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Turin lanciert zusätzliche Stadtmarke – Design Tagebuch
Turin hat ein neues Stadtlogo: ein Typologo mit nachgestelltem Doppelpunkt. Allerdings soll keines der bestehenden Stadtlogos ersetzt werden, weder das der Stadtverwaltung, noch jenes im Zusammenhang mit der städtischen Tourismusmarke verwendete. Was die Frage aufwirft, welchen Sinn und Zweck die auf Initiative des Bürgermeisterbüros entwickelte neue Stadtmarke eigentlich hat.
Die italienische Metropole Turin hat künftig drei unterschiedliche Stadtmarken. Mit jeder Marke ist ein eigenständiges Design samt Logo verbunden. Zusätzlich zum städtischen Wappen, das seit langem als offizieller Absender der Stadtverwaltung genutzt wird und dem seit 2012 verwendeten Logo der Tourismusmarke präsentierte die Stabsstelle des Bürgermeisters, Stefano Lo Russo, vor wenigen Tagen ein in Minuskeln gesetztes Typologo, das durch einen nachgestellten Doppelpunkt ergänzt wird „torino:“. Damit hat Turin drei Stadtmarken – Regionsmarken nicht berücksichtigt.
In italienischen Medien und im Umfeld von Social Media wundert man sich, was es mit dem neuen Logo auf sich hat. Das Bürgermeisterbüro schreibt im Rahmen der offiziellen Pressemeldung zur Erklärung:
Auszug der Pressemeldung
Die neue Stadtmarke „torino:” dient als Kommunikationsinstrument, das die Offenheit und das Potenzial der Stadt nach außen trägt. Das Zeichen der zwei Punkte (Doppelpunkt) steht als Einladung, einen neuen Weg zu beginnen und eine eigene Geschichte zu schreiben. Die Marke soll Veranstaltungen und Projekte begleiten und dabei die einzigartigen Züge des Stadtgebiets und der Stadtteile hervorheben. Es kann von Unternehmen, Vereinen und Institutionen genutzt werden, die sich mit der Stadt identifizieren und ihr Bild in Italien und weltweit verbreiten möchten.
Demnach handelt es sich um eine Stadtmarke, die auf Freiwilligkeit beruht. Unternehmen, Vereine und Institutionen können das mit der Stadtmarke verbundene Logo nutzen. Keiner muss das Logo verwenden. Damit ist das neue Logo einem Bürgerlogo gleichgesetzt. Üblicherweise sind derlei Bürgerlogos, teilweise werden diese auch als „Fanlogo“ bezeichnet, integraler Bestandteil des Corporate Designs einer Stadt, wie bei Trier, Konstanz oder Bochum, wo sie als eine Ableitung des offiziellen Logos der Stadtverwaltung angelegt sind.
Doch anders als bei den genannten Städten ist das Turiner „Bürgerlogo“ völlig unabhängig vom bestehenden Corporate Design der Stadt. Auch die Typo ist unterschiedlich. Das Schriftbild bei der „torino:”-Marke orientiert sich an der Romano, einem historischen Zeichensatz der Turiner Schriftgießerei Nebiolo (1880–1993). In den vom Bürgermeisterbüro veröffentlichten Visuals kommt eine Neuinterpretation der Romano zur Anwendung.
Das für Turin typische blau-gelbe Farbspektrum wird zwar genutzt, allerdings unterscheidet sich das neue Markendesign stilistisch grundlegend vom sonstigen visuellen Auftritt der Turiner Stadtverwaltung, auch da bei der zusätzlichen Stadtmarke Farbverläufe als Stilmittel zum Einsatz kommen.
„Mit dieser Stadtmarke wollen wir Turins Positionierung als einen Ort stärken, an dem Menschen aufbauen, investieren und ihre Zukunft gestalten können. Eine Stadt, die sich weiterentwickelt, Chancen schafft und neue Energien anzieht“, schreibt Turins Bürgermeister Stefano Lo Russo in einem Post auf Linkedin. Viele Facetten sind für eine Stadt gewiss ein Bonus, allerdings gilt es diese unter einer gemeinsamen Markenidentität zu bündeln und im Visuellen als zusammengehörig darzustellen. Viele unterschiedliche Markenidentitäten sind ein Malus, da sie eine klare Positionierung erschweren bzw. unmöglich machen.
Die Verwunderung über Sinn und Zweck der neuen Stadtmarke ist auch deshalb groß, da die in Visuals dargestellten und zitierten Unternehmen/Institutionen, darunter das Kappa FuturFestival (kappafuturfestival.it), die neue Stadtmarke im Rahmen ihrer eigenen Kommunikation offenkundig gar nicht selbst nutzen. Zudem lassen einige der bislang veröffentlichten Anwendungsbeispiele handwerkliche Defizite erkennen (Abb. oben).
Bezeichnenderweise spiegelt sich im Markenmotto „mille facce, una città“ (zu Deutsch „tausend Gesichter, eine Stadt“) der inkohärente Auftritt und das zusammenhanglose visuelle Profil der Hauptstadt des Piemont wider.
Entwickelt wurde die zusätzliche Stadtmarke vom Mailänder Studio Leftloft. Laut Bürgermeisterbüro hatte sich Leftloft 2025 im Pitch durchgesetzt.
Mediengalerie
- Torino Logos: neue Stadtmarke, offizieller Logoabsender der Stadtverwaltung und Absender der Tourismusmarke Torino, Quelle: Torino Dipartimento Gabinetto del Sindaco
- Torino Brand, Quelle: Torino Dipartimento Gabinetto del Sindaco, Bildmontage: dt
- Torino – „mille facce, una città“ – Brand Visual, Quelle: Torino Dipartimento Gabinetto del Sindaco
- Torino – „mille facce, una città“ – Brand Visual, Quelle: Torino Dipartimento Gabinetto del Sindaco
- Torino – „mille facce, una città“ – Brand Visual, Quelle: Torino Dipartimento Gabinetto del Sindaco
- Torino – „mille facce, una città“ – Brand Visual, Quelle: Torino Dipartimento Gabinetto del Sindaco
- Torino – „mille facce, una città“ – Brand Visual, Quelle: Torino Dipartimento Gabinetto del Sindaco
- Torino – „mille facce, una città“ – Brand Visual, Quelle: Torino Dipartimento Gabinetto del Sindaco
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