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Warum Publisher Creator-Netzwerke aufbauen | OnlineMarketing.de


KI-gestützte Suche und veränderte News-Rezeption setzen Medienhäuser unter Druck: Traffic bricht weg, die Kontrolle über Distribution schwindet, junge Zielgruppen wenden sich ab. Die Lösung sind womöglich Creator-Netzwerke, Talent Units und neue Geschäftsmodelle. So wollen Publisher 2026 relevant bleiben.

„Publishers are increasingly trying to pull creators closer to their own brands, rather than continuing to cede distribution and audience relationships to platforms“, schreibt Digiday in einer aktuellen Analyse zur Branche. Viele Publisher bauen daher strukturierte Creator-Netzwerke, Membership-Programme und Talent-Units auf, um Persönlichkeit, Glaubwürdigkeit und Distribution enger an die eigene Marke zu binden. Es ist kein weiterer „Pivot to Video“. Es ist ein grundlegender Umbau des Geschäftsmodells, bei dem es diesmal nicht darum gehen soll, einfach dem nächsten, von Plattformen und KI getriebenen Trend, hinterherzulaufen. Statt Reichweite weiter an Algorithmen abzugeben, holen sie Kontrolle zurück.

Der Artikel zeigt, warum dieser Strategiewechsel für viele Medienhäuser zur Überlebensfrage wird, welche Rolle Creator dabei spielen, wie sich Budgets und Machtverhältnisse verschieben – und warum journalistische Einordnung, Kontext und menschliche Perspektiven im Zeitalter von KI-Suche und Creator-Ökonomie wichtiger sind als je zuvor.


SERP Scraping und Publisher-Unmut:
Das Geschäft mit der KI-Suche von OpenAI und Perplexity


Wie Publisher 2026 relevant bleiben

Publisher stehen 2025 gleich von mehreren Seiten unter Druck. KI-gestützte Suche verändert grundlegend, wie Informationen gefunden und genutzt werden. Referral-Traffic aus Suche und Social Media bricht weg, neue Gatekeeper entscheiden zunehmend darüber, welche Inhalte sichtbar sind. Gleichzeitig werden Nachrichten immer häufiger über Social Media konsumiert, nicht mehr über Mastheads. Wie stark sich das Nutzungsverhalten verschoben hat, zeigt eine Studie des Pew Research Center. Demnach beziehen inzwischen rund 38 Prozent der Unter-30-Jährigen regelmäßig Nachrichten über Influencer:innen auf Social Media. Persönlichkeiten wie Dylan Page (News Daddy) mit über 15 Millionen TikTok Followern oder Aaron Parnas mit mehr als 4,6 Millionen Followern erreichen dort Reichweiten, die selbst große Medienmarken nicht mehr selbstverständlich erzielen. Zum Vergleich: The New York Times kommt auf rund 2,9 Millionen TikTok Follower, The Washington Post auf etwa 1,9 Millionen.

Aufmerksamkeit entsteht dort, wo erklärt, eingeordnet und Haltung erkennbar wird. Wer lediglich veröffentlicht, verliert Reichweite. Wer Kontext liefert, gewinnt Vertrauen. Und das ist gleichzeitig die große Chance des Journalismus. Die strategische Antwort auf die Herausforderungen liegt weniger im Wettlauf um Geschwindigkeit oder Volumen, denn hier lässt sich mit KI-getriebenen Content-Veröffentlichung kaum konkurrieren. Publisher können KI-Akteur:innen nicht durch Masse schlagen, sondern durch menschliche Perspektiven, journalistische Sorgfalt und fundierte Einordnung. Gerade in einer Zeit, in der viele Nutzer:innen von automatisierten Inhalten, AI Slop und Desinformation überfordert sind, wächst die Nachfrage nach Orientierung. Eine zweite, zunehmend zentrale Stellschraube ist dabei die Zusammenarbeit mit Creatorn statt der Versuch, gegen sie zu konkurrieren.

