Künstliche Intelligenz
Viofo A329 S im Test: Die beste 4K-Dashcam mit drei Kameras und Top-Bildqualität
4K-Front-Kamera, 2K für Heck und Innenraum, Wi-Fi 6, Polfilter, Fernbedienung und Parküberwachung: Wie viel Schutz bietet die Viofo A329 S im Alltag wirklich?
Die Viofo A329 S deckt alles ab: Frontkamera in 4K, Heck- und Innenraumkamera in jeweils 2K sowie dauerhafte Parküberwachung mittels optionalem Hardwire-Kit. Hinzu kommen Wi-Fi 6 für schnellen Datentransfer aufs Handy, außerdem Unterstützung für externe SSD, optionale Wireless Bluetooth Remote Control und Circular Polarizing Lens Filter (CPL) – so geht Oberklasse! Da ist es schon fast überraschend, dass Cloud-Funktionen und Assistenzsysteme fehlen. Wie wichtig das ist und ob der hohe Preis von rund 450 Euro gerechtfertigt ist, klärt der Test.
Design und Montage
Die Haupteinheit der Viofo A329 S ist recht groß und von der Seite gesehen keilförmig. Damit passt sie sich grob an die Neigung der Frontscheibe an. Mit etwa 6 x 10 x 4,3 cm lässt sie sich aus Fahrersicht hinter dem Innenspiegel verstecken und bleibt so auf Wunsch außer Sicht. Da die Innenraumkamera auch den Fahrer aufnehmen können soll, geht das hier natürlich nicht – sie ist zwangsläufig sichtbar. Das Gehäuse der Kameras besteht aus mattem Kunststoff und wirkt eher funktional als luxuriös, macht aber trotzdem einen ausreichend wertigen und stabilen Eindruck. Tasten und Display sind zum Fahrraum hin positioniert und gut erreichbar. Die beiden Kameras für Innenraum und Heck sind zylindrisch, etwa 7 x 3 cm klein und mit drehbarer Kameraeinheit ausgestattet, damit sie möglichst frei positioniert werden können.
Statt per Saugnapf werden die Kameras per Klebepad direkt an Front- und Heckscheibe installiert. Viofo legt elektrostatische Folien bei, auf die die Klebepadhalterungen geklebt werden. Dadurch lässt sich das System später rückstandsfrei entfernen. Häufig ist es bei der Befestigung per Klebestreifen allerdings so, dass sich die Klebeflächen einzelner Kameramodule bei starker Sommerhitze lösen. Das kann zwar auch bei Kameras mit Saugnapfbefestigung passieren, die kann der Nutzer anschließend aber einfach erneut befestigen. Bei Modellen mit Klebepads muss hingegen normalerweise das Pad erneuert werden. Für den Langzeiteinsatz ist es daher sinnvoll, die Klebestelle besonders sorgfältig zu entfetten oder alternative Klebelösungen einzuplanen.
Mitgeliefert werden ausreichend lange Kabel. Für die Heckkamera stehen etwa 6 m zur Verfügung, das reicht selbst in einem großen Kombi locker. Für die Innenraumkamera liegt sogar ein Kabel bei, das eher zu lang als zu kurz ist. Das führt dazu, dass der Kabelüberschuss im Bereich hinter dem Spiegel verstaut werden muss. Da hier bei modernen Fahrzeugen oft Sensoren für Assistenzsysteme positioniert sind, kann das zu Platzproblemen führen.
Das HK4-Hardwire-Kit ersetzt den Zigarettenanzünder als Stromquelle. Es wird direkt an das Sicherungspanel des Fahrzeugs angeschlossen. Die drei Leitungen sind klar markiert: Dauerplus, Zündungsplus und Masse. Die Praxis zeigt aber, dass der Einbau je nach Fahrzeugmodell anspruchsvoll sein kann, da Sicherungen zum Teil tief im Armaturenbrett positioniert und dann schwer zugänglich sind. Zusätzlich ist das Kabel des HK4 relativ dick, was das Verlegen hinter Verkleidungen erschwert. Zur Not hilft hier der örtliche Kfz-Betrieb weiter.
Die Bluetooth Remote Control BTR200 ist eine kleine Kunststofffernbedienung, die per Klebe-Pad auf dem Armaturenbrett oder an der Mittelkonsole befestigt wird. Sie wird mit einer Knopfzelle betrieben und benötigt keine Verkabelung. Die Haptik ist solide, aber deutlich einfacher als bei den Kameramodulen. Sie bietet einen großen Hauptknopf zum Sichern gerade aufgenommener Dateien und zwei weitere seitliche Drücker, die frei belegbar sind. In Summe ist die Montage für technikaffine Nutzer problemlos machbar, für Einsteiger jedoch deutlich anspruchsvoller als bei einfachen Ein-Kanal-Dashcams. Vor allem das unsichtbare Verlegen des Kabels für die hintere Kamera ist aufwändig, sofern keine Verkleidungsteile des Fahrzeugs beschädigt werden sollen. Außerdem dürfen die Verbindungskabel nicht geknickt werden.
Ausstattung
Die Viofo A329 S ist als ein-, zwei- oder dreikanal-System erhältlich; bedeutet: Nur Frontcam, Front und Heck oder alle drei Kameras. Die Frontkamera bietet 4K-Auflösung, Heck- und Innenraumkamera jeweils 2560 x 1440 Pixel, also 2K. Alle Kameras zeichnen mit 30 Bildern pro Sekunde auf. Wer vorn 4K mit 60 Bildern pro Sekunde will, muss auf HDR und die dritte Kamera verzichten.
Vorne kommt ein Starvis 2 IMX678 von Sony mit 1/1,8 Zoll als Sensor zum Einsatz. Hinten und innen arbeitet ein Sony Starvis 2 IMX675 mit 1/2,8 Zoll. Die Frontkamera deckt ein Blickfeld von rund 140 Grad ab, die Heckkamera etwa 160 Grad. Innen sind es dank Fischaugenoptik sogar etwa 210 Grad. Damit erfasst das System nicht nur den Verkehr vor und hinter dem Auto, sondern abgesehen vom Innenraum auch Teile der Bereiche neben dem Fahrzeug.
Als Antrieb für die Hauptkamera dient ein auf einem ARM Cortex A53 basierender Quad-Core-Prozessor. Die Kamera unterstützt Wi-Fi 6 mit 2,4 und 5 GHz, GPS sowie Speicherkarten bis 512 GB. Zusätzlich lassen sich über USB-C externe SSDs bis 4 TB anschließen, was angesichts der hohen Datenrate der Aufnahmen bei drei Kameras durchaus sinnvoll sein kann. Der mitgelieferte Circular Polarizing Lens Filter (CPL) für die Frontkamera wird einfach auf das Objektiv gesteckt. Wichtig: Er muss in die richtige Position gedreht werden, die durch einen Punkt markiert ist. Optional gibt es passende CPL-Filter für Heck- und Innenraumkameras der Serie. Sie werden aufgeklipst. Die Filter reduzieren Spiegelungen an der Scheibe und erhöhen den Kontrast auf Kosten des nutzbaren Lichts. Besonders bei tief stehender Sonne und auf nasser Fahrbahn tragen solche Polfilter zur Verbesserung der Bildqualität bei. Nachts kann das allerdings auch nach hinten losgehen und für stärkeres Bildrauschen oder insgesamt dunkle Aufnahmen sorgen.
Das HK4-Hardwire-Kit ermöglicht verschiedene Parkmodi und bietet einen einstellbaren Unterspannungsschutz mit Abschaltschwellen zwischen 11,8 und 12,4 Volt. Damit soll die Starterbatterie des Fahrzeugs vor Tiefentladung geschützt werden. Die Viofo A329 S selbst unterstützt mehrere Parkmodi: durchgehende Zeitrafferaufnahmen, ereignisbasierte Aufzeichnung beim Auslösen des G-Sensors und einen Hybridmodus, der beides kombiniert. In Verbindung mit den drei Kameras entsteht so eine sehr dichte Überwachung des Fahrzeugs im Stand.
