Datenschutz & Sicherheit
Threema wird quantensicher: Partnerschaft mit IBM Research
Der Schweizer Messenger Threema soll quantensicher werden. Hierzu ist das Unternehmen eine Partnerschaft mit IBM Research eingegangen, wie Threema mitteilte. Durch frühzeitige Absicherung der Chats soll erreicht werden, dass diese rückwirkend nur begrenzt entschlüsselt werden können, sobald Quantencomputer über die nötige Zahl fehlerfreier Qubits verfügen.
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Die Sorge, die Sicherheitsforscher umtreibt, heißt: „Harvest Now, Decrypt Later“. Wer mit heutigen Methoden verschlüsselte Kommunikation „erntet“, könnte sie später aufschließen, um daraus Kapital zu schlagen. Aus diesem Grunde gibt es mit Signal und Apple iMessage erste Messengerdienste, die bereits auf Post-Quanten-Kryptografie setzen. Threema war hier bislang noch außen vor, obwohl die Schweizer die Sicherheitsversprechen hoch ansiedeln. Eine Analyse der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) im November 2024 kam zum Ergebnis, dass der Messenger ähnlich wie WhatsApp, Telegram und andere „quantenunsicher“ ist.
Threema setzt auf ML-KEM
Eingesetzt werden soll künftig der Algorithmus ML-KEM – ein neues Verschlüsselungsverfahren, das auch Quantencomputern standhält. Er wurde maßgeblich von IBM-Forschern entwickelt und im Sommer 2024 vom US-Standardisierungsinstitut NIST offiziell zertifiziert. Die Idee ist nicht, die bisherige Verschlüsselung zu ersetzen, sondern sie mit dem neuen Verfahren zu kombinieren – ein sogenannter hybrider Ansatz.
Signal setzt auf „PQXDH“ (Post-Quantum Extended Diffie-Hellman) und schützt den Beginn einer Unterhaltung vor Quantencomputern, danach läuft die Verschlüsselung aber klassisch weiter. Apple geht mit PQ3 weiter und erneuert den Quantenschutz auch während laufender Chats regelmäßig – so erholt sich die Verbindung automatisch, selbst wenn ein Schlüssel kompromittiert wurde. Threema hat beides noch nicht, kündigt aber mit IBM genau das an – wie tiefgreifend die Umsetzung wird, ist noch offen.
Noch kein konkreter Zeitplan
IBM Research ist hier kein zufälliger Partner. Die Kryptografen des Konzerns haben zwei der drei neuen NIST-Standards selbst mitentwickelt. IBM betreibt zudem das sogenannte „Quantum Safe“-Programm, das Unternehmen bei der Migration auf quantensichere Infrastruktur begleitet.
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Einen konkreten Zeitplan oder eine fertige Implementierung gibt es noch nicht. Die Partnerschaft ist derzeit auf Forschungsebene. Außerdem steht Threema gerade selbst unter neuer Führung – der Finanzinvestor Comitis Capital übernahm den Dienst erst im Januar 2026.
(mki)