Entwicklung & Code
Verbindungsabbrüche bei heise online durch Cookies – eine Spurensuche
In der Webentwicklung schreiben wir nicht nur neue Software, sondern es erreichen uns natürlich auch Fehlermeldungen. Meistens können wir schnell helfen oder den Bugfix auf jeden Fall für einen der nächsten Sprints einplanen. Aber manche Fehler sind hartnäckiger und haben am Ende eine ganz simple Ursache. Um solch einen Fehler geht es heute.
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Hilko Holweg ist Frontend-Developer bei Heise Medien, wo es ihm besonders die Web-Performance angetan hat. Neben dem Frontend interessiert er sich auch für vieles mehr, das mit Technik zu tun hat. So schrieb er beispielsweise für die c’t einen Artikel über einen digitalen Assistenten mit Offline-Spracherkennung auf Basis des Raspberry Pi.
Eine Zeit lang erreichten uns immer mal wieder Berichte, dass bei Usern die Verbindung zu www.heise.de mit der Meldung ERR_HTTP2_PROTOCOL_ERROR nicht zustande kam. Schnell kristallisierte sich heraus, dass die betroffenen User noch ein paar Gemeinsamkeiten hatten: Alle nutzten Chrome als Browser und waren regelmäßige Besucher unseres Angebots. Damit war der Fehler zwar schon etwas eingegrenzt, aber unser größtes Problem war: Wir selbst konnten den Fehler lange Zeit nicht nachstellen.
Viele Kekse
Die Überlegungen gingen dennoch weiter. Was sammeln User (leider heutzutage) zuhauf, wenn sie auf einem weitgehend werbefinanzierten Angebot wie heise online unterwegs sind? – Cookies. Ein Test mit betroffenen Usern sorgte dann immerhin für einen Workaround: Cookies löschen half.
Zunächst hatten wir die Cookie-Größe im Verdacht und testeten mit besonders großen Cookies, aber auch damit ließ sich das Problem für uns nicht reproduzieren. Doch dann meldete sich ein Kollege aus der Redaktion mit demselben Fehler – er bekam ihn sogar regelmäßig. Wir baten ihn um Hilfe bei der Lösung, und er gab Bescheid, sobald der Bug erneut auftrat. Endlich konnten wir das Problem direkt beobachten.
Mit tcpdump schnitten wir den Netzwerkverkehr zwischen uns und dem Browser auf dem Load-Balancer (BigIP) mit, der TLS und HTTP2 termininiert. Dabei stellte sich heraus, dass BigIP selbst die HTTP2-Verbindung wegen eines „Protokollfehlers“ beendete. Da heise online nicht einfach eine direkte Verbindung vom Browser des Users zu unserem Webserver hat, sondern noch diverse (Netzwerk-)Infrastruktur dazwischen liegt, war es für uns schon mal sehr hilfreich, den Punkt ausfindig zu machen, an dem die Verbindung bricht und welcher Teil in der Kette diesen Abbruch auslöst.
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Blick in die Bug-Reports
Mit den gewonnenen Erkenntnissen durchforsteten wir die Chrome-Bug-Reports. Bei einem Report war ein HTTP2-Protokoll-Mitschnitt angefügt, bei dem wir sehen konnten, dass Chrome jeden Cookie im HTTP2-Request mit einem separaten Set-Cookie-Header sendete. Das brachte uns auf die Idee, statt der Cookie-Größe einfach mit der schieren Anzahl zu experimentieren, und siehe da: Mit sehr vielen, kleinen Cookies ließ sich das Problem reproduzieren.
Ab hier wurde es dann einfach. Mithilfe unserer Admins fanden wir eine Einstellung in der BigIP, die die maximal zulässige Anzahl der Header setzte. Dieses Limit verschoben wir nun deutlich nach oben und schon war das Problem gelöst. Jedenfalls fürs Erste, denn natürlich ist das neue höhere Limit mit noch mehr Cookie-Headern ebenfalls wieder erreichbar, und der Fehler käme zurück.