„Creatorification“ statt Plattformabhängigkeit

Referral Traffic aus Suche und Social schrumpft, Algorithmen ändern sich im Monatsrhythmus, junge Zielgruppen wenden sich von klassischen Medien ab. Gleichzeitig wachsen Creator-Profile, die Nachrichten erklären, emotionalisieren und kontextualisieren – oft schneller, direkter und wirksamer als klassische Redaktionen.

In dieser Gemengelage formalisieren Publisher ihre Creator-Strategien deutlich stärker als in früheren Social-Experimenten. Medienhäuser wie CNN, Yahoo, The Washington Post, Future oder die Bustle Digital Group bauen Creator-Programme aus, um redaktionelle Kompetenz mit Persönlichkeit zu verbinden, ohne die komplette Distribution an Plattformen auszulagern. Auch The Independent setzt verstärkt auf persönlichkeitsgetriebene Formate. Das britische Medienhaus verpflichtete im April den YouTube-Creator Adam Clery als Creative Director, um den Start von Independent Studio voranzutreiben. Die neue Einheit soll Inhalte rund um individuelle Talente bündeln – darunter Videos, Newsletter und Podcasts – und damit auf wiedererkennbare Stimmen statt reine Markenkommunikation setzen.

Andrew Perlman, CEO von Recurrent, bezeichnet diesen Wandel als „Creatorification“ der Medienbranche. Wer heute im klassischen Verlagsgeschäft unterwegs ist, konkurriert nicht mehr nur mit anderen Medien, sondern mit einzelnen Menschen, die Vertrauen, Nähe und Wiedererkennbarkeit aufgebaut haben.

Werbebudgets folgen Creatorn

Der ökonomische Druck verstärkt diesen Kurs zusätzlich. Laut dem Global Ad Trends Report von WARC (April 2025) wird User Generated Content spätestens 2026 mehr Werbebudget anziehen als professionell produzierte Medieninhalte. Auch der Interactive Advertising Bureau (IAB) unterstreicht diese Entwicklung. Demnach soll das Creator-Werbevolumen in den USA 2025 auf rund 37 Milliarden US-Dollar steigen – ein Wachstum von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr und fast viermal so schnell wie das der klassischen Medienbranche. Programme wie CNN Creators, Futures Collab oder Yahoos Creator-Plattform zeigen, wie unterschiedlich die Modelle aussehen können. Allen gemeinsam ist die Erkenntnis: Creator müssen als Partner:innen behandelt werden, nicht als austauschbare Zulieferer:innen.

Gleichzeitig wachsen die Risiken. Brand Safety, redaktionelle Kontrolle und Glaubwürdigkeit werden komplexer, wenn Persönlichkeiten stärker in den Vordergrund rücken. Branchenexpert:innen warnen davor, Creator zu stark zu steuern. Zu viel Kontrolle beschädigt Authentizität, zu wenig Kontrolle gefährdet Vertrauen. Nicholas Spiro von Viral Nation sagt, dass dieser Wandel richtig umgesetzt mehr als eine Content-Strategie sei. Er definiert neu, was redaktionelle Autorität bedeutet und wer sie verkörpert.

Wie zentral individuelle Stimmen für Reichweite, Vertrauen und Einordnung geworden sind, beweist auch LinkedIn Top Voice Lara Sophie Bothur. In einer aktuellen Tap into Marketing Podcast-Folge sprechen wir mit Deutschlands erster Corporate Influencerin für Deloitte, Forbes 30-under-30-Liste und heute selbstständige selbstständige Tech-Übersetzerin über ihre Rolle.


