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Warum Gründer keinen Alkohol mehr trinken – die nüchterne Startup-Szene
Gründer trinken immer weniger Alkohol. Aber woran liegt das? Und ist es eine Frage des Alters? Gründerszene ist der Sache nachgegangen.
Das Gründerszene-Team ist auf einem Abendevent. Rundherum: Gründer, Investoren, VCs. Alle haben Wasser und Cola in der Hand, niemand ein Glas Bier. Und es nicht nur ein Event. Immer wieder beobachten wir: Alkohol (sogar wenn kostenlos) ist nicht mehr die erste Wahl. Was ist denn hier passiert? Hat die Startup-Szene das Feiern verlernt?
Ganz allein sind Gründer mit ihrem Alkoholverzicht allerdings nicht. In Deutschland ist der Alkoholkonsum zwischen 2015 und 2025 um rund zehn Prozent gesunken. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei der Generation Z: Nur noch rund 61 Prozent trinken überhaupt Alkohol. Fast vier von zehn verzichten komplett. Und genau aus dieser Generation kommen immer mehr Gründer.
Die Frage ist also: Warum bestellen Startup-Gründer plötzlich Wasser statt Weizen?
Schuld ist mal wieder das Silicon Valley
Wer verstehen will, warum Gründer heute nüchtern auf Networking-Events stehen, landet ziemlich schnell im Silicon Valley. Dort wird inzwischen fast alles optimiert: Schlaf. Ernährung. Blutzucker. Herzfrequenz. Und eben auch der Alkoholkonsum.
Die sogenannte Longevity-Bewegung will das Altern nicht einfach akzeptieren, sondern möglichst ausbremsen. Das Ziel: länger leben, vor allem aber gesünder. Da passt Alkohol halt nicht so gut rein.
Die Longevity-Bewegung hat sich in der Bay Area zu einem zentralen Megathema entwickelt: Tech-Milliardäre wie Jeff Bezos, Peter Thiel, Sam Altman und Mark Zuckerberg investieren seit Jahren Milliarden in die Erforschung der Lebensverlängerung – auch mit dem Ziel, Alterskrankheiten wie Krebs oder Alzheimer zu besiegen.
Das wohl extremste Beispiel: Bryan Johnson. Der Silicon-Valley-Founder hat den Zahlungsdienstleister Braintree gegründet und 2013 für 800 Millionen US-Dollar verkauft. Seitdem widmet er sich intensiv der Erforschung von Langlebigkeit. Was das konkret bedeutet? Er schluckt täglich über 50 Pillen, injiziert Blutplasma seines Sohnes und leistet sich ein 30-köpfiges Experten-Team, um das Altern zu erforschen und zu stoppen.
Aber auch Peter Thiel unterstützte schon fast ein Dutzend Longevity-Startups mit über 700 Millionen US-Dollar. Jeff Bezos soll mit 2,9 Milliarden US-Dollar in der Forschung zur Zellumprogrammierung investiert sein.
Was sagen deutsche Gründer dazu?
Ist das also nur ein Silicon-Valley-Ding? Auf den Startup Awards 2026 haben wir darüber mit deutschen Gründern gesprochen, darunter Florian Seibel, Gründer von Quantum Systems, sowie Kai Lanz, Gründer von Krisenchat. Während Quantum Systems Verteidigungsdrohnen baut, bietet Krisenchat Onlinehilfe für Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen. Zwar könnten die Geschäftsmodelle beider Startups unterschiedlicher nicht sein, die Haltung zu Alkohol der Gründer ist aber sehr ähnlich.
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Florian Seibel meint dazu: „Ich trinke grundsätzlich weniger Alkohol, weil ich dann wacher und fitter bin.“ Zu viele Gründer würden laut ihm auf Events rumhängen und ihre Zeit nicht sinnvoll nutzen, um an ihren Projekten zu arbeiten.
Und auch Lanz von Krisenchat sagt zu Gründerszene: „Ich bin alkoholfrei heute Abend, ich trinke Wasser.“ Er hätte die vergangenen Jahre auch schon das Gefühl gehabt, dass viele Gründerkollegen keinen Alkohol trinken. Woran das liege? „An dem Bewusstsein für Gesundheit und Angst vor Kontrollverlust“, ist seine These.
Willkommen im optimierten Gründerleben
Ähnlich sieht es auch Florian Scherl (22). Scherl ist Gründer von Explaino.ai – einer KI-Plattform, die Texte in animierte Erklärvideos verwandelt.
Gründerszene hat er seine Morgenroutine verraten. Dabei sind schon die frühen Stunden des jungen Gründers stark durchgeplant: „Ich stehe jeden Tag in der Früh um 5.30 Uhr auf“, meint er zu Gründerszene. Direkt nach dem Aufstehen folge eine feste Morgenroutine: „5-10 Minuten Breathwork-Session, dann 10-Minuten-Morning-Activation und anschließend eine kalte Dusche.“ Also erst Atemübungen, dann Dehnen und zuletzt eine aktivierende Dusche. Sein Gedanke dahinter: maximale Produktivität. „Ich will nicht schon mittags erschöpft sein“, meint Scherl. Genau deswegen gehe es abends auch zwischen 21.30 Uhr und 22.00 Uhr ins Bett, um auf 7,5 Stunden Schlaf zu kommen.
Hinzu komme: ein striktes Kalender- und Bewegungsmanagement. Vormittags seien die Tage weitgehend Call-frei, Meetings werden auf den Nachmittag geschoben. Außerdem auf dem Plan: regelmäßige Sporteinheiten – meist eine Lauf-Session oder auch mal ein Bodyworkout. „Mein ganzes Sportzeug ist auch bei uns im Office, inklusive Dusche.“ Für ihn sei das Teil derselben Logik wie die frühe Schlafenszeit: „Ich merke, dass ich dadurch deutlich mehr an meinen Tagen schaffe und weniger müde bin.“
Vor Kurzem war Scherl im Silicon Valley – und beobachtete dort dieselbe Entwicklung. Mit einem Unterschied: „Dort experimentieren manche Gründer stattdessen mit psychedelischen Substanzen, um ihre Kreativität zu steigern.“ Alkohol spiele dagegen in vielen Gründerkreisen kaum noch eine Rolle.
Die Boomer trinken noch Wein
Junge Gründer achten also immer stärker auf ihren Konsum. Aber wie sieht es bei der älteren Gründergeneration aus? Scherl hat dazu eine Beobachtung: „Ich war neulich auf einem Event. Während alle jungen Gründer Mineralwasser getrunken haben, hatten die älteren Herren Wein und Bier in der Hand“. Also alles eine Frage des Alters?
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Nicht unbedingt, meint Philipp Depiereux (48). Der KI-Unternehmer, der in Kalifornien lebt, meint zu Gründerszene: „Ich konsumiere seit 20 Jahren keinen Alkohol mehr, nachdem ich früher viel getrunken und geraucht habe – bis zu zwei Packungen am Tag.“ Trotzdem sei ihm zu seinen Venture-Zeiten damals auch kein außerordentlicher Konsum aufgefallen. „Klar, zu den Sommerparties und Weihnachtsfesten gab es auch mal ordentlich Alkohol. Aber das war schon immer so.“ Einen Wandel erkennt auch er trotzdem. Nicht unbedingt beim Feiern selbst, sondern beim Stellenwert der Gesundheit: „Die Zeit ist heute eine andere.“