Apps & Mobile Entwicklung
Sharkoon Skiller SGK55W im Test
Sharkoon-Tastaturen haben recht zuverlässig das geliefert, was man eigentlich will. Statt Ausstattungs-Extravaganzen lag der Fokus auf dezente Alltagstauglichkeit und Kernfeatures. Was gibt es dazu zu sagen? Bei der neuen SGK55W doch einiges, denn die Tastatur entspricht den Erwartungen nicht ganz.
Auf dem Papier gibt die SGK55W eine unaufgeregt vielversprechende Figur ab. Kompaktes Layout, kabellose Anbindung und optimierte Akustik klingen nach einem spannenden Paket für rund 70 Euro. Gerade in der Akustik überrascht Sharkoon – mit Augenmaß. Alle Details im Test.
- Prinzipiell gutes Layout
- Solide Taster
- Saubere, aber prägnante Akustik
- Quelloffene Firmware
- Status-LEDs sehr hell
- Halb zusammengeschobene Funktionstasten
Die Skiller SGK55W im Überblick
Das Layout der SGK55W folgt weitgehend dem „normalen“ 75%-Format, indem es die meisten Tastengruppen voneinander trennt, Pfeiltasten werden jedoch in vertikaler Richtung direkt an das Tastenfeld angedockt. Ergänzend setzt Sharkoon einen Metall-Drehregler auf die Tastatur. Sie liegt damit im Sweet Spot zwischen geringen Abmessungen und kompromissfreier Nutzung.
Zur Datenübertragung kommt ein USB-Kabel oder ein Funkdongle zum Einsatz, auf Bluetooth verzichtet die Tastatur. Ein 4.000-mAh-Akku soll Laufzeiten von bis zu 200 Stunden ermöglichen, was sich auf deaktivierte Hintergrundbeleuchtung beziehen wird.
Damit ist eine Basics-Tastatur umrissen, die das hat, was man am PC in der Regel braucht. Wesentliches steckt im Inneren: Aufwändigere Geräuschdämpfung, vielversprechende Materialien und quelloffene Firmware mit Web-App sind unsichtbar, haben aber spürbare Auswirkungen.
Taster: Erstmals eigene Taster
In aktuellen Tastaturen verbaut Sharkoon erstmals Taster unter eigenem Label. Die in der SGK55W verwendeten Sharkoon Black sind entgegen ihrer farblichen Codierung lineare Taster, die laut Datenblatt mit einem Widerstand von 41 Gramm sogar noch etwas leichter als normale rote Modelle zu betätigen sein sollten.
So fühlen sich Sharkoon-Taster an
Die schwarzen Taster sind qualitativ ein Schritt nach vorne gegenüber Budget-Modellen. Sie zeichnen sich durch sauberes Eingleiten und ordentliche Rückmeldung aus. Das Ausfedern sortiert sich subjektiv auf der etwas behäbigeren Seite ein. Kontrolliertem Betätigen steht dies nicht im Weg, die Taster vermitteln einen recht guten Eindruck von der Position des Stempels.
Akustisch sind sie, salopp formuliert, das Pendant zu White Monster Energy: Auffällig und krawallig per Design. Ihre Materialwahl gewährleistet ploppende Rückmeldungen bei Betätigung, die durch die Bühne, das Chassis der Tastatur, lediglich moderiert werden kann.
Beleuchtung für das Tastenbett
Tasten baut Sharkoon lichtundurchlässig, darin gleicht die SGK55W anderen Sharkoon-Tastaturen. Dafür gibt es höhere Wandstärken, PBT-Kunststoff und eine sehr haltbare, große und durch hohen Kontrast lesbare Beschriftung. Da die gesamte FN-Ebene frei programmiert werden kann, finden sich FN-Funktionen nur in einer Kurzübersicht, nicht aber auf den Tasten wieder. LEDs sitzen unterhalb der Tasten („South Facing“). Stören kann je nach Blickwinkel die Helligkeit der weißen Status-LED.
Alltag & Akustik
Die Skiller SGK55W setzt auf Bewährtes statt Experimente. Stumpfe Funktionalität mag langweilig wirken, dafür funktioniert sie genau wie erwartet. Akustisch überrascht die Tastatur hingegen sowohl qualitativ als auch klanglich.
Akustik:
Zwei Lagen Schaumstoff und eine weitere Silikonschicht sollen „gedämpfte Akustik“ und „runde“ Anschläge produzieren, verspricht die Produktseite. Die Erwartung einer besonders leisen Tastatur erfüllt die SGK55W jedoch nicht. Die Silikonmatte bringt zwar eine grundsätzliche Ruhe in die Klangkulisse, die Abstimmung produziert aber einen „thocky“-Sound mit ploppenden Geräuschen schon beim Antippen der Taster. Damit ist die Tastatur grundsätzlich präsent.
Damit wählt Sharkoon anders als bei der universell verträglichen OfficePal KB70W mit Augenmaß einen spezielleren Weg. Denn störend wird die Tastatur nicht, sie klingt bei aller Gaming-Kulisse wohltuend dezenter als die durchdringendere, spitzere Endorfy Thock V2 (Test) ohne dadurch zu wenig markant zu sein. Sharkoon produziert einen satteren, volleren Thock, der trockener klingt. In der „Gaming“-Sparte ist sie das verträglichere Produkt mit Allround-Tendenzen. In Spielen kann die Tastatur zudem auch ruhig sein: Einzelne Eingaben bleiben ruhig, wenn man den Kraftaufwand moderiert.
