Künstliche Intelligenz
KI-Update kompakt: RSL 1.0, Space-Rechenzentrum, Energiequelle, Müllsortierung
Neuer Standard RSL 1.0 reguliert KI-Zugriffe im Web
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Der neue Web-Standard RSL 1.0 soll die Kontrolle über digitale Inhalte an deren Urheber zurückgeben. Das Protokoll „Really Simple Licensing“ ersetzt die veraltete robots.txt-Datei, die von modernen KI-Crawlern oft ignoriert wird. Webseitenbetreiber können künftig präzise festlegen, wer ihre Daten zu welchem Preis nutzen darf. Dies reagiert auf den Druck von Suchmaschinenbetreibern wie Google, die Sichtbarkeit im Netz zunehmend an die Erlaubnis zur Datennutzung koppeln. Die EU-Kommission prüft dieses Vorgehen bereits auf Wettbewerbsverstöße.

Unterstützung erhält die Initiative von Medienhäusern und der Werbebranche, die durch KI-generierte Antworten sinkende Klickzahlen und Werbeeinnahmen fürchten. Cloudflare, ein Infrastrukturanbieter, flankiert den Standard technisch und blockiert unerwünschte Zugriffsversuche. Das Protokoll schafft damit eine rechtliche und technische Grundlage für den Handel mit Trainingsdaten, anstatt sich auf unverbindliche Bitten zu verlassen.
Google bindet Model Context Protocol in Cloud-Dienste ein
Google hat das Model Context Protocol (MCP) in seine Cloud-Infrastruktur integriert. Der von Anthropic entwickelte offene Standard fungiert als universelle Schnittstelle zwischen KI-Agenten und Datenquellen, vergleichbar mit einem USB-Anschluss für Software. Entwickler sparen sich dadurch das Schreiben individueller Verbindungen für jeden einzelnen Dienst. Google verwaltet die Endpunkte global, was den lokalen Betrieb eigener MCP-Server überflüssig macht.
Die Unterstützung durch Google festigt die Position von MCP als Industriestandard. Auch Microsoft und Amazon Web Services, ein Cloud-Anbieter, fördern das Protokoll über die Agentic AI Foundation. Die breite Akzeptanz ermöglicht es KI-Anwendungen wie ChatGPT oder GitHub Copilot, standardisiert auf externe Informationen zuzugreifen. Dies senkt die Hürden für den Einsatz komplexer KI-Agenten in Unternehmen erheblich.
OpenAI veröffentlicht produktivitätsorientiertes Modell GPT-5.2
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OpenAI hat mit GPT-5.2 ein neues Sprachmodell vorgestellt, das spezifisch auf Büroanwendungen zugeschnitten ist. Das System verarbeitet Tabellenkalkulationen, Programmiercode und komplexe Projektstrukturen präziser als seine Vorgänger. Eine reduzierte Rate an fehlerhaften Ausgaben, sogenannten Halluzinationen, soll die Verlässlichkeit im geschäftlichen Alltag erhöhen.
Das Unternehmen positioniert das Modell als Werkzeug für ökonomischen Nutzen. Es bewältigt längere Kontexte und steuert externe Software-Tools sicherer. OpenAI bietet den Zugang über seine bestehenden Abonnement-Strukturen an und zielt damit direkt auf die Integration in bestehende Unternehmensprozesse ab.
Disney verfolgt Doppelstrategie im Umgang mit KI-Konzernen
Der Unterhaltungskonzern Disney geht juristisch gegen Google vor, während er gleichzeitig eine Partnerschaft mit OpenAI vertieft. Disney-Chef Bob Iger fordert von Google in einer Unterlassungserklärung den sofortigen Stopp der Nutzung geschützter Charaktere in KI-Anwendungen und auf YouTube. Der Konzern verlangt technische Filter, um die Generierung von Disney-Inhalten durch Googles Algorithmen zu unterbinden. Parallel dazu klagt das Unternehmen gegen die Bildgeneratoren von Midjourney und Minimax.