Forbes 30 under 30, Lara Sophie Bothur:
Tech-Übersetzerin für die globale Branche

Tech Translatorin Lara Sophie Bothur vor futuristischem Hintergrund.
© Lara Sophie Bothur

Als einer der erfolgreichsten Creatorinnen auf LinkedIn und gefragte Speakerin auf internationalen Bühnen steht Bothur exemplarisch für einen Wandel, den viele Publisher nun nachholen wollen: Technologie, Wirtschaft und KI werden nicht über abstrakte Marken vermittelt, sondern über Menschen, die komplexe Themen verständlich einordnen. Im Podcast erklärt sie, warum Innovation allein nicht reicht und weshalb technologische Veränderungen erst dann Wirkung entfalten, wenn sie durch glaubwürdige Persönlichkeiten übersetzt werden.





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Gedankenlesen mit KI: OpenAI steigt in Neuro-Tech ein


OpenAI investiert in Merge Labs, ein Startup, das an einer nicht-invasiven Schnittstelle zwischen Gehirn und KI arbeitet. Die Technologie verspricht neue Formen der Interaktion – wirft zugleich aber ethische und gesellschaftliche Fragen auf.

Der Wettlauf um die direkte Verbindung zwischen Gehirn und Computer ist in vollem Gange – und OpenAI läuft nun vorne mit. Gemeinsam mit anderen Kapitalgeber:innen hat das Unternehmen hinter ChatGPT 252 Millionen US-Dollar in Merge Labs investiert, ein Neuro-Tech-Startup, das unter anderem von OpenAI CEO Sam Altman mitgegründet wurde. Die Vision dahinter ist eine direkte Schnittstelle zwischen menschlichem Gehirn und Computer, aber ohne Implantate. OpenAI sieht darin eine neue technologische Grenze, die grundlegend verändern könnte, wie Menschen mit KI kommunizieren, lernen und interagieren.

Merge Labs will neuronale Aktivität mithilfe von Ultraschall erfassen und modulieren. Statt Elektroden im Gehirn setzt das Team auf bildgebende Verfahren, die Veränderungen indirekt messen. KI spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sie soll verrauschte Signale interpretieren, Absichten erkennen und sich an einzelne Nutzer:innen anpassen. OpenAI kündigte an, gemeinsam mit Merge an wissenschaftlichen Grundlagenmodellen zu arbeiten, um die Entwicklung zu beschleunigen. Der Ansatz besitzt enormes Potenzial, vor allem für Menschen mit neurologischen Einschränkungen, wirft aber auch ethische Fragen neu auf. Schon der Start von ChatGPT Health, über das Nutzer:innen medizinische Unterlagen sowie Apps wie Apple Health oder MyFitnessPal anbinden können, zeigt, wie ChatGPT zunehmend in hochsensible Lebensbereiche vordringt.


ChatGPT Health startet und lässt User medizinische Daten und Apps verbinden

© OpenAI

Implantat oder Ultraschall: Das unterscheidet die Neurotech-Ambitionen von Altman und Musk

Gehirn-Computer-Schnittstellen sind kein neues Feld. Mit dem Investment bewegt sich OpenAI nun in einem Umfeld, das bislang unter anderem von Neuralink, dem 2016 von Elon Musk mitgegründeten Unternehmen, geprägt wurde. Bemerkenswert ist dabei, dass Sam Altman selbst früher in Neuralink investiert hatte. Das Unternehmen sammelte bislang rund 1,3 Milliarden US-Dollar an Kapital ein.

Neuralink und andere Anbieter:innen wie Synchron verfolgen überwiegend invasive Ansätze, bei denen elektrische Signale direkt aus dem Gehirn ausgelesen werden. Neuralink hat inzwischen mehr als ein Dutzend Implantate eingesetzt. Synchron wählt einen etwas weniger invasiven Weg und platziert sein System über Blutgefäße in unmittelbarer Nähe des Gehirns, ohne das Hirngewebe direkt zu durchdringen.

Merge Labs wählt hingegen einen grundsätzlich anderen Weg. Das Startup will vollständig auf Implantate verzichten und stattdessen Ultraschall nutzen, um neuronale Aktivität indirekt über Veränderungen der Hirndurchblutung zu erfassen. Der Ansatz gilt als technisch extrem anspruchsvoll, könnte langfristig jedoch sicherer und breiter einsetzbar sein. Aktuell laufen erste Sicherheitsstudien in Großbritannien mit einem miniaturisierten Ultraschallgerät aus dem Umfeld der gemeinnützigen Forschungseinrichtung Forest Neurotech, aus der Merge hervorgegangen ist.

