Datenschutz & Sicherheit
Spammer setzen auf hohe Spritpreise als Köder
Die weiterhin hohen Benzin- und Dieselpreise nutzen Spammer derzeit, um damit Opfern nutzlose OBD2-Dongles anzudrehen. Die sollen den Motor so manipulieren, dass er weniger Sprit verbraucht. Das geht jedoch gar nicht, es handelt sich um nutzlose Stecker für die OBD2-Buchse.
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Die Versprechen in der Spam-Mail klingen auf den ersten Blick möglicherweise plausibel: Steuergerät-Konfigurationen seien „bewusst konservativ“ gewählt, führten jedoch angeblich dazu, dass „deutsche Autofahrer deswegen Tausende Euro an verschwendetem Sprit zahlen“. Der Grund für den angeblich unnötigen Mehrverbrauch – die Spam-Mail behauptet, bis zu 35 Prozent des Kraftstoffs würden verschwendet – sei, dass Hersteller „Motoren für die breitestmoegliche Palette von Bedingungen, nicht für Ihre spezifischen Fahrgewohnheiten“ kalibrierten.
Weniger Spritverbrauch und ein ruhigeres Fahrgefühl
Die Betrüger behaupten, dass der „kompakte Chip“ in den OBD2-Anschluss des Autos gesteckt werde und der dort dann die „Motorsteuergerät-Daten in Echtzeit“ analysiere. Darauf basierend passe er „Einspritzung, Ladedruck und Zuendzeitpunkt an Ihren Fahrstil an“. Das bringt auf einmal sogar bis zu „55 Prozent weniger Spritverbrauch, ein ruhigeres Fahrgefuehl und Einsparungen, die sich innerhalb von 30 Tagen amortisieren“. Laut mitgelieferter Anleitung in der Spam-Mail findet die Kalibrierung innerhalb von 30 Sekunden statt, in denen man die Zündung einschalten und „halten“ solle. Der Dongle lerne dann bei der normalen Fahrt und passe sich an.
Druck auf Opfer durch angeblich „begrenzten Bestand“
Damit Opfer nicht so lange fackeln und nachdenken, baut die Spam-Mail zeitlichen Druck auf. Im Einzelhandel seien diese Dongles derzeit ausverkauft, sie seien daher nur online erhältlich. Der Bestand sei zudem „extrem begrenzt“. Zusammen mit dem nicht sonderlich hohen Preis von rund 30 Euro könnte das einige verlocken, auf dieses Angebot hereinzufallen.
Einige Hinweise in der E-Mail deuten jedoch darauf hin, dass es sich nicht um ein seriöses Angebot handeln kann. Die abweichenden Versprechungen zu den Einsparungen, die einmal 35 Prozent und dann später sogar 55 Prozent betragen sollen, sind noch am deutlichsten. Die angeblich veränderten Parameter kommen aus konkreten Kennfeldern der jeweiligen Motoren, sie sollen die Verbrennung bezüglich Leistung und insbesondere der Abgasnachbehandlung optimieren. Eingriffe darin würden zu veränderten Rohemissionen führen, die Katalysatoren nicht hinreichend bearbeiten können. Im Extremfall würden sie die Betriebserlaubnis erlöschen lassen.
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Wie das alles genau funktionieren soll, erklärt das Angebot nicht. Jeder Hersteller hat eigene Kennfelder für die Parameter der Motorsteuerung, teils auch fahrzeugspezifische Register in der OBD2-Datenausgabe. Die müsste ein Dongle alle kennen oder zumindest eine Kompatibilitätsliste mitbringen.
Keine neue Betrugsidee
Die c’t hat sich derartige Dongles mal genauer angesehen, die sich dabei als „fabrikfrischer Elektroschrott“ entlarvten. Immerhin versprachen die jedoch „lediglich“ 15 Prozent Spriteinsparungen. Auch der Blick auf die Hardware und konkrete Tests zeigten: Da laufen keine bidirektionalen Kommunikationssignale über die OBD2-Schnittstelle. Das bewies der Blick auf das angeschlossene Oszilloskop. Es blinken nur ein paar LEDs nach Anschluss der 12-Volt-Versorgung.
Eine derart einfache Lösung zur Senkung des Verbrauchs für die derzeit hohen Spritpreise ohne Änderung der Gewohnheiten gibt es nicht. Was jedoch beim Spritsparen tatsächlich hilft: Das Auto stehen lassen und etwa per Pedes, mit dem Rad oder den Öffis die Strecken bewältigen.
(dmk)