Im Gegensatz dazu kooperiert Disney eng mit OpenAI. Das Unternehmen lizenziert über 200 Figuren für den Videogenerator Sora. Diese selektive Vorgehensweise verdeutlicht Disneys Strategie: Die Nutzung des geistigen Eigentums wird nicht prinzipiell verweigert, sondern an strikte Lizenzverträge und Bezahlung geknüpft. Wer nicht zahlt, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.
Technologiekonzerne prüfen Rechenzentren im Orbit
SpaceX, ein Raumfahrtunternehmen, und Google untersuchen die Verlagerung von Rechenkapazitäten in den Weltraum. Die fast ununterbrochene Sonneneinstrahlung im Orbit verspricht eine bis zu achtmal höhere Energieausbeute als auf der Erde. Zudem entfällt der Wasserverbrauch zur Kühlung, da Wärme über Strahlung in das Vakuum abgegeben wird. Google plant für 2027 einen Testlauf mit Satelliten, die mit eigenen KI-Chips bestückt sind.
Die technischen Hürden bleiben hoch. Kosmische Strahlung verursacht Rechenfehler in den Speichermodulen, was das Training von Modellen gefährdet. Zudem erfordert die Datenübertragung komplexe Lasernetzwerke zwischen eng fliegenden Satellitenschwärmen. Die Wirtschaftlichkeit des Konzepts hängt von drastisch sinkenden Transportkosten ab, wie sie das Starship-System von SpaceX verspricht. Experten rechnen erst in zwei Jahrzehnten mit einem kostendeckenden Betrieb.

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im „KI-Update“ von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.
Deepseek umgeht US-Sanktionen durch Chip-Schmuggel
Deepseek, ein chinesischer KI-Entwickler, trainiert seine Modelle offenbar auf geschmuggelten Hochleistungschips von Nvidia. Berichten zufolge gelangen die Prozessoren der Blackwell-Serie zunächst legal in südostasiatische Rechenzentren. Dort werden sie in Server verbaut, anschließend demontiert und als Einzelteile nach China verbracht. In chinesischen Anlagen erfolgt der Wiederaufbau der Systeme.
Dieser Vorgang untergräbt die Darstellung, China könne seine KI-Industrie zeitnah auf heimische Halbleiter umstellen. Die Abhängigkeit von US-Technologie besteht fort. Nvidia gab an, keine Kenntnis von den Zwischenstationen zu haben, prüft jedoch die Berichte.
Nvidia entwickelt Standort-Tracking für KI-Prozessoren
Nvidia arbeitet an einer Methode zur geografischen Ortung seiner Blackwell-Chips. Das System nutzt die Verzögerungszeiten in der Datenübertragung zu anderen Servern, um den Standort der Hardware grob zu bestimmen. Diese Technik soll in bestehende Verwaltungssoftware integriert werden.
Der Schritt dient der Einhaltung strengerer US-Exportbestimmungen. Der Gesetzgeber fordert Mechanismen, die den Einsatz von Hochleistungschips in sanktionierten Regionen verhindern. Mit dem Tracking-System könnte Nvidia ferngesteuert überprüfen, ob Prozessoren widerrechtlich in Länder wie China gelangt sind.
Pentagon startet zentrale KI-Plattform GenAI.mil
Das US-Verteidigungsministerium hat mit GenAI.mil eine zentrale Schnittstelle für generative künstliche Intelligenz in Betrieb genommen. Rund drei Millionen Angestellte und Vertragspartner erhalten darüber Zugang zu KI-Modellen. Den Anfang macht eine für Behörden zertifizierte Version von Google Gemini.
Die Plattform setzt aber auf eine Multi-Vendor-Strategie, Modelle von OpenAI, Anthropic und xAI sollen folgen.
Künstliche Intelligenz lokalisiert verborgene Geothermie
KI-Systeme erleichtern das Auffinden geothermischer Energiequellen, die an der Oberfläche nicht sichtbar sind. Das Startup Sanskar kombiniert regionale geologische Daten mit Satellitenbildern und Simulationen, um sogenannte „blinde Systeme“ tief im Untergrund zu identifizieren. Diese Methode reduziert das finanzielle Risiko teurer Fehlbohrungen erheblich.