Im Vergleich zu vielen Konkurrenzmodellen fehlen allerdings Cloud-Funktionen und klassische Fahrerassistenzsysteme wie Spur- oder Kollisionswarnungen. Die Ausstattung legt den Fokus auf Bildqualität und umfassende Aufzeichnung statt Assistenzfunktionen.
Bedienung und App
Die Bedienung erfolgt über das 2,4 Zoll große Display an der Haupteinheit, über Sprachbefehle, das Smartphone oder die Bluetooth-Fernbedienung. Das Menü der Kamera ist simpel strukturiert, die Menüführung wirkt eher funktional als modern. Die App für Android und iOS stellt Verbindung per Wi-Fi 6 her. Dadurch sind die Übertragungsraten teils deutlich höher als bei älteren Dashcam-Modellen mit Wi-Fi 5. Auch große 4K-Dateien lassen sich damit in überschaubarer Zeit auf das Smartphone übertragen. 200 MB brauchten im Test rund 6 Sekunden. Die App bietet Live-Ansicht, Einstellungen, Firmware Updates sowie Dateiverwaltung auf Speicherkarte und SSD sowie den Download aufs Smartphone.
Die Einstellungsmöglichkeiten sind sehr detailliert. Belichtung, Bitrate, HDR, Empfindlichkeit des G-Sensors, Audioaufnahme, Parkmodus und Einblendungen wie Geschwindigkeit und GPS-Koordinaten lassen sich fein justieren. Für Einsteiger kann diese Vielfalt auf den ersten Blick erschlagend sein, zumal alles untereinander in einem ellenlangen Listenmenü ohne echte Unterteilung angezeigt wird. Andererseits bietet das aber erfahrenen Nutzern viel Kontrolle.
Die Bluetooth Remote Control BTR200 erweitert und vereinfacht die Grundbedienung im Alltag deutlich. Sie besitzt eine zentrale Taste zum Sperren wichtiger Videoclips und zwei seitliche Tasten, die sich etwa mit Mikrofon, Wi-Fi oder Power belegen lassen. Das Speichern von Videoszenen geht damit schneller und zuverlässiger als Sprachbefehle. Die wurden im Test zwar überwiegend erkannt, jedoch nicht immer und nur mit leichter Verzögerung. Außerdem sind sie nur auf Englisch möglich.
Bildqualität
Die Viofo A329 S bietet sehr hohe Bildqualität, die zum Besten gehören dürfte, das aktuelle Dreikanal-Dashcams parat haben. Tagsüber liefert die Frontkamera in 4K-Auflösung sehr detailreiche Aufnahmen. Kennzeichen vorausfahrender und entgegenkommender Fahrzeuge lassen sich in der Regel im Nahbereich gut erkennen. Wegen der Beschränkung auf 30 fps im Dreikanalbetrieb können Aufnahmen von schnell fahrenden Fahrzeugen allerdings zu verschwommen sein, um Nummernschilder sicher erkennen zu können. Die Belichtung wirkt stimmig, der Dynamikumfang fängt helle Himmel und dunkle Fahrzeugfronten in Kombination dank HDR ausgewogen ein – mit, aber auch ohne Polfilter. Nachts sinkt die Erkennungsrate wegen steigendem Bildrauschen deutlich. Mit etwas Umgebungslicht wie in der Stadt klappt das häufig aber immer noch.
Die Heckkamera in 2K erreicht das hohe Niveau der Frontcam zwar nicht, liegt aber ebenfalls auf gutem Niveau für diese Art Zusatzkamera. Kennzeichen des direkt nachfolgenden Fahrzeugs sind meist problemlos lesbar, sofern es nicht zu weit weg ist – auch bei höherer Geschwindigkeit. Bei weiter entfernten oder schräg einfahrenden Fahrzeugen sinkt die Erkennungsrate naturgemäß. Nachts wird das wegen der Blendung der Scheinwerfer zunehmend unmöglich und in lichtarmer Umgebung bleiben Aufnahmen gerade mit Polfilter sehr dunkel. Die Innenraumkamera setzt auf Fischaugenoptik, um einen möglichst großen Sichtbereich abzudecken. Dadurch werden Armaturenbrett, Fahrer, Beifahrer und die Bereiche vor den Seitenscheiben gleichzeitig erfasst. Die Bildmitte bleibt scharf, zu den Rändern hin sind deutliche Verzerrungen sichtbar. Dieser Nachteil wird durch den großen Blickwinkel der Kamera aber mehr als aufgewogen. Bei zu wenig Umgebungslicht schalten sich IR-LEDs zu und das Bild wechselt auf Schwarz-Weiß. Damit wird der Innenraum selbst bei fast vollständiger Dunkelheit noch recht scharf und detailliert abgebildet.
Etwas störend ist die lange Hochfahrzeit der Kamera. Rund 30 Sekunden vergehen vom Motorstart bis zur ersten Aufnahme – da kann theoretisch schon was passiert sein, das dann nicht aufgezeichnet wurde. In der Summe überzeugt die A329 S mit sehr hoher Videoqualität, besonders bei der Frontkamera.
Sonderfunktionen
Die A329 S bietet verschiedene Parküberwachungsmodi. Im Zeitraffer-Modus laufen dauerhaft Aufnahmen mit reduzierter Bildrate, im ereignisgesteuerten Modus wacht der G-Sensor über Erschütterungen und zeichnet jeweils einige Sekunden vor und nach dem Ereignis in voller Qualität auf. Ein Hybridmodus kombiniert beide Ansätze, um lange Standzeiten und konkrete Vorfälle gleichzeitig abzudecken. Das funktioniert aber nur zusammen mit dem HK4-Hardwire-Kit, das die Kamera bei abgeschalteter Zündung weiter mit Strom versorgt. Sobald der Motor aus ist, wechselt das System dann auf Wunsch in den gewählten Parkmodus. Sinkt die Bordspannung unter den eingestellten Wert, trennt das Kit die Stromversorgung, damit die Batterie des Fahrzeugs nicht tiefenentladen wird und es startbar bleibt.
Darüber hinaus unterstützt die A329 S Sprachbefehle, etwa zum Auslösen von Fotos oder Sperren von Videos. Die Zuverlässigkeit war im Test grundsätzlich gut, aber nicht perfekt. Gerade bei geöffnetem Fenster oder lauter Musik sollte man daher lieber zur Bluetooth Remote greifen. Eine Besonderheit ist die Unterstützung externer SSDs bis 4 TB. Damit lässt sich die übliche Begrenzung durch Speicherkarten deutlich ausweiten, was bei drei Kameras und hoher Bitrate tatsächlich praxisrelevant ist. Anders als einige Konkurrenzsysteme bietet die Viofo A329 S weder Cloud-Speicher noch Live-Zugriff über das Mobilfunknetz. Wer sein Fahrzeug aus der Ferne überwachen möchte, muss auf andere Lösungen ausweichen oder mit rein lokaler Aufzeichnung leben.
Achtung Datenschutz: Die Kamera sollte in Deutschland so eingestellt sein, dass sie am besten alle 30 Sekunden Aufnahmen wieder überschreibt, sofern sie nicht durch G-Sensor oder manuell gesichert werden. Der Parkmodus darf eigentlich nur im ereignisbasierten Modus verwendet werden – alles andere gilt als anlasslose Aufzeichnung öffentlichen Raums und ist Datenschutz-rechtlich verboten.
Akku
Die Viofo A329 S verwendet keine klassische Lithium-Ionen-Batterie, sondern interne Kondensatoren. Diese stellen sicher, dass laufende Dateien bei einem Stromausfall sauber gespeichert werden. Dann schaltet die Kamera nach Stromtrennung wenige Sekunden später ab. Für den Parkmodus ist die Stromversorgung daher zwingend über dauerhaften 12-Volt-Anschluss oder das optionale Hardwire Kit notwendig.
