Künstliche Intelligenz
Schnelles Boot statt Bus und Bahn: Was sich von London und New York lernen lässt
Ja, die deutsche Hauptstadt Berlin hat – ebenso wie Hamburg rund um den Hafen – Fähren. Darunter ist sogar eine, die von April bis Oktober im 60-Minuten-Takt noch per Hand gerudert wird. Sie sind ins Angebot der örtlichen Verkehrsbetriebe BVG integriert und überbrücken zumeist kürzere Strecken. Doch was man sich wirklich wünscht, nämlich einen bestenfalls elektrischen Schnellverkehr auf der Spree vom Müggelsee im Osten bis zur Havel im Westen, existiert schlicht nicht.
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Stattdessen gibt es oft schadstoffreichen Ausflugsverkehr, der gemütlich durch die Innenstadt tuckert, sich primär an Touristen richtet und kaum dazu beiträgt, dass man schneller und vor allem umweltfreundlicher vorankommt. Dabei liegen zahlreiche wichtige Einrichtungen, zu denen die Menschen kommen wollen, direkt am Fluss – und könnten mit der Nutzung bestehender Anleger aufwandsarm erschlossen werden. Der bestehende ÖPNV aus S- und U-Bahn, Regionalbahnen, Bussen und Trams, der ohnehin dauerhaft am Limit arbeitet („Ich bin ein Fahrgast, ich steig‘ gleich aus“), ließe sich so entlasten. Doch wie sieht es in anderen Metropolen der Welt aus, wie nutzen diese ihre Flüsse? Die Beispiele New York (mit East River und Hudson) und London (mit der Themse) zeigen, wie gut das funktionieren kann, auch wenn es dort jeweils ganz unterschiedlich läuft. Was lässt sich von diesen schwimmenden Nahverkehrsangeboten für Deutschland lernen und wie viel besser setzen sie die Ressource Wasserweg für die Stadtgemeinschaft ein?
Die Staten Island Ferry ist nicht alles
Von New York kennen die meisten Menschen wohl nur eine wichtige Fähre: die Staten Island Ferry. Dabei handelt es sich um einen kostenlosen Zubringer zwischen Staten Island – wo kein Zug hinführt – und dem Whitehall Terminal in Manhattan. Die Strecke ist erstaunlich belebt: Mit knapp unter 17 Millionen Fahrgästen (Zahl aus 2024) gilt sie als meistverwendete Fußgängerfähre des Planeten. Allerdings ist sie in ihrer Brauchbarkeit für New Yorker, die nicht auf Staten Island leben oder arbeiten, eher eingeschränkt – Touristen freuen sich allerdings über die schönen „Views“ auf Manhattan und die Freiheitsstatue, an der es vorbeigeht.

U-Bahn-Station Brooklyn Bridge: Man muss in NYC nicht immer untertauchen, um vorwärts zu kommen.
(Bild: Ben Schwan / heise medien)
Deutlich interessanter für die Stadtbevölkerung sind die Angebote anderer Unternehmungen. Hier gibt es zwei zentrale Anbieter: NY Waterway, das im Hudson operiert, bei der Hafenbehörde von New York und New Jersey angesiedelt ist und die Verbindung zwischen New York City und verschiedenen Orten in New Jersey und dem Hudson-Tal herstellt, sowie NYC Ferry. Hinzu kommen kleinere Anbieter wie Seastreak – letztere Firma bewirbt ihr Angebot gar mit dem Werbespruch, „den zivilisiertesten Weg“ von New Jersey nach Manhattan zu bieten.
East-River-Hopping mit der Fähre
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Um NYC Ferry, das als öffentlicher Transportanbieter von einer privaten Fährengesellschaft operiert wird, soll es in diesem Text vor allem gehen. Denn dabei handelt es sich um die größte Flotte an Passagierschiffen in den Vereinigten Staaten, die den innerstädtischen Verkehr der 8,8-Millionen-Stadt stark erleichtern kann – zumindest, wenn man weiß, wie. Das Netzwerk von NYC Ferry deckt vorwiegend den East River ab, also den Bereich zwischen Manhattan, Brooklyn und Queens, in dem die meisten Menschen leben.

Fährterminal Pier 11/Wall Street: Ab hier geht es um die ganze Insel und darüber hinaus.
