Datenschutz & Sicherheit
Studie: Mehrheit der DACH-Unternehmen hält Cloud-Abschaltung für realistisch
Unternehmen in der DACH-Region betrachten ihre Abhängigkeit von großen Cloud-Anbietern zunehmend als strategisches Risiko. Laut einer aktuellen Studie von Lünendonk & Hossenfelder halten 83 Prozent der befragten Unternehmen ein sogenanntes Kill-Switch-Szenario für realistisch – also die Möglichkeit, dass ein Cloud-Provider den Zugang zu kritischen IT-Services einseitig einschränkt oder komplett abschaltet. Gleichzeitig verfügen nur 57 Prozent über eine Exit-Strategie für den Wechsel des Providers. Fast die Hälfte hat demnach keinen Plan B für den Ernstfall.
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Für die Studie zur digitalen Souveränität befragte das Beratungsunternehmen zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 insgesamt 155 IT-Bereichsleiter, GRC- und Security-Verantwortliche, IT-Einkäufer, CIOs sowie C-Level-Verantwortliche. Die Teilnehmer verteilen sich je zur Hälfte auf gehobenen Mittelstand und Konzerne aus Branchen wie Industrie, KRITIS-Sektoren, Banken und Versicherungen.
Digitale Souveränität hat für 36 Prozent der Unternehmen bereits heute sehr hohe Priorität. Noch deutlicher fällt der Ausblick aus: 96 Prozent erwarten, dass das Thema in den kommenden drei Jahren weiter an Bedeutung gewinnt – selbst bei einer Entspannung der geopolitischen Lage. Zentrale Treiber sind laut Studie die Abhängigkeit von IT- und Cloud-Providern, die Forderung nach Resilienz in Krisen, der Schutz vor Zugriffsblockaden sowie die Verhinderung extraterritorialer Datenzugriffe.
Souveräne Cloud-Modelle gewinnen an Bedeutung
Bei der Frage nach Alternativen stufen 55 Prozent der Befragten souveräne Cloud-Angebote mit lokalem EU-Betreiber in Kombination mit deutschen IT-Dienstleistern als sehr relevant ein. Deutsche Cloud-Provider, die sich laut Lünendonk zu sogenannten Superscalern entwickeln, folgen mit 48 Prozent. US-Hyperscaler mit souveränen Angeboten haben für 36 Prozent der Befragten eine sehr hohe Relevanz. Multi-Cloud-Architekturen werden dabei zum Standard: 42 Prozent der Unternehmen verfügen bereits über eine solche Architektur, weitere 46 Prozent planen deren Aufbau.
Europäische Anbieter kaum konkurrenzfähig
Ein zentraler Schwachpunkt bleibt die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Cloud-Anbieter. Zwar sehen 93 Prozent der Unternehmen europäische Provider auf Infrastrukturebene als konkurrenzfähig an. Bei Plattform-, KI- und Ökosystemleistungen halten jedoch nur 3 Prozent sie für gleichwertig mit den US-Hyperscalern. Für das Jahr 2030 erwarten lediglich 2 Prozent einen funktionalen Gleichstand.
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Tobias Ganowski, Senior Consultant bei Lünendonk & Hossenfelder, mahnt zum Handeln: „Digitale Souveränität duldet keinen Aufschub! Unternehmen müssen jetzt den Mut aufbringen, Abhängigkeiten aktiv abzubauen, auch wenn dies unbequem und kostspielig ist.“ Es gehe ausdrücklich nicht um Autarkie, sondern um die Fähigkeit, kritische Abhängigkeiten bewusst zu gestalten, Risiken zu steuern und Handlungsfähigkeit zu sichern. Mario Zillmann, Senior Partner bei Lünendonk & Hossenfelder, betont zudem, dass klassische Hyperscaler-Angebote nicht ersetzt, sondern gezielt um souveräne Alternativen ergänzt werden sollen: „Die Zukunft der IT ist daher hybrid und differenziert.“
Die Studie steht auf der Website von Lünendonk & Hossenfelder kostenlos zum Download bereit.
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(fo)