Künstliche Intelligenz

Warum es ausgerechnet bei LinkedIn so viel KI-Slop gibt


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LinkedIn ist einer Untersuchung von Pangram zufolge die Social-Media-Plattform mit dem höchsten Anteil KI-generierter Texte. Besonders ausgeprägt ist das bei längeren Beiträgen: Mehr als 40 Prozent der längeren Posts wurden vom Erkennungssystem des Anbieters als vollständig KI-generiert eingestuft. Obwohl LinkedIn nur rund ein Drittel der analysierten Beiträge ausmachte, entfielen fast zwei Drittel aller als KI-generiert erkannten Inhalte auf die Karriereplattform.

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Für die Auswertung analysierte Pangram gut eine Million Beiträge, die Nutzer der Pangram-Chrome-Erweiterung zwischen April und Juli 2026 freiwillig zur Verfügung gestellt hatten. Berücksichtigt wurden Beiträge mit mindestens 50 Wörtern auf LinkedIn, Reddit, X, Medium und Substack. Wie bei allen Verfahren zur Erkennung KI-generierter Texte gilt allerdings: Ihre Zuverlässigkeit ist umstritten. Pangram verweist zwar auf eine sehr niedrige Fehlalarmrate, eine unabhängige Überprüfung der Ergebnisse gibt es aber nicht.

Warum aber ist die Quote bei LinkedIn so viel höher? Zum einen integriert die Plattform anders als viele andere soziale Netzwerke generative KI inzwischen an mehreren Stellen nativ. Nutzer können sich zum Beispiel beim Formulieren von Profiltexten unterstützen lassen, Unternehmen können Inhalte für ihre Seiten erzeugen oder Beiträge überarbeiten lassen. Entsprechend niedrig ist die Einstiegshürde für KI-generierte Texte im Vergleich.

Hinzu kommt offenbar ein psychologischer Effekt. Die Forscher Mona Birjandi und Derya Oktay haben untersucht, wie generative KI die professionelle Selbstpräsentation auf LinkedIn erleichtert – und zwar deutlich, so das Ergebnis. Nach der Einführung von ChatGPT stieg die Zahl veröffentlichter Beiträge messbar an. KI eignet sich wohl besonders dazu, scheinbare Kompetenz sichtbar zu machen und persönliche Markenbildung zu betreiben, so die Autoren. Diese Art der Texte unterscheidet LinkedIn von Plattformen wie Reddit oder X. LinkedIn hat auf diese Situation aber inzwischen reagiert und angekündigt, KI-generierte Beiträge algorithmisch erkennen und im Feed herabstufen zu wollen.

Auch die Art der veröffentlichten Inhalte dürfte eine Rolle spielen. LinkedIn wird von längeren Fachbeiträgen geprägt – etwa zu Management, Karriere, Projekten oder Branchentrends. Solche Texte folgen häufig ähnlichen Strukturen und einem sachlich-professionellen Stil. Genau diese Textgattung können große Sprachmodelle besonders gut erzeugen oder überarbeiten.

Auf Plattformen wie Reddit oder X entstehen viele Beiträge hingegen im direkten Austausch mit anderen Nutzern. Humor, spontane Reaktionen, Insiderwissen oder der Bezug auf vorherige Kommentare spielen eine größere Rolle. Diese Formen lassen sich zwar ebenfalls mit KI erzeugen, wirken aber häufig weniger natürlich.

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LinkedIn hat zudem im Gegensatz zu anderen Plattformen offengelegt, nach welchen Kriterien Beiträge im Feed bewertet werden. Wichtig ist nicht nur die Zahl der Likes oder Kommentare, sondern auch die sogenannte Dwell Time – also wie lange Nutzer einen Beitrag tatsächlich lesen. Hinzu kommen Signale zur fachlichen Relevanz und zur Wahrscheinlichkeit, dass ein Leser mit dem Beitrag interagiert.

Folglich ist es für Nutzer vergleichsweise einfach, Inhalte gezielt auf den Algorithmus zuzuschneiden. Große Sprachmodelle können Texte erzeugen, die typische Erfolgsmerkmale berücksichtigen: strukturierte Absätze, prägnante Überschriften, Aufzählungen oder persönliche Einleitungen. Inwiefern generative KI dann tatsächlich zu einer höheren Reichweite führt, ist zwar nicht belegt – bekannte Ranking-Kriterien führen aber trotzdem zu systematisch optimierten Inhalten.

Die Pangram-Auswertung deutet zudem darauf hin, dass generative KI auch über LinkedIn hinaus bevorzugt bei längeren Texten verwendet wird. Plattformübergreifend stufte die Analyse mehr als jeden vierten Beitrag mit mehr als 250 Wörtern als vollständig KI-generiert ein. Medium und X liegen wie LinkedIn über dem Durchschnitt, während Reddit und Substack deutlich darunter liegen. Bei kürzeren Beiträgen ist der GenAI-Anteil deutlich niedriger, wobei hier ebenfalls LinkedIn und Medium die Ausreißer nach oben darstellen – mit Reddit als Gegenpol.


(fo)



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