Preis
Für die Viofo A329 S gibt es keine UVP für Deutschland. Laut Geizhals liegt der Straßenpreis der A329 S 2CH (Front- und Heckkamera) aktuell bei 360 Euro, die 3CH-Version (Front-, Heck- und Innenraumkamera) bei 450 Euro. Die Frontkamera alleine gibt es ab 310 Euro (Stand: 01/2026). Die hier zusätzlich betrachteten Komponenten schlagen separat zu Buche. Der Wireless Bluetooth Remote Button BTR200 liegt bei etwa 20 Euro, der (im Lieferumfang enthaltene) CPL-Filter für die Frontkamera kostet je nach Händler ebenfalls rund 20 Euro. Gleiches gilt für den speziellen CPL-Filter für die Heckkamera. Das HK4-Hardwire-Kit wird im Fachhandel mit etwa 25 Euro geführt.
Fazit
Die Viofo A329 S positioniert sich klar in der Oberklasse der Dashcams – sowohl bei Bildqualität als auch beim Preis. Frontkamera mit 4K-Auflösung, zwei zusätzliche 2K-Kanäle, Wi-Fi 6 und Unterstützung für externe SSD schaffen ein sehr leistungsfähiges Paket. Bei der Bildqualität sehen wir die A329 S derzeit insgesamt an der Spitze der Systeme mit drei Kameras, insbesondere mit Blick auf die Frontaufnahmen bei Tag und Nacht.
Im Alltag überzeugen außerdem die flexible App mit vielen sinnvollen Einstellmöglichkeiten und der gute Parkmodus. Der funktioniert allerdings leider nur mit dem HK4-Hardwire-Kit, bietet dann aber zugleich auch Schutz für die Fahrzeugbatterie. Bluetooth Remote und CPL-Filter erhöhen den Nutzwert deutlich: Wichtige Szenen lassen sich mit einem Knopfdruck sichern, Reflexionen an der Frontscheibe werden sichtbar reduziert.
Nachteile gibt es aber auch. Die Montage mit Hardwire Kit und Heckkamera ist deutlich aufwendiger als bei einfachen Lösungen. Das relativ dicke Kabel und das Problem von vereinzelt nachlassende Klebepads im Sommer bei hastiger Installation erfordern Geduld und Sorgfalt bei Anbringung. Außerdem fehlen moderne Cloud-Funktionen und Assistenzsysteme, die einige Wettbewerber in ähnlichen Preisregionen anbieten – wie wichtig die einem sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Bleibt noch der Preis: Je nach Ausstattung bis 500 Euro sind eine Menge Geld, das dürfte nicht wenige Interessenten abschrecken. Für Nutzer mit weniger Ansprüchen an Bildqualität, Anzahl der Kameras und Bedienkomfort gibt es deutlich günstigere Alternativen, die in vielen Alltagsszenarien ausreichen.
Künstliche Intelligenz
c’t 3003: Meine Linux-Probleme als Anfänger
Linux ist schnell, kostenlos, Open Source, aber manchmal leider auch verwirrend — zumindest am Anfang. c’t 3003 zeigt, wie sich erste Einstiegshürden überwinden lassen.
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Transkript des Videos
(Hinweis: Dieses Transkript ist für Menschen gedacht, die das Video oben nicht schauen können oder wollen. Der Text gibt nicht alle Informationen der Bildspur wieder.)
Guck mal hier, das bin ich, wie die Stimmen in meinem Kopf immer lauter werden und sagen: „Benutz Linux, Linux ist geil, Linux nervt mich mit Werbung.“ Ok, geil, aber welche der unendlich vielen Linux-Varianten soll ich denn jetzt überhaupt nehmen? Und hä, wie installiere ich jetzt hier überhaupt Programme? Mit der Kommandozeile? Muss man das unbedingt?
Also Linux ist halt auch einfach anders als Windows oder macOS und das kann beim Umstieg eine echte Mauer sein, über die man erstmal kraxeln muss. In diesem Video zeige ich euch als absoluter Linux-Anfänger mal kurz und knapp, was die für mich größten Hürden beim Umstieg auf Linux waren und wie ich die dann überwunden habe. Denn so schlimm ist das alles gar nicht und vor allem macht Linux auch richtig viel Spaß. Und sicher und kostenlos und so weiter und so fort. Ihr checkt, bleibt dran.
Liebe Hackerinnen, liebe Internet-Surfer, herzlich willkommen hier bei…
Auch wenn wir und viele von euch Linux feiern, statistisch gesehen benutzen es nur extrem wenig Menschen. Zumindest am privaten Desktop. Und woran das liegt, ja, das kann mehrere Gründe haben. Allen voran werden beispielsweise Consumer-Laptops so gut wie immer mit vorinstalliertem Windows ausgeliefert. Und MacBooks ja sowieso mit macOS. Und die, ich sag mal, Otto-Normal-Menschen denken da auch gar nicht weiter drüber nach und sind einfach okay damit.
Da ihr aber auf dieses Video geklickt habt, ist die Chance hoch, dass ihr euch wahrscheinlich intensiver mit Computern beschäftigt und vielleicht auch beispielsweise von Windows genervt seid. Und ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich hab auf jeden Fall schon länger dieses Flüstern im Ohr, was mir sagt, dass ich Linux benutzen soll. Und das wird halt irgendwie immer lauter.
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Denn Linux hat super viele Vorteile. Es ist kostenlos und komplett Open Source. Man hat die Kontrolle über seine eigenen Daten und muss sich nicht von zum Beispiel Microsoft abschnorcheln lassen. Es ist ressourcenschonend und läuft auf älterer Hardware noch schön schnell. Und wenn man will, kann man das ganze System so umbasteln, wie es einem gefällt. Auch optisch. Da hatten wir ja neulich schon mal ein Video drüber gemacht. Gerne mal abchecken. Und Keno findet zum Beispiel, dass kein Betriebssystem so gut aussieht wie Linux mit GNOME. Was GNOME ist, erkläre ich später noch.
Okay, okay. Aber Vorteile hin oder her: Man kann es nicht anders sagen. Wenn man von Windows oder macOS kommt, ist der Umstieg auf Linux erstmal gewöhnungsbedürftig. Und mir sind dabei so ganz allgemeine Sachen aufgefallen, die jetzt nicht unbedingt was mit einer Distribution zu tun haben.
Also hier kommen jetzt die Sachen, die mich als kompletter Linux-Noob beim Umstieg wirklich am meisten verwirrt haben. Und ganz kurz als Disclaimer: Es gibt natürlich noch weitaus mehr Dinge, die einem den Umstieg erschweren können. Besonders, wenn man noch am System irgendwas anpassen will. Aber hier sind jetzt erstmal die vier Hürden, die mir besonders schwer gefallen sind. Falls wir noch mehr solcher Linux-Videos machen sollen, dann schreibt doch mal in die Kommentare, welche Sachen euch bei Linux abschrecken.
Folgendes Szenario: Windows hat mich mal wieder an den Rand der Verzweiflung gebracht und es reicht. Ich habe keinen Bock mehr. Ich probiere jetzt Linux aus. Dann jetzt einfach mal Linux bei Google eingeben und ja. Also welches davon soll ich denn jetzt nehmen? Linux Mint, Red Hat, Ubuntu und was zum Geier ist eigentlich GNOME? Und da sind wir direkt bei Hürde Nummer 1: Distributionsverwirrung.
Also das Ding ist, es gibt quasi unendlich viele verschiedene Distributionen, also ganz viele verschiedene Geschmacksrichtungen von Linux. Aber welche davon sollte man denn jetzt nehmen? Aber erstmal: Was heißt das eigentlich alles? Hier einmal kurz drei wichtige Begriffe, die man als Anfänger nicht unbedingt auf dem Schirm hat.
Es gibt einmal den Linux-Kernel. Das ist der Betriebssystemkern und die grundlegende Schnittstelle zwischen Software und Hardware. Also die unterste Schicht des Betriebssystems, auf dem alle Linux-Distributionen basieren.
Eine Distribution ist eine Sammlung von Software, die dann quasi den kompletten Betriebssystem-Oberbau bildet. Das Ganze nennt man auch Userland. Also sowas wie die grafische Oberfläche, Anwendungen, Paketmanager und so weiter.