Wenn Interaktion direkt im Kopf beginnt und was sich OpenAI davon verspricht

OpenAI begründet das Investment mit einer klaren Vision. Direktere Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine sollen den Umgang mit KI grundlegend verändern – weg von Eingaben über Touch und Voice hin zu intuitiveren, hochbandbreitigen Interfaces. Gehirn-Computer-Schnittstellen gelten in diesem Kontext als nächste Entwicklungsstufe der Mensch-Maschine-Interaktion. Kurzfristig stehen medizinische Anwendungen im Fokus, etwa die Steuerung von Computern oder Robotiksystemen durch Menschen mit Lähmungen. Im Bereich bestehender Schnittstellen arbeitet OpenAI gemeinsam mit Ex-Apple-Designer Jony Ive an neuartigen KI-Gadgets, die KI zugänglicher machen sollen.

Für OpenAI geht es jedoch um mehr als einzelne Use Cases. Sollte die Technologie marktreif werden, eröffnen sich neue Zugänge zu Interaktion, Lernen und Wahrnehmung und damit zu völlig neuen Nutzungsszenarien für KI-Systeme. Wer solche Schnittstellen mitgestaltet, beeinflusst nicht nur die Hardware, sondern auch, wie KI verstanden, gesteuert und in den Alltag integriert wird.


OpenAIs erstes KI-Gadget:
Ein Stift von Ex-Apple-Designer Jony Ive?

OpenAI Branding
Das neue OpenAI Branding vor Fotografie, © OpenAI

Technologischer Sprung mit Nebenwirkungen

Noch ist offen, welche Produkte Merge Labs konkret entwickeln will. Dass OpenAI, Bain Capital, Valve-Gründer Gabe Newell und andere früh einsteigen, zeigt aber, wie fortgeschritten und relevant die Ambitionen rund um das Thema sind. Die Verbindung von Gehirn und KI rückt damit ein Stück näher an die Realität – mit enormem Potenzial, aber auch großen ethischen und gesellschaftlichen Fragen.

Gehirndaten gelten als die sensibelste Form personenbezogener Informationen. Zudem greifen für sie bestehende Datenschutzgesetze bislang kaum. Wer Zugriff auf neuronale Signale, Gedanken oder Absichten erhält, könnte Verhalten nicht nur auslesen, sondern potenziell auch beeinflussen. Kritiker:innen warnten bereits bei der Ankündigung von Neuralink davor, dass es sich um ein Hochrisiko-Experiment mit weitreichender Macht über Körper und Geist handelt, wie tagesschau.de berichtet. Statt medizinischer Heilung droht damit ein Szenario, in dem technologische Aufrüstung zur Voraussetzung gesellschaftlicher Teilhabe wird – mit bislang kaum geklärten Folgen für Autonomie, Sicherheit und Gleichheit.





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Wachstum im Dezember: Deutscher Werbemarkt startet zum Jahresende nochmal durch


Der Werbemarkt hat sich zum Jahresende nochmal aufgebäumt

Seit dem vergangenen Sommer steckt der deutsche Werbemarkt in der Krise. Doch zum Jahresende haben sich die Unternehmen offenbar nochmal ein Herz gefasst. Nach vier Rückgängen infolge sind die Brutto-Werbeausgaben im Dezember wieder angestiegen. Die Jahresbilanz fällt dennoch mau aus.