(Bild: Ben Schwan / heise medien)
Schließlich gibt es mit der Linie St. George noch einen (kostenpflichtigen) Konkurrenten zur Staten Island Ferry. Gefahren wird hier allerdings eine längere Strecke: Sie führt von Midtown West über die Battery Park City bis nach St. George auf Staten Island – und von dort geht es über Bay Ridge und Atlantic Avenue zurück zum zentralen Anleger an der Wall Street (Pier 11). Insgesamt betreibt der Fähranbieter sieben Linien – von Throgs Neck oben in der Bronx bis ganz nach Rockaway in Queens. Dabei ist auch ein Lokalverkehr (East River A und B), der Brooklyn und Teile von Queens mit Manhattan verbindet, plus Shuttle-Bus-Betriebe in Queens und Midtown Manhattan.
Kleine Kreuzfahrt zum Schnäppchentarif
Für eine teure Stadt wie New York City ist die Nutzung von NYC Ferry erstaunlich preiswert. Eine Fahrt in einer Richtung kostet 4,50 US-Dollar, inkludiert sind kostenlose Fährenwechsel bis zu 120 Minuten lang. Zur Einordnung: Wer die große Runde von Midtown West über Staten Island bis zum Pier 11 an der Wall Street absolviert, benötigt dafür 68 Minuten. Die längste Strecke im Netz, von der Bronx bis nach Rockaway in Queens, benötigt 120 Minuten, kann also schon fast als Mini-Kreuzfahrt gelten. Touristisch beliebt ist die Astoria Route. Sie führt an des Ostseite Manhattans entlang und „springt“ zwischendurch zwischen Queens/Brooklyn und der anderen Flussseite hin und her. Die Endpunkte sind Wall Street im Süden und East 90th Street im Norden. Die Kulisse ist je nach Wetter atemberaubend – und einen Ausflug auf die schöne Insel Roosevelt Island (die eine Seilbahn nach Manhattan besitzt) kann man ebenfalls empfehlen.

Fahrgäste-Ordnung am Fährterminal Pier 11/Wall Street: Nicht hübsch, aber funktional.
(Bild: Ben Schwan / heise medien)
Wer mehr als einmal fahren will, kann 10-Trip-Karten für 29 Dollar oder ein Zwei-Tages-Ticket für 15 Dollar erwerben. Den Kauf von Fahrkarten und die Reiseplanung erledigt man am einfachsten mit der offiziellen iOS- und Android-Anwendung von NYC Ferry, zudem enthalten die großen Karten-Apps den Live-Fahrplan. Wie in New York leider üblich, fehlt die Integration mit anderen Verkehrsmitteln: Die ab 2026 die Metrocard ablösende OMNY-Karte für U-Bahn und Bus funktioniert auf den Fähren nicht, wie man das schon bei den – erstaunlicherweise zum gleichen Verkehrsunternehmen gehörenden – Bahnen der Long Island Rail Road und Metro North kennt, die ebenfalls ihre eigene App (“TrainTime“) haben.
Über den Teich zum Uber-boaten
Wagen wir den Sprung zurück über den großen Teich ins britische London. Dort sind potenzielle Bootfahrer zunächst mit einem leicht verwirrenden Branding konfrontiert: Ausgerechnet der Fahrdienstvermittler Uber hat sich die „Naming Rights“ für den lokalen Themse-Schiffsverkehr gesichert, auch wenn er diesen selbst nicht betreibt. Die Flussfahrzeuge werden einfach nur Uber Boat genannt, weil die Stadt – genauer gesagt der Betreiber – mittels Sponsoring ein wenig Geld hereinholen wollte, ähnlich wie die Seilbahn in Greenwich erst „Emirates Air Line“ (nach der Fluggesellschaft aus den Emiraten) hieß und heute „IFS Cloud Cable Car“ (nach einem schwedischen Enterprise-Cloud-Anbieter) genannt wird.

Uber Boat beim Ablegen: Integriert ins Oyster-Card- und Contactless-System.