Auch noch ein wichtiger Begriff: Desktop-Environments. Ein Desktop-Environment ist eine Sammlung von Tools, die zusammen eine komplette Benutzeroberfläche bilden, mit der man das Betriebssystem bedienen kann. Dazu gehört dann sowas wie der Fenster- und Filemanager, das Startmenü, die Taskleiste, das Screenshot-Tool und so weiter. Davon gibt es viele verschiedene und man kann oft unabhängig von der Distribution auswählen, welches man gerne benutzen möchte.
Aber eins nach dem anderen: Wie finde ich jetzt die für mich am besten geeignete Distribution? Also ich hätte hier auf jeden Fall zwei konkrete Vorschläge, die sich für mich als Anfänger gut angefühlt haben und von denen wir hier im 3003-Team auch Fans sind. Zu denen komme ich aber gleich.
Erstmal: Was sind denn überhaupt wichtige Aspekte, in denen sich Distributionen so unterscheiden? Die für mich wichtigsten Kriterien sind einmal, in welchen Abständen geupdatet wird, also ob da ständig neue Updates reinkommen oder nur so halbjährlich oder jährlich, ob das Teil einsteigerfreundlich ist, ob es auf alter und neuer Hardware schnell läuft und für mich am allerwichtigsten der Look & Feel, weil das Ganze soll mir ja auch Spaß machen.
Unsere zwei Empfehlungen erfüllen übrigens alle diese Anforderungen. Falls man sich selbst ein bisschen schlaumachen will, haben die Kollegen von c’t sich glücklicherweise schon was echt Praktisches dafür ausgedacht. Das hier ist ein Linux-Fahrplan. Da sind einige der beliebtesten Distributionen als U-Bahn-Linien aufgezeichnet, die jeweils an verschiedenen Haltestellen halten, die für verschiedene Eigenschaften stehen. Also ob die für schwache Computer geeignet sind, welchen Look die von Haus aus haben, ob die sich für Gaming eignen und in welchen Abständen geupdatet wird. Schaut da doch gerne mal rein, Link ist in der Beschreibung.
Aber jetzt zu unseren Empfehlungen. Empfehlung Nummer 1 ist einmal das sehr anfängerfreundliche Linux Mint, was auf Ubuntu basiert. Das läuft auch auf alter Hardware noch schön schnell und bekommt halbjährlich Updates. Standardmäßig läuft da das Desktop-Environment Cinnamon, mit dem man sich direkt gut zurechtfinden sollte, besonders wenn man von Windows kommt. Also mit so einer stinknormalen Taskleiste hier unten und Startmenü und so weiter.
Was auch super easy ist, ist das Installieren von Programmen. Denn Linux Mint hat einen eigenen, ja, ich nenne ihn mal App Store namens Anwendungsverwaltung eingebaut. Da kann man entspannt Programme suchen und installieren. Alles ohne Kommandozeile. Da findet man auch nicht nur Open-Source-Kram wie zum Beispiel Spotify oder Steam. Alles schön kuratiert, mit Bewertungen und so weiter. Richtig nice.
Also Linux Mint ist auf jeden Fall ein sehr simpler Einstieg in die Welt von Linux, lässt sich ähnlich wie Windows bedienen, man muss so gut wie nie mit einer Kommandozeile rumhantieren und kann vieles in einer grafischen Oberfläche bedienen. Und ja, das Ding läuft einfach.
Aber vielleicht geht es euch ja wie mir und ihr wollt Linux auch schon so ein bisschen erleben einfach. Also nicht alles im Easy Mode, genau wie bei Windows, sondern halt Linux richtig benutzen. Also neue Sachen lernen und ja, einfach irgendwie Spaß damit haben.
Da wäre auf jeden Fall CachyOS eine Option. Das ist auch die Distribution, mit der ich am meisten Erfahrung gesammelt habe und die mir und auch Keno aktuell am besten gefällt. Über die hatten wir auch schon ein komplettes Video gemacht. CachyOS basiert auf Arch Linux und bekommt im Gegensatz zu Linux Mint regelmäßig kleinere Updates statt nur jedes halbe Jahr. Dadurch ist man immer auf dem neuesten Stand, es könnte aber auch potenziell was kaputt gepatcht werden, also das sollte man vielleicht im Hinterkopf haben. Und falls ihr euch fragt: Hä, ist Arch Linux nicht bekannt als total frickelig und wenig anfängerfreundlich? Ja, für die Grundversion, also Vanilla Arch, stimmt das auch. Das besteht nur aus dem Nötigsten wie Treiber, Paketmanager und so weiter. Alles weitere müsste man sich manuell dazu installieren.
Bei Arch-Ablegern, auch Derivate genannt, wie CachyOS hat das halt schon jemand gemacht. Und ja, auch CachyOS funktioniert out of the box intuitiv und ohne großes Kommandozeilengefricke. Beispielsweise lassen sich hier in diesem Onboarding-Fenster mit einem Klick alle Sachen installieren, die man fürs Gaming braucht. Da sind dann so Sachen wie Proton und Steam dabei. Sehr praktisch. CachyOS hat auch einen Package-Installer. Das ist eine Liste an Software, wo man sich sowas wie Firefox installieren kann. Das Ding ist aber nicht ganz so hübsch wie bei Linux Mint, hat keine Screenshots oder Bewertungen und so, läuft aber auch komplett ohne Kommandozeile. Was man hier nicht findet, muss man mit einem Paketmanager über die Kommandozeile installieren. Dazu gleich mehr.
Okay, Distribution ist ausgewählt. Also ISO runterladen, auf einen USB-Stick flashen und installieren. Das hatten wir schon in ganz vielen anderen Videos Schritt für Schritt erklärt, deswegen lasse ich das hier mal weg, pack euch aber einen Link in die Beschreibung mit Timestamp.
Eine Sache ist aber dabei wichtig: Bei der Installation von CachyOS und auch bei vielen anderen Distributionen wird gefragt, welches Desktop-Environment man installieren will. Wir erinnern uns, das Desktop-Environment ist quasi der komplette Look and Feel vom Desktop. Hier empfehlen wir ganz klar entweder KDE Plasma oder GNOME für den Anfang. Die verhalten sich nämlich beide relativ ähnlich wie Windows oder macOS. Bitte nicht ausrasten, ich finde, die verhalten sich ähnlich. Also KDE eher wie Windows 10 und GNOME eher wie macOS. Ich benutze gern GNOME, weil das einfach ein bisschen besonderer ist als KDE. Aber keine Angst, das ist auch echt easy zu bedienen. Und falls man Linux Mint installiert, ist da eh standardmäßig erstmal Cinnamon drauf, was sich auch sehr wie Windows anfühlt.
Okay, das Ding ist installiert, in diesem Fall CachyOS, und hier ist direkt Firefox am Start. Damit kann man sich erstmal überall einloggen und hier gibt es auch so ein Willkommensfenster, wo ich direkt so Kram für Spiele installieren kann. Das ist schon nice. Die Taskleiste checkt man auch direkt, hier sind schon installierte Programme und hier komme ich in den Filemanager. Ich kann hier meine Dateien ablegen, alles easy. Ich glaube, ich mache mir mal ein bisschen Musik dabei an. Ich lade mal eben Spotify runter. Also bei Google einfach Spotify, Linux suchen und ja, was zum Geier ist das hier? Das ist Hürde Nummer 2: Software installieren.
Also die für mich größte Verwirrung beim Umstieg auf Linux war die Frage: Wie installiere ich jetzt hier mein Zeug? Denn für die meiste Software gibt es keine ausführbare Installationsdatei wie bei macOS oder Windows. Also nichts, was man einfach runterladen und dann doppelklicken kann. Ihr könnt dafür wie gesagt den in die Distribution eingebauten grafischen App Store verwenden, aber ihr könnt auch, und das ist eigentlich der Standardweg, einen Paketmanager über die Kommandozeile benutzen.
