Entwicklung & Code
Kommentar: Anthropic verschenkt MCP – mit fragwürdigen Hintertüren
Fürchte die Danaer, wenn sie Geschenke bringen! So steht es bei Vergil und bei Asterix. Gemeint sind die Achaier vor Troja mit ihrem heldeninfizierten Holzpferd. Jetzt verschenkt Anthropic das Model Context Protocol (MCP) – und zwar der Linux Foundation, genauer gesagt, der zu diesem Zweck neu gegründeten Tochter, der Agentic AI Foundation (AAIF).
Weiterlesen nach der Anzeige
Das Geschenk ist zwar sicher kein Trojaner, aber ganz so selbstlos, wie die Ankündigung von Anthropic und die jubelnde Entgegennahme seitens der Foundation es gerne vermitteln möchten, ist es auch nicht. Vielmehr zieht sich Anthropic damit aus der Verantwortung für die vernachlässigte Absicherung von Server und Clients im Protokoll.
Eine Spurensuche
Großzügig zeigten sich neben Anthropic auch Block und Open AI, die das goose-Framework beziehungsweise die Spezifikation AGENTS.md der AAIF überreichten. Im Netz tauchte schnell die Vermutung auf, dass die Firmen ihr jeweiliges Produkt als Standard sichern wollen, um der Konkurrenz zuvorzukommen. „Selbst, wenn das großzügig aussieht, schau zweimal hin. Es geht mehr darum, einen Claim abzustecken, bevor andere es tun“, schreibt Nerd.xyz. Das mag im Fall von Block vielleicht zutreffen, für Anthropic mit MCP aber sicher nicht. MCP ist jetzt bereits ein Quasistandard, Konkurrenz weit und breit nicht in Sicht.
MCP war auch schon immer Open Source, die Community hat mitgewirkt. Das betont auch die Ankündigung von Anthropic: „Die Projekt-Maintainer werden damit fortfahren, den Community-Input und eine transparente Entscheidungsfindung zu priorisieren.“ Davon, dass die bisherigen unternehmensnahen Projektverantwortlichen ausgetauscht werden sollen, ist nirgendwo die Rede.
Die Foundation bietet Schutz vor rechtlicher Verfolgung
Warum verschenken Firmen Software an eine Stiftung wie die Linux Foundation? Darüber gibt der elegische Blogbeitrag von GitHub zur Feier der MCP-Schenkung Auskunft:
- Langfristige Stabilität: Firmen und Entwickler können sich darauf verlassen, dass die Software unter dem Dach der Stiftung dauerhaft fortexistiert.
- Gleichberechtigte Teilhabe: Der offene Zugang zum Projekt ist für alle garantiert.
- Kompatibilitätsgarantie: Die Plattform lässt sich für alle Systeme und Anwender nutzen.
- Die Sicherheit eines offenen Standards: neutrale Governance in regulatorischen Zeiten als sichere Basis für Projekte in Unternehmen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Wenn wir die Punkte 1 bis 3 in Hinblick auf die MCP-Schenkung betrachten, kommen sie schnell als Gründe dafür nicht infrage. Ein viel genutzter Standard, auch von den Googles und Microsofts dieser Welt, wird, solange er relevant ist, einen Pfleger finden. Als Open-Source-Projekt ist auch die Teilhabe kein Problem und Kompatibilität spielt bei einem offenen Protokoll ebenfalls keine große Rolle.
Bleibt als Argument einzig die neutrale Governance: Anthropic schleicht sich mit der Schenkung aus der Verantwortung, die insbesondere auch durch europäische Regulatorien auf den MCP-Betreiber fallen. Das ist nicht unbegründet: Andere Firmen haben ebenso gehandelt und es ist unter Expertinnen und Experten bekannt, dass MCP ein Einfallstor für die gesamte Fülle der digitalen Büchse der Pandora ist.
In einem Interview mit heise developer sagt Mirko Ross, Gründer und CEO der Sicherheitsfirma asvin: „MCP wurde in einem aufgeheizten Markt unter hohem Zeitdruck konzipiert. Dabei spielt der Gedanke des MVP – Minimal Viable Product – eine Rolle. Also die schnelle Einführung von Grundfunktionen, die von Anwendern angenommen werden. Aus Sicht der Cybersecurity bedeutet MVP allerdings ‚Most vulnerability possibilities‘“.