Ein Pilotprojekt in der Wüste von Nevada bestätigte den Ansatz. Die Software prognostizierte ein Hitzereservoir in einem Gebiet ohne äußere Anzeichen. Bohrungen stießen in 820 Metern Tiefe tatsächlich auf 121 Grad heißes Gestein. Sanskar plant nun den Bau eines Kraftwerks, um diese emissionsfreie Energiequelle nutzbar zu machen.
Röntgen-KI entfernt Brandherde aus dem Müllstrom
Recyclinganlagen setzen verstärkt auf Automatisierung, um die Brandgefahr durch Lithium-Ionen-Akkus zu senken. Das Entsorgungsunternehmen Korn nutzt eine Anlage, die Röntgenstrahlung mit Bilderkennung kombiniert. Die Software identifiziert Batterien und Akkus im laufenden Betrieb, woraufhin Druckluftdüsen die Gefahrenquellen vom Förderband schießen.
Entwickelt wurde das System gemeinsam mit WeSort AI, einem Softwareanbieter. Es filtert Objekte wie E-Zigaretten und elektrische Zahnbürsten aus bis zu 25 Tonnen Müll pro Stunde. Da rund 80 Prozent der Brände in Sortieranlagen durch beschädigte Akkus entstehen, schützt die Technik nicht nur Anlagenwerte, sondern erhöht auch die Reinheit der recycelten Rohstoffe.
„KI-Architekten“ sind „Person des Jahres“
Das Time Magazine aus den USA hat die „KI-Architekten“ zur „Person des Jahres“ ernannt und mit einem von zwei Titelbildern deutlich gemacht, wer damit gemeint ist. In Anlehnung an das fast 100 Jahre alte, weltberühmte Foto „Lunch atop a Skyscraper“ zeigt es Meta-Chef Mark Zuckerberg, AMD-Chefin Lisa Su, Elon Musk, Nvidia-Chef Jensen Huang, OpenAI-Chef Sam Altman und andere Verantwortliche aus der KI-Industrie auf einem Stahlträger über New York. Das zweite Cover zeigt die zwei riesigen Buchstaben AI aus Computerteilen und umhüllt von einem Baugerüst. 2025 sei das Jahr gewesen, „in dem das volle Potenzial von KI deutlich geworden ist und klar wurde, dass es kein Zurück und keinen Ausstieg gibt“, begründet die Redaktion die Entscheidung.

(igr)
Künstliche Intelligenz
Dienstag: EU stuft WhatsApp neu ein, CCC kritisiert Bundesjustizministerium
Der Messenger WhatsApp unterliegt als hybrider Dienst in der EU künftig den Bestimmungen des Digital Services Act – allerdings mit Einschränkungen. Betroffen ist nur ein Teildienst. Für diesen muss Meta seine Prozesse weiter an die Kriterien des EU-Rechts anpassen. Nach dem „Ja“ von Justizministerin Stefanie Hubig zur Vorratsdatenspeicherung verurteilt der Chaos Computer Club (CCC) dies als anlasslose Massenüberwachung und Angriff auf die Bürgerrechte. ER fordert das Recht auf anonyme Internetnutzung. Und Google zahlt in den USA 68 Millionen US-Dollar zur Beilegung einer Datenschutzklage im Zusammenhang mit seinem Google Assistant – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.
