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»Schrift ist nicht nur Stil, sondern Markenidentität« › PAGE online


Schriftgestalter Henning Skibbe über Typographic Branding und warum Marken heute stärker über Schrift sprechen müssen.


Typografie ist längst mehr als ein ästhetisches Detail – sie ist ein strategisches Werkzeug in der Markenführung. Im Gespräch erläutert Henning Skibbe, warum Schrift Haltung transportiert, Differenzierung ermöglicht und welche Rolle neue Technologien dabei spielen. Das Thema vertieft er auch in seinem Webinar »Typographic Branding«.

PAGE: Henning, warum ist Typografie heute ein strategisches Thema für Marken?

Henning Skibbe: Schrift ist weit mehr als Stilmittel. Sie ist ein zentraler Bestandteil der Markenidentität. Über Typografie kommunizieren Marken Haltung, Tonalität und Konsistenz – über alle Kanäle hinweg. In einer Zeit, in der Marken auf so vielen Plattformen gleichzeitig stattfinden, ist das unverzichtbar. Eine Marke ohne typografische Strategie wirkt beliebig. Typografie sorgt dafür, dass eine Marke auch ohne Logo erkannt wird. Sie trägt die DNA im Alltag.

Was sind aus deiner Sicht die zentralen Aspekte von Typographic Branding?

Ich betrachte Typografie – auch in meinem Webinar »Typographic Branding«– aus drei Perspektiven: strategisch, gestalterisch und technologisch. Es geht darum, wie Schriftwahl oder -entwicklung gezielt zur Markenführung beitragen kann – ob durch den Einsatz bestehender Schriftfamilien oder durch Custom Fonts. Ein Schwerpunkt liegt darauf, wie sich eine typografische Sprache definieren lässt, die Wiedererkennbarkeit und Flexibilität verbindet. Außerdem geht es um die Frage, wie typografische Entscheidungen im Designprozess fundiert begründet werden können.

Wie verändert sich Typografie aktuell durch neue Technologien wie Variable Fonts oder KI?

Technologie eröffnet enorme Freiräume. Variable Fonts ermöglichen beispielsweise, dass Marken mit Dynamik und Flexibilität arbeiten können, ohne an Konsistenz zu verlieren. Und KI kann typografische Workflows effizienter machen, etwa bei der Schriftanalyse oder bei Tests zur Lesbarkeit. Aber Technik ersetzt kein gestalterisches Denken. KI kann inspirieren, braucht jedoch eine klare Richtung – und die kommt aus der Markenstrategie.

Was sind denn aus deiner Sicht die häufigsten Fehler, die Marken in der Typografie machen?

Viele Marken unterschätzen die Rolle der Schrift oder treffen Entscheidungen zu kurzfristig – etwa aus Budgetdruck oder aufgrund von Trends. Dabei ist Typografie einer der langlebigsten Bestandteile einer visuellen Identität. Wer sie nicht strategisch entwickelt, muss später nachbessern. Ein weiterer Punkt: Accessibility und Lesbarkeit werden häufig zu spät berücksichtigt. Gute Typografie schafft nicht nur Charakter, sondern auch Zugänglichkeit – und das wird zunehmend zu einem Qualitätskriterium für Marken.

Für wen ist das Thema »Typographic Branding« besonders relevant – und warum gerade jetzt?

Relevant ist es für alle, die Marken führen oder gestalten: Designer:innen, Creative Directors, Markenstrateg:innen ebenso wie Brand Manager:innen in Unternehmen. Typografie verbindet Design, Technologie und User Experience. Und weil Marken über zahlreiche Touchpoints hinweg kommunizieren, ist typografische Konsistenz längst kein Nice-to-have mehr, sondern eine Voraussetzung für Glaubwürdigkeit. Wer Schrift strategisch versteht, verfügt über ein starkes Instrument, um Marken zukunftsfähig zu machen.

Typografie strategisch weiterdenken – mit Henning Skibbe

Henning Skibbe, einer der profiliertesten Schriftgestalter im deutschsprachigen Raum, vertieft im Webinar »Typographic Branding« die hier angesprochenen Fragen zur Rolle von Schrift in der Markenführung. Anhand von Praxisbeispielen zeigt er, wie sich typografische Systeme entwickeln und argumentativ im Markenprozess verankern lassen. Als PAGE+ Abonnent:innen erhaltet ihr auf die Teilnahme übrigens einen Rabatt von 30 Prozent.

Bild: Klaus Nather

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