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Sapphire PhantomLink im Test – ComputerBase
Asus BTF („Back to the Future“) umfasst alle Ansätze, um Kabel im PC zu verstecken. Der neueste Bestandteil ist der extra GPU-Stromanschluss „GC-HPWR“. Sapphire hat ihn als erster Hersteller mit „PhantomLink“ übernommen. Wer will, kann entsprechende Mainboards und Grafikkarten von Sapphire und Asus jetzt mischen, zeigt der Test.
Sapphire PhantomLink vs. Asus BTF
Doch bevor es an die Hardware geht, gilt es vorweg noch einmal die Begrifflichkeiten zu klären, denn schon was unter Asus BTF verstanden wird, scheint beim Blick in Tech-Communities weltweit nicht ganz einheitlich zu sein.
Asus BTF vs. „GC-HPWR“
Ein Grund: Asus hat es geschafft, dass „BTF“ vielerorts synonym für Backside-Connector-Mainboards (boten bisher Asus, Gigabyte und MSI) und Grafikkarten mit extra Stromanschluss-Steckleiste sowie passende Mainboards (beides bot bisher nur Asus) steht. Durchaus nicht unberechtigt, denn niemand war so früh mit so viel Nachdruck dabei wie Asus.
Doch BTF ist ein reiner Asus-Marketing-Begriff für alle Ansätze, die Kabel aus dem sichtbaren Bereich eines Desktop-PCs verbannen und bedeutet nicht, dass es „BTF-Ansätze“ nicht auch bei anderen Herstellern gibt.
Der von Asus dafür vor zwei Jahren entwickelte „BTF-Grafikkarten-Anschluss“ trägt eigentlich die weniger einprägsame Bezeichnung „GC-HPWR“ (Graphics Card High Power) und jeder kann ihn lizenzfrei nutzen.
GC-HPWR unterstützt – sofern ausreichend versorgt – bis zu 1.000 Watt und an damit ausgestatteten Grafikkarten kann die Kontaktleiste auch entfernt werden, damit die Grafikkarten auf jedem herkömmlichen Mainboard zum Einsatz kommen können.
Die Auswahl an Grafikkarten und Mainboards mit GC-HPWR-Schnittstelle war bisher sehr eingeschränkt, zumal das bis dato wirklich nur Asus bot. Drei Grafikkarten gibt es bis dato, eine davon ist die GeForce RTX 5090 ROG Matrix (Test), die den Anschluss parallel zum klassischen 12-V-2×6-Kabel nutzt.
Das ändert sich jetzt, denn elf Monate nach der Präsentation zur Computex 2025 bringt Sapphire „PhantomLink“ auf den Markt.
Sapphire PhantomLink
PhantomLink ist Sapphires Marketingname für „GC-HPWR“, also die zusätzliche Schnittstelle für die Stromversorgung der Grafikkarte. Vier Produkte (respektive zwei Produkte in jeweils zwei Farbvarianten) machen den Anfang:
Wichtig: PhantomLink steht nicht für ein vollständiges Backside-Connector-Design, wie es Asus BTF tut. Alle Anschlüsse finden sich beim Sapphire X870E Nitro+ PhantomLink daher weiterhin auf der Vorderseite – auch der 12V-2×6-Anschluss zur Versorgung der neuen PhantomLink-Schnittstelle.
Die ersten PhantomLink-Modelle im Überblick
Sapphire Radeon RX 9070 XT Nitro+ OC PhantomLink
Die erste Grafikkarte von Sapphire mit PhantomLink ist die Sapphire Radeon RX 9070 XT Nitro+ OC PhantomLink. Sie entspricht bis auf die neue Kontaktleiste und zwei Temperatursensoren 1:1 der bereits im Frühjahr 2026 vorgestellten und von ComputerBase getesteten Sapphire Radeon RX 9070 XT Nitro+ (Test).
Der vom letztjährigen Modell schon genutzte, unter der Backplate versteckte 12V-2×6-Anschluss findet sich auf dem PhantomLink-Modell weiterhin. Weil der PhantomLink-Anschluss über die von Asus im letzten Jahr präsentierte Stecker-Verlängerung verfügt, kann die Grafikkarte (wie Asus-BTF-Modelle) auch in herkömmlichen Mainboards über das Kabel betrieben werden.
