Entwicklung & Code

So würde eine KI als Start-up-Chef abschneiden


Forscher der Princeton University haben mit CEO-Bench einen neuen Langzeit-Benchmark vorgelegt, der KI-Agenten vor eine ungewöhnliche Aufgabe stellt: Sie sollten 500 Tage lang ein fiktives Software-Start-up führen. Das Ergebnis fällt für die aktuellen Modelle ernüchternd aus. Von zehn getesteten KI-Modellen schafften es lediglich drei, am Ende mehr Geld auf dem Konto zu haben als das Startkapital von einer Million US-Dollar. Zum Vergleich: Daten zu menschengeführten Start-ups in den USA legen nahe, dass ein Fünftel aller Start-ups im ersten Jahr und bis zu 65 Prozent der Start-ups innerhalb von zehn Jahren nach ihrer Gründung scheitern.

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Als Vergleich im Benchmark-Test ließen die Forscher auch einen handkodierten, regelbasierten Agenten ganz ohne maschinelles Lernen die gleiche Aufgabe absolvieren. Abgesehen von den drei Gewinnern performte er besser als die KI-Modelle.

Die in der auf arXiv veröffentlichten Studie mit der beschriebenen Simulation dreht sich um ein Start-up namens „NovaMind“. Die KI-Agenten starten ohne Kunden und mit einer Million Dollar. Fällt der Kontostand unter null, ist die Firma insolvent – und das Spiel vorbei. Um ihr Start-up zu führen, stehen den Agenten 34 Werkzeuge zur Verfügung: von Preisfestlegung über Produktgestaltung bis hin zu Marketing. Als Input bekommen sie unter anderem „unternehmensinterne“ Datenbanken, Informationen zu Kundengruppen mit Präferenzen, die erst entschlüsselt werden müssen, und einen Markt, der sich laufend verändert. Konjunkturzyklen, Druck durch Wettbewerber und Änderung der Marktlage inklusive. Die Modelle müssen unübersichtliche, miteinander vernetzte Unternehmensdatenbanken analysieren, Daten und Ereignisse in fundierte Strategien übersetzen und zahlreiche Entscheidungen aufeinander abstimmen. Wie die Autoren der Studie betonen, messen sie damit nicht die Fähigkeit, isolierte Aufgaben abzuarbeiten, sondern das, was sie „Steering Intelligence“ nennen: die Kompetenz, ein komplexes System über längere Zeit trotz Unsicherheiten zu steuern.

In der Hauptauswertung absolvierten alle Modelle jeweils drei Durchläufe. Als Leistungsmaß dient der beste Run pro Modell. Claude Opus 4.8 erzielte dabei ein End-Guthaben von rund 27,8 Millionen US-Dollar nach 500 Tagen, GPT-5.5 kam auf etwa 21,3 Millionen. Beide Modelle landeten damit in ihrer besten Runde deutlich oberhalb des Startkapitals – in den anderen beiden Runden lagen sie darunter und „bestanden“ den Test ebenfalls nicht. Claude Fable 5 schaffte laut der CEO-Bench-Projektseite in einem Lauf rund 47 Millionen Dollar; hier lief der Test jedoch zwischenzeitlich mit Opus, da Fable sich aufgrund seiner starken Sicherheitseinschränkungen immer mal wieder Aufgaben verweigerte.

Die übrigen Modelle blieben entweder unter dem Startkapital oder gingen bankrott. Claude Opus 4.7 überlebte zwar in allen Läufen die kompletten 500 Tage, endete aber mit nur rund 390.000 Dollar. Grok 4.20 hielt es im besten Fall gerade einmal 37 Tage durch, DeepSeek V4 Pro maximal 176 Tage.

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Die erfolgreichen Modelle gingen für ihren Erfolg sehr unterschiedlich vor. Claude Opus 4.8 verfolgte in einem Run eine radikale Harvesting-Strategie: zunächst aggressiver Kundenaufbau, dann drastische Kostenschnitte – am Ende stand eine hohe Cash-Bilanz bei null aktiven Kunden. Ziel erreicht, im echten Leben wäre das jedoch nichts wert gewesen. GPT-5.5 setzte hingegen auf einen dauerhaften Kundenstamm und investierte rund 89 Prozent seines Entwicklungsbudgets in gruppenspezifische Verbesserungen. Beide Modelle schrieben eigenständig Code-Dateien: Opus 4.8 baute eine kohortenbasierte Cash-Prognose, GPT-5.5 analysierte Verhandlungshistorien, um Kundenpräferenzen abzuleiten.

Die Varianz zwischen den Läufen desselben Modells ist ebenfalls groß. GPT-5.5 zum Beispiel schwankte zwischen frühen Bankrotten nach 77 Tagen und einem vollständigen 500-Tage-Lauf. Einzelne Runs liefern daher kein stabiles Leistungsbild. Selbst in einer auf 50 Tage verkürzten Variante scheiterten die meisten Agenten – was nahelegt, dass nicht nur der lange Horizont, sondern die grundsätzliche Entscheidungskoordination unter Unsicherheit ein Problem für sie darstellt.

Das Ergebnis passt ins Bild aktueller Forschung zur Langzeit-Kompetenz von KI-Modellen. Im Projekt „Emergence World“ durften Modelle wie ChatGPT, Grok, Claude und Gemini simulierte Städte regieren – mit teils bizarren Resultaten: Gemini 3 Flash schuf eine Hochkriminalitäts-Welt, Claude Sonnet 4.6 baute einen nahezu konfliktfreien „Ponyhof“. Auch dort zeigte sich, dass die Modelle in offenen Langzeit-Szenarien zu unvorhersehbarem Verhalten neigen. Man muss allerdings bei beiden Simulationen anfügen: Die getesteten KIs waren keine Weltmodelle, sondern überwiegend Reasoning-Modelle, die mutmaßlich nicht ideal für solche Aufgaben sind.


(rie)



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