Entwicklung & Code

Softwarebranche muss Geschäftsmodelle umbauen | heise online


close notice

This article is also available in
English.

It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die Softwarebranche muss sich nach Einschätzung des Bitkom auf einen tiefgreifenden Umbau ihrer Geschäftsmodelle einstellen. Künftig werde Software weniger nach Arbeitszeit oder pauschalen Lizenzen verkauft, sondern stärker nach messbaren Ergebnissen abgerechnet, heißt es in der Studie „Softwarewelt 2036“. Auslöser ist vor allem der Einsatz von KI-Agenten, die nicht mehr nur als Werkzeug dienen, sondern selbst Aufgaben übernehmen und Prozesse ausführen.

Weiterlesen nach der Anzeige

Der Verband verweist darauf, dass sich damit die Logik vieler bestehender Erlösmodelle verschiebt. Wenn ein KI-Agent die Arbeit mehrerer Menschen erledigen kann, lässt sich Aufwand nach Köpfen oder Stunden immer schwerer rechtfertigen. Unter Druck geraten laut Bitkom vor allem Body Leasing, stundenbasierte IT-Dienstleistungen, FTE-Outsourcing und Offshore-Bodyshopping. Auch klassische Entwicklungs- und Support-Pyramiden, deren Wert stark an menschlicher Arbeitsmenge hängt, verlieren demnach an Tragfähigkeit.

An die Stelle von Zeit- und Lizenzmodellen treten nach Einschätzung des Bitkom zunehmend ergebnisbezogene Abrechnungen. Kunden zahlen dann nicht mehr primär für Softwarezugang oder Personalstunden, sondern für konkrete Resultate wie gelöste Tickets, behobene Sicherheitslücken, bereitgestellte Features oder bestandene Compliance-Prüfungen. Der Bitkom erwartet, dass Outcome- und Value-based Pricing vor allem im B2B-Geschäft an Bedeutung gewinnt.

Damit verändert sich auch die Rolle von Software. Sie werde künftig weniger als einzelnes Werkzeug verstanden, das Menschen bedienen, sondern als Instanz, die KI-Agenten steuert, Prozesse orchestriert und Ergebnisse liefert. Der Bitkom beschreibt dies als Entwicklung hin zu „Agentic Systems“, in denen KI-Agenten Aufgabenketten abarbeiten. Entscheidend werde die Fähigkeit, Geschäftsergebnisse in solche agentenfähigen Architekturen zu übersetzen.

Mit dieser Entwicklung verändern sich auch die Anforderungen an Beschäftigte. Manuelles Coding, Standardlogik und triviale Tests verlieren an Gewicht. Wichtiger werden Architektur, Review, Evaluation, Orchestrierung und die Bewertung von KI-Ergebnissen. Hinzu kommen Datenkompetenz, Urteilsfähigkeit, Verantwortung und die Fähigkeit, zwischen Fachabteilungen, IT und Regulierung zu vermitteln.

Für Anbieter sieht der Bitkom vor allem dort Chancen, wo technologische Kompetenz mit Branchenwissen zusammenkommt. Reines Coding werde weniger zum Differenzierungsmerkmal, heißt es in der Studie. Wichtiger würden Domänenwissen, Prozessverständnis und die Fähigkeit, fachliche Anforderungen in KI-gestützte Systeme zu übersetzen. Der Verband spricht in diesem Zusammenhang von Übersetzern zwischen Business, IT, Daten, Regulierung und Menschen.

Weiterlesen nach der Anzeige

Gleichzeitig gewinnt Vertrauen an Bedeutung. Anbieter müssen Nachvollziehbarkeit, Auditierbarkeit und europäische Datenhaltung von Anfang an mitdenken, meint der Bitkom. Das könne gerade in regulierten Branchen zu einem Wettbewerbsvorteil werden. Compliance und Datensouveränität würden dann nicht nur als Pflicht, sondern auch als Verkaufsargument wirken.

Parallel dazu verschiebt sich der Markt aus Sicht des Bitkom weg von isolierten Einzellösungen hin zu Plattformen und Ökosystemen. Einzeltools ohne Anbindung an größere Prozess- und Datenstrukturen hätten künftig schlechtere Karten. Daten sind dabei die Grundlage, um Wirkung nachzuweisen, Systeme zu verbessern und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Entscheidend sei nicht nur der Besitz von Daten, sondern ihre Qualität, ihr Kontext, ihre Governance und ihre verantwortungsvolle Nutzung.

Für Unternehmen empfiehlt der Bitkom deshalb, Datenbasis und Systemlandschaften zu bereinigen, KI von Pilotprojekten systematisch zu skalieren und eine einheitliche Daten- und Agentenplattform aufzubauen. Rollenprofile und Karrierepfade müssten an die neuen Anforderungen angepasst werden. Fachkräfte mit Domänenwissen und KI-Orchestrierung seien besonders gefragt.

Auch die Politik muss reagieren, so der Bitkom. Der Verband fordert eine modernisierte Aus- und Weiterbildung, breiter angelegte KI- und Tech-Kompetenzen sowie eine Regulierung, die stärker auf Ergebnisse als auf einzelne Werkzeuge zielt. Gesetze und Vorgaben sollten demnach schneller überprüft und an technologische Entwicklungen angepasst werden. Zudem plädiert der Bitkom für Experimentierräume, schnellere Verfahren und den Ausbau europäischer KI- und Compute-Infrastruktur.

Die Studie „Softwarewelt 2036“ basiert auf Interviews mit Führungskräften und Experten aus der Softwarebranche und angrenzenden Bereichen. Sie ist nicht repräsentativ, soll aber zentrale Muster und Zukunftsbilder sichtbar machen. Für Unternehmen und Politik, so die Schlussfolgerung des Bitkom, bleibe nicht viel Zeit, um sich auf die neuen Bedingungen einzustellen.


(fo)



Source link

Beliebt

Die mobile Version verlassen