Künstliche Intelligenz

400-Milliarden-Parameter-Modell: Konsortium „Europa“ gewinnt KI-Wettbewerb


Die EU-Kommission hat am Freitag den Gewinner ihrer „Frontier AI Grand Challenge“ bekannt gegeben. Das Konsortium „Europa“ unter der Führung des italienischen Unternehmens Domyn hat sich im Wettbewerb durchgesetzt. Die Allianz soll mit dem Zuschlag die nötigen Ressourcen erhalten, um ein quelloffenes KI-Modell der Spitzenklasse zu entwickeln. Das Prestigeprojekt soll alle 24 Amtssprachen der EU abdecken und ein Ausrufezeichen hinter die technologischen Ambitionen des Kontinents setzen.

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Mit der Entscheidung will die Kommission die europäische Eigenständigkeit im Bereich der Spitzentechnologie stärken. Europa verfügt ihr zufolge über das nötige Talent und die industrielle Kapazität, um im globalen KI-Wettlauf ganz vorn mitzuspielen.

Die im Februar dieses Jahres gestartete Initiative forderte die führenden KI-Innovatoren des Kontinents dazu auf, ein System mit mehr als 400 Milliarden Parametern zu konzipieren. Eine solche Größenordnung ist bislang fast ausschließlich den global fortschrittlichsten und finanzstärksten Modellen aus den USA und China vorbehalten.

In dieser Liga setzt auch die technologische Basis von Domyn an, die die KI-Schmiede in Kooperation mit Nvidia im Rahmen der europäischen Sovereign-AI-Initiative vorantreibt. Gängige Sprachmodelle sind vor allem auf akademische Zielvorgaben optimiert, vernachlässigen aber oft spezifische Bedürfnisse streng regulierter Sektoren wie Finanzdienstleistungen, Verteidigung oder hochentwickelte Fertigung.

Diese Branchen fordern KI-Systeme, die auf geschäftskritische Arbeitsflüsse wie das Abfragen strukturierter Datenbanken spezialisiert sind. Der Konsortialleiter adressiert das bereits mit dem 263-Milliarden-Parameter-Modell Domyn-Large sowie den Vorgängern Italia-10B und Colosseum-355B, die als Nvidia-NIM-Microservices bereitstehen und im Einklang mit dem AI Act für europäische Kernsprachen optimiert sind.

Das im Rahmen des Wettbewerbs vorgestellte Folgeprojekt zielt darauf ab, ein noch mächtigeres Frontier-Modell zu schaffen. Dabei handelt es sich um extrem vielseitige Systeme, die sich mit minimalem Anpassungsaufwand auf die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche übertragen lassen. Um die enorme Rechenlast effizient zu bewältigen, setzen die Entwickler auf moderne, modulare Architekturen wie das „Mixture-of-Experts“-Verfahren. Damit sollen Maßstäbe in Sachen Leistungsfähigkeit und Ressourceneffizienz gesetzt werden.

Das finale Modell wird der Öffentlichkeit als Open-Source-Software frei zur Verfügung stehen. So soll sichergestellt werden, dass Firmen, Forscher und öffentliche Institutionen in der EU gleichermaßen von den Fortschritten profitieren können.

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Finanzierung und Infrastruktur werden durch die Kooperation der Kommission mit dem Supercomputing-Konsortium EuroHPC gewährleistet. Das Siegerteam erhält ein Jahr lang Zugriff auf bis zu 2,5 Prozent der gesamten EuroHPC-Rechenkapazität auf einem oder mehreren für KI-Anwendungen optimierten europäischen Superrechnern. Dieser Technologie-Schub ist Teil einer umfassenderen Strategie, die im Rahmen des „Aktionsplans für einen KI-Kontinent“ das europäische Startup-Ökosystem stärken und die Gemeinschaft als führenden KI-Standort etablieren soll.

Kommissionsvizepräsidentin Henna Virkkunen unterstrich den Anspruch, die EU wolle im Bereich der fortgeschrittenen KI eine Führungsrolle übernehmen. Das Projekt Europa beweise, dass man mit den Weltbesten mithalten und den eigenen Werten treu bleiben könne. Das Modell werde Innovationen in Schlüsselbereichen wie der Fertigungsindustrie, dem Gesundheitswesen und bei autonomen Systemen beflügeln und ein vertrauenswürdiges KI-Ökosystem „Made in Europe“ festigen.


(mki)



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