Am Fehler sind aber noch ein paar Dinge interessant. In HTTP/1.x waren mehrere Cookie-Header noch unzulässig (siehe RFC 6265), in HTTP/2 hingegen kann der User Agent jedes Cookie als einzelnen Header senden (siehe RFC 7540) und genau das hat Chrome hier getan. Dieses Verhalten ist offensichtlich eine Optimierung, denn das Übertragen sich wiederholender Header lässt sich in HTTP/2 mit der HPACK-Header-Komprimierung (siehe RFC 7541) enorm optimieren. Das funktioniert aber nur für Header, die sich nicht ständig ändern. Ein großer Cookie-Header für alle Cookies müsste also immer wieder komplett neu übertragen werden, sobald sich auch nur ein einzelnes Cookie ändert.
Chrome zeigte leider in den Developer-Tools nichts davon an. Dort wird immer nur ein Cookie-Header gelistet, was die Fehlersuche nicht unbedingt erleichtert hat.
Ob das nun eine Problemlösung oder lediglich ein großes Pflaster ist, wird die Zeit zeigen. Die Ursachenforschung war aber definitiv mal wieder eine der interessanteren Recherchen im Developer-Alltag.
(rme)
Entwicklung & Code
Kuratierte KI-Agenten-Sammlung von JetBrains und Zed
Der IDE-Anbieter JetBrains und das Unternehmen hinter dem Sourcecode-Editor Zed, Zed Industries, haben gemeinsam die ACP Registry veröffentlicht. Diese soll es Entwicklerinnen und Entwicklern vereinfachen, mit dem Agent Client Protocol (ACP) kompatible KI-Coding Agenten bereitzustellen, aufzufinden und in Entwicklungsumgebungen zu installieren.
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Die ACP Registry: KI-Agenten per Klick installieren
In der ACP Registry finden sich derzeit ausschließlich kuratierte KI-Agenten und -Extensions, die Authentifizierung unterstützen. Sie folgen dem Agent Client Protocol (ACP), einem standardisierten, offenen Protokoll für das Zusammenspiel von KI-Agenten und Editoren. ACP wurde von JetBrains und Zed Industries erstmals im Oktober 2025 vorgestellt.
Laut den Herstellern war das Protokoll bereits ein großer Schritt nach vorn, doch die Distribution war bisher fragmentiert. Agenten mussten für jeden Client als Extension verfügbar gemacht oder manuell durch User installiert werden. Hier setzt die ACP Registry an: Entwicklerinnen und Entwickler können ihre geeignete Implementierung eines Agenten oder einer Extension einmal registrieren, und diese wird dann für jeden ACP-kompatiblen Client verfügbar.
Sowohl Zed als auch die Entwicklungsumgebungen von JetBrains besitzen integrierten ACP-Registry-Support, um die Agenten auf einfache Weise zu installieren und ihre jeweils aktuellste Version zu verwenden. In JetBrains-IDEs – ab Version 2025.3.2 und mit JetBrains AI (253.30387.147) – lassen sich Agenten beispielsweise im Agent-Picker-Menü unter „Install From ACP Registry…“ auswählen und installieren. In Zed sieht die ACP-Registry-Seite wie folgt aus:

Zed bietet eine integrierte Anbindung an die ACP Registry.
(Bild: Zed Industries)
Das aktuelle Portfolio
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Die kuratierte ACP Registry enthält aktuell die folgenden neun Agenten und Extensions:
- Auggie CLI
- Claude Code
- Codex CLI
- Factory Droid
- Gemini CLI
- GitHub Copilot
- Mistral Vibe
- OpenCode
- Qwen Code
Weitere Informationen zur ACP Registry finden sich auf der offiziellen Website und im GitHub-Repository sowie in den Ankündigungen von JetBrains und Zed Industries.
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(mai)
Entwicklung & Code
Microsofts neues Kommandozeilen-Tool: Windows-Apps ohne Visual Studio entwickeln
Microsoft hat ein neues Kommandozeilen-Tool für die Windows-App-Entwicklung vorgestellt. winapp CLI soll den Entwicklungsprozess für Anwendungen vereinfachen, die mit Frameworks wie Electron oder Sprachen wie Rust, C++ und .NET erstellt werden. Es verbindet plattformübergreifende Entwicklung mit der nativen Windows-Umgebung. Das Open-Source-Tool befindet sich derzeit in der Public Preview und ist auf GitHub frei verfügbar.