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Der Digital Services Act (DSA) der Europäischen Union (EU) soll einen sichereren digitalen Raum schaffen und die Grundrechte aller Nutzer digitaler Dienste im EU-Binnenmarkt schützen. Am Montag teilte die EU-Kommission kurz und knapp mit, dass künftig auch WhatsApp dem Aufsichtsregime für sehr große Plattformen unterliegt. Für TikTok, Facebook, X oder Instagram gelten die damit verbundenen Vorschriften bereits. Im Fall von WhatsApp ist allerdings nur die Channel-Funktion betroffen. Dort muss der Mutterkonzern Meta Platforms nun nachbessern, um EU-Recht einzuhalten. WhatsApp unterliegt ab Mai teilweise dem Digital Services Act
Kurz vor Weihnachten hat das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) seinen lange erwarteten Referentenentwurf zur „Einführung einer IP-Adressspeicherung“ veröffentlicht. Die von Ministerin Stefanie Hubig (SPD) geleitete Behörde verspricht einen modernen Instrumentenkasten für die Strafverfolgung. Wird der Entwurf umgesetzt, droht Deutschland die verpflichtende, verdachtsunabhängige Protokollierung von Nutzerspuren im Internet. Der Chaos Computer Club (CCC) fordert die Bundesregierung eindringlich auf, das Recht auf anonyme Internetnutzung als Grundpfeiler der Demokratie zu verteidigen und die unverhältnismäßige Zwangsspeicherung von IP-Adressen stoppen. CCC vs. Dammbruch: Regierung muss Recht auf anonyme Internetnutzung retten
In einer im Sommer 2019 eingereichten Sammelklage warfen Smartphone-User dem US-Konzern Google vor, dass dessen sprachgesteuertes Assistenzprogramm Google Assistant ohne ihre Zustimmung oder Wissen private Gespräche aufgezeichnet und an Dritte weiteregereicht zu haben. Damit sei ihre Privatsphäre verletzt worden. Später hätten sie personalisierte Werbung erhalten. Jetzt hat Google sich bereit erklärt, eine Millionensumme zu zahlen, um die Sammelklage beizulegen. Fehlverhalten räumt das Unternehmen aber nicht ein. Google zahlt 68 Millionen US-Dollar zur Beilegung einer Datenschutzklage
Gerade erst wurde bekannt, dass das US-amerikanische Sportbekleidungsunternehmen Under Armour Opfer eines Cyberangriffs wurde. Eine Ransomware-Bande erbeutete mehr als 72 Millionen Kundendaten, darunter Namen, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten, Geschlecht, geografische Standorte und Kaufinformationen. Und auch der Nike-Konzern wurde mutmaßlich angegriffen. Die Ransomware-Gruppe WorldLeaks behauptet, Daten des Unternehmens gestohlen zu haben. Die Rede ist von 1,4 Terabyte an Daten. Angeblich sind darunter auch Designprototypen. Der Sportartikelhersteller hält sich bedeckt, untersucht aber den Vorfall. Nike prüft möglichen Cyberangriff
Der US-Hersteller Vizio, der vernetzte Fernseher verkauft und mit Werbung und Daten über die Sehgewohnheiten seiner Kunden Geld verdient, liefert seine TV-Geräte unter anderem mit vorinstallierter Open-Source-Software aus. Die entsprechenden Lizenzen verlangen, dass mit dem Produkt der Source Code oder ein Angebot zu dessen Herausgabe geliefert werden. Dem ist die Walmart-Tochter Vizio nicht nachgekommen. Eine Stiftung strengte ein Gerichtsverfahren gegen Vizio an. Das Verfahren dauert bis heute an – mit zahlreichen Volten. TV-Software: Gericht stiftet Verwirrung um Open Source
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(akn)
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Vernetzte Fernseher vor Gericht: Open Source Code muss nicht installierbar sein
Wer Open Source in Produkte einbaut, muss die Lizenzbedingungen beachten. Dazu gehört häufig die Pflicht, den auf einem Gerät genutzten Source Code mitzuliefern oder auf Anfrage herauszugeben. Doch ob der Hersteller wirklich den echten Code herausrückt, lässt sich womöglich nie prüfen. Denn auf dem Gerät installierbar sein muss der Code nicht, sagt ein kalifornisches Gericht.
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Was diese Zwischenentscheidung im weiteren Gerichtsverfahren und, sofern sie rechtskräftig wird, später in der Praxis bedeutet, ist unklar. Umstritten ist sogar, was die Verfahrensparteien bei Gericht genau beantragt haben.
Worüber gestritten wird
Anlass zu dem Gerichtsverfahren hat das Unternehmen Vizio gegeben, das unter anderem vernetzte Fernseher verkauft und dann mit Werbung und Daten über die Sehgewohnheiten seiner Kunden Geld verdient. Vizio liefert seine Fernseher unter anderem mit vorinstallierter Open-Source-Software aus, darunter Linux-Kernels, die unter der GNU General Public License Version 2 (GLPv2) sowie der GNU Lesser General Public License Version 2.1 (LGLPv2.1) lizenziert sind. Diese Lizenzen verlangen, dass mit dem Produkt der Source Code oder ein Angebot zu dessen Herausgabe geliefert werden. Dem ist Vizio, das seit 2024 Walmart gehört, nicht nachgekommen.