Der Blick auf die Nielsen-Jahresbilanz zeigt klipp und klar: Das Werbejahr 2025 war ein sehr durchwachsenes. Nach den Berechnungen des Hamburger

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Wikipedia goes KI: Der Kampf ums Weltwissen


Neben der bereits 2022 bekannt gewordenen Kooperation mit Google hat Wikimedia nun offengelegt, dass im vergangenen Jahr weitere Kooperationen mit großen KI-Playern geschlossen wurden. Dazu zählen Amazon, Meta, Microsoft, Mistral AI und Perplexity, wie die Organisation in einem Beitrag von Wikimedia Enterprise bekanntgibt. Dort heißt es richtungsweisend:

In the AI era, Wikipedia’s human-created and curated knowledge has never been more valuable.

Einige Kooperationen, etwa mit Ecosia, Pleias und ProRata, waren bereits zuvor bekannt. Mit der aktuellen Ankündigung ergänzt Wikimedia sie um weitere Partner:innen wie Nomic und Reef Media. Für Nutzer:innen bleibt Wikipedia unverändert offen und kostenlos. Hinter den Kulissen verschiebt sich jedoch, wie das Weltwissen der Plattform im KI-Ökosystem genutzt und verteilt wird.


Google und Co. sollen zahlen:
Wikipedia plant Bezahl-Service Wikimedia Enterprise

Wikipedia
© Jumpstory

Wie Wikipedia das menschlich kuratierte Wissen vor KI-Ausbeutung schützen will

Die Wikimedia Foundation ist das organisatorische Rückgrat hinter Wikipedia. Als gemeinnützige Stiftung verantwortet sie Technik, Recht, Finanzierung und strategische Fragen – die Inhalte selbst entstehen weiterhin durch eine weltweite Community freiwilliger Autor:innen. Wikipedia zählt heute zu den meistgenutzten Websites der Welt. Monatlich werden laut Stiftung über 65 Millionen Artikel in mehr als 300 Sprachen rund 15 Milliarden Mal aufgerufen.

Nach 25 Jahren steht Wikipedia damit exemplarisch für ein zentrales Problem des Internets 2026. Offenheit allein schützt nicht mehr vor Ausbeutung. Gleichzeitig greifen KI-Modelle diese Inhalte zunehmend automatisiert ab. Suchmaschinen, Chatbots und Sprachassistenzen nutzen Wikipedia als Wissensbasis, oft ohne direkten Kontakt zur Plattform. Genau hier setzt Wikimedia Enterprise an. Statt unkontrolliertem Scraping bietet die Stiftung einen offiziellen, kostenpflichtigen Zugang mit klaren technischen Schnittstellen und Nutzungsbedingungen.

Über Wikimedia Enterprise erhalten Unternehmen einen Zugriff auf aktuelle, strukturierte Wikipedia-Inhalte, etwa für Suchsysteme, Wissensgraphen oder sogenannte RAG-Modelle. Für die Stiftung steht dabei weniger der finanzielle Ertrag im Vordergrund. Ziel ist es, Einfluss darauf zu behalten, wie Wikipedia-Wissen weiterverwendet wird, und zugleich die eigene Infrastruktur vor wachsender technischer Belastung zu schützen.

Zwischen Regulierung und Machtspiel: Wie KI das Weltwissen auf die Probe stellt

Mit Wikimedia Enterprise reagiert die Wikimedia Foundation auf einen grundlegenden Wandel. Wikipedia wird immer seltener von Menschen besucht, aber immer häufiger von Maschinen gelesen und aufbereitet. KI-Systeme zapfen Inhalte automatisiert an, um sie in Suchmaschinen, Chatbots oder Wissensgraphen weiterzuverarbeiten. Das erschwert die Nachvollziehbarkeit von Quellen und verschiebt Aufmerksamkeit weg von der Plattform selbst. Um diesen Entwicklungen etwas entgegnen zu können, stellt Wikimedia Enterprise jetzt Wikipedia-Inhalte über APIs bereit – von Einzelabfragen über regelmäßig aktualisierte Datensätze bis hin zu Echtzeit-Streams. Ziel ist es, den unvermeidbaren KI-Zugriff zu steuern, Transparenz zu sichern und die menschliche Kuration nicht aus dem System zu drängen.