Ob eine Tastatur überhaupt prägnant klingen sollte, ist zum Teil eine Frage der Kategorie „Präferenz“. Persönlich erscheint die SGK50 als das angenehmere Eingabegerät, weil es besser im Hintergrund verschwindet und sich auch gänzlich zurückhalten kann. Der Preis des ploppenden Thocks: Es entsteht ein Klangteppich, bei dem sich einzelne Anschläge nur schwer individuell wahrnehmen lassen. In diesem Punkt präsentiert sich der „Vorgänger“, die SGK50 (Test), im Bereich der Haupttasten besser, wenngleich dort größere Tasten akustisch deutlich abweichend klingen. Diesen Punkt macht die SGK55 erheblich besser.
Eine Hator Skyfall 80 mit Silent-Switches (Test) schafft in der Preisklasse weiterhin mehr Ruhe. Diese gibt es auch bei Sharkoon: Den Plopp-Klang produzieren die Taster, denn die OfficePal KB70 ist bis auf die Taster und den Formfaktor fast das identische, aber „stumme“ Produkt, das Anschläge weitgehend wegdämpft.
Alltag: Unaufgeregt
Abseits der Akustik zeigt Sharkoon erneut, dass vermeintlich langweiliger Standardkram am Ende die spannendste Lösung ist. Die SGK55W fokussiert sich wie die KB70W (Test) im Vollformat auf praktisch relevante Kernbereiche. Man kann deshalb wenig über exotische Extras schreiben und einfach festhalten, dass das, was da ist, funktioniert – und mehr Platz um den Drehregler eine elegantere Betätigung ermöglichen würde. Diesen Punkt teilt sich die Tastatur mit prinzipiell Regler-Modellen.
Auch mit dem reduzierten Abstand zwischen Tastengruppen kann man sich arrangieren. Er dürfte die Fertigung vereinfachen, bietet aber noch genug Orientierungspunkte um blinde und weitgehend fehlerfreie Bedienung zu ermöglichen. Etwas nach oben abgesetzte Pfeiltasten würden die Nutzung noch etwas vereinfachen, gegenüber ganz zusammengeschobenen Layouts wie bei der SGK50 kann auf Funktionstasten aber wesentlich leichter zugegriffen werden.
Software: quelloffene Flexibilität
Die SGK55W wird wie fast alle jüngeren Sharkoon-Tastaturen mit quelloffener QMK-Firmware betrieben. Sie kann deshalb mit der VIA-App im Browser programmiert werden. Darüber lassen sich LEDs, Tasten und drei FN-Ebenen programmieren. Arrangieren muss man sich nur mit der teils technischen Bezeichnung erweiterter Tastenfunktionen, die sich nicht von selbst erschließen. Eine Dokumentation zumindest von Sharkoon würde einen deutlichen Mehrwert schaffen.
Fazit
Auf dem Papier gibt die SGK55W eine unaufgeregt vielversprechende Figur ab. Kompaktes Layout, kabellose Anbindung und optimierte Akustik klingen nach einem spannenden Paket für rund 70 Euro. Gerade in der Akustik überrascht Sharkoon – mit Augenmaß.
Ploppende Klänge sind wie RGB-LEDs und Displays eher „Gaming-Folklore“ als universell nützliches Feature. Sharkoon hält die Tastatur allerdings ordentlich im Zaum, sie kann, anders als die aufdringlichere Thock V2 von Endorfy, auch dezent. Plopp, aber alltagstauglicher, das ist die Devise.
Klare, dezentere Klicks wären zumindest nach persönlichem Geschmack die universellere schönere Variante gewesen. Hörbare Tastaturen bleiben speziell und in der Nische. Ein ordentliches Chassis lässt immerhin die Option, die – im haptischen Feedback absolut angemessenen – Taster auszutauschen um auch die Akustik in gänzlich ruhige Bahnen zu lenken.
Das Grundpaket von Geräuschdämpfung über leicht ablesbare, aber lichtundurchlässige Tastenkappen bis hin zur quelloffenen Firmware bleibt, es gleicht der leisen OfficePal KB70W (Test) im Vollformat. Einlassen muss man sich damit prinzipiell auf die Akustik, ein Layout, das Tastengruppe gerne noch stärker separieren dürfte, und auf etwas zu helle Status-LEDs.
Für 70 Euro ist das trotzdem ein solides Paket. Garniert mit völliger Freiheit bei der Programmierung von Tasten und FN-Ebene sowie kabellosem Betrieb bietet die Tastatur eine Menge Dinge, die man wirklich möchte. Insgesamt lohnt sich damit der Mehrpreis zur Redragon UCAL KB673 (Test) – wenn man mit der Akustik warm wird.
- Prinzipiell gutes Layout
- Solide Taster
- Saubere, aber prägnante Akustik
- Quelloffene Firmware
- Status-LEDs sehr hell
- Halb zusammengeschobene Funktionstasten
ComputerBase hat die Skiller SGK55W von Sharkoon leihweise zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.
(*) Bei den mit Sternchen markierten Links handelt es sich um Affiliate-Links. Im Fall einer Bestellung über einen solchen Link wird ComputerBase am Verkaufserlös beteiligt, ohne dass der Preis für den Kunden steigt.
Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung durch ComputerBase Pro und deaktivierte Werbeblocker. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.