Die gemeinnützige Software Freedom Conservancy (SFC) aus New York hat ab 2018 Vizio-Farbfernseher gekauft und dann den Source Code beantragt. In jahrelangem Hin und Her schickte Vizio mehrfach Code, der aber immer unvollständig oder nicht kompilierbar war. 2021 ging die SFC unter Berufung auf kalifornisches Vertragsrecht (und nicht Copyright) zu Gericht und erkämpfte 2023 zwei wichtige Zwischenentscheidungen über Open Source: Demnach wirken die Lizenzen als Verträge zugunsten Dritter. Nicht nur die Copyright-Inhaber können die Lizenz unter Berufung auf Copyright durchsetzen, sondern auch Käufer des Geräts unter Berufung auf Vertragsrecht.
Vizio wird zumindest etwas herausrücken müssen
Anfang Dezember 2025 teilte die zuständige Richterin des kalifornischen Superior Court im County of Orange mit, dazu zu neigen, zu entscheiden, dass Vizio der SFC tatsächlich die Source Codes für ein bestimmtes Fernseher-Modell herausgeben muss. Ob Vizio darüber hinaus den Source Code aller seiner Fernseher, die mit Software unter GPL oder LGPL laufen, allen Kunden mitliefern oder in bestimmter Form anbieten muss, soll in einem Gerichtssaalverfahren geklärt werden. Unter anderem sieht die Richterin widersprüchliche Äußerungen der Free Software Foundation, die diese Lizenzen formuliert hat.
Doch zu Festivus 2025 überraschte die Richterin mit einer Zwischenentscheidung auf Antrag Vizios: Demnach verpflichten die Lizenzen Vizio tatsächlich dazu, den Source Code so zur Verfügung zu stellen, dass er leicht erlangt und modifiziert werden kann. Das umfasst auch Scripte für Kompilation und Installation.
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Das bedeute aber nicht, dass Vizio allen Nutzern die Wiederinstallation der Software, modifiziert oder nicht (!), auf seinen vernetzten Fernsehern in einer Weise ermöglichen muss, die alle Funktionen des Originalprogramms erhält und/oder sicherstellt, dass die Fernseher weiter ordentlich funktionieren. Vielmehr diene die Herausgabepflicht der Weiternutzung der Software für andere (!) Anwendungen.
Linus Torvalds schilt SFC
Das veranlasste Linus Torvalds dazu, beide Verfahrensparteien öffentlich zu schelten: Vizio, weil es den Source Code nicht verfügbar gemacht hat, und die SFC, weil sie auch die für die Installation erforderlichen Schlüssel verlangt habe. Das hat die SFC aber gar nicht verlangt.
Die SFC verteidigte sich noch am Heiligen Abend öffentlich: Natürlich habe sie nie behauptet, dass die Open-Source-Lizenzen verlangten, dass vom Nutzer modifizierte Software auf dem Gerät von Rechts wegen zu funktionieren haben. (So eine Behauptung wäre auch absurd, schließlich weiß man ja nicht, in welcher Weise der Nutzer die Software verändert, Anmerkung.) Zudem komme auch andere Software zum Einsatz, die Vizio unstrittig nicht herausgeben muss. Überhaupt stelle Vizios Antrag auf Dinge ab, über die gar nicht gestritten werde.
Allerdings bezieht sich die Zwischenentscheidung des Gerichts ausdrücklich auch auf nicht-modifizierte Software. Und in der Tat kann ein Hersteller sein Gerät kryptographisch so verrammeln, dass Nutzer überhaupt nichts darauf installieren können, auch nicht die unveränderte Originalsoftware. Auch das verbieten GPL und LGPL unstrittig nicht.
Diesen Weg geht Vizio, weil es ja sein Geld weniger mit dem Verkauf der Fernseher, sondern vielmehr mit der Verwertung der später mit dem Gerät geernteten Daten verdient. Das ist branchentypisch bei „Smart TV“. Könnten Käufer eigene Software installieren und dabei auf Überwachungsroutinen verzichten, entginge Vizio der Reibach.