Einen radikal anderen Weg geht Elon Musk mit Grokipedia. Die von seiner KI-Firma xAI entwickelte Enzyklopädie versteht sich als Gegenentwurf zu Wikipedia und setzt vollständig auf KI-generierte Inhalte. Grokipedia soll – so Musks eigenes Narrativ – eine „objektivere“ Alternative zu einer angeblich politisch voreingenommenen Wikipedia sein. Kritiker:innen sehen jedoch genau das Gegenteil. Viele Einträge weisen politische Verzerrungen auf, greifen auf zweifelhafte Quellen zurück oder enthalten faktische Fehler. Hinzu kommt, dass einzelne Artikel nahezu wortgleich aus Wikipedia übernommen wurden, teils inklusive Lizenzhinweisen, ohne dass eine echte redaktionelle Überarbeitung erkennbar wäre. Gerade das Fehlen einer offenen, gemeinschaftlichen Kontrolle macht das Modell anfällig für Fehler und Verzerrungen.

Besonders problematisch ist Grokipedia vor dem Hintergrund der anhaltenden Kontroversen rund um Musks KI-Ökosystem. Der KI-Chatbot Grok, der diese Enzyklopädie speist, steht seit seinem Launch im Oktober 2025 immer wieder in der Kritik. So macht er antisemitische Aussagen und hat beispielsweise Adolf Hitler glorifiziert, was internationale Empörung auslöste. Derzeit wird er von einigen verwendet, um sexuell explizite und non-konsensuale Deepfakes von Dritten, insbesondere von Frauen und sogar Minderjährigen zu erstellen und zu verbreiten. Wie unter anderem tagesschau.de berichtet, leiteten die Europäische Union und Aufsichtsstellen in mehreren Ländern vor diesem Hintergrund Ermittlungen gegen xAI ein. In Malaysia und Indonesien wurde der Zugang zum Chatbot Grok zeitweise gesperrt. Zuletzt kündigte auch der US-Bundesstaat Kalifornien Untersuchungen gegen das Unternehmen an.

Menschliches Wissen bleibt der Kern von Wikipedia

Trotz der neuen KI-Kooperationen betont Wikimedia immer wieder, dass Wikipedia vor allem ein von Menschen getragenes Projekt ist. Die Artikel entstehen in einer vergleichsweise kleinen, ehrenamtlichen Community – und genau das macht die Plattform bis heute glaubwürdig. Gleichzeitig liegt darin eine Schwachstelle. Koordinierte Manipulationsversuche, Fake Accounts und politische Einflussnahme gehören zur Realität und können den Vertrauensstatus untergraben.

Wie solche Eingriffe ablaufen, schildert der Journalist und Co-Autor der SWR-Podcast-Dokuserie Sockenpuppenzoo: Angriff auf Wikipedia Christoph Schattleitner im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Pascal Fournier. Besonders häufig werden demnach Artikel zu historischen Ereignissen rund um den Nationalsozialismus manipuliert, die systematisch verzerrt oder umgedeutet werden sollen. Brisant wird das vor allem im Zusammenspiel mit KI. Werden verfälschte Artikel von Sprachmodellen ausgelesen und weiterverarbeitet, können sich Falschinformationen deutlich schneller und breiter verbreiten als bisher.

Um menschliche Kuration zu bewahren und auch, um solchen Maniplationen entgegenzuwirken, braucht Wikipedia paradoxerweise KI-Unternehmen, also jene Unternehmen, die den Traffic klassischer Wissensseiten zunehmend verdrängen. Weil sie den massenhaften Zugriff auf Wikipedia-Inhalte nicht aufhalten wird, versucht die Stiftung, ihn zu steuern und davon zu profitieren. Durch die Kooperationen kann Wikimedia Nutzung regeln und die menschliche Kuration absichern.


SERP Scraping und Publisher-Unmut:
Das Geschäft mit der KI-Suche von OpenAI und Perplexity





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