(Bild: Ben Schwan / heise medien)
Durchgeführt wird Uber Boat vom Flussverkehrsunternehmen Thames Clippers, das die Lizenz von Tranport for London (TfL) erworben hat. Die Firma wurde mittlerweile von einem Private-Equity-Unternehmen gekauft, nachdem sie einst dem Unterhaltungskonzern Anschutz gehört hatte, der die Anbindung seiner Konzerthalle (früher Millennium Dome, heute „The O2“) im Südosten Londons verbessern wollte. Daraus entwickelt hat sich mittlerweile ein stabiles Netzwerk aus 24 Anlegern – von Putney im Westen durch die ganze Innenstadt hindurch bis Barking Riverside im Osten. Zwar hat sich die West-Ost-Verbindung durch die Einrichtung der schnellen und komfortablen Elizabeth Line (vormals Crossrail genannt) mittlerweile stark verbessert. Das hilft Londonern aber nur dann etwas, wenn sich eine Station in der Nähe befindet. Ist der Zielort in Flussnähe – sei es nun Battersea, Waterloo oder Westminster –, kann der Uber-Boat-Trip auf der Themse immer noch die bessere Wahl sein. Hilfreich dabei ist, dass die Fähren insbesondere in den weniger stark frequentierten Bereichen des Flusses durchaus aufdrehen können: Die Katamarane, von denen inzwischen immerhin drei Diesel-Hybrid-Fähren sind, geben auf bis zu 28 Knoten Gas (Elektrobetrieb: 12 Knoten).
Drei Zonen und nicht ganz billig
Das Uber-Boat-Netz besteht aus drei Zonen: West, Central und East. An Fährlinien gibt es fünf, wobei sich diese überschneiden beziehungsweise nur zu bestimmten Zeiten unterwegs sind. Hier inkludiert ist eine Kurzverbindung (Ferry Crossing) zwischen Canary Wharf und Rotherhithe (RB4), wo man sich aber eher eine Brücke gewünscht hätte – immerhin fährt hier eine Elektofähre. Am besten angebunden ist Canary Wharf, wo auch viele Bahnlinien verfügbar sind. Es geht hier täglich bis Putney (RB6) sowie nach Barking Riverside mit allen Stationen (RB1). Etwas komplexer wird es Richtung Westen. Hier sollte man in der App nachsehen, ob der gewünschte Haltepunkt „off-peak“ (also außerhalb von Stoßzeiten) und an Wochenenden angefahren wird oder nicht. Teilweise muss man umsteigen, um etwa nach Battersea oder weiter zu gelangen.

„Respekt“-Tafel am Uber Boat: Verbale und körperliche Gewalt durch Fahrgäste gibt es leider auch auf dem Fluss.
(Bild: Ben Schwan / heise medien)
Die Reisezeiten sind unterschiedlich. So geht es von London Bridge nach Battersea in 37 Minuten, von Greenwich bis Tower in 23. Das Uber Boat nimmt entweder eigene Fahrkarten – am einfachsten per App zu erwerben – oder schlicht Contactless- und Oyster-Karte, was die Nutzung sehr bequem macht – Tap in und Tap out, fertig. Die Tarifierung liegt aber höher als bei Bahnen und Bussen. So werden zwischen Battersea und Canary Wharf beispielsweise mindestens 9 britische Pfund 50 aufgerufen, kürzere Strecken sind günstiger.
Der Fluss ist schon da
Die Beispiele London und New York zeigen, dass Boots-ÖPNV auf Stadtflüssen gut funktionieren kann. Und warum sollte man es auch nicht tun: Der Schiffsverkehr in diesen Bereichen ist meist touristisch und nur noch selten logistisch geprägt – und selbst dann können Boote, wie das Beispiel London zeigt, gut kooperieren und behindern sich selten. Der Transportweg Fluss ist zudem schlicht vorhanden und muss nur mit vergleichsweise kostengünstiger Infrastruktur (Fahrzeuge und gegebenenfalls neue Anleger) aufgerüstet werden.

Unterwegs mit dem Uber Boat auf der Themse: Geht schnell und ist einfach zu benutzen.
(Bild: Ben Schwan / heise medien)
Wie man es erstaunlich richtig machen kann mit gutem Fährverkehr, kann man übrigens in einer Stadt erleben, die sonst nur extrem unterdurchschnittlichen ÖPNV hat: In der Theme-Park-Metropole Orlando in Florida. Dort betreibt die „Experiences“-Abteilung des Disney-Konzerns auf dem eigenen Gelände um World Disney World herum zahlreiche kleine und größere Schiffe, die die Gäste von Park zu Park oder Hotel zu Hotel bringen. Das bietet sich – neben einem Monorail-, Seilbahn- und Bussystem – auch an, denn das Gelände mit Magic Kingdom, EPCOT, Hollywood Studios, Animal Kingdom sowie die Shopping-Anlage Disney Springs plus einem Sport- und Wasserpark ist gigantisch. Die Fahrgäste müssen dort übrigens keinen Cent zahlen, nicht einmal Parkeintrittskarten sind notwendig.