Der Siegeszug von MCP auf der einen und die vernachlässigte Sicherheit auf der anderen Seite geben dieser Vermutung recht. Und jetzt, wo der Standard durch Anthropic gesetzt ist, kann sich die Firma pompös zurückziehen.
Softwareprojekte unter dem Dach einer Stiftung zu betreiben, ist an sich nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Die KI-Welt kann jetzt hoffen, dass die Community zügig und verantwortungsvoll die Sicherheit von MCP erhöht. Ansonsten werden autonome Agenten, die sich selbstständig MCP-Server suchen und anzapfen, darin versteckte Aggressoren hinter die Firewall holen, die dem Feind alle Sicherheitstore öffnen.
(who)
Entwicklung & Code
Kuratierte KI-Agenten-Sammlung von JetBrains und Zed
Der IDE-Anbieter JetBrains und das Unternehmen hinter dem Sourcecode-Editor Zed, Zed Industries, haben gemeinsam die ACP Registry veröffentlicht. Diese soll es Entwicklerinnen und Entwicklern vereinfachen, mit dem Agent Client Protocol (ACP) kompatible KI-Coding Agenten bereitzustellen, aufzufinden und in Entwicklungsumgebungen zu installieren.
Weiterlesen nach der Anzeige
Die ACP Registry: KI-Agenten per Klick installieren
In der ACP Registry finden sich derzeit ausschließlich kuratierte KI-Agenten und -Extensions, die Authentifizierung unterstützen. Sie folgen dem Agent Client Protocol (ACP), einem standardisierten, offenen Protokoll für das Zusammenspiel von KI-Agenten und Editoren. ACP wurde von JetBrains und Zed Industries erstmals im Oktober 2025 vorgestellt.
Laut den Herstellern war das Protokoll bereits ein großer Schritt nach vorn, doch die Distribution war bisher fragmentiert. Agenten mussten für jeden Client als Extension verfügbar gemacht oder manuell durch User installiert werden. Hier setzt die ACP Registry an: Entwicklerinnen und Entwickler können ihre geeignete Implementierung eines Agenten oder einer Extension einmal registrieren, und diese wird dann für jeden ACP-kompatiblen Client verfügbar.
Sowohl Zed als auch die Entwicklungsumgebungen von JetBrains besitzen integrierten ACP-Registry-Support, um die Agenten auf einfache Weise zu installieren und ihre jeweils aktuellste Version zu verwenden. In JetBrains-IDEs – ab Version 2025.3.2 und mit JetBrains AI (253.30387.147) – lassen sich Agenten beispielsweise im Agent-Picker-Menü unter „Install From ACP Registry…“ auswählen und installieren. In Zed sieht die ACP-Registry-Seite wie folgt aus:

Zed bietet eine integrierte Anbindung an die ACP Registry.
(Bild: Zed Industries)
Das aktuelle Portfolio
Weiterlesen nach der Anzeige
Die kuratierte ACP Registry enthält aktuell die folgenden neun Agenten und Extensions:
- Auggie CLI
- Claude Code
- Codex CLI
- Factory Droid
- Gemini CLI
- GitHub Copilot
- Mistral Vibe
- OpenCode
- Qwen Code
Weitere Informationen zur ACP Registry finden sich auf der offiziellen Website und im GitHub-Repository sowie in den Ankündigungen von JetBrains und Zed Industries.
Lesen Sie auch
(mai)
Entwicklung & Code
Microsofts neues Kommandozeilen-Tool: Windows-Apps ohne Visual Studio entwickeln
Microsoft hat ein neues Kommandozeilen-Tool für die Windows-App-Entwicklung vorgestellt. winapp CLI soll den Entwicklungsprozess für Anwendungen vereinfachen, die mit Frameworks wie Electron oder Sprachen wie Rust, C++ und .NET erstellt werden. Es verbindet plattformübergreifende Entwicklung mit der nativen Windows-Umgebung. Das Open-Source-Tool befindet sich derzeit in der Public Preview und ist auf GitHub frei verfügbar.
Weiterlesen nach der Anzeige
Das zentrale Versprechen: Was früher zwölf manuelle Schritte erforderte, soll nun ein einziger Befehl erledigen. Der Befehl winapp init lädt die benötigten SDKs wie Windows SDK und Windows App SDK automatisch herunter, generiert Code-Projektionen wie C++/WinRT und konfiguriert Manifeste, Assets, Zertifikate sowie Abhängigkeiten. Das Tool ist bewusst so konzipiert, dass Entwickler ihre gewohnten Editoren – also VS Code genauso wie andere IDEs – weiterverwenden können. Mit winapp restore lässt sich die exakte Entwicklungsumgebung für gemeinsam genutzte Projekte oder in CI/CD-Pipelines wiederherstellen.