Die zwei neuen Temperatursensoren finden sich laut Sapphire einmal in der Nähe der 12V-2×6-Buchse und einmal nahe des PhantomLink-Anschlusses. Sie lassen sich über Sapphire TriXX auslesen – eine Warnmeldung bei zu hohen Temperaturen inklusive.
Sapphire X870E Nitro+ PhantomLink
Das Sapphire X870E Nitro+ PhantomLink ist nicht nur Sapphires erstes Mainboard mit dem neuen Steckplatz, sondern auch das neue Flaggschiff im noch jungen Consumer-Mainboard-Portfolio des Herstellers. Bis dato gab es „nur“ ein Pure-Modell der X870E-Klasse.
Wer erwartet hat, dass der Einsatz von „GC-HPWR“ alias PhantomLink bedeutet, dass auch alle anderen Anschlüsse des Mainboards auf die Rückseite verlegt werden, der wird indes eines Besseren belehrt: Das Sapphire X870E Nitro+ PhantomLink ist ganz klassisch aufgebaut, alle Anschlüsse finden sich auf der Vorderseite.
Auch ein von anderen Herstellern inzwischen bekanntes „Komfortfeature“ hat das neue Flaggschiff nicht zu bieten: Einen Quick Release für den ersten PCIe-x16-Slot gibt es beispielsweise nicht. Dafür lassen sich die Kühler auf den M.2-Slots werkzeuglos entfernen.
Mix and Match im Test
GC-HPWR ist standardisiert, Asus BTF und Sapphire PhantomLink lassen sich daher miteinander kombinieren. Dass dem nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis so ist, hat ComputerBase mit folgenden Komponenten getestet:
- Sapphire X870E Nitro+ PhantomLink
- Sapphire Radeon RX 9070 XT Nitro+ OC PhantomLink
- Asus X870E Crosshair BTF
- Asus GeForce RTX 5090 ROG Matrix
Sapphire-Mainboard mit Asus-Grafikkarte
Wie von Asus‘ BTF-Platinen mit GC-HPWR-Anschluss bekannt, lässt sich die ROG Matrix mit GC-HPWR problemlos im PhantomLink-Mainboard von Sapphire einsetzen. Der 12V-2×6-Anschluss zur Versorgung des Steckplatzes auf dem Mainboard sitzt in diesem Fall allerdings vorne und nicht hinten.
Asus-Mainboard mit Sapphire-Grafikkarte
Auch andersherum gibt es keine Probleme: Die Sapphire Nitro+ PhantomLink findet wie eine BTF-Grafikkarte von Asus in der BTF-Platine ihren Platz.
Voller Software-Support nur sortenrein
Die Hardware spielt also einwandfrei herstellerübergeifend zusammen, bei der Software sieht es noch nicht ganz so aus. So lassen sich im PhantomLink-Mainboard von Sapphire über Asus GPU Tweak III die Stromstärken am GC-HPWR-Anschluss der Matrix nicht auslesen, das Tool nennt lediglich die Adern am Kabelanschluss. ComputerBase hat Asus bereits darauf aufmerksam gemacht.
Sapphires Software-Tool TriXX hilft dabei auch nicht weiter. Die von der Software auslesbaren Temperatursensoren sitzen auf der Nitro+ PhantomLink, der Steckplatz auf dem Mainboard selbst bietet keinen.
Leistungsaufnahme
Macht es bei der Leistungsaufnahme einen Unterschied, ob die Sapphire Radeon RX 9070 XT klassisch über 12V-2×6 oder GC-HPWR betrieben wird? Nein, in beiden Fällen lassen sich bei von der Telemetrie gemeldeten 330 Watt Gesamtleistungsaufnahme ca. 310 Watt Leistungsaufnahme abseits des PCIe-Slots messen.
Nicht erneut gemessen hat ComputerBase, wie viel Strom die GeForce RTX 5090 ROG Matrix über welchen Anschluss unter Volllast im PhantomLink-Mainboard von Sapphire zieht, denn am Ende entscheidet das die Grafikkarte und nicht die Hauptplatine – Details liefert der Test der Grafikkarte im BTF-Mainboard von Asus.
Die Probe aufs Exempel wurde dennoch gemacht: Problemlos lässt sich die Asus GeForce RTX 5090 ROG Matrix Platinum Edition mit den 800 Watt TDP, die bei paralleler Stromversorgung über 12V-2×6 und GC-HPWR zur Verfügung stehen, betreiben.