Ja gut, aber was zum Geier ist ein Paketmanager? Paketmanager sind Programme, mit denen man Software installieren, updaten und auch wieder deinstallieren kann. Alles auf der Kommandozeile. Das klingt jetzt erstmal kompliziert, ist es aber gar nicht eigentlich. Ganz im Gegenteil: Das ist, wenn man sich erstmal ein bisschen dran gewöhnt hat, viel praktischer als mit irgendwelchen .exe-Dateien rumzuhantieren. Je nach Distribution unterscheiden sich die Paketmanager etwas, funktionieren aber bis auf leicht abgeänderte Befehle oft sehr ähnlich. Bei Linux Mint und auch bei Ubuntu und allen sogenannten Debian-Derivaten heißt der vorinstallierte Paketmanager „apt“, bei Fedora DNF und bei CachyOS bzw. allen Arch-Linuxen „pacman“. Mit denen lädt man Pakete, also auch Programme und deren Abhängigkeiten, aus offiziellen Datenbanken, auch Repositories genannt, von beispielsweise Arch Linux herunter. Das sind Datenbanken an essentiellen und beliebten Programmen, die von den Distributionen betrieben und gepflegt werden.
Also mal als Beispiel. Um Spotify zu installieren, öffnet man die Konsole und tippt hier unter CachyOS folgendes ein: sudo pacman -S spotify-launcher. Dann installiert pacman Spotify mit allen benötigten Abhängigkeiten komplett vollautomatisch. Das war’s, mehr muss man nicht machen. So installiert man Pakete über diesen Paketmanager.
Mal kurz zur Erklärung, was das alles heißt: sudo steht hier quasi für „als Admin ausführen“. Danach kommt der Name vom Paketmanager, in dem Fall pacman, dann der Befehl fürs Installieren, -S, das kommt von „Synchronisieren“, und dann der Name vom Paket. Hier sieht man auch ganz gut, warum das Ding „pacman“ heißt. Das ist halt wie vom Spiel, also hier mit den kleinen Punkten da.
Okay, aber woher weiß ich, was ich genau eintippen muss für das Programm, was ich runterladen bzw. installieren will? Dass man „spotify-launcher“ eingeben muss statt einfach nur Spotify, checkt man ja nicht unbedingt direkt. Einmal könnte man sudo pacman -Ss spotify eingeben, das ist quasi eine Suche, und es werden Pakete mit Spotify im Namen aufgelistet. Da steht dann aber auch manchmal sehr viel, und das kann auch schon irgendwie verwirrend sein.
Man kann aber auch auf dieser Seite hier direkt bei Arch im Repository suchen. Also wenn ich mir beispielsweise den Signal-Messenger-Client installieren will, dann tippe ich hier einfach Signal ein und ah, hier steht „signal-desktop“. Also zum Installieren einfach wieder in der Konsole das hier eingeben: sudo pacman -s signal-desktop und boom, ist installiert.
Genauso einfach ist es, Sachen zu updaten. Dafür muss man statt -S -Syu und dann wieder den Namen des Programms eingeben. Also in diesem Fall sudo pacman -Syu spotify-launcher. Dann wird das Programm und alles, was dazu gehört, einfach geupdatet.
Viel praktischer ist es aber, wenn man nur sudo pacman -Syu benutzt, also ohne Paketnamen. Dann wird nämlich die komplette Distribution und damit auch alle mit pacman installierten Pakete auf einmal geupdatet. Mega praktisch. Also quasi ein Befehl, um einfach mal fast alles zu updaten.
Bei anderen Paketmanagern wie „apt“, was ja bei Linux Mint vorinstalliert ist, sind die Befehle ein bisschen anders, aber bis auf die unterschiedliche Syntax funktioniert das eigentlich gleich. Nur als Beispiel: Um unter Linux Mint per Paketmanager Spotify zu installieren, muss man sudo apt-get install spotify-client eingeben. Aber ja, bei Linux Mint findet man halt schon sehr, sehr viel Software in diesem vorhandenen App Store. Aber mit Kommandozeilen macht das schon irgendwie ein bisschen mehr Spaß, finde ich.
Aber was ist, wenn es das Programm, was ich suche, nicht im offiziellen Arch-Repository gibt? Es gibt nämlich auch noch weitere Pakete und Datenbanken, wie beispielsweise das Arch User Repository, kurz AUR. Die Pakete daraus kann man aber nicht einfach wie eben beschrieben mit pacman installieren, sondern dafür braucht man andere Programme. Und weil das AUR user-generiert ist, also da potenziell auch Malware zu finden ist, lassen wir das hier jetzt erstmal weg.
Falls wir aber mehr solcher Linux-Anfänger-Videos machen sollten, wäre das auf jeden Fall ein Teil davon. Schreibt gerne mal in die Kommentare, ob ihr euch das wünscht.
Okay, weiter geht’s. Ich habe die Bedienung vom Desktop grob verstanden, ist ja eigentlich auch alles easy, und habe mir meine Grundbedürfnisse an Programmen installiert. Aber was ist denn mit Gaming? Geht das einfach?
Ja, das ist Hürde Nummer 3: Gaming. Das ist schon fast gar keine Hürde mehr, denn das ist in den letzten Jahren alles viel einfacher geworden. Dickes Dankeschön an Valve an der Stelle. Trotzdem wollte ich das hier mal erwähnen, weil ich mir vorm Umstieg Gaming unter Linux immer sehr krampfig vorgestellt habe. Ist es aber wirklich gar nicht.
Die zwei wichtigsten Punkte hier sind einmal der Grafikkartentreiber und Proton bzw. Wine bzw. eine Kompatibilitätsschicht. Falls ihr eine AMD-Karte habt, ist das super, also für Linux-Gaming. Denn AMD-Treiber sind Open Source und normalerweise stecken die schon fest im Linux-Kernel. Nvidia-Treiber sind mittlerweile zum Teil auch Open Source und werden bei CachyOS direkt mit installiert, sind halt nicht standardmäßig im Kernel integriert. Alles andere, was man braucht, bekommt man unter CachyOS auch super einfach. Einfach nur in diesem Begrüßungsprogramm, was bei CachyOS standardmäßig startet, auf „Apps & Tweaks“ und dann auf „Install Gaming Package“ klicken. Dann installiert CachyOS vollautomatisch wichtige Pakete wie Proton und auch direkt Steam.
Bei Linux Mint ist das fast genauso: Da einfach über „System Settings“ „Driver Manager“ den empfohlenen Nvidia-Treiber installieren, fertig. Steam kann man dann einfach über den Software-Manager, also diesen App Store, runterladen. Und das war’s dann eigentlich auch schon.
Man kann jetzt einfach Steam-Spiele runterladen und das meiste läuft out of the box richtig gut, teilweise mit gleichen, wenn nicht sogar mehr FPS wie bei Windows. Das Einzige, was weiterhin nicht auf Linux läuft, sind Multiplayer-Spiele mit Anti-Cheat-Software, die tief ins System eingreifen. Also sowas wie Valorant, League of Legends, Fortnite und so weiter. Da gibt’s bisher leider irgendwie noch keine Möglichkeit, das ohne Probleme auf Linux zum Laufen zu bringen.
Hürde Nummer 3,5: Linux-Research. Okay, das ist jetzt nur so eine halbe Hürde, aber sagen wir mal, man hat ein Problem oder will irgendwas wissen und geht dafür ins Internet. Ja, und was man da findet, kann für Anfänger echt ein Albtraum sein.
Unendlich viele Foren, Reddit-Beiträge und Wikis, die meistens von Leuten geschrieben werden, die so deep im Thema drin sind, dass man als Anfänger wirklich mal so gar nichts checkt. Also ich will damit auf keinen Fall der Linux-Community vorwerfen, dass die nicht hilfsbereit sind. Im Gegenteil: Die Antworten auf einfache Fragen sind zum Teil super ausführlich und wenn man sich ein bisschen besser auskennt, dann helfen die auch bestimmt. Aber wenn man als Anfänger sowas hier liest, ja, puh, keine Ahnung.