Package Identity ohne vollständiges Packaging
Besonders für Cross-Platform-Entwickler interessant ist die Funktion create-debug-identity. Sie fügt einer ausführbaren Datei temporär eine Package Identity hinzu, ohne dass die Anwendung vollständig als MSIX-Paket verpackt werden muss. Das beschleunigt den Entwicklungszyklus erheblich, da moderne Windows-APIs wie die Windows AI APIs, Benachrichtigungen, Shell-Integration oder Hintergrundaufgaben eine solche Identity verwenden.
Für Electron-Entwickler bietet Microsoft ein spezielles npm-Paket an: Mit npm install @microsoft/winappcli --save-dev lässt sich winapp in bestehende Projekte integrieren. Der Befehl winapp node add-electron-debug-identity injiziert die Package Identity direkt in den laufenden Prozess. Zusätzlich stellt das Paket @microsoft/winapp-windows-ai Node.js-Projektionen für Microsofts KI-APIs bereit, etwa für lokale Sprachmodelle oder Text- und Bildverarbeitung.
MSIX-Packaging und CI/CD-Integration
Das Tool übernimmt auch das Erstellen von MSIX-Paketen für die Distribution über den Microsoft Store oder Sideloading. Mit winapp pack ./my-app-files --cert ./devcert.pfx erzeugt es Store-fähige oder für manuelles Deployment vorbereitete Pakete. Entwicklerzertifikate lassen sich per winapp cert generate erstellen und optional lokal installieren. Auch das Aktualisieren von Manifest-Ressourcen funktioniert über die CLI, etwa mit winapp manifest update-assets C:\images\my-logo.png.
Weiterlesen nach der Anzeige
Für Continuous-Integration-Workflows bietet Microsoft Actions für GitHub Actions und Azure DevOps an. Die setup-WinAppCli-Action installiert winapp automatisch in der Pipeline. Entwickler können damit konsistente Build-Umgebungen schaffen, ohne manuell SDKs oder Tools konfigurieren zu müssen.
Alternativen zu Visual Studio und MSBuild
winapp CLI ist laut Ankündigung explizit als Ergänzung für Entwickler gedacht, die außerhalb des Visual-Studio-Ökosystems arbeiten. Neben Electron und Rust unterstützt winapp auch C++ mit CMake, .NET, Dart und weitere Sprachen und Frameworks. Guides für diese Technologien sowie Beispielprojekte finden sich im GitHub-Repository.
Die Installation erfolgt wahlweise über WinGet mit winget install Microsoft.winappcli --source winget, als npm-Paket oder manuell über GitHub Releases. Während der Public Preview sammelt Microsoft Feedback über das GitHub-Repository. Welche Features Priorität erhalten und wann eine finale Version erscheint, ist aktuell offen. Für Entwickler, die auf alternative Cross-Platform-Frameworks setzen, bleiben Optionen wie .NET MAUI, Avalonia, Uno Platform oder React Native for Desktop bestehen.
(fo)
Entwicklung & Code
Google-DeepMind-Chef: Der nächste Einstein könnte eine KI sein
Es ist das ewige Versprechen der Branche und das Feigenblatt, um bis dahin das Verbrennen von Milliarden Dollar und Unmengen an Energie zu rechtfertigen: die Suche nach der AGI. Die Artificial General Intelligence (Künstliche allgemeine Intelligenz) gilt als heiliger Gral der KI-Forscher. Wenn die Software lernt, ohne menschliche Hilfe zu lernen, sollen undenkbare Fortschritte möglich sein. Manch einer hat auch Angst, dass sich die KI dann gegen den Menschen wendet. Aber in zunehmendem Maße halten Menschen diese Zukunftsvision für eine Fata Morgana und den Weg dorthin noch für sehr weit.