(bsc)
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Disney geht nach KI-generierten Star-Wars- und Marvel-Clips gegen Bytedance vor
Hollywood geht gegen eine neue KI-Software des Tiktok-Eigentümers Bytedance vor, die realistische Videoclips erzeugen kann. Disney schickte Bytedance wegen des KI-Modells Seedance 2.0 ein Unterlassungsschreiben. Der Konzern verwies dabei darauf, dass in den per KI erzeugten Clips unerlaubt Figuren etwa aus „Star Wars“ und dem Marvel-Superhelden-Universum vorkamen, wie in Branchenkreisen nach einem Bericht der Website „Axios“ bestätigt wurde.
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Seedance 2.0 hatte diese Woche zunächst mit einem per KI erzeugten Video, das die Hollywood-Superstars Tom Cruise und Brad Pitt im Kampf auf einem Hausdach zeigt, die US-Filmbranche aufgeschreckt. Der Chef des Branchenverbandes Motion Picture Association (MPA), Charles Rivkin, forderte Bytedance auf, Urheberrechte zu wahren.
Immer bessere KI-Videosoftware
Der in China ansässige Bytedance-Konzern hatte erst vor Kurzem das US-Geschäft von Tiktok an neue Investoren abgegeben – die Kontrolle über die Video-App im Rest der Welt aber behalten.
KI, die Videos aus Text-Vorgaben generieren kann, ist in den vergangenen Jahren immer besser geworden. So brachte der ChatGPT-Entwickler OpenAI im vergangenen Jahr mit Sora 2 eine Software heraus, bei der sich Nutzer nach einem kurzen Scan mit dem Smartphone auch selbst in kurze Videoclips einbauen können.
Disney gewährte OpenAI eine Lizenz zur Nutzung der Figuren des Konzerns in den Sora-Videos und investierte eine Milliarde Dollar in die KI-Firma. Gegen andere Entwickler gingen Disney und weitere Hollywood-Konzerne rechtlich vor.
Netflix zeigt keine Angst vor KI
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In der Branche gibt es insgesamt die Sorge, dass KI menschliche Kreativität verdrängen könnte, zum Beispiel da es billiger wird, Szenen am Computer zu generieren, als sie zu drehen. Netflix-Inhaltechefin Bela Bajaria gibt sich jedoch betont unbesorgt. Auch wenn der Clip mit Cruise und Pitt eine „coole Actionszene“ gewesen sei – „es ist nicht wirklich das, was Leute mit Geschichten verbindet“, sagte sie dem Fernsehsender CNBC. Emotionen und die Kunst des Geschichtenerzählens könne man nicht ersetzen.
Für Netflix wiederum werde es „nie darum gehen, etwas billiger zu machen“, versicherte die Managerin des Streaming-Riesen. Bei dem Dienst wurde KI bisher punktuell in einigen Produktionen eingesetzt. Netflix ist gerade im Übernahmekampf um das Hollywood-Urgestein Warner Brothers mit dem Rivalen Paramount. Mit deutschen Synchronsprechern liegt Netflix zudem im Clinch über die Verwendung von deren Aufnahmen für KI-Training und andere Zwecke.
(kbe)
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c’t-Story: Wenn Wünsche entgleisen | heise online
Es klingelte an der Tür. Zuerst einmal, zweimal, schließlich Sturm. Hilde erhob sich mühsam vom Fernsehsessel. Erbost über die Unterbrechung ihrer Lieblingssendung am frühen Samstagnachmittag ging sie zur Tür. „Hallo Hilde, darf ich hereinkommen?“, fragte eine junge Frau. Hilde musterte diese und schüttelte den Kopf: „Ist das der Enkeltrick? Ich habe keine Kinder! Oder wollen Sie mir etwas verkaufen? Ich kaufe nichts!“
„Nein, nein, ich bin es! Julia, die Tochter von Jens Neumann, vom Haus gegenüber.“
(Bild: Trude Trautmann )
Trude Trautmann, Jahrgang 1961, lebt mit ihrer Familie in Süddeutschland. Das schriftstellerische Handwerk hat sie in Schreibseminaren kennengelernt. Nun verwebt sie Beobachtungen aus ihrem Alltagsgeschehen sowie familiäre Erinnerungen zu abwechslungsreichen Kurzgeschichten unterschiedlicher Genres, zudem schreibt sie Gedichte und Reiseberichte. „Wenn Wünsche entgleisen“ ist nach „Gehirnmarathon“, das in Ausgabe 21/2024 erschien, ihre zweite c’t-Story.