Mal als Beispiel: Hier fragt jemand: „Hey, ich würde gerne die proprietären AMD-Treiber installieren und die ROCm-Software benutzen. Wie mache ich das? P. S., ich bin kein Linux-Experte, also bitte, bitte nicht sauer sein, wenn ich die Frage naiv gestellt habe.“ Und als Antwort kommt nur: „Es wurde schon erklärt“, mit einem Link aufs Wiki. Und ja, da steht dann auch was zur ROCm-Software, aber da jetzt als Anfänger rauszulesen, was wirklich zu tun ist, ist einfach ultra schwer.
Aber davon braucht man sich heutzutage nicht mehr abschrecken lassen, weil es gibt ja LLMs. Okay, also dass man sich mit KI Fragen beantworten lassen kann, ist jetzt keine große Erkenntnis, aber dadurch, dass man sich Schritt für Schritt jederzeit helfen lassen kann, ist der Umstieg auf Linux gerade so einfach wie noch nie, wie ich finde. Das wollte ich zumindest nicht unerwähnt lassen. Aber ganz wichtig: Nicht einfach die Befehle copy-pasten, sondern versucht nachzuvollziehen, was da passiert ist, sonst lernt man ja auch nichts.
Also Software ist installiert, die Bedienung und Gaming läuft auch super, alles ist schön schnell. Es gibt aber leider noch einen gigantischen Elefanten im Raum, der für viele, auch für mich, den Hauptgrund ausmacht, warum man nicht zu 100 % auf Linux umsteigen will. Und das ist Hürde Nummer 4: Software-Verfügbarkeit.
Daran kommt man leider noch nicht wirklich vorbei. Viele Programme, die teilweise auch für die Arbeit wichtig sind, gibt es auf Linux einfach nicht, beziehungsweise wenn, dann nur über sehr krampfige Umwege. Besonders die Desktop-Versionen der Office-Produkte, also so Sachen wie Word, Teams, Excel und die Adobe Suite mit Premiere, After Effects, Photoshop usw., schmerzen da echt besonders, denn die brauchen viele zum Arbeiten.
Es gibt so Sachen wie Winboat, damit kann man Windows-Apps zum Laufen bringen, haben wir auch schon ein Video zu gemacht. Das Ganze ist aber noch nicht so richtig ausgereift und vor allem nicht anfängerfreundlich. Manche Sachen wie die Office-Apps laufen auch ganz gut im Browser. Ist nicht ganz so schön, aber man kann sie zumindest verwenden. Bei Adobe-Programmen wie Premiere, da geht das nicht, da muss man sich Alternativen suchen.
Und von denen gibt es eine Menge, auch echt gute. Die jetzt aber alle aufzuzählen, würde ein bisschen den Rahmen sprengen. Viel besser wäre es doch, wenn wir ein ganz eigenes Video zu Linux-Alternativen von gängigen Windows-Programmen machen. Oder bitte in die Kommentare schreiben, falls ihr sowas gerne sehen wollt.
Tschüss!
c’t 3003 ist der YouTube-Channel von c’t. Die Videos auf c’t 3003 sind eigenständige Inhalte und unabhängig von den Artikeln im c’t Magazin. Die Redakteure Jan-Keno Janssen, Lukas Rumpler, Sahin Erengil und Pascal Schewe veröffentlichen jede Woche ein Video.
(sahe)
Künstliche Intelligenz
Top 10: Die beste Powerbank im Test – Testsieger Anker für 24 Euro
Powerbanks gibt es von 10 bis 200 W und 5000 bis 27.000 mAh. Wir haben über 30 Modelle getestet und zeigen die besten Geräte aller Preisklassen.
Akkus in Handys halten, egal wie groß, nie lang genug. Eine praktische Lösung für mehr Akkulaufzeit unterwegs sind deshalb Powerbanks. Die mobilen Ladestationen, meist selbst nicht mehr als eine dicke Batterie, haben es sogar zu einer musikalischen Liebeserklärung der Band Deichkind geschafft, die im Song Powerbank „dieses Ding mehr als ihr Girlfriend“ lieben.
Im Jahr 2026 ist eine Powerbank aber nicht mehr nur der Retter eines Smartphones in der Not, sondern deutlich vielseitiger. Von günstig bis richtig stark ist alles dabei. Wir zeigen, welche Powerbanks über alle Preisbereiche hinweg die besten sind.
Welche ist die beste Powerbank?
Kapazität und Ausgangsspannung
Die wichtigste Kenngröße der Powerbank ist wahrscheinlich: „Wie groß ist sie?“ Das bezieht sich auf zwei Punkte, die Kapazität sowie die eigentliche Größe der mobilen Batterie. Beides hängt zusammen. Je mehr Kapazität, desto mehr – oder größere – Zellen gibt es, womit die Powerbank „größer“ wird. Natürlich gibt es auch kompaktere Varianten, irgendwann stößt man aber an physikalische Grenzen.
Die Kapazität geben Hersteller meistens in Milliamperestunden (mAh) an, einfach, weil 10.000 mAh deutlich eindrucksvoller aussehen als 10 Amperestunden (Ah). Bei Handy-Akkus ist es ebenso, insofern ist das kein großes Problem. Wer eine besonders handliche Powerbank haben will, dem reichen auch Kapazitäten unter 5000 mAh. Die Modelle sind deutlich kompakter und leichter als Powerbanks über 10.000 mAh. Allerdings schafft man damit je nach Akkugröße des Handys maximal einen Ladevorgang oder weniger.
Bei der Kapazität ist zudem zu beachten, dass es für die Mitnahme im Flugzeug Auflagen gibt. So dürfen Powerbanks im Handgepäck eine maximale Kapazität von 100 Wattstunden haben. Überwiegend wird die Kapazität nur plakativ in Milliamperestunden (mAh) angegeben und nicht in Wattstunden (Wh). Mehr zu der Problematik erklärt der Artikel der Kollegen von heise tipps+tricks.
Neben der Kapazität ist die Ausgangsleistung (angegeben in Watt) an den einzelnen Anschlüssen wichtig. Dabei sollte man etwas aufpassen, gerade bei günstigen Produkten schaffen die Ports die Nennleistung nicht jeweils, sondern nur gemeinsam. Je geringer die Leistung, desto länger dauert das Laden. Sind die Geräte besonders stromhungrig, kann es vorkommen, dass sie gar nicht laden. Das betrifft vorwiegend Notebooks oder Tablets, die eine höhere Ladeleistung benötigen; bei Laptops sind es meist 90 oder 100 Watt. Die Leistung in Watt ergibt sich aus der Spannung (Volt; kurz: V) multipliziert mit der Stromstärke (Ampere; kurz: A).
Unser Tipp: Für Smartphones sollte man Geräte mit mindestens 18 Watt pro Port nehmen. Wer Notebooks laden möchte, sollte prüfen, wie viel Ladeleistung der Computer benötigt.
Anschlüsse: USB-C, Micro-USB oder USB-A?
Welcher USB-Anschluss am wichtigsten ist, hängt davon ab, welche Geräte man anschließen möchte. Mittlerweile nutzen die allermeisten Geräte einen USB-C-Anschluss, es gibt aber auch für USB-A-Einsatzzwecke – je nachdem, welche Kabel man hat. Gerade wenn man neben einem Android-Handy mit USB-C auch ein iPhone mit Lightning-Anschluss verwenden will.
Der Micro-USB-Anschluss spielt inzwischen eine untergeordnete Rolle; wenn er vorhanden ist, dient er vorwiegend nur zum Laden der Powerbank. USB-C ist hier die bessere Lösung, da der Standard mittlerweile auch von der EU vorgeschrieben ist. Er ist universell und selbst Laptops nutzen immer mehr diesen Port.
Schneller Laden mit Quick Charge oder USB-PD?
Neben den kleinen und günstigen Powerbanks gibt es inzwischen auch deutlich größere, die nicht nur viel Kapazität, sondern auch viel Leistung haben. Manche Modelle geben über 100 Watt aus und eignen sich damit auch für den Betrieb von Laptops. Denn diese benötigen häufig 90 Watt oder mehr, wie unser Lenovo Yoga Pro 7 2023. Aber auch für den Einsatz von mobilen Lötkolben benötigt man einiges an Leistung, eine Steckdose aber nicht zwingend. Hier kann ebenfalls eine Powerbank mit viel Leistung zum Einsatz kommen.