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Das zentrale Versprechen: Was früher zwölf manuelle Schritte erforderte, soll nun ein einziger Befehl erledigen. Der Befehl winapp init lädt die benötigten SDKs wie Windows SDK und Windows App SDK automatisch herunter, generiert Code-Projektionen wie C++/WinRT und konfiguriert Manifeste, Assets, Zertifikate sowie Abhängigkeiten. Das Tool ist bewusst so konzipiert, dass Entwickler ihre gewohnten Editoren – also VS Code genauso wie andere IDEs – weiterverwenden können. Mit winapp restore lässt sich die exakte Entwicklungsumgebung für gemeinsam genutzte Projekte oder in CI/CD-Pipelines wiederherstellen.
Package Identity ohne vollständiges Packaging
Besonders für Cross-Platform-Entwickler interessant ist die Funktion create-debug-identity. Sie fügt einer ausführbaren Datei temporär eine Package Identity hinzu, ohne dass die Anwendung vollständig als MSIX-Paket verpackt werden muss. Das beschleunigt den Entwicklungszyklus erheblich, da moderne Windows-APIs wie die Windows AI APIs, Benachrichtigungen, Shell-Integration oder Hintergrundaufgaben eine solche Identity verwenden.
Für Electron-Entwickler bietet Microsoft ein spezielles npm-Paket an: Mit npm install @microsoft/winappcli --save-dev lässt sich winapp in bestehende Projekte integrieren. Der Befehl winapp node add-electron-debug-identity injiziert die Package Identity direkt in den laufenden Prozess. Zusätzlich stellt das Paket @microsoft/winapp-windows-ai Node.js-Projektionen für Microsofts KI-APIs bereit, etwa für lokale Sprachmodelle oder Text- und Bildverarbeitung.
MSIX-Packaging und CI/CD-Integration
Das Tool übernimmt auch das Erstellen von MSIX-Paketen für die Distribution über den Microsoft Store oder Sideloading. Mit winapp pack ./my-app-files --cert ./devcert.pfx erzeugt es Store-fähige oder für manuelles Deployment vorbereitete Pakete. Entwicklerzertifikate lassen sich per winapp cert generate erstellen und optional lokal installieren. Auch das Aktualisieren von Manifest-Ressourcen funktioniert über die CLI, etwa mit winapp manifest update-assets C:\images\my-logo.png.
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Für Continuous-Integration-Workflows bietet Microsoft Actions für GitHub Actions und Azure DevOps an. Die setup-WinAppCli-Action installiert winapp automatisch in der Pipeline. Entwickler können damit konsistente Build-Umgebungen schaffen, ohne manuell SDKs oder Tools konfigurieren zu müssen.
Alternativen zu Visual Studio und MSBuild
winapp CLI ist laut Ankündigung explizit als Ergänzung für Entwickler gedacht, die außerhalb des Visual-Studio-Ökosystems arbeiten. Neben Electron und Rust unterstützt winapp auch C++ mit CMake, .NET, Dart und weitere Sprachen und Frameworks. Guides für diese Technologien sowie Beispielprojekte finden sich im GitHub-Repository.
Die Installation erfolgt wahlweise über WinGet mit winget install Microsoft.winappcli --source winget, als npm-Paket oder manuell über GitHub Releases. Während der Public Preview sammelt Microsoft Feedback über das GitHub-Repository. Welche Features Priorität erhalten und wann eine finale Version erscheint, ist aktuell offen. Für Entwickler, die auf alternative Cross-Platform-Frameworks setzen, bleiben Optionen wie .NET MAUI, Avalonia, Uno Platform oder React Native for Desktop bestehen.