Hilde erinnerte sich: „Du kannst jetzt nicht hereinkommen!“
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „c’t-Story: Wenn Wünsche entgleisen“.
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Mini-Gaming-PC Asus ROG NUC 15 im Test: Zockerbiest mit Nvidia RTX 5080
Starke Leistung im schlanken Gehäuse: Der Mini-Gaming-PC Asus ROG NUC 15 wartet mit RTX 5080 Mobile und Intel Core Ultra 9 auf.
Zocken auf einem echten Gaming-Rechner, aber ohne riesiges Gehäuse und komplexen Zusammenbau: Dieses Erlebnis versprechen Mini-Gaming-PCs, wie der Asus ROG NUC 15, der mit einer echten dedizierten Laptop-GPU aufwartet. Konkret handelt es sich um eine Nvidia Geforce RTX 5080 Mobile, die zusammen mit dem eingesetzten Intel Core Ultra 9 275HX richtig Alarm machen kann. Dazu gibt es bis zu 32 GB Arbeitsspeicher (RAM) und eine 2 TB große SSD.
Mit seinem schlanken Gehäuse kann er sich zwar gut verstecken, muss das aber nicht, wenn es um die Leistung geht. Der PC ist kaum größer als eine Konsole. Dennoch behält man sich die Flexibilität eines klassischen x86-Systems. Dafür lässt sich der Hersteller aber auch fürstlich entlohnen: Für die Maximalvariante sind über 2800 Euro fällig. Wir zeigen im Test, was man dafür bekommt. Das Testgerät hat uns der Hersteller zur Verfügung gestellt.
Ausstattung: Welche Hardware bietet der Asus ROG NUC 15?
Im Asus NUC ROG 15 schreitet ein Intel Core Ultra 9 275HX (Vorstellung: Anfang 2025) zur Tat, der auf 24 Kerne zurückgreifen kann. Diese setzen sich aus acht Performance-Kernen (P-Kerne; Intel Lion Cove) sowie 16 Effizienz-Kernen (E-Kerne; Intel Skymont) zusammen. Während die P-Kerne bis zu 5,4 GHz takten dürfen, beschränken sich die E-Kerne auf 4,6 GHz. Die auf High-End-Gaming ausgelegte Arrow-Lake-HX-CPU ist im N3B-Prozess (3 Nm) bei TSMC gefertigt.
Ihre standardmäßige TDP (Thermal Design Power) beträgt 55 W, kann im Boost aber auch auf bis zu 160 W ansteigen. Die maximale Betriebstemperatur liegt bei 105 Grad Celsius.
Die iGPU Intel Graphics bietet lediglich vier Xe-Kerne und taktet mit 300 bis 1900 MHz. Sie wird ebenfalls bei TSMC im N5P-Prozess gefertigt. Eine NPU für KI-Aufgaben ist ebenfalls an Bord mit 13 TOPS (Int8). Die CPU bietet 36 TOPS (Int8).
Zusätzlich zur integrierten Grafik gibt es beim ROG NUC 15 eine dedizierte Grafikkarte von Nvidia. Dabei handelt es sich um eine mobile dGPU, wahlweise die RTX 5060, 5070, 5070 Ti oder 5080. In unserem System steckt die 5080 Mobile mit 16 GB GDDR7 Speicher und 1334 TOPS (Int8) basierend auf der Blackwell-Architektur. Der GB203-Chip ist ebenfalls im N5P-Verfahren in 5 Nm bei TSMC gefertigt und bietet 8192 Kerne sowie 64 Raytracing-Kerne und 256 Tensor-Kerne. Damit ist er der Desktop-5070-Ti ähnlicher als der Desktop 5080 (6144 vs. 10.752 Kerne). Sie kann bis zu 150 W TDP erreichen und unterstützt DLSS4. Ihr Kerntakt liegt zwischen 975 und 2287 MHz, die Speicherbandbreite ist 256 Bit, womit bis zu 896 GB/s möglich sind.