Höherwertige Powerbanks unterstützen neben den normalen Ladevorgängen oft Techniken wie Qualcomm Quick Charge und USB Power Delivery (USB-PD). Beide Techniken müssen von Powerbank und Verbraucher unterstützt werden. Wenn nicht, dann fällt die Powerbank auf den normalen Lademodus per USB zurück.
Quick Charge ist eine Technik von Qualcomm, die Akkus der Smartphones und Tablets mit passendem Chipsatz schneller wieder aufladen möchte. In kurzer Zeit gelangt möglichst viel Energie in den Smartphone-Akku. Sprich, wer sein Handy 10 bis 15 Minuten anschließt, sollte danach für ein paar Stunden Saft haben. Aktuell ist die Version Quick Charge 4.0, sie stammt von 2017. Version 5 ist angekündigt, die meisten Powerbanks verwenden aber ohnehin nur Version 3.0 von 2015. In unserem Test lud eine entsprechende Powerbank mit QC 3.0 den Akku eines Smartphones in 35 Minuten von 0 auf 80 Prozent. Quick Charge 2.0 benötigte damals 70 Minuten. Die einzelnen Versionen sind abwärtskompatibel.
USB Power Delivery (USB-PD) ist besonders spannend. Das Protokoll kann die Spannung zwischen 5 Volt und bis zu 20 Volt regeln, bei bis zu 5 Ampere kommt man so auf eine Ladeleistung von strammen 100 Watt. Damit kann man nicht nur Smartphones laden, sondern auch Notebooks. USB-PD ist außerdem stark genug, um Endgeräte zu betreiben und oft Teil von USB-C-Hubs (Bestenliste). Vorsicht ist dann aber bei der Auswahl des Ladekabels geboten. Dieses benötigt einen speziellen Chip, der Powerbank und Verbraucher miteinander kommunizieren lässt. Unser Tipp: Einfach ein Thunderbolt-3-Kabel oder besser nutzen, dort gehört USB-PD fest zur Spezifikation. Mehr dazu erklären wir im Artikel 10 Ladekabel mit USB-C bis 100 Watt im Test: Gute Kabel kosten unter 10 Euro.
Empfehlung: Wer ein Smartphone mit Quick Charge hat, sollte in jedem Fall auf die passende Funktion in der Powerbank achten. Das Feature hilft meist auch beim Laden der Powerbank, sodass der externe Akku zügig wieder voll ist. USB-PD ist dann hilfreich, wenn man neben Smartphones auch Laptops laden möchte – dank USB-C ist das ja inzwischen problemlos möglich. Natürlich sollte auch das Netzteil PD wieder aufladen können. Entsprechend flotte Ladegeräte zeigen wir in der Top 10: USB-C-Ladegeräte ab 65 Watt für Tablet & Laptop.
Testverfahren: So testen wir Powerbanks
Zur Ermittlung der nutzbaren Kapazität verwenden wir das Messgerät F-nirsi FNB58, das uns Banggood zur Verfügung gestellt hat, und hängen es zwischen Powerbank und unsere elektronische Last. An dieser können wir wiederum präzise die zu entnehmende Leistung einstellen und damit etwa den Überlastschutz testen.
Für die Ermittlung der Effizienz, also der tatsächlich nutzbaren Kapazität, laden wir die Powerbank zunächst vollständig, um sie danach einmal gänzlich zu entleeren. Das Messgerät trackt dabei, wie viel Wh wir herausbekommen haben. Weiterhin können wir die Betriebsdaten über das integrierte LCD auslesen. Weiterhin sieht man, auf welche Schnellladetechnik sich die Geräte geeinigt haben – und über den integrierten PD-Listener, welche Ladestufen (5 V, 9 V etc.) und ob PPS angeboten wird.
Seinen eigenen Energiebedarf stillt das Messgerät über das angeschlossene USB-C-Kabel. Eine Dokumentation gibt es nicht.
Wireless Charging: Nützliche Spielerei
Bei Powerbanks ist der allerdings eingeschränkt. Qi ist alles andere als effizient. Die meisten Powerbanks liefern zudem nicht mehr als 5 Watt, Funktionen wie Quick Charge gibt es kabellos, aber nicht herstellerübergreifend. Dafür ist das Feature mittlerweile selbst in günstigen mobilen Akkus enthalten. Das belegt unser Artikel Induktive Energieübertragung: Qi-Powerbanks ab 10 Euro im Vergleich.
Wir finden: Für Smartphones ist Qi in der Powerbank ein nettes Feature, wenn das Handy den Standard unterstützt. Wenn möglich, sollte man aber per Kabel laden – das ist effizienter und schneller.
Kompakte Powerbanks: Klein muss nicht schlecht sein
Die meisten gezeigten Powerbanks sind ziemlich groß. Das macht sie unpraktisch für Hosen- oder Handtaschen. Kleine, mobile Geräte müssen nicht schlecht sein, man macht aber häufig Abstriche bei der Kapazität, kann also weniger aufladen.
Wir raten: Eine kleine Powerbank, die man dabei hat, ist im Zweifel hilfreicher als ein großer externer Akku, der daheim liegt. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass die Powerbank zwischen 3000 mAh und 5000 mAh liefert und idealerweise gleich mit USB-C kommt. Dann bekommt man bereits für unter 10 Euro kompakte Geräte, wie von Hama, Varta und Xlayer. Alle liegen zwischen 2000 und 5000 mAh und reichen aus, wenn das Handy unterwegs nicht die Grätsche machen soll.
Starthilfe: Auto starten per Powerbank
Winter, Kälte, leere Batterie – kein Problem, wenn man die passende Powerbank hat. Tatsächlich gibt es Modelle, die nicht nur das Handy laden, sondern auch als Starthilfe für das Auto dienen. Im Paket liegt nicht nur ein USB-Kabel, sondern auch spezielle Klammern für die Autobatterie.
Der einzige Haken: Es muss genügend Saft in der Powerbank sein (was sie über eine LED-Anzeige signalisiert). Liegt die Powerbank mit Starthilfe ungenutzt im Kofferraum oder unter dem Sitz, geht der Akku mit der Zeit leider kaputt. Entsprechend sollte man das Gerät idealerweise als Powerbank nutzen und regelmäßig laden.
Unser Tipp: Ganz ehrlich, warum nicht? Die Powerbanks mit Starthilfefunktion sind zwar groß, aber sie haben genügend Kapazität, um Smartphones mehrmals komplett zu laden. Die Kosten sind erträglich.
Notstrom: Powerbanks mit USV-Funktion
Auch die kleinen Powerbank-Akkus gibt es mit Notstromfunktion, die dank geringer Verzögerung schnell von Netzbetrieb auf Inselbetrieb umstellt. Bei Powerstations kannten wir dieses Feature schon länger, doch tatsächlich gibt es auch Powerbanks. Freilich kann man damit im Gegensatz zu den großen Akkus nicht den ganzen Hausstrom kurzzeitig übernehmen oder die Stromzufuhr am PC bei Stromausfall überbrücken. Doch kleinere Geräte, wie ein Router, lassen sich so für eine gewisse Zeit weiter betreiben.
Solarzellen für Powerbanks
Die Idee ist auf den ersten Blick genial: Einfach eine Solarzelle auf die Powerbank und man hat immer Strom. In der Praxis ist man dann aber enttäuscht. Die Solarzellen sind zu klein und nicht wirklich effizient. Gerade auch Solar-Powerbanks mit im Gehäuse integrierten Solarzellen sind reichlich sinnbefreit, hier lädt man kaum etwas nach.