Temperaturen
Die Sapphire Radeon RX 9070 XT Nitro+ PhantomLink verfügt über zwei Temperatursensoren, die den GC-HPWR-Anschluss und den klassischen 12V-2×6-Anschluss überwachen können sollen. Ausgelesen werden können die Temperaturen über Sapphire TriXX (HWiNFO erkennt sie aktuell noch nicht).
Die gemeldeten Temperaturen lassen allerdings ein Fragezeichen zurück, denn es macht keinen nennenswerten Unterschied, über welchen Weg die gemessenen ca. 310 Watt auf die Grafikkarte gelangen. Die Temperaturen werden stimmen, doch die Position der beiden Sensoren dürfte dem eigentlichen Zweck nicht dienlich sein.
Fazit
Bevor sich die Ankündigung der Computex 2025 jährt, hat Sapphire PhantomLink endlich auf den Markt gebracht. Damit gibt es neben Asus jetzt einen zweiten Hersteller, der auf den von Asus entwickelten, auch anderen Herstellern lizenzfrei zur Verfügung stehenden Grafikkarten-Stromanschluss „GC-HPWR“ setzt.
Nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis lassen sich damit Grafikkarten und Mainboards von Asus („BTF“) und Sapphire („PhantomLink“) nach Lust und Laune miteinander kombinieren. Nur bei der Software müssen beide jetzt, da die Produkte verfügbar sind, noch einmal ran, damit die jeweiligen Tools auch Hardware der Gegenseite erkennen.
Sapphire PhantomLink ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung, wenn die Stromversorgung von Desktop-Grafikkarten über einen zusätzlichen Steckplatz statt Kabel der Weg in die Zukunft bereitet werden soll. Doch damit es wirklich vorangeht, müssen auch Mainboard-Schwergewichte wie MSI, Gigabyte oder ASRock sowie weitere Grafikkarten-Hersteller folgen. Sie sollten sich an Sapphire ein Beispiel nehmen.
Im aktuellen Umfeld ohne echte Neuerscheinungen und mit horrenden Preisen, die vom Kauf abschrecken, wird das aber vorerst wohl nicht passieren. Sapphire gebührt hier am Ende ein Extralob dafür, der Vorstellung im letzten Jahr in diesem Umfeld Taten folgen zu lassen.
Nicht nachvollziehbar ist, warum Sapphire zwar „GC-HPWR“ auf dem Mainboard umgesetzt hat, dessen 12V-2×6-Stromzufuhr und auch alle anderen Anschlüsse aber auf der Vorderseite der Platine belässt. Backside Connectors sind zwar noch nicht der Standard am Markt, aber die Auswahl an Gehäusen immer größer und wer neu kauft und zum Sapphire X870E Nitro+ PhantomLink greift, der hätte einen vollständig von Kabeln befreiten Innenraum sicherlich gerne mitgenommen. So gibt es zwar GC-HPWR jetzt auch von Sapphire, das ganze Backside-Connector-Paket aber weiterhin nur von Asus.
Meinung von Jan-Frederik Timm
„GC-HPWR“ ist ein offener Standard, aber nur wenn er auch breit am Markt genutzt wird, kann in Zukunft wirklich etwas daraus werden. Sapphire als Wiedereinsteiger in den Mainboard-Sektor geht mit gutem Beispiel voran, jetzt müssen „nur noch“ ASRock, Gigabyte und MSI folgen, damit auch andere Grafikkartenhersteller einen Markt sehen – und GC-HPWR aus der Nische tritt.
Ich fände das gut, denn solange das Stromkabel noch im Rechner vor der Grafikkarte herum baumelt, sind alle Bemühungen für einen „kabellosen PC“ nur die Hälfte wert. Und sich dafür nur bestimmten Herstellern (Asus, jetzt auch Sapphire) zu verschreiben, macht jedwede Flexibilität zunichte.
Schon heute gibt es zwar Designs wie die Nitro+, die das Kabel bestmöglich verstecken, aber breit am Markt vertreten sind auch diese Lösungen nicht. Ich würde mir wünschen, die Industrie geht gemeinsam den GC-HPWR-Weg, statt nichts zu tun oder an Kabelversteckkühlern wie der ersten Nitro+ zu arbeiten.
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