Unser Testsystem bietet 32 GB DDR5-RAM, der in zwei 16 GB große SO-DIMM-Module mit 6400 MT/s aufgeteilt ist. Diese können ausgetauscht und insgesamt auf maximal 96 GB aufgerüstet werden. Die Basisvariante verfügt über zwei 8 GB große Module, also 16 GB insgesamt. Bei der SSD handelt es sich um eine 2 TB große M.2-SSD mit PCIe x4.0 im Format M.2-2280. Ausweislich des Speicherbenchmarks Crystaldiskmark schreibt sie mit 6441 MB/s und liest mit 6983 MB/s. Das ist sehr ordentlich. Leider belegt sie den PCIe-5.0-Slot des ROG NUC, der zweite M.2-Slot ist frei, kann aber nur PCIe 4.0.
An Anschlüssen bietet der ROG NUC 15 Thunderbolt 4/USB4 mit Diplayport 2.1, viermal USB-A 3.1 sowie je zweimal HDMI 2.1 und Displayport 2.1. Außerdem gibt es eine Ethernet-Schnittstelle mit 2,5 Gbit/s. Zur Vorderseite hin gibt es USB-C 3.2, 2x USB-A 3.1 sowie eine Klinkenbuchse (3,5 mm).
Drahtlos arbeitet das Gerät mit Wi-Fi 7 und Bluetooth 5.4, wobei als WLAN-Chipsatz eine Intel Killer BE1750x zum Einsatz kommt. Für kabelgebundene Internetverbindungen gibt es den Intel Killer E3200G.
Performance: Wie schnell ist der Asus ROG NUC 15?
Seit Kurzem gibt es für unseren klassischen Büro-Benchmark PCMark 10 ein neues Update. Die Ergebnisse aus dem Workflow der neuen Version 2.x sind allerdings nicht mehr mit denen des bisherigen Workflows 1.x vergleichbar, worauf Entwickler UL Solutions explizit im Changelog hinweist. Aus diesem Grund geben wir bis auf Weiteres die Ergebnisse beider Versionen an, um die Vergleichbarkeit mit zuvor getesteten Systemen aufrechtzuerhalten.
Bei Version 1.x kommt der Asus ROG NUC 15 im Mittel auf 8649 Punkte mit Spitzen bei 8813 und 8306 Punkten. Der neue Workflow führt zu deutlich höheren Ergebnissen, im Mittel sind es hier 10.743 Punkte mit Ausreißern bei 11.223 und 10.000 Punkten. Bei 3DMark Time Spy gibt es 20.813 Punkte, die sich aus 22.052 GPU- und 15.789 CPU-Punkten zusammensetzen. Das ist ein deutlich höherer Score, als bei unserem großen Desktop-Gaming-PC mit AMD Ryzen 7 5800X3D und RTX 3070 Ti. Dieser kam nur auf etwas mehr als 13.000 Punkte.
Im Benchmark Cinebench R24 erreicht das System 130 Punkte im Single-Core und 1986 Punkte im Multi-Core. Der plattformübergreifende Benchmark Geekbench 6 gibt Scores von 3018 (Single-Core) und 20.066 Punkten (Multi-Core) aus. Beim OpenCL-Test erreicht die iGPU 19.120 Punkte, die dGPU 213.857 Punkte.
Asus ROG NUC 15 – Bilderstrecke
Bei einem Mini-Gaming-PC nicht fehlen dürfen natürlich auch die Spieletests. Alle unsere Standardtitel zum Test laufen auf dem System mit hohen Framerates in Full-HD. Anno 1800 kommt in ultrahohen Einstellungen bei 2-facher Kantenglättung und ohne FSR (Fidelity FX Super Resolution) auf 56 bis 60 FPS. Bei Counter Strike bekommen wir selbst in höchsten Einstellungen teils über 300 FPS auf Mirage. Dabei ist vierfaches MSAA aktiviert.
The Witcher 3: Wild Hunt läuft auf dem ROG NUC 15 bei aktiviertem Raytracing ebenfalls butterweich. Bei der konkreten FPS-Anzeige gibt es hier allerdings Probleme, sodass wir keinen Wert erhalten. Die Performance kann sich aber absolut sehen lassen, Ruckler bemerken wir keine.
Einzig Probleme beschert uns Cities Skylines 2, das zwar mit ebenfalls 50 bis 60 FPS glänzt im mittleren Preset, allerdings nach kurzer Zeit komplett einfriert. Wir können uns zwar ins Hauptmenü per ESC-Taste zurück retten, das Problem tritt allerdings immer wieder auf – auch in niedrigeren Settings.
KI: Wie gut ist die NPU des Asus ROG NUC 15?