Verhandlung verschoben
Und tatsächlich hat die SFC nie verlangt, dass Vizio die kryptographischen Schlüssel herausrückt. Allerdings spricht die ursprüngliche Klage von den Vorzügen der gegenständlichen Open-Source-Lizenzen und erwähnt dabei Beispiele, bei denen der Code angepasst und auf dem Gerät installiert wird. Das geht bei Vizios vernetzten Fernsehern ohne deren Schlüssel nicht.
Und damit ist die Verwirrung komplett. Praktisch stellt sich die Frage, wie Käufer eines kryptographisch blockierten Gerätes mit Open-Source-Software je herausfinden können, ob der ihnen vom Hersteller zugemittelte Softwarecode überhaupt der wirklich auf dem Gerät genutzte ist, wenn sie ihn, auch testweise, nicht darauf installieren können.
Eigentlich hätte das Verfahren vor rund zwei Wochen endlich in die Gerichtssaalphase eintreten sollen, im fünften Jahr nach Klageerhebung. Doch ein anderes Verfahren der selben Richterin, mit Geschworenen, dauert länger als geplant. Damit ist die Richterin unabkömmlich und musste den Vizio-Prozess auf unbestimmte Zeit vertagen. Am Montag hätte bei einer Verhandlung ein neuer Termin gefunden werden sollen, doch auch diese Verhandlung wurde vom Gericht kurzfristig abberaumt.
„…the Agreements require Vizio to make the source code available in such a manner that the source code can be readily obtained and modified by Plaintiff or other third parties. While source code is defined to include ‚the scripts used to control compilation and installation,‘ this does not mean that Vizio must allow users to reinstall the software, modified or otherwise, back onto its smart TVs in a manner that preserves all features of the original program and/or ensures the smart TVs continue to function properly. Rather, in the context of the Agreements, the disputed language means that Vizio must provide the source code in a manner that allows the source code to be obtained and revised by Plaintiff or others for use in other applications.
…nothing in the language of the Agreements requires Vizio to allow modified source code to be reinstalled on its devices while ensuring the devices remain operable after the source code is modified…“
Das Verfahren heißt Software Freedom Conservancy v Vizio (Az. 30-2021-01226723-CU-BC-CJC).
(ds)
Künstliche Intelligenz
KI-Update kompakt: DSA-Verfahren gegen X, Grokipedia, Anthropic, Justiz
ChatGPT nutzt Grokipedia
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Grokipedia, die KI-generierte Enzyklopädie von xAI, liefert Inhalte an andere Chatbots. Laut Guardian finden sich in der von Elon Musk initiierten Alternative zu Wikipedia problematische Einträge: Pornografie habe direkt zur Aidskrise beigetragen, Transgender-Personen würden abfällig bezeichnet, Rechtfertigungen für Sklaverei tauchten auf. Teile dieser Inhalte erscheinen nun auch bei ChatGPT und Claude.
Beide Chatbots sollen die Quelle verschleiert haben. Obwohl die Informationen eindeutig aus Grokipedia stammten, tauchte diese nicht in den Quellenangaben auf. Die Tests waren klein, doch sie verdeutlichen, wie leicht externe Quellen einen Chatbot beeinflussen können.

Zero-Day-Exploits durch KI sind bereits Realität
Künstliche Intelligenz kann bereits Zero-Day-Exploits entwickeln, wie Sicherheitsforscher Sean Heelan in einer neuen Studie dokumentiert. Für die anspruchsvollste Aufgabe benötigte ChatGPT gut drei Stunden und kostete etwa 50 Dollar. Diese Summe ließe sich leicht vervielfachen, ohne das Budget einer mittelgroßen Cybercrime-Bande zu sprengen.
Das verändert die Bedrohungslage grundlegend. Mit überschaubarem Investment könnte erstmals ein Arsenal funktionierender Exploits für nahezu alle internetfähigen Geräte entstehen. „Für dieses Szenario müssen wir Security neu denken“, sagt heise-Security-Experte Jürgen Schmidt. Die Herausforderung liege darin, bekannte Sicherheitsmethoden so zu verbreiten, dass Lücken zur Ausnahme werden.
