Auf Basis des Leitsystems für das renovierte Folkets Hus am Norra Bantorget in Stockholm, entstand eine Type mit acht Schnitten.
Ein Folkets Hus (schwedisch für Haus des Volkes) ist ein traditionelles skandinavisches Gemeinschaftszentrum, das als Treffpunkt für Kultur, Bildung und politische Aktivitäten dient. Ursprünglich von der Arbeiterbewegung ins Leben gerufen, beherbergen diese Häuser heute oft Kinos, Bibliotheken, Cafés und Räume für Vereine.
Das Folkets Hus am Norra Bantorget in Stockholm ist ein Meisterwerk des Funktionalismus, entworfen vom Architekten Sven Markelius, der eine zentrale Rolle in der Stadtplanung Stockholms nach dem Zweiten Weltkrieg spielte.
Die Stockholmer Designagentur Figur wurde mit der Gestaltung eines Leitsystems für das nach einigen Jahren Renovierungszeit 2025 wiedereröffnete Folkets Hus beauftragt. Für die Schriftentwicklung holten die Kreativen von Figur Typedesigner Göran Söderström, Gründer der Foundry Letters from Sweden ins Boot.
Zusammen mit dem französischen TypedesignerLéo Guibert, entwickelte Göran Söderström die Markelius Sans, die auf handgezeichneten Interpretationen der Schriftart Helvetica basiert, die sie zwischen Architekturzeichnungen und Schildern im Archiv des Folkets Hus am Norra Bantorget in Stockholm fanden.
»Als das Gebäude 1960 eingeweiht wurde, fanden sie für die Beschilderung mit den Aufschriften stadsteatern, kongresshallen, baldakinen und pelarsalen Verwendung,« so Göran Söderström. »1991 kam die Beschilderung für dansens hus hinzu, die mit dem gleichen begrenzten Satz von Buchstaben hergestellt wurde.«
Söderström und Guibert scannten die Originalbuchstaben und zeichneten sie für die Digitalisierung nach, fehlende Zeichen entwickelten sie nach derselben Grundlogik. Dabei ist die Markelius Sans keine perfekte zeitgenössiche Schrift, sie hat einen ganz eigenen Charme, der sich nicht allein mit Bézier-Kurven konstruieren lässt. »Wir haben nichts verändert. Bei der Markelius Sans handelt sich nicht um eine kommerzielle Modernisierung, sondern mehr um eine Hommage an das Original,« sagt Göran Söderström.
Der Letters from Sweden-Gründer entwarf den Regular Schnitt aus dem Ausgangsmaterial, das nur in einer Stärke vorlag. Damit war der Job, den Söderström von der Agentur Figur bekommen hatte, eigentlich erfüllt. Aber Lukas Nässil, Designer, Art-Director und Gründer von Figur stieß die Idee an, die Schrift weiter auszubauen. Gedacht getan, Léo Guibert erstellte weitere Strichstärken und Kursive. Er zeichnete auch einige noch fehlende Glyphen.
Sechsundsechzig Jahre nach der Einweihung des von Sven Markelius entworfenen Gebäudes hat dieses nicht nur ein wunderbares neues Leitsystem. Es gibt auch die Schrift Markelius Sans in acht Schnitten: Regular, Medium, Semibold und Bold mit passenden Kursiven. Die Familie umfasst auch jede Menge Pfeile: Mit und ohne Kreis, jeweils angepasst an die Ausrichtung von Klein- und Großbuchstaben.
Lizensieren kann man die Type mit dem 60er Jahre Schweden-Flair über Letters from Sweden, Einzelschnitte kosten rund 50 Euro, alle acht zusammen knapp 300 Euro.
Das von der Stockholmer Designagentur Figur entwickelte Leitsystem passt perfekt zum Gebäude.
Die Inspiration für die Piktogramme stammt vom Portikus. Die Winkel, Proportionen und Größen der tanzenden Figuren prägen das Erscheinungsbild der Icons. Ihr auffälligstes Merkmal ist die Größe des Kopfes im Verhältnis zum Körper.
Stehende Zeichen sind an einer eigenen Grundlinie ausgerichtet. Alle anderen Symbole wurden optisch vertikal und horizontal zentriert.