Neuerdings testen wir bei kompatiblen Systemen auch die KI-Leistung mit einem echten Benchmark. Dafür nutzen wir Procyon, der ebenfalls von UL Solutions stammt und sich als quasi-Nachfolger von PCMark 10 anschickt – der Büro-Benchmark wird aber erstmal weiter unterstützt. Procyon bietet gleich dreierlei verschiedene Tests für die KI-Leistung in verschiedenen Bereichen: Image Generation, Text Generation und Computer Vision.
Dabei können wir wählen, ob wir die iGPU, dGPU oder NPU für den Durchlauf nutzen – manchmal auch die CPU. Welche davon verfügbar sind, hängt vom sogenannten Werkzeugkit ab, welches für jeden Grafikkartenhersteller unterschiedlich ist. Unter Windows kann das allgemeine Toolkit von Microsoft ONNX-Runtime DirectML verwendet werden, jedoch ist es nicht in der Lage, die NPU anzusteuern.
Wir beginnen beim Test zur Bildgenerierung mittels Stable Diffusion 1.5 Light, wo die iGPU 779 Punkte über Intels OpenVINO erreicht. Mit der NPU über OpenVINO gibt es 787 Punkte. Die RTX 5080 erzielt hier einen Score von 32.485 Punkten über TensorRT. Mit der ONNX-Runtime erhalten wir 19.470 Punkte.
Kommen wir nun zum Bereich der Textgenerierung mit LLMs (Large Language Models). Hier bietet Procyon die Modelle Phi 3.5, Mistral 7B, Llama 3.1 und Llama 2.
Zunächst wählen wir hier nur die NPU über OpenVINO aus und erhalten 312 (Phi), 280 (Mistral), 256 (Llama 3.1) und 252 Punkte (Llama 2). Mit der iGPU landen wir bei 372 Punkte mit Phi, 316 mit Mistral, 296 mit Llama 3.1 und 294 mit Llama 2. Anschließend testen wir die dGPU noch mit Microsofts ONNX-Runtime, wobei wir 3851 Punkte mit Phi und 3793 Punkte mit Mistral erzielen. Auf Llama 3.1 entfallen 3382 und auf Llama 2 3746 Punkte.
Wir überprüfen abschließend die Leistung noch im Bereich Computer Vision: Hier erreicht die NPU 392 Punkte bei Float16-Präzision mit OpenVINO. Mit Microsofts Windows ML Float32 sind es 333 Punkte, die iGPU schafft hier auf 145 Punkte. Die CPU kommt mit OpenVINO Float32 auf 236 Punkte. Die dedizierte Grafik zeigt 1374 Punkte mit TensorRT Float32 sowie 949 Punkte mit Microsoft Windows ML Float32.
Unsere Tests zeigen, dass die NPU nicht wesentlich stärker als die Grafik ist. Das ist aber auch gewollt: Es geht vielmehr darum, alltägliche KI-Anwendungen wie Autokorrektur, Text-to-Speech, Gesichtserkennung oder auch Microsofts Recall nahezu unbemerkt im Hintergrund zu betreiben.
Verbrauch: Wie hoch ist die Leistungsaufnahme des Asus ROG NUC 15?
Der Verbrauch des ROG NUC 15 liegt erheblich höher als bei klassischen Mini-PCs. So wird das Gerät bereits mit einem 330-W-Netzteil ausgeliefert und allein die TDP der dGPU liegt bei über 100 W. Im Idle ohne Last bezieht der Mini-Gaming-PC zumeist 40 bis 45 W. Unter Last steigt dieser auf 270 bis 309 W. Zum Vergleich: Beim Minisforum MS-S1 Max (Bestenliste) mit AMD Ryzen AI Max+ 395 (16C/32T) messen wir 5 und 7 W bei ruhendem Desktop. Bei maximaler Belastung steigt der Verbrauch kurzzeitig auf 210 W, bevor er sich dann auf 175 W einpendelt.
Lüfter: Wie laut ist der Asus ROG NUC 15?
Die Lautstärke eines Mini-Gaming-PCs ist immer im Kontext seiner Leistung zu sehen: Eine dedizierte Grafik ist zwar flotter, verursacht dafür aber auch deutlich mehr Hitze. Dafür, wie stark der ROG NUC 15 ist, geht die verursachte Lautstärke vollkommen in Ordnung. Im Idle bewegt sich das System leicht hörbar bei 34 bis 36 dB(A). Unter Volllast durch den Stresstest von Aida64 sind es dann bis zu 43 dB(A), was wir für die Leistung im Rahmen finden.