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Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat empfiehlt den Bundesländern den flächendeckenden Einsatz von Monocams. Diese KI-gestützten Systeme an Brücken oder Straßenrändern erkennen automatisch, ob jemand am Steuer ein Smartphone in der Hand hält. Rheinland-Pfalz hat die Technik nach einer Testphase zum Jahresbeginn in den Regelbetrieb überführt.
Die Forderung steht im Zentrum der Debatte beim 64. Verkehrsgerichtstag Ende Januar in Goslar. DVR-Präsident Manfred Wirsch sieht in der technischen Aufrüstung ein wirksames Mittel gegen uneinsichtige Fahrer. Die Diskussion dreht sich um das Ziel von null Verkehrstoten in einer zunehmend digitalen Welt.
EU-Kommission eröffnet Digital-Services-Act-Verfahren gegen X
Die EU-Kommission hat ein drittes Verfahren gegen Elon Musks Plattform X eingeleitet. Im Fokus steht das Zusammenspiel zwischen dem sozialen Netzwerk und dem KI-Modell Grok. Dieses hatte zuletzt für Aufsehen gesorgt, weil es strafbare Inhalte generierte: Nacktbilder Minderjähriger, Gewaltfantasien und mutmaßlich geschlechtsspezifische Gewaltdarstellungen.
Die Kommission will prüfen, ob X seinen rechtlichen Pflichten nachgekommen ist. Zusätzlich verlangt sie Auskunft über die Empfehlungsalgorithmen der Plattform. Für die Untersuchung arbeitet Brüssel eng mit der irischen Aufsichtsbehörde zusammen, da die europäische X-Tochter in Dublin sitzt. Neben dem Digital Services Act könnten auch nationales Strafrecht und Datenschutzregeln greifen.
Anthropic muss Einstellungstests ständig erneuern, weil Claude sie löst
Anthropic kämpft mit einem ungewöhnlichen Recruiting-Problem: Das Unternehmen musste seinen Programmiertest bereits dreimal überarbeiten, weil jede neue Claude-Version die vorherige Testversion unbrauchbar machte. Mit Claude 3.7 Sonnet hätte über die Hälfte der Kandidaten besser abgeschnitten, wenn sie die Aufgabe komplett an die KI delegiert hätten. Claude Opus 4.5 erreichte schließlich dieselbe Punktzahl wie die besten menschlichen Bewerber.
Ein KI-Verbot kam für Teamleiter Tristan Hume nicht infrage, weil Ingenieure im Arbeitsalltag ebenfalls KI-Assistenten nutzen. Stattdessen orientierte er sich an Programmier-Puzzlespielen mit stark eingeschränkten Umgebungen. Der neue Test nutzt ungewöhnliche Einschränkungen, die in Claudes Trainingsdaten kaum vorkommen. Der Nachteil: Der Test hat weniger mit den realen Aufgaben zu tun. Doch Realismus, sagte Hume, könnte ein Luxus sein, den sich Anthropic nicht mehr leisten könne.

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im „KI-Update“ von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.
OpenAI kündigt Codex-Updates mit hohem Cybersecurity-Risiko an
OpenAI plant mehrere Neuerungen für sein Code-Modell Codex im kommenden Monat. CEO Sam Altman warnt dabei ungewöhnlich offen: Das Modell werde erstmals die Stufe „Hoch“ im unternehmenseigenen Cybersecurity-Risikoframework erreichen. Auf dieser Stufe kann ein Modell laut OpenAI bestehende Hürden für Cyberangriffe beseitigen, etwa durch automatisierte Attacken auf gut geschützte Ziele oder das automatische Finden von Sicherheitslücken.
Zunächst will OpenAI mit Produktbeschränkungen verhindern, dass Menschen die Modelle für Cyberkriminalität nutzen. Langfristig sollen die Modelle auch beim Beheben von Lücken helfen. Altman begründet die Veröffentlichung trotz der Risiken damit, dass es bald viele leistungsfähige Modelle geben werde. Deshalb sei es wichtig, aktuelle KI schnell einzusetzen, um Software sicherer zu machen.