Geräte dieser Art zeigt der Artikel Überall Strom mit Photovoltaik: Solar-Rucksäcke, Powerbanks & mehr. Nach knapp 50 Stunden in der Sonne (also fast einer Woche, abhängig vom Wetter) waren die Geräte zu 100 und zu 75 Prozent voll, wirklich praktikabel ist das aber nicht. Mit Solarzellen kann man das Grundrauschen abfangen und die Powerbanks zumindest etwas laden, aber wirklich voll bekommt man sie nur schwer.
Fazit
Jeder sollte eine Powerbank im Rucksack oder der Tasche dabeihaben. Die Akkus bei Smartphones werden zwar größer, der Stromhunger aber auch. Die nächste Akkurevolution ist gefühlt zwar „immer nur ein paar Jahre“ entfernt, bis dahin helfen Powerbanks, die Lücke bis zur nächsten Steckdose zu überbrücken.
Am besten abgeschnitten hat in unserem Test die Anker Zolo 20k, die nicht nur günstig, sondern auch richtig gut und effizient ist. Im Jahr 2025 waren einzelne Chargen zwar von einem Rückruf betroffen, jetzt ist sie aber wieder für 24 Euro erhältlich. Sie hat nicht die denkbar höchste Kapazität, die höchste Ausgangsleistung oder andere Superlative, war aber im Praxistest herausragend gut. Ein gutes Gesamtpaket zum fairen Preis gibt es auch bei der Ugreen Nexode 12.000 mAh. Zum Preis von 40 Euro liefert sie bereits starke 100 Watt.
Wichtige Features sind die Kapazität und die Leistung pro Port. Es hilft zudem, wenn der Ausgang der Powerbank das gleiche Format hat wie der Eingang am Smartphone – ein Adapter von USB-A auf USB-C bringt unnötige Verluste oder stoppt im Zweifel Features wie Quick Charge oder USB-PD.
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Künstliche Intelligenz
Deutschland-Stack 2.0: Vom abstrakten Fundament zum digitalen Betriebssystem
Das politische Prestigeprojekt Deutschland-Stack, das eine wichtige Basis einer technologisch souveränen Bundesrepublik werden soll, verlässt die Phase der rein konzeptionellen Überlegungen. Nachdem im Herbst eine breite Beteiligung von Wirtschaft und Zivilgesellschaft erste Weichen stellte, präsentiert das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) jetzt ein aktualisiertes Gesamtbild.
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Die neue Skizze vom Freitag zeigt eine umfangreiche Weiterentwicklung gegenüber dem ersten Aufschlag vom Oktober. War die ursprüngliche Fassung noch stark von abstrakten Zielen wie der „europäischen Souveränität“ und allgemeinen „Wiederverwendbarkeit“ geprägt, liest sich das aktuelle Dokument wie ein technisches und strategisches Lastenheft für ein modernes Staats-Betriebssystem.
Der direkte Vergleich zur alten, deutlich kürzeren Version des „Gesamtbildes“ macht deutlich, dass die Bundesregierung auf die Kritik der ersten Beteiligungsrunde reagiert hat. So lag der Fokus vor wenigen Monaten etwa noch vage auf „wiederverwendbaren technischen Bausteinen“ und einer allgemeinen Verknüpfung mit Ansätzen wie „Government-as-a-Platform“. Der aktuelle Entwurf ist wesentlich stärker in den politischen Realitäten der neuen Legislaturperiode verankert.
KI-Agenten sollen helfen
Das neue Gesamtbild stützt sich so etwa explizit auf die Modernisierungsagenda von Bund und Ländern sowie auf Beschlüsse der Digitalministerkonferenz und des IT-Planungsrats. Damit rückt die politische Verbindlichkeit in den Vordergrund: Der Bund will demnach den Plattformkern bereitstellen und verpflichtend vorgeben sowie für ein zentrales Cloud-Hosting-Angebot sorgen, um die bisherigen Lock-in-Effekte und den föderalen Flickenteppich zu überwinden.
Hinzugekommen im vorgesehenen Tech-Stack ist der Ausbau des Bereichs Künstliche Intelligenz. Während die erste Version KI nur am Rand erwähnte, setzt das Update auf gehypte Ansätze wie Agentic AI. Dabei geht es nicht mehr nur um einfache Sprachmodelle, sondern um autonome Agenten, die über standardisierte Protokolle wie das Model Context Protocol (MCP) oder das Autonomous Agent Protocol (ANP) miteinander kommunizieren sollen.
Dieser „Agent-to-Agent“-Ansatz (A2A) markiert einen Paradigmenwechsel: Die Verwaltung soll künftig nicht mehr nur digitale Formulare anbieten, sondern durch vernetzte, intelligente Systeme proaktiv handeln können. Ergänzt wird dies durch den Fokus auf semantische Technologien. Deren Aufgabe ist es, eine einheitliche Dateninterpretation über alle föderalen Ebenen hinweg sicherzustellen.
Mehr Open Source
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Die Neuaufnahme definiert Leitplanken wie „API-First“, „DevSecOps by Default“ und das Prinzip „Made in EU“ für Marktlösungen. Dazu kommt eine Priorisierung: Eigenentwicklungen sollen vorrangig als Open Source realisiert werden. Beim Zukauf von Marktlösungen sind europäische Anbieter zu bevorzugen, sofern sie die Souveränitätskriterien erfüllen.
Damit adressiert das Ministerium zumindest teilweise eine Forderung der Open Source Business Alliance (OSBA). Der Verband warnte im Vorfeld davor, den D-Stack zu einem Vehikel für „Souveränitäts-Washing“ durch proprietäre Softwareanbieter verkommen zu lassen. Die OSBA und die Free Software Foundation Europe (FSFE) verlangten in ihren Stellungnahmen, dass echte digitale Souveränität zwingend die vier Freiheiten der freien Software voraussetzt. Herausgekommen ist, dass Open Source zumindest als Primärlösung für den Plattformkern und die Integrationselemente festgeschrieben werden soll.
Trotz der technischen Schärfung bleiben organisatorische Hürden. Digitalstaatssekretär Markus Richter betont, dass die Exekutive mit einer zweiten Konsultationsrunde einen wichtigen Schritt hin zu einer interoperablen Verwaltung gehe und bewusst den offenen Dialog suche. Doch die Wirtschaft mahnt, rasch Nägel mit Köpfen zu machen.
Der Branchenverband Bitkom lobt so zwar das bisherige Tempo und die Einbeziehung externer Expertise, fordert aber zugleich eine verbindliche Pflicht für Länder und Kommunen zur Nutzung des Stacks. Nur wenn der föderale Unterbau die Komponenten auch tatsächlich integriere, könne eine echte Beschleunigung der Verwaltungsdigitalisierung gelingen. Der D-Stack dürfe kein optionales Buffet bleiben, sondern müsse zur gemeinsamen technischen Basis werden.
Zweite Konsultationsphase läuft
Strukturell hat das BMDS das Gesamtbild in vier strategische Säulen gegliedert: Eine exzellente Nutzererfahrung für Bürger und Wirtschaft, ein stabiler Plattformkern als Basis, der konsequente Einsatz von KI und Daten sowie die Sicherung der digitalen Souveränität. Das Ressort räumt ein, dass die bisherigen Kriterien keinen Detailgrad aufwiesen, der für automatisierte Compliance-Prozesse tauge. Stattdessen seien die Maßstäbe auf essenzielle Punkte konsolidiert worden, um vorerst eine klare Orientierung zu bieten. An der technischen Verknüpfung einzelner Standards werde weiter gearbeitet.
Bis 2028 sollen konkrete Angebote für alle föderalen Ebenen bereitstehen. Der Weg dorthin führt über den Marktplatz Deutschland Digital und das Portal für die deutsche Verwaltungscloud, die als zentrale „Managed-Services-Plattformen“ fungieren sollen.
Mit der nun gestarteten finalen Konsultationsphase, die bis zum 31. März läuft, steht der D-Stack vor seiner ersten Bewährungsprobe in der Praxis. Es bleibt abzuwarten, ob die ambitionierten Pläne für Agenten-KI und offene Schnittstellen auf offene Ohren stoßen und den Aufprall auf die föderale Realität überstehen.
(vbr)
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