(fo)
Entwicklung & Code
Google-DeepMind-Chef: Der nächste Einstein könnte eine KI sein
Es ist das ewige Versprechen der Branche und das Feigenblatt, um bis dahin das Verbrennen von Milliarden Dollar und Unmengen an Energie zu rechtfertigen: die Suche nach der AGI. Die Artificial General Intelligence (Künstliche allgemeine Intelligenz) gilt als heiliger Gral der KI-Forscher. Wenn die Software lernt, ohne menschliche Hilfe zu lernen, sollen undenkbare Fortschritte möglich sein. Manch einer hat auch Angst, dass sich die KI dann gegen den Menschen wendet. Aber in zunehmendem Maße halten Menschen diese Zukunftsvision für eine Fata Morgana und den Weg dorthin noch für sehr weit.
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Demis Hassabis, Chef von Googles KI-Sparte DeepMind, hält die AGI für erreichbar. Aber erst in fünf bis zehn Jahren. In einem Interview mit Alex Kantrowitz von Big Technology ließ er kein gutes Haar an seinem Mitbewerber OpenAI und dessen Chef Sam Altman. Man dürfe AGI nicht als Marketingbegriff verwenden, mahnt er. Die allgemeine künstliche Intelligenz sei ein System, das alle kognitiven Fähigkeiten zeigen kann, die Menschen haben, sagt er: „Und ich meine alle.“
Was die AGI können muss
Aber wo ist der Nutzen für die Menschheit? Den würde diese Form von KI erst haben, wenn sie der Menschheit zu neuen Durchbrüchen verhilft, erklärt Hassabis. Es sei nicht damit getan, eine mathematische Gleichung oder eine Vermutung zu lösen. Bahnbrechende Vermutungen sind gefragt, ein neuer Einstein. Oder im künstlerischen Bereich ein Picasso oder ein Mozart. Und zwar mit Fähigkeiten und einer Schlagzahl, wie sie bei Menschen kaum oder gar nicht möglich wäre.
Und obwohl er die Ansicht vertritt, dass die Fähigkeiten heutiger KI-Modelle noch gar nicht alle erkannt und ausgeschöpft sind, zeigt sich Hassabis überzeugt, dass diese noch weit von einer AGI entfernt sind. Heutige KI habe ein „Goldfischgehirn“. Sie kann das Internet durchsuchen, aber dieses Wissen ändere das Modell nicht und sei nach der Sitzung wieder vergessen. Eine Superintelligenz würde sogar noch weitergehen, sie könnte andere Systeme wie Wettersatelliten integrieren oder in 14 Dimensionen denken – Dinge, zu denen kein Mensch fähig wäre.
Mehrere Durchbrüche nötig
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KI brauche auf dem Weg zur AGI noch mehrere Durchbrüche: Neben kontinuierlichem Lernen seien das effizientere Kontextfenster und langfristige Planung. Während das menschliche Gehirn mit selektiver Aufmerksamkeit nur das Wichtige verarbeitet, behandelt KI alle Informationen im Kontext gleich. Dies ist ineffizient und teuer.
In dem Bühnengespräch in Davos ging Hassabis auch auf die Frage ein, ob Google wie OpenAI plane, in seinem Chatbot Werbung zu integrieren. Viel Lob verteilte Hassabis für Start-up Anthropic, in das Google bereits Milliarden Dollar investiert hat. Deren Entwicklungs-Tool Claude Code sei sehr gelungen. Google selbst will die Fähigkeiten seines KI-Modells Gemini mit der neu veröffentlichten IDE Antigravity besser zur Geltung bringen.
Googles Smart-Glass-Pläne
Konkret äußerte sich Hassabis zu Smart Glasses: Google arbeitet mit Partnern wie Warby Parker, Gentle Monster und Samsung an einer neuen Generation KI-gestützter Brillen, die „vielleicht bis zum Sommer“ auf den Markt kommen sollen. Anders als beim gescheiterten Google Glass vor gut zehn Jahren seien nun sowohl die Form ausgereift als auch – entscheidend – die „Killer-App“ vorhanden: ein universeller digitaler Assistent, der freihändig im Alltag hilft. Hassabis selbst arbeitet persönlich an dem Projekt mit.
(mki)
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