Beim Takt startet das System zunächst mit 4,3 GHz, die Temperatur liegt bei 90 Grad. Im weiteren Verlauf pendelt er sich bei 2,3 GHz ein, womit die Temperatur auf 82 Grad absinkt, später sogar auf 74 Grad bei gleichbleibendem Takt.
Software: Welches Betriebssystem ist auf dem Asus ROG NUC 15 installiert?
Auf dem ASUS ROG Nuc 15 ist Windows 11 in Version 24H2 vorinstalliert. Das System kommt ohne zusätzliche Bloatware, die Lizenz ist aktiviert. Unser routinemäßiger Virentest mit Windows Defender bleibt ohne Malware-Befund. Auch der Betrieb von Linux auf dem System ist möglich. Wir deaktivieren dafür zunächst Secure Boot, da wir sonst nicht ohne MOK-Key-Enrollment von USB-Stick starten können. Das BIOS lässt sich mittels F2-Taste aufrufen, F10 führt zur Boot-Übersicht.
Danach wählen wir auf unserem Ventoy-USB-Stick das auf Ubuntu basierende Tuxedo OS aus. Nach kurzer Einrichtung kommen wir zum KDE-Desktop und können dort WLAN, Bluetooth und Audio nutzen. Auch die Auflösung wird richtig erkannt. Leider aber wacht das System aus dem Standby-Modus nicht mehr zuverlässig auf. Ein Umstand, den wir auch beim Minisforum MS-S1 Max bemängeln mussten. Die Grafik hängt sich auf und der Mauszeiger fliegt stotternd über einen schwarzen Hintergrund. Hier hilft nur das Zwangs-Aus per Power-Button.
Gehäuse: Wie ist die Verarbeitung des Asus ROG NUC 15?
Das Gehäuse des ROG NUC 15 besteht aus wertig verarbeitetem, schwarzem Kunststoff. An der Seite findet sich Öffnungen zur Luftzufuhr sowie ein transparentes Element, durch welches die integrierte RGB-Beleuchtung zu sehen ist. Diese hat die Form des ROG-Logos und leuchtet in Regenbogenfarben. Die gegenüberliegende Seite ist hingegen durchgehend schwarz und ist durchzogen vom ROG-Schriftzug, welcher gleichzeitig eine Lüfteröffnung ist.
Das Gehäuse ist so konstruiert, dass der PC vertikal ausgerichtet ist. Dafür ist ein stabiler Standfuß angebracht. Die Maße betragen 56,5 x 282,4 x 187,7 mm.
An die Komponenten im Gehäuseinneren kommt man nach dem Lösen von fünf Schrauben: Eine davon befindet sich bei den rückwärtigen Anschlüssen, eine an der linken Seite und drei auf der Unterseite. Danach lässt sich das Gehäuse einfach aufschieben. Dabei sollte man etwas vorsichtig sein, um nicht das Kabel der Beleuchtung im Seitenteil abzureißen.
Preis: Was kostet der Asus ROG NUC 15?
Unser Testgerät stellt mit Intel Core Ultra 9 275HX, Nvidia Geforce RTX 5080 Mobile und 32/2000 GB die Maximalkonfiguration des ROG NUC 15 dar. Der Preis dafür liegt bei satten 2857 Euro. Andere Varianten mit dieser CPU gibt es mit RTX 5070 oder 5070 Ti für 2200 Euro oder 2204 Euro. Die Basisvariante mit Intel Core Ultra 7 255HX, RTX 5060 und 16/1000 GB erhält man ab 1779 Euro.
Fazit
Der Asus NUC ROG 15 ist ein mehr als beeindruckender Mini-Gaming-PC mit viel Leistung im kompakten Konsolen-Formfaktor. Das Tandem aus Nvidia-GPU und Intel-Ultra-CPU sorgt für viel Spielspaß. Zudem hat Asus das System von der Kühlung gut abgestimmt, sodass der PC nicht zu laut wird, aber auch sein Potenzial ausschöpfen kann. Verarbeitung und Anschlussausstattung tun ihr Übriges.
Der Mini-Gaming-PC ist bei allem Lob aber definitiv nichts für schmale Geldbeutel. Denn mit über 2800 Euro für unsere Variante, in jedem Fall aber über 1700 Euro für die Basisvariante, befinden sich die Kosten in astronomischen Höhen. Dafür bekommt man ein gut austariertes System mit einem hervorragenden Gesamtpaket.
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