Mit KI gesparte Zeit wird genutzt, um KI-Ergebnisse zu korrigieren
Der Einsatz generativer KI in Unternehmen erweist sich als zweischneidig. Laut einer Umfrage des HR- und Finanzsoftwareanbieters Workday sparen zwar 85 Prozent der Befragten eine bis sieben Stunden pro Woche mit KI. Doch bis zu 40 Prozent dieser Zeitersparnis geht für Nacharbeit an fehlerhaften Ergebnissen wieder verloren.
Nur 14 Prozent der Befragten kommen mit KI zu einem durchweg positiven Nettoergebnis und besserer Qualität. Auch messbarer Wert durch KI-Einführung bleibt für die Mehrheit aus: Laut der Beratungsgesellschaft PwC haben bisher nur rund 12 Prozent der Unternehmen Kosteneinsparungen und Wertzuwachs erzielt.
Meta schaltet KI-Charaktere für Teenager ab, zumindest vorerst
Meta will den Zugang von Teenagern zu seinen KI-Charakteren vorübergehend in allen Apps weltweit sperren, bis ein neues Kinderschutzmodell steht. Künftig sollen Eltern die Möglichkeit erhalten, Einzelgespräche ihrer Kinder mit KI-Charakteren zu unterbinden und mehr Einblick in deren KI-Interaktionen zu bekommen.
Die Ankündigung kommt kurz vor einem Verfahren gegen Meta in New Mexico. Dort wird das Unternehmen beschuldigt, Kinder nicht ausreichend vor sexueller Ausbeutung in seinen Apps zu schützen. Meta wies vergangene Woche ähnliche Vorwürfe zurück: Psychische Probleme von Jugendlichen ließen sich nicht direkt auf Social-Media-Nutzung zurückführen.
Sinnvoller Einsatz von KI bei Gericht
Im c’t-Datenschutz-Podcast „Auslegungssache“ spricht Richterin Kristin Benedikt auch über KI am Gericht. Einen „Robo-Richter“ lehnt sie strikt ab. Entscheidungen müssten von Menschen vorbereitet und getroffen werden. Sinnvoll sei KI aber bei unterstützenden Aufgaben, etwa bei Dolmetscherdiensten in Asylverfahren.
Das Problem: Geeignete Dolmetscher für seltene Sprachen oder etwa russische Gebärdensprache sind schwer zu finden. Komplexe juristische Sachverhalte gehen bei der Übersetzung oft verloren. Wenn KI hier unterstützen könne, sei das ein gutes Szenario, sagte Benedikt, die am bayerischen Verwaltungsgericht auch als Datenschutzbeauftragte tätig ist.
Japanische Kreative verlieren Einkommen durch generative KI
Rund zwölf Prozent der japanischen Manga-Künstler, Illustratoren und anderen Kreativen haben im vergangenen Jahr Einkommensverluste durch generative KI erlitten. Das ergab eine Umfrage der Freelance League of Japan mit knapp 25.000 Teilnehmern. Etwa drei Prozent verloren mehr als die Hälfte ihres Einkommens.
Betroffene berichten von kürzeren Fristen und niedrigeren Honoraren, weil Auftraggeber KI-Einsatz voraussetzen. Fast 90 Prozent sehen generative KI als Bedrohung für ihren Lebensunterhalt. Die Liga fordert von der japanischen Regierung Transparenzpflichten für Trainingsdaten, Kennzeichnungspflichten für KI-Werke und neue Systeme zur Gewinnbeteiligung.
Kein Ende des Geldsegens für Anguilla
Die Karibikinsel Anguilla hat die Millionenmarke bei registrierten .ai-Domains überschritten. Die Wachstumsrate liegt bei einem Prozent pro Woche. Premierministerin Cora Richardson Hodge gab die Zahl vergangene Woche bekannt.
Die Regierung des britischen Überseegebiets mit seinen 16.000 Einwohnern investiert die Einnahmen in Straßensanierung, Flughafenausbau und kostenfreie Gesundheitsversicherung für Kleinkinder. Im Dezember kündigte sie den Aufbau eines Staatsfonds an, um die Einnahmen für künftige Generationen zu sichern.

(igr)
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