Künstliche Intelligenz

SAS: AI Navigator soll KI-Nutzung in Firmen ordnen


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Analytics-Spezialist SAS hat auf seiner Kundenkonferenz Innovate den AI Navigator vorgestellt. Die neue Stand-alone-Plattform für KI-Governance soll Unternehmen helfen, KI-Projekte, Modelle und Agenten zentral zu erfassen, Richtlinien anzuwenden und Freigaben zu dokumentieren. SAS beschreibt die Plattform als Werkzeug, um KI-Assets über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg zu verwalten und auch externe Modelle sowie Open-Source-Komponenten in eine zentrale Governance einzubeziehen. Die Plattform soll sichtbar machen, welche KI-Tools im Unternehmen überhaupt genutzt werden, welche Modelle zugelassen sind, wer worauf zugreifen darf und welche Use Cases von der Pilot-Phase in die Produktion übergehen sollen.

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SAS adressiert damit vor allem ein Organisationsproblem, das in vielen Firmen längst größer geworden ist als die Frage nach dem nächsten LLM: Fachabteilungen, IT und Einkauf beschaffen oder testen parallel verschiedene KI-Dienste, oft ohne gemeinsamen Überblick und ohne einheitliche Leitplanken. Im Gespräch mit iX beschrieb Kristi Boyd, Trustworthy AI Specialist bei SAS, diese Sichtbarkeit als die erste Voraussetzung für jede Art von Governance. „Der Navigator schafft Transparenz über die Silos hinweg, etwa wenn HR ein Tool eines Anbieters nutzt und die IT parallel mit ähnlichen Modellen desselben Herstellers experimentiere“, war einer ihrer Hinweise.

Ihr Kernsatz lautete: „You can’t govern what you don’t see.“ Das bedeutet, dass der AI Navigator nicht die großen Probleme einer länder- und branchenspezifischen KI-Regulierung löst, denn diese unterscheiden sich in ihren Rechtsrahmen, den Aufsichtsverfahren und Risikoprofilen viel zu stark. Boyd bestätigte, dass Governance „je nach Region, Branche und Risikohaltung unterschiedlich ausfalle“ und dass es „oft weniger an Regeln fehle als an deren Auslegung und der operationalen Umsetzung“.

Damit ist der AI Navigator keine universelle Compliance-Schicht für sämtliche KI-Vorgaben in allen Märkten. Er ist eher ein Steuerpult für den firmeninternen Regelraum. Dort aber könnte die Plattform von Nutzen sein: Sie soll KI-Assets inventarisieren können, interne Policies bündeln, Audit-Trails nachvollziehbar machen und dabei helfen, Entscheidungen über Pilotprojekte, Produktiv-Vorgaben und Verantwortlichkeiten aus der E-Mail- und PowerPoint-Zone herauszuholen.

Boyd formuliert das so: „Ohne ein zentrales System skalieren Unternehmen am Ende nicht Governance, sondern Chaos.“ Hinzu kommt, dass SAS den AI Navigator auch als Mittel gegen Schatten-KI positioniert, denn in vielen Unternehmen nutzen Mitarbeitende ChatGPT, Copilot, Claude oder Spezialtools lange bevor rechtliche, organisatorische und sicherheitsrelevante Fragen sauber geklärt sind. Die Plattform soll hier zunächst Ordnung in die eigene KI-Nutzung bringen – aber nicht sämtliche regulatorischen Spezialfälle automatisch lösen.

Sobald es um die großen Governance-Probleme, wie nationale Besonderheiten, branchenspezifische Vorgaben oder die Auslegung einzelner Regeln geht, endet naturgemäß der Bereich, der mit einer generischen Plattform abgedeckt werden kann. SAS verweist hierbei zu Recht auf Partner und auf die Erweiterungsmöglichkeiten der Plattform. Das ist ein klares Eingeständnis der Realität: KI-Governance besteht eben nicht nur aus Technik, sondern auch aus juristischer Interpretation, Branchenwissen und lokaler Aufsichtspraxis. Verfügbar sein soll der SAS AI Navigator ab dem dritten Quartal 2026.

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Die Erwartungen an eine plattformübergreifende, allgemein umfassende Governance-Lösung sind groß. Tatsächlich aber adressiert der AI Navigator vor allem den kleinsten gemeinsamen Nenner: interne Sichtbarkeit, interne Regeln, interne Freigaben. Das ist nicht sonderlich spektakulär, aber ein solider, sinnvoller Ansatz. Denn bevor die komplizierten Vorgaben einzelner Länder und Branchen sauber abgebildet werden können, muss zunächst klar sein, welche KI bereits im eigenen Haus im Einsatz ist.


(axk)



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