Digital Business & Startups
Sind alle erfolgreichen Unternehmer Psychopathen?
Muss man als Gründer ein Arschloch sein, um erfolgreich zu werden? Jason Modemann von Mawave erklärt, warum Angstkultur und Ego langfristig eher Startups schaden.
Warum werden toxische Menschen oft als besonders starke Unternehmer wahrgenommen? Jason Modemann, CEO der Agentur Mawave, erklärt, warum hohe Standards nichts mit Angstkultur zu tun haben, weshalb direkte Kommunikation oft falsch verstanden wird und warum erfolgreiche Führung nicht automatisch bedeutet, menschlich schwierig zu sein.
Wer heute lange genug in der Startup- oder Unternehmens-Bubble unterwegs ist, hört dieselbe Frage immer wieder: Muss man im Business ein Arschloch sein, um erfolgreich zu sein?
Klar, die Frage wirkt erstmal provokant. Aber sie kommt nicht von ungefähr. Denn die Business-Welt – und vor allem auch LinkedIn – feiert Eigenschaften, die im normalen sozialen Leben eher problematisch sind: extreme Selbstüberzeugung, permanente Leistungsorientierung, emotionale Distanz und die Fähigkeit, andere Menschen zu überzeugen.
Viele der bekanntesten Gründer weltweit werden genau dafür glorifiziert. In fast jeder Steve-Jobs-Doku gibt es beispielsweise diesen einen Satz: Mitarbeiter hätten Angst gehabt, ihm im Fahrstuhl zu begegnen. Trotzdem gilt der Apple-Gründer bis heute als Blaupause des genialen Unternehmers.
Meiner Meinung nach ist diese Sicht auf Erfolg nicht nur moralisch, sondern auch strategisch falsch.
Hohe Standards funktionieren nur, wenn Menschen angstfrei arbeiten können
Viele Gründer glauben, dass maximaler Druck automatisch zu maximaler Leistung führt. Kurzfristig stimmt das manchmal vielleicht sogar: Mitarbeitende arbeiten länger und intensiver und Entscheidungen werden schneller getroffen.
Langfristig produzieren ein permanenter Leistungsdruck und zu hohe Standards aber auch Angst. Und Angst ist fast nie ein guter Nährboden für Kreativität, Loyalität oder gute Entscheidungen. Ganz im Gegenteil: Wenn Mitarbeitende Angst haben, scheitert meist auch die Kommunikation. Probleme werden dann spät oder gar nicht angesprochen, Risiken kleingeredet, Fehler vertuscht.
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Natürlich sind hohe Standards wichtig. Aber sie funktionieren nur in einem Umfeld, in dem Menschen Probleme offen ansprechen können, ohne sofort Angst vor Konsequenzen zu haben. Deshalb stelle ich unseren Mitarbeitenden zum Beispiel auch regelmäßig Coffee Chats ein – einfach damit sie wissen, dass sie mit jeder Thematik zu mir kommen können und sich trauen dürfen, Dinge bei mir anzusprechen.
Direktheit verliert ihren Wert, wenn sie respektlos ist
Direkte Kommunikation hat eigentlich einen sehr einfachen Zweck: Sie soll Reibung langfristig reduzieren und Probleme schneller lösbar machen. Führungskräfte, die direkt kommunizieren, lassen ihr Gegenüber wissen, woran sie sind und räumen Missverständnisse aus dem Weg.
Das Problem: Viele verwechseln direkte Kommunikation mit emotionaler Härte. Als müsste Kritik automatisch verletzend sein oder als wäre Respekt ein Zeichen von Schwäche. Doch emotionale Härte macht Gespräche oft unnötig persönlich. Dann geht es plötzlich nicht mehr um die eigentliche Sache, sondern darum, wer sich im Raum durchsetzt, wer dominanter wirkt oder wer das letzte Wort hat.
Um das zu vermeiden, versuche ich in der Zusammenarbeit vor allem auf zwei Dinge zu achten: Dass meine Kommunikation zwar direkt, aber auch immer lösungsorientiert ist und ich es wirklich gut mit meinem Gegenüber meine. Und dass Fehler offen angesprochen werden können und ich auch meine eigenen eingestehe. Denn genau dadurch entsteht Vertrauen. Und Vertrauen ist am Ende die Grundlage dafür, dass direkte Kommunikation überhaupt funktioniert.
In meinen Augen braucht es viel mehr Empathie als strategische Fähigkeit. Denn wer Menschen lesen kann, kommuniziert besser. Wer Emotionen versteht, führt Teams stabiler. Wer zuhören kann, trifft oft präzisere Entscheidungen. Und wer kein permanentes Ego-Theater veranstaltet, schafft meistens Umfelder, in denen andere überhaupt erst ihr volles Potenzial entfalten.
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Vielleicht ist genau das die Wahrheit hinter dem Mythos vom psychopathischen Unternehmer: Man muss nicht menschlich schwierig sein, um außergewöhnlich erfolgreich zu werden. Manche waren es einfach trotzdem.
Jason Modemann ist Gründer und Geschäftsführer von der Social Media Agentur Mawave Marketing. Mit 27 Jahren führt er 150 Mitarbeiter. Zu Mawaves Kunden zählen unter anderem Red Bull, Nike und Lidl. Zudem ist er Autor des Buches „Always hungry, never greedy.“