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Was Gründer wirklich antreibt – nicht das Geld, sagt Antler
Erfolgreich gründen ist Hochleistungssport, sagt Christoph Klink, General Partner bei dem Top-VC Antler. Zwar wird Gründen mit KI einfacher, aber der Weg zum Erfolg nicht. Warum extreme Leistung und Verzicht erforderlich sind.
Christoph Klink ist Partner beim global aktiven Early-Stage VC Antler, einer der größten Frühphasen-Investoren der Welt mit mehr als 1000 Startup-Investments.
Auf jeder Konferenz, in jedem Podcast, auf jedem Panel sage ich: Gesundheit, auch mentale Gesundheit ist zentral. Bitte verschleißt euch nicht. Der Wettbewerb ist heute stärker denn je: Neue Produkte entstehen schneller, erste Umsätze werden früher generiert und die Messlatte für Wachstum liegt höher. Und wenn ich mir ansehe, wie Gründerinnen und Gründer in diesem Umfeld erfolgreich arbeiten, stechen einige Punkte heraus.
Verzicht auf Urlaub, soziale Events, Sport
Alle machen große persönliche Einschnitte: der wiederholte Verzicht auf Urlaub, weniger Zeit mit der Familie, verpasste Hochzeiten und Geburtstage. Der Unterschied liegt lediglich darin, welche für sie am schwersten wiegen. Für 43 Prozent ist es laut einer Antler-Umfrage der Verzicht auf Urlaub. Für 25 Prozent ist Zeit mit der Familie oder beim Sport.
Trotzdem sagen nahezu alle, dass sie ihren Job lieben. Und fast die Hälfte sagt nicht etwa, dass sie die Einschnitte zähneknirschend hinnimmt – sondern, dass ihr Tempo und die hohen Anforderungen sie begeistern.
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Es ist Zeit, ehrlich damit zu sein: Gründen auf dem Niveau und in der Geschwindigkeit, die heute nötig sind, ist Hochleistungssport. Niemand käme auf die Idee, dass olympische Stabhochspringer nicht unfassbar hart trainieren. Der Aufbau einer extrem schnell wachsenden Firma ist nicht das Richtige für jeden. Und ein Platz auf dem Podest kommt nicht ohne Preis.
Die Überflieger: Höchstleistung als Grundprinzip
Wir haben im ersten Quartal 2026 mehr als 120 europäische Portfoliofirmen befragt (Anm. der Redaktion: Portfoliofirmen von Antler). Der weit überwiegende Teil sticht konsequent im Leben heraus: 72 Prozent der Gründerinnen und Gründer gehörten bereits vor ihrer ersten Unternehmensgründung zur Top-1-Prozent ihrer Altersgruppe – beispielsweise im Sport, im Akademischen oder beim E-Gaming.
Der Gründer von SkoneLabs, Marc Zwiebler, war Badminton-Nationalspieler. Daria Stepanova, Gründerin von Airmo hat drei Top Master-Abschlüsse in Raumfahrtmanagement, Mathematik und Ingenieurwesen abgeschlossen. Der Gründer von Peec AI, Marius Meiners, war unter den Global Top 100 bei League-of-Legends.
Und sie sind so international erfahren wie selten zuvor. 96 Prozent haben in einem anderen Land oder einer anderen Stadt gelebt als dem, in dem sie aufgewachsen sind.
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Motivation Nummer 1: Zweifler überzeugen
Was noch mehr hervorsticht, ist das Mindset. 71 Prozent der Founder werden täglich von dem Gedanken angetrieben, ihre Zweifler zu widerlegen. 55 Prozent nennen als primäre Motivation, das Beste aus sich herausholen zu wollen.
Dies sind keine Menschen, die Unternehmertum als Karrierestation gewählt haben. Das sind Menschen, für die Höchstleistung ein Grundprinzip ist. Die dafür brennen, eine Medaille zu erringen. Wie wir aus unseren anderen Studien wissen, ist es statistisch wahrscheinlicher, eine olympische Medaille zu gewinnen als ein Unicorn aufzubauen.
Die Geschichte, die man heute gerne erzählt, lautet: KI demokratisiert das Gründen. Jeder kann jetzt bauen. Die Eintrittsbarrieren sind gefallen. Das stimmt – und es stimmt nicht.
Ja, 93 Prozent der Gründerinnen und Gründer nutzen KI für Aufgaben, für die sie früher Spezialisten gebraucht hätten. Der Full-Stack-Founder, eine Person, die domänenübergreifend auf Spitzenniveau arbeitet, ohne für jede Funktion Spezialisten einzustellen, wird zur Norm. Einer von zehn bringt heute Produktideen in Stunden bis zum ersten Live-Test.
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Aber KI hat gleichzeitig das Wettbewerbsumfeld radikalisiert. Wenn alle dieselben Werkzeuge haben, ist die entscheidende Variable für Erfolg, wer diese Werkzeuge am effektivsten und konsequentesten einsetzt. Die Technologie egalisiert den Zugang. Sie egalisiert nicht den Antrieb und die Umsetzung.
52 Prozent unserer Gründerinnen und Gründer nennen Claude oder Claude Code als das Tool, auf das sie nicht mehr verzichten können – gegenüber 16 Prozent für ChatGPT. Aber das Entscheidende ist nicht, welche Tools sie nutzen. Viel wichtiger ist, wie und mit welchem Fokus und welcher Intensität sie das tun.
Hustle Culture: Belastbarkeit wird belohnt
79 Prozent antworten wichtigen Stakeholdern innerhalb einer Stunde. Mehr als zwei Drittel überwachen Wachstumskennzahlen täglich. 14 Prozent sagen, das Tempo fühlt sich nicht mehr nachhaltig an. 2 Prozent berichten, dass es ihre Leistungsfähigkeit aktiv beeinträchtigt.
Hier ist die unbequeme Wahrheit, die ich als Investor selten laut ausspreche: Dieses System belohnt eine sehr spezifische Art von Mensch. Menschen, die unter extremem Druck nicht nur funktionieren, sondern aufblühen. Die Höchstleistung nicht als Bürde erleben.
Für alle anderen, und das ist die Mehrheit, ist das kein nachhaltiges Modell. Und die Romantisierung der Hustle Culture ist mitverantwortlich dafür, dass das nicht immer klar genug gesagt wird.
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Warum der entscheidende Faktor Verzicht ist
Kapital ist nicht mehr der entscheidende Engpass. Technologie auch nicht. Geschwindigkeit ist heute die einzige Chance, einen Burggraben um ein Unternehmen auszuheben. Hinter dieser Geschwindigkeit steht immer ein Mensch, der bereit ist, anderes zurückzustellen.
Unsere Aufgabe als Investoren ist es, diese Menschen zu erkennen, zu unterstützen – und nicht so zu tun, als wäre das, was sie leisten, für jeden von uns erreichbar, erstrebenswert oder zumutbar.