ist halt so Apple-typisch clean und minimalistisch. Alles läuft super schnell und ja, es steuert sich quasi wie ein gigantisches iPad. Also wenn man eh mit Apple-Geräten rumhantiert, dann findet man sich hier sofort zurecht. Und falls man ein iPhone oder eine Apple Watch hat, kann man das Ganze damit dann auch direkt steuern. Das funktioniert echt gut.
Und allgemein ist das Teil wie andere Geräte von Apple sehr gut ins Ökosystem eingebunden. Also man kann AirPods wie beim iPhone so seamless koppeln, das iPhone als Kamera für beispielsweise FaceTime verbinden und mit Siri quatschen für so Smart-Home-Zeug. Es ist schon cool, aber ja, man muss dafür halt schon im Apple-System verankert sein. Also von den Teilen, die ich jetzt hier ausprobiert habe, hat der Apple TV auf jeden Fall die cleanste Optik und die beste Performance. Aber ja, das Teil kostet halt auch das Doppelte vom Google Streamer. Das ist schon crazy.
Die Open-Source-Lösung: Raspi mit LibreElec
Okay, jetzt mal ganz kurz Ruhe. Was ist denn jetzt mit den DIY-Dingern? Ich meinte ja am Anfang, es gibt auch Open-Source-Lösungen, um sich quasi ein DIY-Smart-TV zu bauen. Ich habe hier eh noch einen Raspi 4 rumfliegen. Warum nicht einfach mal ausprobieren? Wird ja schon nicht so schlecht und umständlich sein, oder? Zu den gängigsten Varianten zählt einmal die Media-Center-Oberfläche Kodi, auf die viele von euch schwören, und eine DIY-Version von Android TV. Also quasi so wie beim Google Streamer. Ja, und das geht beides irgendwie, hat aber auch dicke Nachteile gegenüber den kommerziellen Geräten. Aber eins nach dem anderen.
Ich schnapp mir jetzt erstmal eine SD-Karte und flashe da mit dem Raspberry Pi Imager LibreELEC drauf. Das ist ein Lightweight-Betriebssystem, das primär für Kodi gedacht ist. Deswegen hat das auch den Slogan „Just Enough OS for Kodi“. Dann die SD-Karte in den Raspberry, Strom dran, das Ding per HDMI an den Fernseher anschließen und dann bootet das direkt.
Ok, aber was ist Kodi überhaupt? Kodi ist eine Media-Center-Oberfläche, die eigentlich primär dafür gedacht ist, Kram abzuspielen, den man, natürlich völlig legal, auf irgendeiner Festplatte im Heimnetz gelagert hat. So sieht das aus, ja, hübsch ist anders, sag ich mal. Das hat erstmal so eine Ordner-Strukturoptik, die ich so semi-cool finde. Hier könnte ich auf jeden Fall durch meine lokal gespeicherten Medien durchscrollen und die lassen sich auch in bis zu 4K abspielen. Ja, soweit so gut. Aber ein Smart TV muss für mich auch die gängigsten Apps können, also sowas wie YouTube, Twitch, Streamingdienste wie Netflix und auch Plex, weil das läuft eh schon auf meinem Home-Server hier.
Das geht auch, und zwar per Add-ons, die man sich dazu installieren muss. Das ist relativ easy. Einfach hier bei Add-ons suchen und auf Installieren klicken. Und davon gibt es auch richtig viele, die ich jetzt hier leider nicht zeigen kann. Wenn ihr wisst, was ich meine. Weiter mit den normalen Apps. Also man kann sich Apps runterladen, aber leider sieht beispielsweise Twitch dann so aus, als hätte man einen Ordner mit gerade laufenden Streams, die man auswählen kann. Wenn man die dann anwählt, funktioniert auch alles soweit, aber mit so einer Oberfläche macht das mal wirklich so gar keinen Spaß. Um YouTube benutzen zu können, müsste man sich über Google Developer erstmal einen API-Key erstellen und den dann bei Kodi eintragen. Ja, richtig gehört. Hat man das einmal gemacht, dann hat das auch so eine Ordnerstrukturoptik wie bei Twitch.
Aber es gibt ja auch noch eine andere Open-Source-Methode, und zwar eine modifizierte Version von LineageOS für Android TV vom User KonstaKANG. Vielleicht kennt ihr LineageOS schon als Android-Alternative, um sich das Smartphone Google-frei zu machen. Da hatten wir vor 100.000 Jahren schon mal ein Video drüber gemacht. KonstaKANG bietet diese modifizierte Version hier in verschiedenen Versionen auf seiner Webseite zum Download an. Und da steht, wichtig, nicht offiziell supported vom LineageOS-Team und nur für erfahrene Benutzer. Äh ja, ok, alles auf eigene Gefahr.