Weiterlesen nach der Anzeige
Demis Hassabis, Chef von Googles KI-Sparte DeepMind, hält die AGI für erreichbar. Aber erst in fünf bis zehn Jahren. In einem Interview mit Alex Kantrowitz von Big Technology ließ er kein gutes Haar an seinem Mitbewerber OpenAI und dessen Chef Sam Altman. Man dürfe AGI nicht als Marketingbegriff verwenden, mahnt er. Die allgemeine künstliche Intelligenz sei ein System, das alle kognitiven Fähigkeiten zeigen kann, die Menschen haben, sagt er: „Und ich meine alle.“
Was die AGI können muss
Aber wo ist der Nutzen für die Menschheit? Den würde diese Form von KI erst haben, wenn sie der Menschheit zu neuen Durchbrüchen verhilft, erklärt Hassabis. Es sei nicht damit getan, eine mathematische Gleichung oder eine Vermutung zu lösen. Bahnbrechende Vermutungen sind gefragt, ein neuer Einstein. Oder im künstlerischen Bereich ein Picasso oder ein Mozart. Und zwar mit Fähigkeiten und einer Schlagzahl, wie sie bei Menschen kaum oder gar nicht möglich wäre.
Und obwohl er die Ansicht vertritt, dass die Fähigkeiten heutiger KI-Modelle noch gar nicht alle erkannt und ausgeschöpft sind, zeigt sich Hassabis überzeugt, dass diese noch weit von einer AGI entfernt sind. Heutige KI habe ein „Goldfischgehirn“. Sie kann das Internet durchsuchen, aber dieses Wissen ändere das Modell nicht und sei nach der Sitzung wieder vergessen. Eine Superintelligenz würde sogar noch weitergehen, sie könnte andere Systeme wie Wettersatelliten integrieren oder in 14 Dimensionen denken – Dinge, zu denen kein Mensch fähig wäre.
Mehrere Durchbrüche nötig
Weiterlesen nach der Anzeige
KI brauche auf dem Weg zur AGI noch mehrere Durchbrüche: Neben kontinuierlichem Lernen seien das effizientere Kontextfenster und langfristige Planung. Während das menschliche Gehirn mit selektiver Aufmerksamkeit nur das Wichtige verarbeitet, behandelt KI alle Informationen im Kontext gleich. Dies ist ineffizient und teuer.
In dem Bühnengespräch in Davos ging Hassabis auch auf die Frage ein, ob Google wie OpenAI plane, in seinem Chatbot Werbung zu integrieren. Viel Lob verteilte Hassabis für Start-up Anthropic, in das Google bereits Milliarden Dollar investiert hat. Deren Entwicklungs-Tool Claude Code sei sehr gelungen. Google selbst will die Fähigkeiten seines KI-Modells Gemini mit der neu veröffentlichten IDE Antigravity besser zur Geltung bringen.
Googles Smart-Glass-Pläne
Konkret äußerte sich Hassabis zu Smart Glasses: Google arbeitet mit Partnern wie Warby Parker, Gentle Monster und Samsung an einer neuen Generation KI-gestützter Brillen, die „vielleicht bis zum Sommer“ auf den Markt kommen sollen. Anders als beim gescheiterten Google Glass vor gut zehn Jahren seien nun sowohl die Form ausgereift als auch – entscheidend – die „Killer-App“ vorhanden: ein universeller digitaler Assistent, der freihändig im Alltag hilft. Hassabis selbst arbeitet persönlich an dem Projekt mit.
(mki)
-
Entwicklung & Codevor 2 MonatenKommandozeile adé: Praktische, grafische Git-Verwaltung für den Mac
-
Künstliche Intelligenzvor 1 MonatSchnelles Boot statt Bus und Bahn: Was sich von London und New York lernen lässt
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 2 MonatenHuawei Mate 80 Pro Max: Tandem-OLED mit 8.000 cd/m² für das Flaggschiff-Smartphone
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 2 MonatenFast 5 GB pro mm²: Sandisk und Kioxia kommen mit höchster Bitdichte zum ISSCC
-
Social Mediavor 1 MonatDie meistgehörten Gastfolgen 2025 im Feed & Fudder Podcast – Social Media, Recruiting und Karriere-Insights
-
Datenschutz & Sicherheitvor 2 MonatenSyncthing‑Fork unter fremder Kontrolle? Community schluckt das nicht
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenWeiter billig Tanken und Heizen: Koalition will CO₂-Preis für 2027 nicht erhöhen
-
Künstliche Intelligenzvor 2 MonatenGame Over: JetBrains beendet Fleet und startet mit KI‑Plattform neu