Also Image runterladen, mit einem USB-Flash-Tool auf eine SD-Karte ballern und in den Raspi stecken. Und wenn das dann das erste Mal startet, sieht das echt aus wie Android TV oder Google TV. Nur gibt es noch keinen Play Store oder etwas, wo man sich Apps installieren kann. Damit das trotzdem geht, kann man sich das Open-Source-Paket MindTheGapps runterladen. Damit kann man proprietäre Google-Apps auf LineageOS installieren. Zusätzlich braucht man noch was, das nennt sich Widevine. Das ist eine von Google entwickelte Technik, die man benötigt, um copyrightgeschütztes Material abspielen zu können. Also das ist quasi deren Kopierschutz für Browser, Android-Geräte und so weiter. Und da haben wir auch den dicken Haken bei der ganzen Nummer, komme ich gleich zu.
Erstmal kurz noch das Ding zum Laufen bringen. Also beides runterladen, auf einen USB-Stick packen, in den Raspi, den im Recovery-Modus neu starten und dann das Paket installieren. Dann einmal auf Wipe klicken, Widevine installieren und den Raspi neu starten. Und jetzt kann man hier den Play Store verwenden und sich sowas wie YouTube, Twitch oder die ARD-Mediathek installieren. Aber sowas wie Netflix muss man sich leider abschminken, und das liegt an diesem Widevine. Denn auf offiziell nicht unterstützter Hardware läuft davon nur die niedrigste Sicherheitsstufe L3. Und damit kann man Streaming-Apps wie Netflix, Disney+ und so weiter nur in maximal 480p abspielen. Also nicht mal in Full HD. Ja, und das will ja mal so wirklich keiner.
Also wenn man mit nicht kommerzieller Hardware arbeitet, kann man Mainstream-Dienste leider eigentlich vergessen. Vielleicht kriegt man es irgendwie hingefummelt, aber grundsätzlich funktioniert das nicht so richtig. Also zumindest, wenn alles legal bleiben soll. Ja, und ich muss auch sagen, auf meinem Raspi 4 mit 4 GB RAM lief die Nummer auch echt wie ein Sack Schrauben. Also da muss ich tatsächlich sagen, dass das Tizen OS von meinem Samsung da doch schon noch besser läuft. Obwohl ich das nicht zugeben will. Also das will schon echt was heißen.
Ja, also das macht schon irgendwie Spaß, sowas einzurichten, und ich finde auch beeindruckend, dass man so Android TV auf eigener Hardware zum Laufen bekommen kann. Aber durch die DRM-Beschränkung und damit ohne gängige Streaming-Dienste in 4K ist das zumindest für mich auf jeden Fall erstmal kein Ersatz für einen richtigen Smart TV. Oder ein Device. Da muss man schon auf offiziell lizenzierte Geräte wie den Google Streamer oder Fire TV Stick zurückgreifen. Mit Raspberry Pi 5 und 8 GB RAM soll das Ganze ein bisschen besser laufen und es gibt auch noch eine vom USB-Stick bootfähige Version von Android TV für x86-Rechner. Aber die konnte ich bisher noch nicht ausprobieren und das wirkt auch alles noch sehr Work in Progress. Falls ihr das schon mal ausprobiert habt, schreibt mal bitte in die Kommentare, wie es läuft. Ich persönlich werde in Zukunft auf jeden Fall erstmal den Google Streamer 4K benutzen, bis die Open-Source-Sachen besser für mich funktionieren. Tschüss!
c’t 3003 ist der YouTube-Channel von c’t. Die Videos auf c’t 3003 sind eigenständige Inhalte und unabhängig von den Artikeln im c’t Magazin. Die Redakteure Jan-Keno Janssen, Lukas Rumpler, Sahin Erengil und Pascal Schewe veröffentlichen jede Woche ein Video.
(sahe)
-
Künstliche Intelligenzvor 2 MonatenSchnelles Boot statt Bus und Bahn: Was sich von London und New York lernen lässt
-
Social Mediavor 1 WocheCommunity Management zwischen Reichweite und Verantwortung
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenFast 5 GB pro mm²: Sandisk und Kioxia kommen mit höchster Bitdichte zum ISSCC
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenHuawei Mate 80 Pro Max: Tandem-OLED mit 8.000 cd/m² für das Flaggschiff-Smartphone
-
Entwicklung & Codevor 2 MonatenKommentar: Anthropic verschenkt MCP – mit fragwürdigen Hintertüren
-
Datenschutz & Sicherheitvor 2 MonatenSyncthing‑Fork unter fremder Kontrolle? Community schluckt das nicht
-
Social Mediavor 2 MonatenDie meistgehörten Gastfolgen 2025 im Feed & Fudder Podcast – Social Media, Recruiting und Karriere-Insights
-
Künstliche Intelligenzvor 2 MonatenGame Over: JetBrains beendet Fleet und startet mit KI‑Plattform neu
